SCHNEE AM KILIMANDSCHARO/THE SNOWS OF KILIMANJARO

Ein echter Tearjerker - ein klischeehaft typisches Melodrama der 1950er

Der Schriftsteller Harry Street (Gregory Peck) liegt, an einer üblen Verletzung darbend, am Fuße des Kilimandscharo in einem Zelt, umsorgt von seiner Frau Helen (Susan Hayward), und wartet auf Hilfe.

Während er und Helen sich gegenseitig angiften, verfällt Harry immer wieder in Fieberträume und läßt so sein leben Revue passieren, erinnert sich vor allem an die große Liebe seines Lebens, Cynthia (Ava Gardner), der er einst in Paris begegnete. Eine freie und stolze Frau, die ihn schließlich verließ, weil sie sein unstetes Leben – von Paris nach Afrika nach Madrid nach Paris usw. – nicht mehr ertrug, schließlich sogar durch einen selbstverschuldeten Treppensturz sein Kind verlor.

Harry vertrieb sich die Zeit mit allerhand Liebschaften, darunter die Gräfin Liz (Hildegard Knef/Hildegarde Neff) – doch vergessen konnte er Cynthia nie. Als er sie – eher aus Versehen hineingeraten, denn aus Überzeugung – im spanischen Bürgerkrieg wiedertraf, sterbend in einem brenneden Auto, hatte er zumindest noch einmal die Möglichkeit, ihr seine Liebe zu gestehen. Rast- und ruhelos durchstreifte er hernach die Welt, bis er zufällig Helen begegnete, die er mit Cynthia verwechselt und schließlich geheiratet hat.

Sein Onkel Bill (Leo G. Carroll), der in seinem Leben eine Art männliche Instanz war, der er alle paar Jahre Rechenschaft ablegte, gibt ihm ein Rätsel auf: In Gipfelnähe des Kilimandscharo habe man das Skelett eines Leoparden gefunden, von dem niemand weiß, wieso er überhaupt so weit in der Höhe war? Hat er eine Beute verfolgt und dabei den Weg verloren?

So kamen sie schließlich hierher, wo Harry sich die vermeintlich tödliche Verletzung zugezogen hat. Helen merkt schließlich, daß Harry sterben wird und sieht sich genötigt, allein eine lebensrettende Maßnahme durchzuführen, indem sie das eiternde Bein aufschneidet. Harry erwacht, erkennt, was seine Frau für ihn getan hat und daß sie eben keine billige Imitation von Cynthia ist, sondern die Frau, die ihn ehrlich liebt und die er ehrlich lieben sollte…

Hemingways Stories und Romane wurden von Hollywood natürlich nur allzu gern aufgegriffen und verfilmt, versprachen sie doch fast alles, was es für echte Abenteuerfilme, Romanzen und Dramen brauchte: Harte Kerle, große Lieben, exotische Schauplätze. Kein Wunder also, daß man aus einer  introspektiven Kurzgeschichte von knapp 30 Seiten mit Hilfe großer Stars, eines Regisseurs, der Sinn für große Stories hatte und Bildern, die große Schauwerte versprachen, einen echten Kassenknüller der A-Liga zu machen beabsichtigte.

Und welches Gefühl könnte schon größer sein als – Katharsis? Harry Street, der zwar ein erfolgreicher Schriftsteller ist, sich aber für gescheitert hält, muß sie durchlaufen, muß Rechenschaft und Beichte ablegen, um aus der Nähe des Todes zurückzukehren und in den Armen seiner Frau ein neues, ehrlicheres Leben zu beginnen. Daß Hemingways Geschichte weitaus mehr zu bieten hat, als eine Aneinanderreihung von Frauengeschichten, daß sein Harry Street (ein Alter-Ego?) vor allem versucht, sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie sein schrifstellerisches Werk hätte aussehen MÜSSEN, damit es in seinen Augen Bestand gehabt hätte, der sich müht, all das im Kopf zu ordnen, was noch der Bearbeitung wert gewesen wäre – all das läßt der Film geflissentlich fallen. Zwar deutet dieser Film-Harry-Street hier und da an, daß sein künstlerisches Schaffen außer Geld nicht viel gebracht habe, aber Peck vermittelt nie den Eindruck, daß er darunter sonderlich leide. Käme nur Cynthia zurück, so das Credo des Film-Harrys, alles wäre gut!

Man sieht dem Film deutlich an, daß er Hemingways Story als Blaupause nutzt, um seinen Stars Peck und Gardner passsende Rollen zu geben und dem Zuschauer mondäne und aufregende Bilder von Europas schönsten Ferienorten und Afrikas Flora und Fauna zu bieten. Gerade letztere sind größtenteils auch wirklich gelungen, wobei allerdings einige Szenen, die offensichtlich aus einkopierten Bildern der Stars bestehen, reichlich lächerlich wirken. Vor allem die Nilpferdsafari zu Anfang des Films ist solange beeindruckend, wie man nicht Peck mit einer Kamera in einem Kanu stehend vor einer Hintergrundprojektion der schwimmenden Nilpferde sieht. Aber seis drum – der Film will vor allem eine Romanze zeigen.

Ein Schriftsteller in den europäischen Wirrnissen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Wie Hemingway selbst, ist Street anfangs als Journalist unterwegs, mausert sich dann zum gefeierten Autoren; wie Hemingway, betrachtet er sich als gescheiterten Schriftsteller, der als Mann immer größere Leistungen von sich fordert, immer größere Herausforderungen sucht. Und schließlich sterbend am Fuße des afrikanischen Berges liegt, in der Hoffnung, ein Rätsel zu lösen, daß sein Onkel ihm auf dem Sterbebett aufgegeben hatte. Was in der Vorlage zu einem nicht mehr aus Realität und Fiebertraum entwirrbaren Todestrip auf den Berg wird, wo Street schließlich seine Erfüllung findet, indem er in das Mysterium des Leoparden nahezu eintaucht, haben wir es im Film mit einer Art libidinösen Lebensbeichte zu tun: Erst wenn der Autor seiner Ehefrau alle seine Liebschaften und Fehltritte gebeichtet hat, sie also gleich dem Gift, das ihn zu töten droht, ausgeschieden hat, erst wenn der Eiter des „falschen Lebens“ ihn verlassen hat, ausgedrückt von der liebenden Gattin, die ihn nun sozusagen zum zweiten Male rettet – diesmal physisch, beim ersten Mal psychisch/seelisch – erst dann kann Street, geläutert, endlich in der Liebe Erlösung finden.

Für solch einen Stoff ist Henry King natürlich genau der richtige Regisseur gewesen. Große Stars, große Bilder, große Gefühle. So weiß er dem Film ein gutes, manchmal wirklich rasantes Timing zu geben, er setzt die Höhepunkte gekonnt, er bietet uns Schauwerte, die wir gern betrachten. Und – eine seiner Stärken – er stattet diesen Harry Street mit genügend Ambivalenz aus, um ihn einerseits glaubwürdig, andererseits interessant zu machen. So sehen wir ihn immer wieder in Situationen, in denen wir durchaus erkennen können, daß dieser Mann selbstsüchtig ist, auch durchaus menschenverachtende Züge hat und über wenig Idealismus verfügt.

Das ist die eigentliche Leistung des Films: Zumindest in dieser Schriftstellerfigur ein faires und der Realität nicht vollkommen abholdes Portrait des Vorlagengebers zu zeichnen. Das wäre mit einem anderen Schauspieler denn Gregory Peck sicherlich auch besser gelungen. Peck konnte spielen, wenn er wollte, doch ganz sicher konnte er nicht alles spielen. Diese Figur, die der einzigen Frau im Camp mitten in der Wildnis zynisch Küsse verspricht, um an den Whiskey zu gelangen, nimmt man ihm nur bedingt ab. Und ganz sicherlich eher in den Szenen an der Riviera oder im kunstvoll nachgebauten Paris, denn auf den Schlachtfeldern Spaniens oder in der Wildnis. Wo er meist allerdings nichts weiter zu tun hat, als stöhnend auf einem Klappbett zu liegen.

Der Film ist ein riesiger Erfolg gewesen und wenn man ihn heute schaut, merkt man, wie weit das Kino sich gerade von den Schmonzetten der 50er Jahre entfernt hat. In mancherlei Hinsicht sind uns die „realistischen“ Filme der 30er oder 40er Jahre, wie Warner Bros.´ Gangster- und harte Sozialstreifen, näher, als die „großen“ Starvehikel der 50er. Die Problematik eines Mannes, der sein künstlerisches Werk duch etliche Prüfungen jedweder Art bezeugen muß – selten, daß wir mit diesen Problemen konfrontiert sind. So ist THE SNOWS OF KILIMANJARO (1952) meist ein Ärgernis, manchmal unfreiwillig komisch und bestenfalls ein Anschauungsobjekt für die letzten Zuckungen des „goldenen Hollywood“, bevor die ganze Chose den Bach runterging.

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