CROSSROADS – PAKT MIT DEM TEUFEL/CROSSROADS

Walter Hill erzählt eine kleine, feine Geschichte aus dem Delta...

Der Junge Eugene (Ralph Macchio) ist Student der klassischen Gitarre an einer von New Yorks führenden Konversatorien – der Juilliard School. Insgeheim jedoch ist er ein Blueser mit einer Vorliebe für klasssichen Deltablues der 30er und 40er Jahre.

Nachdem er herausfindet, daß eines seiner Idole, der Harpman Willie Brown (Joe Seneca), in einem Altenheim einsitzt, nimmt er dort einen Job als Aushilfskraft an, um an Brown heranzukommen. Brown will unbedingt raus aus dem Heim, er muß zurück an die Kreuzung (Crossroads), an der er – wie einst der Großmeister des Deltablues, Robert Johnson – einst dem Teufel seine Seele verkauft hat. Eugene seinerseits ist davon überzeugt, daß Johnson zusätzlich zu den bekannten 29 Songs, die er aufnahm, einen weiteren hatte, der verschollen ist. Brown macht sich Eugenes Begeisterung zunutze und verspricht ihm den vergessenen Song, wenn er ihn rausbringt.

Die beiden machen sich auf den Weg nach Süden, hin zur Wiege dessen, was man den Deltablues nannte, mitten hinein nach Mississippi. Unterwegs ersteht Eugene eine „richtige“ Bluesgitarre und einen Lautsprecher, er und Willie geben unterwegs Straßenkonzerte, lernen die junge Frances (Jami Gertz) kennen, in die sich Eugene verliebt, die die beiden ein Stück Wegs begleitet und dann wieder verschwindet. Jetzt erst beginnt Eugene zu begreifen, was der Blues eigentlich ist: Die Straße und eine gebrochene Liebe.

Schließlich erreichen er und Willie die Kreuzung und treffen dort Legba, einen Voodooteufel(?), der Willie das Angebot macht, ihm seine Seele zurück zu erstatten, wenn Eugene bereit ist, gegen einen von Legbas neuen Errungenschaften anzutreten. Gewinnt Eugene, sind er und Willie frei, sollte er verlieren, gehört auch seine Seele Legba. Eugene willigt ein und tritt gegen den Gitarristen Jack Butler (Steve Vai) an, den er schließlich dadurch besiegen kann, indem er ein klassisches Stück von Paganini interpretiert, das Butler nicht kennt und bei dessen komplizierten Läufen er Eugene nicht mehr folgen kann.

Eugene und Willie sind frei.

Etwas angestaubt, dieses Feel-good-Movie mitten aus den 80er Jahren. Aber es bewegt immer noch und es macht immer noch Spaß, zuzuschauen, wie Ralph Macchio versucht, auf seinem tragbaren Lautsprecher mit der Gitarre einen Zug zu imitieren…

Walter Hill, sonst eher auf krachige Action und auch düstere Sujets festgelegt, drehte mit CROSSROADS (1986) eine poppige Hommage an den Blues. Entstanden ist eine Mischung aus Musikfilm (wie er zuvor, mit STREETS OF FIRE/1984, bereits einen gedreht hatte), Road-, Buddy- und Love-Movie. Und einer coming-of-age-Story, die speziell an den „Fluß“ des Blues angelegt ist. Daß das alles irgendwann, vor allem zum Ende hin, wenn Steve Vai, langjähriger Gitarrist bei Frank Zappa, loslegt und zeigt, warum er in den 80er und 90er Jahren große Aufmerksamkeit als technisch hochversierter Guitarhero bekam, nicht mehr allzu viel mit Blues, gleich gar nicht mit dem Deltablues zu tun hat – geschenkt. Manche mochten Vais Spiel allerdings schon damals nicht, ist es doch enorm vertrackt und brilliant, oftmals aber auch steril und kalt, ohne Herz, mit wenig Soul, worauf es dem Blues ja weitaus mehr ankommt, als auf reine Virtuosität. Der Weg jedoch, hin zur Kreuzung, wird zu einer herrlichen Bluesreise oder, besser: einer herrlichen Reise zum und in den Blues. Eugene wird auf dieser Reise von Willie Brown praktisch erzogen, zum Bluesman gemacht. Er lernt, daß man die Straße kennen muß, daß man den Hunger kennen muß und die Anfeindungen und die Gefahr und – vielleicht das Wesentlichste – man muß die Liebe und den Schmerz kennen, die sie verursachen kann. So erst wird man zum Bluesman. Und um all das irgendwo zu starten, muß man zunächst den Zug kennen: Man muß ihn perfekt imitieren können, ob mit der Mundharmonika oder eben mit der Gitarre. Wer den Sound nicht kennt, nicht kann, den die Straße, das Unterwegssein selbst produziert, der kennt und kann den Blues auch nicht.

Das alles sind natürlich Klischees (so wie der berühmte „verschollene“ Song Johnsons, für den der Film schließlich eine sehr gute Lösung bietet; so wie die Crossroads selbst; so wie all die Geschichten von den Männern, die den Frauen nachjaulen), aber man hat den Eindruck, daß Hill genau darauf Lust hatte: Den alten Klischees nachzuspüren, zu schauen, was sich aus ihnen heute noch generieren läßt und dann festzustellen, daß man – ganz in der Tradition von John Fords LIBERTY VALANCE – lieber die Legende zeigen sollte, als die wahrscheinlich weitaus profanere und eben auch ödere Realität.

Und das alles ist – wenn nicht gerade Originale gespielt werden – unterlegt mit dem exquisiten Soundtrack von Ry Cooder, der öfters für Walter Hill tätig war, hier natürlich mit seinem begnadeten Slide-Gitarrenspiel absolut in seinem Element ist.

Der Film macht anderthalb Stunden einfach Spaß, er unterhält, er fängt den Zuschauer ein und macht – ganz nebenbei – unbändige Lust auf Bluesmusik. Und genau das soll er ja auch.

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