MEUTEREI AUF DER BOUNTY/MUTINY ON THE BOUNTY (1935)
Großes, ganz großes KINO
1787 sticht die HMAV BOUNTY von Portsmouth aus in See. Sie tritt eine auf zwei Jahre angelegte Expeditionsreise in die Südsee an. Sie soll Nutzpflanzen, vor allem Brotbaumpflanzen, in Tahiti laden. Das Kommando an Bord führt Captain William Bligh (Charles Laughton), ihm untersteht eine ganze Riege von Offizieren, allen voran der Erste Offizier Fletcher Christian (Clark Gable), der anders als der Kapitän ein ausgeglichenes Verhältnis zur Mannschaft hat.
Die Besatzung, darunter der junge Seekadett Roger Byam (Franchot Tone), ist nicht sonderlich gut auf Bligh zu sprechen, da der schon vor Fahrtantritt deutlich macht, dass er sein Regiment an Bord mit äußerster Härte zu führen gedenkt. Teile der Besatzung wurden unter zweifelhaften Umständen zwangsrekrutiert und sind ausgesprochen unwillig. Zudem ist die Mannschaft für ein Schiff wie die BOUNTY zu groß, es herrscht eine bedrückende Enge auf dem Schiff.
Während der Fahrt tritt immer stärker Blighs Sadismus zu Tage. Er lässt mehrfach Männer durch den Bootsmann Morrison (Wallis Clark) auspeitschen. Oftmals sind es kaum nachweisebare oder äußerst geringe Vergehen, die die harte Prügelstrafe nach sich ziehen. Christian bemüht sich immer wieder um Ausgleich zwischen dem Kapitän und der Mannschaft, hat aber wenig Erfolg. Nachdem einer der Männer nach der „Behandlung“ durch Morrison stirbt, gibt es erste ernsthafte Querelen innerhalb der Mannschaft, die Christian nur mit Mühe unterdrücken kann.
Bligh lässt Byam während eines Sturms in die Wanten klettern, wo er den Ausguck besetzen soll. Der junge Mann droht dort oben zu erfrieren, Fletcher Christian kann ihn gerade noch retten, mit Hilfe des Bordarztes Dr. Bacchus (Dudley Digges) gelingt es ihm, den völlig erschöpften Mann halbwegs gesund zu pflegen.
Als Bligh die Essensrationen kürzt, kommt es erstmals zu einem ernsten Wort zwischen ihm und seinem ersten Offizier. Bligh erklärt Christian, er wisse genau, wie er ein Schiff zu führen habe. Man müsse die Mannschaft hart rannehmen und jederzeit beweisen, dass man bereit sei, mit äußerster Brutalität vorzugehen. Das sorge für Ordnung und Gehorsam an Bord. Christian solle sich besser jedweden Urteils enthalten. Der erwidert, Bligh sei von Geiz und Gier getrieben und enthielte allein deshalb der Mannschaft das ohnehin knapp bemessene Essen vor.
Als die BOUNTY in Tahiti anlangt, bestraft Bligh seinen Ersten Offizier, indem er ihm den Landgang verweigert. Christian erklärt gegenüber Byam, dass er annimmt, Bligh wolle ihn provozieren, so dass er eine Dummheit, eine Straftat beginge und Bligh ihn hinrichten lassen könne.
Auf Tahiti trifft Bligh sich mit dem Inselhäuptling Hitihiti (Bill Brambridge), mit dessen Tochter Tehani (Movita Castaneda) Byam anbändelt. Durch die Fürsprache des Häuptlings darf auch Christian zumindest für einen Tag das Schiff verlassen und auf die Insel. Christian lernt die Enkelin des Häuptlings, Maimiti (Mamo Clark), kennen und verliebt sich in sie.
Kaum hat die Rückfahrt gen England begonnen, fährt Bligh mit seinem Schreckensregiment fort. Nachdem er ihn trotz seines schlechten Gesundheitszustands zum Appell hat antreten lassen, stirbt Dr. Bacchus, es kommt erneut wegen Lappalien zu Auseinandersetzungen mit Christian und mehrere Männer werden wegen Desertion in Ketten gelegt und misshandelt.
Für Fletcher Christian ist das Maß nun voll. Mit einer Handvoll Gleichgesinnter unter den Matrosen, bringt er das Schiff unter seine Kontrolle. Byam, der aus einer klassischen und traditionsbewussten Seefahrerfamilie stammt, greift Christian für die Meuterei an. Christian lässt ihn inhaftieren. Dann setzt er Bligh und dessen Getreue in eine Barkasse, gibt ihnen so viel Wasser und Proviant mit, wie er glaubt, dass sie ihn brauchen um zu überleben, und setzt sie auf dem offenen Ozean aus. Er und seine Mit-Meuterer segeln die BOUNTY zurück nach Tahiti. Unterwegs entledigen sie sich der verhassten, überall an Bord aufgestellten und gelagerten Brotbäume, die sie über Bord werfen.
Dort kann sich Christian mit dem aus seiner Haft entlassenen Byam versöhnen. Christian heiratet Maimiti in einer Inselzeremonie, bald darauf wird sie schwanger. Byam seinerseits tut sich erneut mit Tehani zusammen, die ihm schließlich das Ja-Wort gibt.
Bligh gelingt es derweil, die Barkasse mit all seinem in Jahrzehnten auf See errungenen Können und Wissen sicher nach Timor zu segeln. Er verliert unterwegs lediglich einen Mann, was einem Wunder gleicht. Kaum an Land, beginnt er, eine Mannschaft zusammenzustellen, um erneut gen Tahiti zu segeln und die Meuterer festzusetzen.
Als ein britisches Schiff vor Tahiti kreuzt, glaubt Christian sich entdeckt. Er beschließt, mit der BOUNTY weiter zu segeln, möglichst auf unbekanntes Land, um der ihn sonst sicher ereilenden Strafe durch die britische Admiralität zu entgehen. So flieht Christian mit einigen seiner Getreuen und deren tahitianischen Frauen und den gemeinsamen Kindern und findet schließlich die auf den meisten Seekarten nicht abgebildete Insel Pitcairn. Hier angelangt, verbrennen die Meuterer die BOUNTY, um alle Brücken hinter sich abzubrechen.
Byam und einige andere Männer der BOUNTY sind auf Tahiti zurückgeblieben, da sie Heimweh haben und nach England zurückkehren wollen. Doch wie von Christian befürchtet, segelt das britische Schiff, das vor Tahiti kreuzt, unter Blighs Kommando. Der lässt die Briten festnehmen und nach England verschiffen, um sie dort vor Gericht zu stellen. Die Frauen und Kinder müssen auf der Insel zurückbleiben.
In England werden die Meuterer vor Gericht gebracht und zum Tode verurteilt. Byam hält eine flammende Rede, in der er nicht nur sich zu verteidigen sucht, indem er wahrheitsgemäß erklärt, die Meuterei verhindert haben zu wollen, sondern auch dem als Zeugen auftretenden Captain Bligh schwere Vorwürfe hinsichtlich dessen Mannschaftsführung macht. So verteidigt Byam letztlich auch Fletcher Christian, der sich gegen diese Art des Regiments an Bord aufgelehnt habe.
Alle Meuterer werden hingerichtet, lediglich Byam entgeht schließlich diesem Schicksal, da er einen Fürsprecher hat, der Gehör beim König findet. Bligh verliert jegliches berufliches und gesellschaftliches Ansehen, während Byam wieder anheuert und seine Offizierslaufbahn fortsetzen kann. Dabei kann er feststellen, dass sich in der britischen Marine einiges geändert hat: Die Offiziere gehen nun weitaus besser mit ihren Untergeben um.
Die „Meuterei auf der Bounty“ ist die wahrscheinlich berühmteste Meuterei, die es in der Geschichte der christlichen Seefahrt gegeben hat. Verbürgt ist sie für den April 1789, als der Offizier Fletcher Christian gegen seinen Freund, den formalen Kapitän William Bligh – der tatsächlich den Rang eines Lieutenant (Kapitänleutnant) bekleidete und dem die Admiralität jenen des Kapitäns aus Kostengründen verweigerte, was zu Blighs Verbitterung beigetragen haben dürfte – aufbegehrte, nachdem es auf der bisherigen Reise nach Tahiti – rund um die Südspitze Afrikas, durch den südlichen Indischen Ozean nach Tasmanien und von dort weiter zum Ziel im Südpazifik – zu mehreren disziplinarischen Maßnahmen gegenüber der Mannschaft gekommen war, die mit großer Brutalität durchgeführt wurden. Die Bounty war für die lange Reise und den Auftrag, Brotbäume aus der Südsee in die Karibik zu bringen, wo die neuartige Pflanze als Nahrung für die Sklaven dienen sollte, ein im Grunde zu kleines Schiff. Ihre Besatzung – von den ursprünglich 29 vorgesehenen auf 45 Mann aufgestockt – bestand kaum aus echten Seeleuten, sondern vor allem aus verurteilten Verbrechern und unter dubiosen Umständen Verpflichteten. Wahrscheinlich wurde Christian durch einige Matrosen angestiftet; nach allem, was man weiß, hatte er desertieren und das Schiff verlassen wollen. Allerdings stand Desertion im Strafkatalog der britischen Marine nicht sehr weit hinter „Meuterei“ und hätte wie diese mit dem Tode bestraft werden müssen. Als es erst einmal zur Meuterei gekommen war, mussten Bligh und einige ihm Getreue die mitgeführte Barkasse besteigen. Mit geringem Proviant und wenig Wasser machte sich Bligh mit seinen Männern auf den Weg. Es gelang ihm innerhalb von 48 Tagen mit lediglich einem einzigen Todesopfer (was einem Wunder gleichkam), das Boot nach Kupang/Timor zu lotsen, eine Reise von nahezu 6.700 Km. Von Timor aus konnten er und seine Männer England erreichten. Die Bounty hingegen lief zunächst erneut Tahiti an, wo sich einige Matrosen bei den Einheimischen sehr wohl gefühlt hatten. Christian und einige andere verliebten sich sogar ernsthaft in eingeborene Frauen. Doch bot die Insel keinen Schutz. Es war offensichtlich, daß die zu erwartende Such- und Strafexpedition der englischen Admiralität hier zuerst suchen würde. So segelten Christian und einige andere – acht Mann der ursprünglichen Bountybesatzung, sowie einheimische Taihitianer, darunter recht viele Frauen – weiter, durchkreuzten den Südpazifik und fanden auf der auf den meisten Karten falsch eingetragenen Insel Pitcairn schließlich ein Zuhause. Die Bounty hatten sie bewußt auf Grund gesetzt und schließlich angezündet. Nachfolger dieser gemischten Urbevölkerung der Insel leben auch heute noch dort.
Über die Zustände in der englischen Marine des 18. Jahrhunderts sollte man sich keinen Illusionen hingeben, es war harte Arbeit und der durchschnittliche Matrose hatte wenig zu lachen. Die Reisen waren lang und gefährlich, man hatte es mit Stürmen, oftmals kriegerischen Auseinandersetzungen und in südlicheren Gefilden oft mit vollkommen fremden Krankheiten zu tun. Ein Leben war wenig wert. Zucht und Ordnung galten als A und O auf den Schiffen und wurden mit großer Strenge und Härte durchgesetzt. Die Geschehnisse rund um die Bounty trugen maßgeblich dazu bei, daß sich diese Zustände zumindest besserten. Doch wie so oft, sind die Dinge in der Wirklichkeit eher grau und nicht so schwarz-weiß, wie sie erscheinen mögen. Und manchem wohl besser in den Kram gepasst hätten. Heute – und auch schon zu dessen Lebzeiten, wie man weiß – wird Blighs Leistung, die Barkasse diese enorme Strecke, meist über das offene Meer, lediglich mit den nötigsten Instrumenten ausgestattet, mit wenig Verpflegung und Wasser und dabei ohne höhere Verluste sicher in einen Hafen zu steuern, als das maßgebliche Ereignis der ganzen Angelegenheit betrachtet. Was er vollbrachte, war eine navigatorische Meisterleistung und zeigte, dass er ein hervorragender Seemann gewesen ist. Seine Meriten hatte er sich immerhin unter Kapitän James Cook auf dessen 3. Südsee-Expedition als Master, also Navigator und Steuermann, verdient. Nach Cooks Tod war es Bligh, der die Resolution sicher nach England segelte. Die während dieser Reise von Bligh angefertigten Seekarten waren von solch hoher Qualität und Genauigkeit, dass sie teils noch im 20. Jahrhundert Verwendung fanden. Auch war es keineswegs so, daß Bligh ein sadistisches Monstrum gewesen ist, dem die Männer massenweise von der Fahne gingen. Im Rahmen dessen, was damals nicht nur gestattet, sondern Usus war, verhielt Bligh sich durchaus den Regeln konform und war auch bereit, gesetztes Strafmaß zu unterlaufen. So wandelte er das sichere Todesurteil für Deserteure schon mal in zwei Dutzend Hiebe mit der neunschwänzigen Peitsche um. Das macht ihn sicher zu keinem Heiligen, doch ein ausgemachter Unmensch ist er wohl nicht gewesen. Als ursächlich für die Entwicklungen an Bord betrachten Historiker heute eher die Größe des Schiffes, die mangelhafte Vorbereitung auf die Expedition und die schwierige Zusammensetzung der Mannschaft.
Eine Geschichte mit Potential, keine Frage. Daß Hollywood beizeiten bereit sein würde, das Abenteuer der Meuterer der Bounty mit seinen Mitteln zu erzählen, erklärt sich von selbst. Das MGM-Studio ließ 1935 also ein echtes mit Clark Gable und Charles Laughton garniertes Hochglanzprodukt vom Stapel, das im Folgejahr etliche der wesentlichen Oscar-Nominierungen einheimste und schließlich den für den ‚Besten Film‘ gewann. Ein enormer Erfolg, auch an der Kinokasse. Sieht man den Film heute, Jahrzehnte nach seiner Erstaufführung, erstaunt es schon, wie überzeugend er noch immer ist, vor allem in seinen actionreichen Szenen, wenn die Bounty, später die Barkasse, in schwere See oder Sturm geraten. Ohne Umwege und erstaunlich wenig romantisch, hält er sich recht genau an die Vorlage – eine englische Romantrilogie von Charles Nordhoff und James Norman Hall aus den 1930er Jahren, die äußerst populär war.
Laughton – einer der führenden Schauspieler seiner Zeit – bot mit seiner Interpretation des Kapitän Bligh sicher eine seiner besten Leistungen; Gable, hier ohne sein klassisches Menjou-Bärtchen, zeigt in jeder Leinwandminute, warum er einst der „König von Hollywood“ genannt wurde, der heute längst vergessene Franchot Tone lässt den von ihm gespielten Roger Byam glaubwürdig zwischen seiner Freundschaft zu Christian, seinem Eid auf den König und seinem Glauben an die Marine und deren Werte verzweifeln. Generell ist der Film gut gecastet, die Seeleute sehen wie Seeleute aus, die Raubeinigkeit der Mannschaft wirkt überzeugend. Und sollte ein genauer Beobachter in einer der Szenen bei der Einschiffung aufmerken, weil da doch ein Seemann James Cagney verteufelt ähnlich sieht, so sollte er sich nicht wundern, denn es ist tatsächlich Cagney. Er hatte sich – spaßeshalber – von seinem Kumpel Frank Lloyd, dem Regisseur der MUTINY ON THE BOUNTY den dialogfreien Part für einen Tag geben lassen. Doch dies nur als Schmankerl nebenbei.
Der Film überzeugt also sowohl mit seinen Darstellern, als auch mit seinen Bauten und Kulissen, die zu seiner authentischen Wirkung enorm beitragen, und schließlich auch mit der wirklich atemberaubenden Kameraarbeit des Kameramanns Arthur Edeson, die dem Film Bilder von hoher Intensität verleiht. Auch hier müssen die Szenen bei Sturm und hohem Seegang besonders hervorgehoben werden, aber auch jene, in denen das Schiff bei Flaute von den Männern in den den Beibooten gezogen wird, bis sich endlich die Segel mit Wind füllen. Sehr nah geht die Kamera an die in der Takelage arbeitenden Matrosen heran; selten, daß ein Film dem Publikum so genau zeigt, was Seemannsarbeit eigentlich bedeutet: Bei Wind und Wetter in die Wanten klettern, Segel raffen oder einholen, vertäuen, das Deck sichern, auch wenn der Kahn krängt und durch schwere Wellen rollt. Es ist beeindruckend, wie Lloyd und Edeson all dies einfangen und präsentieren. Doch ebenso gelingt es ihnen lebhaft, das alltägliche Leben an Deck zu zeigen: Die Ausbeute von Fischjagden, das Flicken von Netzen, cas Säubern des Decks, das Ausbessern des Schiffes. Dabei werden auch die ganz alltäglichen Gefahren dieses Lebens gezeigt, wenn ein Mann über Bord geht und kaum einer es mitbekommt.
Der Film erzählt seine Story sehr geradlinig. In der ersten Stunde werden uns die wesentlichen Figuren unter den Reisenden vorgestellt, sobald das Schiff in See gestochen ist, werden die vielen Hundert Meilen anhand einer Reihe von disziplinarischen Maßnahmen abgebildet, die Bligh im Laufe der Zeit an einzelnen Seemännern durchführen lässt. Ist Tahiti erst einmal erreicht, spitzt das Drehbuch den Konflikt auf einen immer persönlicheren zwischen Bligh und Christian zu, bei dem Byam vermittelnd einzugreifen versucht. Eindeutig ist der Film in seinen Zuweisungen: Hier der sadistische, an die Züchtigung als erzieherische und disziplinarische Maßnahme glaubende Bligh – dort Fletcher Christian, der sich der Problematik eines zu kleinen Schiffes bei gleichzeitig erzwungener Mannschaft vollauf bewußt ist, eher ein Freund der Seemänner als ein Vertreter der Admiralität und ihrer Offiziere. Zudem setzt der Film natürlich voll auf die körperlichen Zeichen seiner Hauptdarsteller: Laughton – klein, untersetzt, mit Hang zur Fettleibigkeit, nicht unbedingt eine Schönheit, ganz sicher kein männlicher „Star“ im engeren Sinne Hollywoods – lässt Bligh teils verschlagen, schwerfällig und ein wenig gehandicapt wirken; Gable – gut aussehend, durchtrainiert, sich mit Schwung und Eleganz über das Schiff bewegend – gibt Christian als Helden, als Freund des kleinen Mannes, und beweist mit seiner ganzen Präsenz, daß und warum er damals dem entsprach, was heute ein „Superstar“ genannt wird. Diese eindeutige Auslegung der Charaktere – Byam als eine Art Ziehsohn beider Kontrahenten dazwischen, von Bligh fürchterlich gestraft, als der ihn bei Sturm wegen eines geringen Vergehens, einer Vergeßlichkeit, in die Wanten schickt, den Christian unter Einsatz seines Lebens dann schließlich rettet – ermöglicht natürlich eine völlige Konzentration auf die Entwicklung des Konflikts und den vorläufigen Höhepunkt der Meuterei.
Danach, und das erstaunt, nimmt der Film sich aber fast mehr Zeit, die Leistung Blighs zu würdigen, denn den Meuterern bei ihrer Suche nach dem Glück der Freiheit zu folgen. Das unter anderem macht ihn auf erstaunliche Weise ebenso unromantisch wie unsentimental. Wenn Christian mit einer flammenden Rede seine Mitverschwörer überzeugt, die Bounty zu vernichten und somit den Weg zurück in die Zivilisation abzuschneiden, kommt dies neben den früheren Szenen auf Tahiti – mit der dortigen Annäherung zwischen Christian und Maimiti (Mamo Clark) und Byam und dessen Gespielin – der Romantik eines Hollywoodfilms noch am nächsten. Aber dies ist in erster Linie ein gradliniger Abenteuerfilm, der Spannung und Action ernst nimmt. Und seine Geschichte ebenfalls. So werden wir schließlich auch Zeugen davon, wie Byam, nachdem er auf Tahiti aufgegriffen und mit den letzten verbliebenen Männern der Bounty nach England verbracht wurde – übrigens von Bligh höchstselbst, was nicht den Tatsachen entsprach – vor dem Seegericht ein flammendes Plädoyer halten darf, in welchem er erklärt, daß Christian sich nach allen Regeln britischen Seerechts natürlich falsch verhalten habe, sein Anliegen jedoch in jeder Hinsicht berechtigt gewesen sei. Nach über zwei Stunden Laufzeit wird uns also nicht nur die gesamte ausufernde Geschichte der Meuterei berichtet, sondern auch didaktisch Erbauliches mit auf den Weg gegeben. Wie es sich für einen gelungenen Hollywoodfilm der 30er Jahre, der nicht gleich dem Genie des großen Ernst Lubitsch entsprang, eben auch gehört.
Ein Film wie Raoul Walshs CAPTAIN HORATIO HORNBLOWER (1951) und viele andere ähnliche Abenteuerfilme verdanken MUTINIY ON THE BOUNTY viel in der Darstellung der Arbeit an Bord, der zwar alltäglichen, aber eben auch spannenden, weil abenteuerlichen Handgriffe und Tätigkeiten. Aber auch der Inszenierung der Schiffe auf See. Die ist hier sehr viel dynamischer und realistischer, als z.B. in den Piraten- und Seeräuberfilmen mit Errol Flynn. Vergleicht man diese Interpretation schließlich mit der nächsten Verfilmung des Stoffes, die Lewis Milestone 1962 mit Marlon Brando als Fletcher Christian und Trevor Howard als Captain Bligh realisierte, sticht die frühere Bearbeitung doch positiv hervor. Die ganze Dramaturgie wirkt überzeugender, klarer, die Inszenierung weniger schwerfällig, das Gesamtprodukt unprätentiöser. Dies ist eins der gelungensten Beispiele dafür, warum die 1930er Jahre oft als das ‚goldene‘ Jahrzehnt Hollywoods bezeichnet wurden. Großes Kino. Einfach großes Kino.