THE COUNSELOR

The winner takes it all...manchmal weiß man leider nicht, wer das ist, der Gewinner - ein unentschlossenes Werk von Ridley Scott

Der Counselor (Michael Fassbender) liebt Laura (Penélope Cruz), für die er in Amsterdam bei einem Juwelier (Bruno Ganz) einen enorm teuren Diamanten erwirbt. Laura nimmt seinen Heiratsantrag an.

Der Counselor berät Leute, mit denen er nur über Dritte in Kontakt steht, vornehmlich scheinen es Unterweltgrößen zu sein, denen er beratend zur Seite steht.

Sein Geschäftspartner, der Drogenboss Reiner (Javier Bardem), wirft ihm vor, nicht genug aus seinen Möglichkeiten zu machen, er sei klug, einflußreich, weil er über Insider-Kenntnisse verfüge, und zudem risikobereit, was man in seinem Business sein müsse. Außerdem habe er mit Laura bald eine Braut, die hohe Ansprüche habe. Reiner, der mit der schönen aber undurchsichtigen Malkina (Cameron Diaz) verbandelt ist, die wiederum mit Laura Freundschaft schließt und dieser einen Eindruck davon verschafft, was für einen enormen Wert deren Verlobungsring darstelle, vermittelt dem Counselor den Kontakt zu Westray (Brad Pitt).

Westray, ein Spieler, der das ganz große Rad zu drehen scheint, rät dem Counselor von einem Geschäft mit den Mexikanern ab, da diese vollkommen skrupellos seien und vor nichts zurückschreckten. Er erzählt dem Counselor von einem Snuff-Film, den er gesehen habe, auf dem ein Mann, der dafür bezahlt habe, schreckliche Dinge mit einer Frau anstelle, die vor laufender Kamera enthauptet wurde. Trotz dieser Warnungen geht der Counselor auf das Geschäft mit dem Drogenkartell ein. Der Mittelsmann ist ein Anwalt in Mexiko-Stadt, Jefe (Rubén Blades).

Der Counselor wird gebeten, den Sohn einer Klientin aus dem Gefängnis zu holen, der dort wegen Geschwindigkeitsübertretung auf eine Kaution von 400 Dollar wartet. Kaum entlassen, betätigt sich der junge Mann als Kurier für die Kartelle. Er hat den Plan für etliche Geld- und Goldreserven auf einem Stick, den zwei zwielichtige Gestalten sich auf äußerst brutale Art und Weise besorgen.

Die Ladung Drogen wird ebenfalls auf ihrem Weg durch die USA abgefangen und entführt, wobei auch Unschuldige ums Leben kommen. Da beides – der Mord an dem Kurier und die Entführung der Drogenladung – miteinander in Zusammenhang zu stehen scheint, wird der Counselor dafür verantwortlich gemacht. Man gibt ihm ein äußerst knapp bemessenes Ultimatum, die Ware zurückzuholen.

Ohne daß der Cousnelor es erfährt, stellt sich heraus, daß Malkina hinter den diversen Intrigen steht. Sie versucht an Westrays Geld zu kommen, an die Daten seiner Konten und das Drogengeld. Die Drogen sind verschwunden, das Kartell konzentriert sich auf den Counselor, so kann Malkina, nachdem sie sich des nun überflüssigen Reiners entledigt hat, um Westray kümmern, der sich nach London abgesetzt hat. Dort wird er Opfer eines fürchterlichen Attentats, bei dem ihm sein Koffer mit seinen Daten entwendet wird.

In den Staaten wird derweil Laura entführt, als sie sich mit dem Counselor treffen will. Dieser hat sich in eine Spelunke in El Paso, schließlich Ciudad Juárez, zurückgezogen. Er telefoniert mit Jefe, der ihm kühl, fast zynisch mitteilt, daß er, der Counselor, der sich für so klug halte, die Spielregeln nicht durchschaut habe. Die Welt, in der er sich (und Laura) vermutet habe – eine saubere, schöne Welt, in der er sich auch eines ehemaligen Klienten, den er nicht mag, unhöflich entledigen konnte – sei längst verlassen, aber er sei auch schon nicht mehr in der Welt der Verhandlungen, sondern bereits in einer düsteren und brutalen Welt der Vergeltung.

Der Counselor bittet, bettelt und winselt schließlich um Lauras Leben, doch Jefe teilt ihm mit, daß es gar keinen Sinn mehr habe und der Counselor sich lächerlich mache, wenn er glaube, hier noch etwas ausrichten zu können. Er habe sich abzufinden, um in der Welt, in der er nun lebe und aus der er nie mehr austreten könne, zurechtzukommen.

Einige Tage später liegt auf der Schwelle des runtergekommen Hotelzimmers, in dem er sich versteckt, eine DVD mit einem Gruß. Die DVD wird einen Film enthalten.

Lauras Leiche wird auf einer Müllkippe abgeladen.

Malkina trifft sich in Frankreich mit einem alten Verehrer, den sie schätzt und dem sie mitteilt, sie beide sollten aus den diversen Geschäften, in die sie verwickelt seien, zurückziehen. Sie habe genug Geld, um den Rest ihrer Tage damit gut verleben zu können. Auf seinen Einwand, die Spur des Geldes sei nachvollziehbar und sie seien niemals sicher, entgegnet sie, sie habe eine todsichere Methode entdeckt, ein Vermögen mit sich zu führen. Eine Freundin habe sie darauf gebracht: Diamanten…

Als im Januar 2012 bekanntgegeben wurde, daß der als Genie der (post)modernen amerikanischen Literatur geltende Cormac McCarthy sein erstes Originaldrehbuch veräußert habe und kurze Zeit später die Information an die Öffentlichkeit drang, daß mit Ridley Scott eines der als Genies geltenden Filmemacher des postmodernen Kinos die Regie übernehmen würde, war einerseits die Vorfreude auf dieses kongeniale Werk enorm, andererseits die Erwartung dementsprechend hoch. Und wie es meist mit so hohen Erwartungen ist, können sie nur in den allerseltensten Fällen vollumfänglich erfüllt werden. Das mit Michael Fassbender und Cameron Diaz in den Hauptrollen, mit Javier Bardem, Penélope Cruz und Brad Pitt in wesentlichen, sowie Bruno Ganz u.a. selbst in kleinen Nebenrollen hochkarätig besetzte Thrillerdrama erfüllt schließlich in seiner glänzenden Düsternis eher den Anspruch des geneigten McCarthy-Lesers, denn den des Anhängers von Scotts weit gestreuten filmischen Sujets, die er in den allermeisten Fällen stilistisch hochklassig umzusetzen versteht.

Das Publikum erlebt den Niedergang eines Mannes, offensichtlich eines Juristen, der sich seiner selbst, seiner Arbeit, seines Geschmacks, seiner Überzeugungskraft, Anziehung und Ausstrahlung allzu sicher ist. Ein Verehrer des Schönen, ein Ästhet, der bei all seiner Brillanz den Entschluß gefasst hat, sich der dunklen Seite anzuschließen, statt seine Fähigkeiten bspw. in den Dienst der Gerechtigkeit zu stellen. Ohne je zu erfahren, worin das genaue Wirken des Mannes eigentlich liegt, verstehen wir schnell und eher instinktiv, daß er sich mit Kräften eingelassen hat, die möglicherweise auch für seine Kragenweite eine – mindestens eine – Nummer zu groß sind. Und wir begreifen, parallel zu ihm, daß er diese Kräfte vollkommen falsch einge- und also unterschätzt hat. Als er das ganze Ausmaß seines Irrtums erfasst, ist es längst zu spät, hat er längst Unheil über sich und die gebracht, die er liebt. Denn die, mit denen (oder der) er meinte, ein Spiel spielen zu können, in dem schneller und hoher Profit möglich ist, sind ihm immer mindestens einen Schritt voraus, haben offenbar ganz andere Pläne, als er sie hatte und vollkommen andere Mittel, ihre Pläne umzusetzen. Und auch diese Pläne werden uns nie letztgültig offenbart. Selbst als in den letzten Momenten des Films die ganze abgrundtiefe Bosheit und Perfidie, denen er aufgesessen ist, ans helle Licht der französischen Sonne kommt, bleibt da ein erheblicher Rest Zweifel, was da eigentlich abgelaufen ist.

Allerdings bleibt uns dieser namenlose, lediglich als „Counselor“ – also Anwalt, hier eher Berater – titulierte Mann, wie nahezu alle anderen Figuren des Films, so fremd und distanziert, daß sein Schicksal kaum zu berühren vermag. Von allem Anfang an – und Scotts Regie, bzw. Pietro Scalias Schnitt, macht es dem Zuschauer nicht einfach, den genauen Anfang dieser Geschichte exakt zu bestimmen, denn mit dem ersten Bild des Films sind wir längst mitten im Geschehen – ahnt, nein weiß man, daß diese Sache bös enden wird. Also rätselt man, wie der Film in fast zwei Stunden Laufzeit dahin kommen wird, wo er vermutlich hin will, und welche Scheußlichkeiten wir unterwegs gewärtigen müssen. Doch nimmt man die Schicksale all dieser Männer, die blutig und grausam enden, eher mit akademischem Interesse und einer gewissen Faszination am Morbiden zur Kenntnis, als daß man ihnen emotional begegnen würde. Von der Titelfigur abgesehen, die uns zwar in zärtlicher Zuneigung zu ihrer Verlobten Laura – von Penélope Cruz mit all der Anmut, Schönheit und Eleganz ausgestattet, die ihr zu eigen ist –, ansonsten aber gerade in der ersten Hälfte des Films nur in professionellen Zusammenhängen gezeigt wird, treten die Protagonisten fast ausschließlich in ihren Funktionen auf und bleiben uns so maximal entfernt. McCarthy stattet sie mit allerhand philosophischen und pseudo-philosophischen Dialogen und Monologen aus, lässt sie teils zumindest tiefsinnig Scheinendes, teils reinen Machoblödsinn reden. Doch hinter all dem affektierten Gerede, das literarischen Figuren zugestanden werden kann, bei Filmgangstern, die ansonsten wie aufgeblasene Wrestling- oder Wild-West-Chargen wirken, eher clownesk denn bedrohlich, jedoch lächerlich wirkt, sind diese Figuren hohl.

Vielleicht ist es genau das, was McCarthy dem Publikum vermitteln will: Daß wir es mit aufgeblasenen Kerlen zu tun haben, die in der „normalen“ Welt wahrscheinlich Verlierer, Kretins, arme Schweine wären, es aufgrund eines eklatanten Mangels an Empathie und aufgrund einer erstaunlichen Skrupellosigkeit in einer anderen, dunkleren Welt jedoch sehr weit gebracht haben. Allerdings scheint McCarthy mit dem gleichen Furor in klassischer Noir-Manier nachweisen zu wollen, daß sich Verbrechen nicht auszahlt, zumindest nicht für die allermeisten. Zugleich stellt er eine fast boshafte Faszination an den Regeln, ja, der Grammatik dieser dunklen Welt aus. Wenn Jefe dem Counselor fast mit Lust in der Stimme erklärt, wie sich das so verhält mit den Wahlmöglichkeiten, und daß er, der Counselor, eben längst nicht mehr in der Welt lebt, in der er sich gestern noch verortete, daß man meist den Übergang aus der einen in die andere Welt gar nicht mitbekommt und erst begreift, wenn man mit den unausweichlichen Konsequenzen seines Handelns, seiner Entscheidungen konfrontiert wird, dann hat das in der Intensität der Dialogzeilen und der, mit der Rubén Blades sie vorträgt, sowie der, mit der Michael Fassbender ihnen lauscht und nach und nach begreift, was das für seine Verlobte – und für ihn – bedeutet, schon einen erlesen sadistischen Zug.

McCarthy, der für die Vorlage solcher Werke wie NO COUNTRY FOR OLD MEN (2007) und THE ROAD (2009) verantwortlich zeichnet, stand noch nie im Verdacht, mit besonderer Menschenliebe ausgestattet zu sein. Von Härte, manchmal Misantrophie und gelegentlichem Zynismus sind seine Außenseiterportraits und Geschichten aus dem amerikanischen Westen geprägt. Er steht damit in der Tradition einer langen Reihe ausgesprochen düsterer amerikanischer Autoren wie Jim Thompson, Patricia Highsmith und anderen Vertretern des Noir, aber auch eines Charles Bukowski. Die harte Haltung gegenüber Menschen kontrastiert McCarthy mit oft ausgreifenden Landschaftsbeschreibungen, die seine Geschichten entfremden aber auch mystifizieren und in größere, manchmal undurchschaubare Zusammenhänge einbetten. Obwohl er auch hier die Weite der texanischen Einöde nutzt, scheint es doch eher die Ästhetik der Oberflächen künstlicher Welten zu sein, die er ausstellen will. Die Welten, in denen sich all diese Protagonisten bewegen, die Dinge, mit denen sie sich umgeben – seien es Autos, sei es Schmuck oder seien es Einrichtungsgegenstände oder Lebewesen, wie die Wildkatzen, die Malkina sich hält – , sind erlesen, schön, ästhetisch eindrucksvoll. Wie ein Kontrapunkt zu der seelischen Verkommenheit ihrer Bewohner wirken sie und markieren zugleich die massive Oberflächlichkeit, die Leere dieser Menschen. Reich, scheinbar unbezwingbar – und doch ist niemand hier glücklich, will jeder ein Mehr, das zu erreichen nahezu unmöglich erscheint. Folgerichtig entspricht die Absteige, in der der Counselor schließlich strandet, in ihrer Schäbigkeit denn auch seinem Seelenzustand, nachdem ich, das ganze Ausmaß dessen bewußt geworden ist, was er angerichtet hat. Dieser Mann hat hoch gepokert und verloren, das Wesen, die Regeln dessen, was er getan, was er gespielt hat, hat er nie wirklich verstanden. Nicht einmal das Wesen der Liebe, die er für Laura empfunden haben mag, der er aber nur mit weiterem Reichtum Ausdruck verleihen konnte, scheint er durchdrungen zu haben. In dieser Welt, in diesen Welten, wie McCarthy sie malt, gibt es keine Tiefe, es gibt keine Freundschaft, keine Zuneigung, keine echte Seelenverwandtschaft, wahrscheinlich gibt es nicht einmal eine Seele. Es gibt lediglich  Niederträchtigkeit, Hass, Illoyalität und Verrat. The Winner takes it all…

Lediglich Lauras Schicksal gestaltet McCarthy – mit ihm die Regie – so, daß wir Mitgefühl entwickeln können. Es ist mit Abstand das wohl grausigste Schicksal, folgen wir den Beschreibungen, die Westray in der Gestalt des einmal mehr auch in einer „kleinen“ Rolle überzeugenden Brad Pitt an den Counselor hinsichtlich dessen, was in den Snuff-Filmen der mexikanischen Drogenmafia zu sehen ist, weitergibt. Es gelingt Buch und Regie allerdings hervorragend, genau diese Gräueltat eben nicht zu zeigen, sondern ganz der Phantasie des Counselors – und damit der des Publikums – zu überlassen. Ridley Scott ist genügend Meister seines Fachs, um zu wissen, was er zeigen kann, was er zeigen muß – und was er niemals zeigen darf. Scott neigt oft dazu, seine Filme mit verschiedenen Schnittfassungen auszustatten. Selbst Klassiker wie BLADE RUNNER (1982) wurden etliche Male in „Director´s Cut“- oder angeblich endgültigen Fassungen veröffentlicht und wieder aufgeführt, andere Werke, bestes Beispiel ist KINGDOM OF HEAVEN (2005), verändern ihr ganzes Wesen in den längeren Fassungen und werden dadurch erst zu guten Filmen[1]. Hier wirkt es so, als habe Scott erneut wesentliches aus der Handlung herausgeschnitten, um den Film in ein kinotaugliches Format zu bekommen. Doch wie man es dreht – THE COUNSELOR ist und bleibt sicher eins von Scotts weniger aufregenden Werken, einfach, weil es zu inkohärent erscheint. Ridley Scott hat neben seinen „Großwerken“ wie ALIEN (1979), dem erwähnten BLADE RUNNER, 1492: THE CONQUEST OF PARADISE (1992) oder GLADIATOR (2000) immer schon kleinere, scheinbar schnell gedrehte Filme hergestellt, die aber eine ganz eigene, außergewöhnliche Qualität aufwiesen. BLACK RAIN (1989) steht dafür, wie auch BLACK HAWK DOWN (2001), der eher durch die Zeitläufte zu einem solchen wurde und ganz besonders BODY OF LIES (2008), der einer der geschicktesten und hintersinnigsten Agententhriller der jüngeren Vergangenheit ist. THE COUNSELOR bringt Vieles mit, was ihn ebenfalls prädestiniert, in diese Reihe aufgenommen zu werden und scheitert doch. Vielleicht hat sich das Duo McCarthy/Scott zu viel vorgenommen, vielleicht war es am Ende auch einfach nicht genügend Scotts Werk, um den Regisseur mit letzter Überzeugung zu packen. So bleibt dies ein loses Ende, ein offenes Werk, das in manchen Momenten andeutet, welche Brillanz es hätte haben können, das in manchen Momenten sogar brillant ist, das als Ganzes aber leider nicht überzeugen kann, weil es zu wenig Inhalt unter zu viel Oberfläche präsentiert. Form schlägt Inhalt, könnte man sagen – womit eine der häufigsten Kritikpunkte an der Postmoderne aufgegriffen wäre. Doch sollte es das Anliegen dieser Geschichte gewesen sein, genau dies darzustellen, muß man konstatieren, daß genau das nicht gelingt. Man kann etwas nicht einfach nur dadurch kritisieren, indem man es darstellt, ohne kritische Distanz, ohne Bruch oder Pointe. Hier läuft ein Uhrwerk ab und dieses Uhrwerk bei seiner Tätigkeit zu beobachten ist weder spannend, noch unterhaltsam, es ist nicht einmal sonderlich erhellend. So bleibt THE COUNSELOR ein uneingelöstes Versprechen.

[1] Der Fall von KINGDOM OF HEAVEN ist dabei sicher äußerst krass, da der Film wirklich seine komplette Haltung verändert, eine komplett andere Stoßrichtung erhält, wenn man die später auf DVD veröffentlichte Langfassung mit der deutlich kürzeren Kinofassung vergleicht. Weniger drastisch und dennoch bezeichnend ist es bspw. bei ROBIN HOOD (2010).

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