BORN TO BE WILD – SAUMÄSSIG UNTERWEGS/WILD HOGS

Schwulenwitze, Alteherrenwitze, fade Witze, maue Witze...es nimmt kein Ende

Die vier Freunde Doug Madsen (Tim Allen), Woody Stevens (John Travolta), Bobby Davis (Martin Lawrence) und Dudley Frank (William H. Macy) – alle Männer in den mittleren Jahren, die sich mit den Widrigkeiten des Alltags und der Midlife-Crisis herumschlagen – sind passonierte Motorradfahrer. Eins ihrer Kinder hat ihnen den Namen Wild Hogs verpasst, damit sie eine echte Motorrad-Gang sind. Auf ihren schweren Maschinen tuckern sie die Highways um Cincinnati rauf und runter. Doch das wahre Leben, die Freiheit, die Jugend, soll ihnen ein Road-Trip an die Westküste ermöglichen. Einmal ausbrechen und den Trott hinter sich lassen.

Sie brechen auf und wollen in einer Woche Kalifornien erreicht haben. Vor allem Woody, der den anderen vorenthält, daß er, ein ehemals erfolgreicher Geschäftsmann, verheiratet mit einem Model, pleite ist und von seiner Frau verlassen wurde, verspricht sich einiges von der Reise.

Unterwegs begegnen ihnen hübsche Mädels in Cabrios, die die älteren Herren amüsant finden, ihr Zelt brennt ab, weil sie mit der Campingausrüstung nicht umzugehen verstehen und als sie nachts alle unter ihrer letzten Decke schlafen, werden sie morgens von einem offenbar homosexuellen Polizisten (John C. McGinley), der sie für seinesgleichen hält, hops genommen aber keineswegs mit einer Strafe belegt. Später baden sie in einer heißen Quelle, wo eine ebenfalls badende Familie sie für Schwule hält und entsetzt flieht. Schließlich taucht der Polizist auch hier erneut auf und will mit ihnen plantschen.

Dennoch setzen die Freunde ihre Reise gen Westen unverdrossen fort. In New Mexico, wo ihnen zunächst das Benzin ausgeht, machen sie Halt in einer Biker-Bar. Hier residiert der Rockerboss Jack (Ray Liotta), der Dudleys Maschine bewundert und ihm zunächst einen allerdings lächerlichen Preis dafür nennt. Jack will das Motorrad unbedingt haben. Es kommt zu einer Auseinandersetzung und die vier Freunde müssen ohne Dudleys Maschine weiterfahren.

Doch Woody beschließt, zurück zu gehen und die Maschine zu holen, er sei nicht bereit, sich von irgendwelchen dahergelaufenen Proleten ein Motorrad klauen zu lassen. An der Bar zerschneidet er die Benzinschläuche der Rocker-Maschinen, stiehlt Dudleys Motorrad zurück und fährt davon, sieht allerdings im Rückspiegel, wie die Bar in die Luft fliegt.

Die Rocker, die gemerkt haben, daß jemand sich an der Maschine zu schaffen macht, sind  aus der Bar gestürzt und wollten die Verfolgung aufnehmen, haben dabei aber das Benzin übersehen, ihre Zigaretten weggeschmissen und somit Bar und Motorräder in Brand gesetzt.

Woody erzählt den anderen bei seiner Rückkehr, er habe freundlich mit den Jungs gesprochen, ihnen klar gemacht, daß er die besseren Anwälte habe und die Rocker hätten klein beigegeben.

Die Vier erreichen das Kleinstädtchen Madrid. Hier werden sie zunächst für Anhänger der Rockerbande gehalten, doch, sobald das Mißverständnis aufgeklärt ist, freundlich willkommen geheißen. In der Stadt findet gerade ein Chili-Festival statt und Dudley macht nicht nur die Bekanntschaft von Maggie (Marisa Tomei), die das örtliche Diner betreibt, sondern auch die ihres Chili, das extrascharf ist. Dudley, der lange schon nach der Frau fürs Leben sucht, verliebt sich umgehend in sie.

Die vier Freunde werden zu allerhand Schabernack eingeladen, darunter einer Mutprobe mit einem Stier, die sie aber bravourös bestehen, weshalb sie gleich noch beliebter bei den Bewohnern der Stadt sind. Diese berichten ihnen von den Del Fuegos, eben jener Rockergang, mit der sie sich angelegt hatten. Diese käme regelmäßig in die Stadt und terrorisiere die Einwohner. Und so auch diesmal: Woody und die andern wurden von zwei Spähern, die Jack ausgesandt hatte, erkannt. Zwar gelingt es den Vieren, die beiden Späher auszuschalten und zu demütigen, doch bald taucht der Rest der Gang auf. Sie nehmen Dudley, der Maggie mittlerweile näher gekommen ist, gefangen und drohen, den Diner abzubrennen. Als „Lösegeld“ fordern sie 50.000$ von den vier Freunden.

Woody beichtet nun, was wirklich an der Bar geschehen ist. Doch die Vier stehen zusammen, befreien Dudley und stellen sich schließlich den Rockern. Sie beziehen fürchterliche Dresche, stehen aber immer wieder auf. Dann schließen sich ihnen die Stadtbewohner an, die nun gemerkt haben, daß es Mut und Solidarität braucht, um sich zu wehren.

Gerade, als die Massenschlägerei wirklich auszuarten droht, taucht Damian Blade (Peter Fonda) auf, der für die Del Fuegos so etwas wie ein Gott ist. Er nimmt sich Jack, der offenbar sein Sohn ist, zur Brust, erinnert ihn daran, was wirkliche Biker-Werte sind und sorgt dafür, daß alles glimpflich ausgeht. Den vier Freunden attestiert er, echte Biker zu sein.

Plötzlich tauchen die Gattinnen von Doug und Bobby auf. Beide sind stinksauer, weil ihre Männer ihnen nicht gesagt haben, wohin die Reise geht. Es kommt zur Versöhnung und die vier fahren weiter, um den Trip zu beenden. Schließlich erreichen sie Los Angeles und erfreuen sich an der Bewunderung durch die Schönheiten am Venice Beach.

Während des Abspanns sieht man eine Folge der Sendung Exterme Makeover: Home Edition, in der der Moderator Ty Pennington in Not geratenen Familien hilft, ihr Heim neu einzurichten oder wieder aufzubauen. Mit Unterstützung der Wild Hogs wurde den Del Fuegos eine neue Bar gebaut.

Schwulenwitze! Schwulenwitze gehen immer! Wenn man vier Stars als Hauptdarsteller zur Verfügung hat, aber keinen vernünftigen Plot, sollte man immer einen Schwulen einbauen, das bringt die breite Masse zum Grölen. Perfekt. Und weil das Konzept so einfach, billig und überschaubar ist, sollte man den Schwulenwitz zu einem Running Gag machen – schwule Polizisten, schwule Verwechslungen, für schwul gehaltene Lack- und Leder-Rocker. Herrlich!

Reitet dieser Text jetzt schon zu lange auf dem Schwulenwitz rum? Fünf Zeilen, immerhin. Aber es gibt ziemlich genau das Niveau wieder, das Walt Beckers Klamotte WILD HOGS (2007) als Ausgangslage nimmt, um es dann sukzessive zu unterbieten. Dabei ist die Grundidee – vier mehr oder weniger erfolgreiche Kerle der bürgerlichen Mittelschicht nehmen sich ein paar Tage frei, um mit ihren schweren Maschinen auf den Highway zu gleiten und die verlorene Jugend noch einmal aufleben zu lassen – ebenso klischeehaft, wie für eine Slapstick-Komödie erfolgversprechend. Zudem sind mit John Travolta, William H. Macy, Martin Lawrence und Tim Allen Schwergewichte mit an Bord, die eine auch nur mittelmäßige Komödie durchaus aufpeppen können. Und tatsächlich ist es ihnen und dem immer grandiosen Ray Liotta als brutalem Rockerboss zu verdanken, daß WILD HOGS nicht komplett absäuft.

Männer in der Midlife-Crisis sind natürlich mindestens so gängige Klischees, wie der schwule Polizist. Das schöne an beidem ist, daß das Arsenal an Witzigkeiten, mit denen man punkten kann, derart aufgefüllt ist, daß man sich nicht mehr viel Originelles ausdenken muß. Männer versuchen Frauen anzumachen und machen sich dabei lächerlich, Männer fühlen sich in ihren Familien nicht ernst genommen, erst recht nicht vom Nachwuchs, Männer stehen unter dem Pantoffel ihrer Gattinnen – da hat man doch gleich ein Panoptikum an Figuren und Eigenschaften zusammen, in dem sich ein jeder halbwegs intelligente Mittfünfziger wiederfinden kann. Natürlich findet der Mann in den 50ern seine Erbauung auf dem Motorrad, wo denn sonst? Der Wind der Freiheit und der Jugend weht ihm um die Nase, das Dröhnen der Harley erinnert ihn daran, daß unter der Gürtellinie mehr als nur ein Urinentsorger liegt, hübsche Mädchen himmeln ihn aus Cabrios an und all das langweilige Alltagsgeschäft aus Beruf, Familienleben, Anwaltsterminen wegen der Scheidung oder den obligatorischen Rückenschmerzen ist gleich vergessen. Man muß nur aufpassen, daß man sich auf die alten Tage nicht mit den falschen Leuten anlegt – oder die Maschine ein Eigenleben führt und man wahlweise im Rinnstein landet, gegen Maklerschilder fährt oder in Strohhaufen plumpst, die glücklicherweise immer passend am Wegesrand stehen.

Natürlich passieren all diese Mißliebigkeiten den vier Helden dieses Films. Und natürlich spielen alle vier Darsteller exakt die Rollen, die sie immer schon gespielt haben und dürfen zwar hier und da mal dem Klischee entweichen, aber nicht zu sehr, man weiß ja, was das Publikum mag. So muß Macy den einsamen IT-Entwickler geben, der sein Motorrad kaum zu beherrschen weiß, Travolta ist der coole Hund, der niemandem sagt, daß er pleite ist, Lawrence gibt den nichtsnutzigen Gatten, der einen Ratgeber schreiben will, sich aber selbst nicht zu helfen weiß, und Allen ist der vom Familienleben ebenso enttäuschte wie gelangweilte Zahnarzt, letztlich eine Variation seiner Rolle in der höchst erfolgreichen 90er-Jahre-Sitcom HOME IMPROVEMENT (1991-1999). Keiner spielt gegen diese Rollen an, alle geben sich – das allerdings, das sei zugegeben, mit sichtbarer Lust – den Rollenklischees hin, die für sie vorgesehen sind. Dafür sind die Gags dann aber bestenfalls mittelmäßig. Die oben bereits erwähnten Zutaten, all die kleinen Widrigkeiten des Lebens, die Mißgeschicke, die uns so widerfahren, wenn wir älter werden und nicht mehr ganz so gut über die körperlichen Fähigkeiten verfügen wie dereinst, werden bis zur letzten Neige ausgespielt und ausgekostet.

Dann kommen die Rocker. Mit denen legen sich die vier Helden natürlich an, nachdem sie sich in der falschen Kneipe am falschen Tisch niedergelassen haben und natürlich sind sie  ihnen zunächst heillos unterlegen, aber genauso natürlich wissen sie sich schließlich mit Witz, mehr jedoch mit den Werten der Freundschaft und Solidarität untereinander zu wehren und erringen damit einen Achtungserfolg. Und dann gibt es natürlich den schwulen Cop. Der findet unsere Biker morgens gemeinsam unter einer Decke, nachdem deren Zelt mit ihren Habseligkeiten in Flammen aufgegangen ist. Er ist – natürlich – schwer angetan von dem, was er da sieht und versucht fortan immer mal wieder das zu bekommen, was ihm keiner der Vier geben kann. Es ist aber auch zum Heulen. Dafür findet Macy an der unwahrscheinlichsten Stelle des Lebens die große Liebe, wie es, wir wissen es alle, ja immer so passiert, verlässt sie aber umgehend wieder, um mit seinen Kumpels weiterhin den Wind der Freiheit zu genießen.

So bleibt festzuhalten, daß neben den teils wirklich schönen Landschaftsaufnahmen das Beste am ganzen Film der Auftritt von Peter Fonda ist, der als Rocker-Legende für die Helden des Alltags die Kohlen aus dem Feuer holt, als Liotta und seine Jungs richtig böse zu werden drohen. Ein Glück! Daß Fonda hier natürlich gnadenlos auf seine Rolle in EASY RIDER (1969) anspielt, dürfte selbstverständlich sein. Es sind in diesem Meer aus Klischees wirklich nur einzelne Momente, die gelingen. Und meist sind sie – wie Fondas Auftritt – im Rahmen der Traumfabrik selbstreferenziell. Daß Travolta den anderen vorschlägt, einen Trip im Sinne von DELIVERANCE (1972) anzustreben, gehört dabei noch wirklich zu den besten Momenten, ist aber nur für jene verständlich, die den Klassiker von John Boorman kennen.

Sei´s drum. WILD HOGS  hat seinen Zweck erfüllt: Er generierte enorme Einnahmen und beweist damit, daß das Fade, Mittelmäßige und Immergleiche schlicht hervorragend funktioniert, wenn man es nutzt, um ein Publikum zu bedienen, das das Fade, Mittelmäßige und Immergleiche wahrscheinlich auch deshalb goutiert, weil es sich darin – ob bewußt oder unbewußt – exakt wiedergegeben, auf den Arm genommen und letztlich entschuldet fühlt. Ein Film, den man mit etlichen Flaschen Bier und am besten mit etwas genießen sollte, das qualmt und süßlich riecht und eher für Gleichgültigkeit gegenüber dem sorgt, was man da so betrachtet. Und sowieso zum Lachen annimiert.

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