LICHT IM AUGUST/LIGHT IN AUGUST

William Faulkners Großroman: Ein Geschenk an die Weltliteratur, ein Geschenk an alle, die die Literatur, die das Lesen lieben

Immer mal wieder kommt die Frage auf, welches sind deine Lieblingsfilme oder Lieblingsbücher? Dann beginnt man zu überlegen, nennt die großen Romane der Weltliteratur, KRIEG UND FRIEDEN, den ZAUBERBERG, die ULYSSES und merkt dann irgendwann, dass das eigentlich der allgemein anerkannte Kanon ist. Aber sind es auch wirklich die eigenen Favoriten? Und dann fallen einem nach und nach all jene Werke ein, die man mit großer Begeisterung gelesen hat, die einem irgendwann einmal Befriedigung verschafft, Trost gespendet oder den Weg gewiesen haben – oder einfach nur unterhaltsam gewesen sind. Und wenn man dann ehrlich zu sich selbst ist, muss man zugeben, dass es oftmals eben nicht die allgemein anerkannten Meisterwerke sind, die einen am deutlichsten geprägt, am stärksten beeinflusst haben. Und dennoch – manchmal, vielleicht nur ein, zwei Mal im Leben, überschneiden sich der allgemeine Kanon und das eigene Leseerlebnis dann eben doch.

William Faulkners LICHT IM AUGUST (LIGHT IN AUGUST, veröffentlicht 1932; Dt. hier: 2008 in der Neuübersetzung von Helmut Frielinghaus und Susanne Höbel) ist genau solch ein Fall für diesen Rezensenten. Erstmals gelesen in der alten Übersetzung von Franz Fein und nun als Re-Lektüre in der brillanten Neuübersetzung, hat es in all den vielen Jahren dazwischen nichts von seiner Magie eingebüßt, hat nichts verloren von seinem dunklen Fluss, dem dräuenden Schrecken, dem Raunen einer vergangenen und doch immer gegenwärtigen Zeit und seiner immer wieder durch die düstere Erzählung hindurchschimmernde Schönheit. Die Schönheit der reinen Sprache, aber auch die Schönheit dessen, wovon es so widersprüchlich, ambivalent und mehrdeutig eben auch berichtet: Dem Süden der Vereinigten Staaten, vom Zauber des großen Flusses, von den Eigenarten der Menschen, die hier leben und aufeinander angewiesen sind, koste es, was es wolle.

Man muss Faulkner nicht mögen, man kann ihm Vieles vorwerfen, bspw., dass er die Tragweite dessen, wovon er unterschwellig, aber auch akut erzählt – Rassismus, der Hass weißer Menschen auf schwarze Menschen, von den Verbrechen, die die einen an den andern begangen haben – dass er diese Tragweite also weder wirklich versteht, noch angemessen damit umzugehen weiß. Gerade heutzutage, wo die Fragen des Zusammenlebens verschiedener Ethnien mehr denn je diskussionswürdig sind, wo Geschichte anders, neu interpretiert wird, wo gerade weiße Menschen sich wieder einmal schwer damit tun, einzusehen, welche Verantwortung sie nun einmal für das Leid anderer tragen, wo wir endlich einzusehen bereit sind (wenn auch noch lange nicht alle und jede/r), dass die Versklavung anderer Menschen, die Reduzierung ihres Lebens auf einen ökonomischen Wert, die Reduzierung eines Menschen auf den Begriff „Ware“, ein Menschheitsverbrechen gewesen ist, wie es sonst vielleicht nur die Shoah war – gerade in diesen Zeiten kann, sollte und muss man einem Autor wie Faulkner vielleicht vorwerfen, allzu leichtfertig mit dem Leid von Menschen umgegangen zu sein, die er im Grunde nicht versteht. Vielleicht treffen all die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, einen Punkt. Aber dennoch wird man vor der Macht und der Wucht dessen, wie und was dieser Autor zu vermitteln in der Lage gewesen ist, die Augen nicht verschließen können.

Denn William Faulkner war in der Lage, die Conditio Humana, das Wesen des Menschen, das krumme Holz, das er ist, seine Widersprüchlichkeit, seine Fehlerhaftigkeit, sein Bestreben und Fehlen, sein Hoffen und Scheitern – und darin letztlich vollkommen unabhängig davon, ob er Weiße oder Schwarze beschrieb – in einer Tiefe und Weite wahrzunehmen und auf eine Art und Weise zu beschreiben, mehr noch: spürbar zu machen, wie es nur wenigen, und wenn, dann nur den Größten des 19. Und 20. Jahrhunderts, gegeben war. Und dann ist man eben doch schnell wieder bei den Großen, bei Tolstoi, bei Dostojewski, bei Jane Austen, Thomas Mann, James Joyce oder bei Virginia Woolf. Es ist die Riege dieser Gigant*innen, in die sich der Mann aus Oxford, Mississippi einreiht. Schriftsteller*innen, die nicht einfach schwerwiegende Analysen vorlegen und sich in langen Thesen ergehen, sondern denen es gegeben war, mit der und durch die Sprache selbst das Wesen des Menschen, die Bedingungen, unter denen er lebt, die er vorfindet und zu beeinflussen sucht, mal zum Guten, oft zum Schlechten, zu erfassen und dem Publikum nicht nur vor Augen zu führen, sondern dieses Publikum gleichsam erleben zu lassen, was die, die da beschrieben werden, empfinden.

LICHT IM AUGUST war Faulkners siebter Roman in einer Reihe von Meisterwerken, zu denen SCHALL UND WAHN (THE SOUND AND THE FURY/1929) ebenso zu zählen ist, wie ALS ICH IM STERBEN LAG (AS I LAY DYING/1930) oder auch DIE FREISTATT (SANCTUARY/1931). Diese (und einige weitere, im Werk des Autors vielleicht nicht ganz so bedeutsame) legten den Grundstein für den Kosmos des Yoknapatawpha County, ein von Faulkner imaginierter Landkreis in einem nahezu mythisch erfassten Mississippi, in dem er seine Geschichten ansiedelte. Es ermöglichte ihm, eine Miniaturabbildung der Südstaaten zu kreieren, so wie er sie wahrnahm mit all ihren Fehlern, Sünden (der religiöse Aspekt, im Grunde alttestamentarisch, ist bei Faulkner nie zu unterschätzen, auch und gerade im Hinblick auf den hier besprochenen Roman, der allerdings eher neutestamentarisch von einem Quasi-Erlöser erzählt), den Menschen, die hier leben und leiden. Zudem konnte er Zusammenhänge und komplexe Verbindungen zwischen den einzelnen Romanen herstellen und ganze Genealogien entwickeln, Familiengeschichten über Generationen hinweg erzählen, aber auch historische Entwicklungen aufzeigen.

Allerdings stehen die Figuren in LICHT IM AUGUST im Faulkner-Universum etwas abseits, eher für sich. Vielleicht ist dies einer der Gründe, dass ausgerechnet dieser Roman – in vielerlei Hinsicht sein düsterster und vielleicht auch der beklemmendste – auch einer seiner erfolgreichsten werden konnte. Hier haben die Leser*innen nicht den Eindruck, nur einen Ausschnitt aus einem größeren, weiter gefassten Universum zu erblicken, die Handlung(en) des Romans stehen für sich. Handlungen, da Faulkner seinem, heute gern als „schwierig“ und „anspruchsvoll“ deklarierten Stil entsprechend, eine komplexe, ineinander verschachtelte Erzählstruktur wählt, um mehrere Geschichten zu erzählen, die auf einer übergeordneten Ebene zwar miteinander verbunden sind, jedoch sehr unterschiedliche thematische Motive abhandeln. Im weitesten Sinne ist es vielleicht die Liebe selbst und ihre Unmöglichkeit in einem Umfeld, das so von Hass, Selbstmitleid und Gewalt geprägt ist, dass sie sich kaum entfalten kann, die das zentrale Thema des Buchs darstellt.

Es bedarf dazu einer Figur wie Lena Grove, deren Geschichte die Rahmenhandlung bildet. Es bedarf ihrer Liebe und der Naivität, mit der sie ihren Weg begonnen hat und fortzusetzen gedenkt. Sie ist schwanger und ledig – im Süden der frühen 30er Jahre ein nicht ganz unproblematischer Zustand – und sucht den (vermeintlichen?) Vater des Kindes, einen Mann namens Lucas Burch. Wegen der Namensähnlichkeit verweisen die Männer, die sie, als sie in die Kleinstadt Jefferson gelangt, nach Burch fragt, an Byron Bunch, der in einem Sägewerk arbeitet, in dem auch Burch untergekommen ist. Bunch weiß, dass Burch sich nun Joe Brown nennt und wahrscheinlich auf der Flucht vor der Verantwortung ist, die ein Kind mit sich bringt. Bunch verliebt sich in Lena und ist bereit, das Kind an des Vaters statt anzunehmen. Um seine Zweifel, seine Träume und Wünsche zu artikulieren, mehr noch zu reflektieren, trifft er sich regelmäßig mit dem ehemaligen Prediger Gail Hightower, der zurückgezogen am Rande Jeffersons lebt, verstoßen und auch in Selbsthass, seit seine Frau gestorben ist. Ein möglicher Suizid, nachdem sie sich in einer fremden Stadt möglicherweise als Prostituierte verdingt hat – ein Schicksal an welchem Hightower wahrscheinlich nicht ganz unschuldig gewesen ist. Burch/Brown seinerseits ist bei einem anderen Arbeiter des Sägewerks untergekommen und wohnt nun dort.

Dieser Mann, Joe Christmas, ist es, um den sich die eigentliche Handlung des Romans dreht. Sein Schicksal – als Waise aufgewachsen, an einem Heilig Abend gefunden, weshalb seine Initialen denen von Jesus Christus gleichen, einsam und verstoßen, da er glaubt, weißes und schwarzes Blut in sich zu tragen, was ihn aller sozialer Bindungen entfremdet, geschlagen, verfolgt, geschunden und gehasst – ist das Schicksal des Südens. In Christmas kulminieren all die Themen, die Faulkner umtreiben und die er als virulent betrachtet hat, als jenes Gift, welches seine Heimat auf Generationen hinaus noch beschäftigen und davon abhalten wird, ein produktives und glückliches Leben zu führen. Es ist – im christlichen Sinne – die Sünde, sich am Wesen des Menschen vergangen zu haben, es ist die Hybris, die eben jene befiel, die glaubten andere menschliche Wesen versklaven zu dürfen, und es ist der Selbsthass, der daraus erwächst, sich dieser Sünde schuldig gemacht zu haben. Eine Schuld, die auch durch den Bürgerkrieg und den Verlust des eigenen Lebensstils und des eigenen Wohlstands und, mehr noch vielleicht, den Verlust der Würde und des Stolzes ausgebrannt werden konnte. Eine Schuld, deren Zeichen die, die sich ihrer begangen haben, mit sich tragen, über Generationen hinweg.

Faulkner schichtet die Erzählung mehrfach um, wechselt, manchmal innerhalb eines Absatzes, die Erzählperspektive, wodurch die Leser*innen – ausgesprochen aufmerksames Lesen sei hier so oder so empfohlen – das Innenleben ganz unterschiedlicher Figuren präsentiert bekommen, mal deren bewusstes Denken, in Anführungszeichen gesetzt, mal, kursiv gedruckt, den unterbewussten Strom ihrer Gedanken als seinerzeit so modernes und eindringliches stilistisches Mittel des stream of consciousness. Faulkner schachtelt die Erzählungen ineinander, wiederholt bestimmte Passagen, aus einer anderen Perspektive geschildert, so dass die „Wahrheit“ all dessen, was da geschildert wird, immer prekär bleibt. Zudem gibt es Rückblenden, es gibt Momente, in welchen der Autor den Lesenden Eindeutigkeit vorenthält, wodurch Verunsicherung und Entfremdung entstehen, die mit den emotionalen Zuständen der Protagonisten korrespondieren. So entsteht ein einmaliges, ein undefinierbares und unglaublich eindringliches Leseerlebnis.

Selbst, wenn man von der Erzählung Abstand nehmen wollte, wenn man all das Berichtete – auch und gerade in seinen religiösen/christlichen Bezügen – ablehnt und für überholt hielte, kann man sich der enormen Komplexität, kann man sich der stilistischen Wendungen und der Eigenarten, kann man sich des Sogs im Aufbau dieses Werks nicht entziehen. Hier lernt man immer noch vortrefflich, wie die literarische Moderne in ihren absoluten Spitzenmomenten funktionierte, was sie so aufregend machte, wie sich der Horizont der Literatur an sich mit Autoren wie William Faulkner weitete und weshalb sich so viele – auch und gerade im Nachkriegs-Deutschland, von Siegfried Lenz bis Uwe Johnson – gerade auf ihn beriefen.

Im Grunde, wenn man so will, umschließt die Rahmenhandlung eine Reihe von Kurzgeschichten, Novellen, Essays und Notizen zur Frage der Gesellschaft dieser Südstaaten, die aber in Form von Dialogen, inneren Monologen, von geschilderten Gefühlen, Empfindungen, Ängsten ebenso wie Hoffnungen, der Liebe ebenso, wie unendlichem, alles zerfressendem Hass auf andere, mehr aber eben auf sich selbst, dargeboten werden. Also als etwas Lebendiges, Organisches, Wachsendes und sich Veränderndes, nicht als graue Theorie, nicht als trockene Darreichung kluger Gedanken.

Obwohl im Roman kaum Schwarze vorkommen, schon gar nicht in tragenden Rollen, ist der alles beherrschende Rassismus und was er mit denen, die ihm ausgesetzt sind, macht – Opfern und Tätern – das prägende Element dieses Romans. Oder aber, besser gesagt, ist er das prägende Element der Gesellschaft, von der dieser Roman erzählt. Und als solches muss jeder Roman, der von und aus dieser Gesellschaft erzählt, vom Rassismus erzählen. Zwar wird er hier selten bis nie akut adressiert, doch in allem, was hier erzählt wird, spielt der Rassismus eine subkutane Rolle – und der Begriff „subkutan“ ist hier ganz bewusst gewählt. Natürlich kulminiert dies alles in der Figur des Joe Christmas. Es ist eine der tragischsten Figuren der Weltliteratur, die sich vorstellen lässt. Ein Wanderer, der sich nirgends zugehörig fühlt, der ebenso von den Weißen, wie von den Schwarzen ausgegrenzt wird. Den einen reicht ein Gerücht (dass dieser Mann „schwarzes Blut“ in sich trägt), um ihn abzulehnen, den andern die Tatsache, dass seine hellere Hautfarbe ihm eine sozial bessere Stellung sichert, man ihm also nicht trauen kann. Letzteres spielt im Roman allerdings keine sonderlich herausgehobene Rolle, wird eher beiläufig erwähnt.

Was allerdings eine herausgehobene Rolle spielt, und was für einen Roman von 1932 erstaunlich offen, manchmal explizit behandelt wird, ist die Sexualität. Christmas lebt im Hinterhaus, das zum Anwesen Joanna Burdens außerhalb der Stadt Jefferson gehört. Mit dieser Frau – ledig, älteren Datums und offenbar von Abolitionisten abstammend – unterhält Christmas über Jahre ein sexuelles Verhältnis, dass von Unterwürfigkeitsfantasien geprägt ist, die beide Liebhaber mal in der einen, mal in der anderen Rolle, mal als Unterdrücker, mal als Unterdrückten sehen. Doch letzten Endes – und das ist wesentlich für die Psychologie des Romans -, wenn es drauf ankommt, entsteht doch eine Kluft zwischen ihr und ihm, die durch sein wahrscheinliches „Schwarz-Sein“ definiert wird. Obwohl Burden (ein „sprechender Name“, bedeutet „burden“ so viel wie „Bürde“ oder „Last“) sich für die Bildung schwarzer Kinder einsetzt und Christmas sogar als ihren Nachfolger aufbauen wollte, verweist sie ihn an „seinen Ort“ und greift immer wieder auf Bestrafungsmethoden – in erster Linie Entzug von Essen, der hier mit Liebesentzug gleichgesetzt wird – zurück, die an klassische Strafen Weißer gegenüber Schwarzen – vor allem gegenüber sich ungebührlich betragener Sklaven – gemahnen.

Es sind diese manchmal fast verborgen geschilderten, manchmal vom Autor auch geradezu schreiend ins gleißende Licht des Südstaaten-Sommers gestellte Umstände, Handlungen und Verhaltensweisen, die die Kraft und auch die literarische Magie dieses Romans ausmachen. Und doch versteht Faulkner es, die unendlich traurige Einsicht in menschliche Verhaltenswiesen, in die Abgründe menschlicher Missgunst, menschlichen Neides, menschlicher Verkommenheit vor allem in Handlung abzubilden. Burden wird ermordet – von Christmas genau in jenem Moment, in dem sie ihn christianisieren will, ihn zum Gebet auffordert, dem er sich vehement widersetzt. Er, der den verklausulierten Namen des Herrn trägt. Dann flieht er, genau in jenem Moment, in dem Lena Grove in die Stadt kommt. Ein Kreis schließt sich, weit über Hundert Seiten Erzählung kehren an den Ausgangspunkt des Romans zurück. Alle Handlungsstränge kreuzen sich quasi in diesem einen Moment. Und entwickeln sich von hier aus weiter.

Faulkner findet starke und bleibende Bilder, um seine Anliegen metaphorisch zu verdeutlichen: Das Negativ wird immer wieder angeführt, einmal schält sich eine Gestalt im Scheinwerferlicht aus der Nacht, wie ein Foto-Negativ aus der Lauge, Schwarze und Weiße werden mehrfach zu Schatten des jeweils anderen, Dichotomien werden so erfasst, Gut und Böse, Mann und Frau, fast dialektisch bringt der Autor all diese Gegensatzpaare, diese Binäroppositionen auf einen Nenner, verdeutlicht, wie sie einander bedingen. Es entspricht Faulkners Analyse seiner Heimat: Ein Land (der Süden) und seine Gesellschaft (die des Südens) ineinander verkeilt, ohne einander je aus den Fängen zu entlassen. Eine Gesellschaft vereint in der Ursünde des Verbrechens und der Gewalt, die sie auf diesem Verbrechen basierend immer wieder aufs Neue hervorzubringen verdammt ist.

Joe Christmas wird in dieser Gesellschaft zu einem Kulminationspunkt, läuft in ihm doch zusammen, was nicht zusammengehören darf, doch – so Faulkner – immer schon aneinandergeschweißt war und niemals sich voneinander wird trennen lassen. Schwarz und Weiß sind aufeinander angewiesen. Und dies nicht nur in einem ökonomischen oder kulturellen Sinne, sondern viel mehr sowohl in einem psychologischen wie in einem religiösen Sinne: Christmas leidet stellvertretend für alle in diesem Landstrich und wird schließlich – als Mörder und als schwarzer Mann – geopfert. Geopfert auf fürchterliche Art und Weise. Kastriert durch einen Fanatiker, der doch nur den Fanatikern entspricht, die dieses Land in jedweder Hinsicht immer schon hervorgebracht hat. Entmannt und damit im Sinne dieses Romans auch entmenschlicht, stirbt Christmas den Märtyrertod.

LICHT IM AUGUST ist vielleicht der eine Roman, auf den Viele sich werden einigen können, wenn es darum geht, das Werk William Faulkners zu beschreiben und auf einen Nenner zu bringen. Es ist aber vielleicht sogar eiens der wenigen Werke, die Viele nennen werden, wenn es darum geht, die Literatur des 20. Jahrhunderts und damit der Moderne selbst auf einen Nenner zu bringen. Es ist einer der großen Romane dieser Epoche und einer der großen Romane der Weltliteratur, wie es sie nur alle Dekaden einmal gibt. Er sollte gelesen werden, immer wieder aufs Neue. Wieder und wieder und wieder und wieder…ad infintum…

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