BRAVADOS

Rache - (zu) heiß serviert

Ein Mann reitet in eine Stadt, in der am kommenden Tag vier Verbrecher am Galgen enden sollen. Jim Douglas (Gregory Peck) will sie hängen sehen, da er vermutet, daß sie die Mörder seiner Frau seien. Ihm wird viel Mißtrauen entgegen gebracht, der Sheriff will niemanden in der Stadt haben, außer dem Henker. Dieser trifft auch ein, entpuppt sich jedoch als Komplize der Verbrecher und verhilft ihnen zur Flucht. Douglas, der in der Stadt seine alte Bekannte Josefa Velarde (Joan Collins) wiedergetroffen hat, nimmt mit einer Posse die Verfolgung auf. Er stellt einen der Männer und tötet ihn, einen zweiten treibt er auf und hängt ihn an einen Baum – kopfunter. An der Grenze zu Mexiko müssen die Männer des Sheriffs zurückbleiben, Jim reitet allein weiter. Die beiden verbleibenden Männer erreichen die Ranch von Jims Nachbarn Butler, den sie töten und dessen Gold sie rauben. Weiter werden sie von Douglas verfolgt und dieser stellt den dritten Mann in einer Bar in Mexiko, wo er ihn tötet. Schließlich treibt er den letzten der Verbrecher bei dessen Familie auf. Dieser, Lujan (Henry Silva), beteuert seine Unschuld an dem Mord an Douglas Frau – so, wie es zuvor auch alle anderen innigst, manchmal bettelnd getan haben. Jim glaubt ihm nicht, erst recht, als er den Beutel mit dem Gold findet, den die Verbrecher bei Butler geklaut haben. Doch nun klärt sich zumindest dies auf: Nicht die vier Männer, die da hätten hängen sollen, waren die Mörder von Jims Frau, sondern dessen Nachbar Butler. Jim sieht Lujan und dessen Frau und Kind und begreift, daß er fürchterliches Unrecht getan hat, indem er ungeprüft diese vier hat töten wollen und es drei Mal wahr gemacht hat. Nun sieht er, daß er ebenso zum Haus dieses Mannes gekommen ist und drohte, dem Gleiches anzutun, was der seiner Frau angeblich angetan hat. Jim reitet zur Stadt zurück, wo Josefa mit seinem Kind wartet. Dort geht er in die Kirche, er will Absolution, ist aber im Grunde ein gebrochener Mann. Der Priester jedoch vergibt ihm, er hätte getan, was er tun musste…

Eine gewaltige Rachegeschichte, die Henry King da relativ routiniert vor dem Betrachter ausbreitet. Der Grundkonflikt (und somit auch der Plot und das Setting des Films) ist denkbar einfach: Ein Mann will die Mörder seiner Frau hängen sehen, diese Vergeltung gelingt den staatlichen Organen nicht, also muß er selbst antreten und die Arbeit übernehmen (anfangs, wenn er in die Stadt kommt, wollen alle möglichen Leute von Douglas wissen, ob er der Henker, Mr. Smith, sei, ironischer Weise wird Douglas dies ja im Laufe der Handlung). Packend und vermeintlich tiefsinnig wird die Story erst durch den Aspekt, daß diese Männer des Verbrechens, für das sie schließlich getötet werden, unschuldig sind. Die Figur Jim Douglas scheint daran zu zerbrechen, sein Gang in die Kirche am Ende des Films ist da schon ein gewagtes Unterfangen für einen Westernhelden: Bei einem katholischen Priester (sic!) Absolution zu suchen, um sich der Schuld zu entledigen, die der Mann auf sich genommen hat.

Was die Bilder betrifft, vor allem die Landschaftsaufnahmen, ist dies ein großartiger Film. Auch die Handlung, die Action und das Timing stimmen. King setzt seine Höhepunkte exakt und treibt die Handlung so voran, daß es nie langweilig wird. Dennoch hat dieser Rachefilm seine Schwächen, manche davon sind liebevoll zu übesehen, andere wirklich ärgerlich. Daß wir es mit einem kleinen Örtchen zu tun haben, direkt an der mexikanischen Grenze gelegen, soll gern als Begründung reichen, daß im puritanischen Amerika eine katholische Kathedrale steht. WAS für eine Kathedrale da steht, ist dann schon etwas anderes: Sobald wir dieser von innen ansichtig werden, wähnt man sich in Santiago de Compostela o.ä. Orten. Und daß dann ein nahezu hundertköpfiger Kinder/Jugendchor das „Ave Maria“ anstimmt, kann man hinnehmen, zur Glaubwürdigkeit dieser Story trägt es nicht unbedingt bei.

Ärgerlicher ist dann schon die Uneinheitlichkeit, die die Verbrecher an den Tag legen. Im Gefängnis, wenn sie Douglas vorgeführt werden, sind sie rauhbeinige Gesellen, jeder Schandtat zu verdächtigen. Daß sie sich als Einzelne dann im Angesicht des Todesbringers Jim Douglas in Feiglinge verwandeln, ist ebenfalls im Rahmen des Genreüblichen; daß Lujan sich jedoch schließlich zum liebenden Familienvater und guten Sohn (sehen wir doch, wie er seiner Mutter Wasser und Essen bringt) wandelt, widerlegt den ganzen vorherigen Aufbau der Story. Wieso saß dieser nette und fürsorgliche Mann im Gefängnis? Wieso wurde er zum Tode verurteilt? Und wenn, zurecht? Und wenn zurecht, wieso das? Kann so ein netter junger (und kluger, wie das Gespräch mit Douglas beweist) Mann wirklich in so derbe Gesellschaft geraten sein? Um seine Message rüberzubringen und das Drama des gebrochenen Mannes auszuarbeiten, trägt King hier allzu dick auf. Als Zuschauer beginnt man, nicht nur Jims Motive und sein Handeln, sondern gleich alles zuvor Gesehene in Frage zu stellen, was solch einer Story nie zuträglich sein kann.

Zudem muß man konstatieren, daß weder Peck noch Collins hier sonderlich berauschende Darstellerleistungen abliefern. Über Peck kann man sagen, was man will, aber er ist in den Momenten, in denen er scheinbar NICHT will, derart hölzern, daß damit ganze Szenen zerstört werden. Hier ist es die Begegnung zwischen ihm und Collins (die einen atemberaubenden Erstauftritt im Gegenlicht hat, wodurch ihre Wespentaille nicht nur betont wird, nein, sie wird herausgestellt – und damit einer der wenigen Vorzüge dieser…äh…Schauspielerin), in der man als Zuschauer keine Sekunde glaubt, daß die beiden sich mal mochten und Peck so stocksteif wirkt, daß man das nicht mehr als der Rolle geschuldet glauben will, sondern schlichtweg unter „keine Lust auf diesen Film“ ablegen könnte.

Es ist keiner der „großen“ Edelwestern, die in dieser Zeit – 1958 – entstanden. Es ist eine vergleichsweise kleine Story, die biblische Wucht zu entfalten hofft und dies auch lange kann, bis sie sich selbst im Wege steht. Es ist ein Western, der ein gewisses Maß an Sadismus ausstellt, wie dies allerdings viele Western in dieser Zeit taten. Und es ist – wie die besten dieses Genres – ein Film mit atemberaubenden Außenaufnahmen (größtenteils in Mexiko entstanden), eingefangen von dem mehrmaligen Oscarpreisträger Leon Shamroy.

Alles in allem ein guter, kein herausragender Vertreter seines Genres, der sich große Mühe gibt, einen Konflikt zu generieren und auszustellen, der über die herkömmlichen reinen Rachegeschichten des B-Western hinausgeht…

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