DIE SIEBTE KAVALLERIE/THE SEVENTH CAVALRY

Ein Indianerwestern der ungewöhnlichen Wendungen

Captain Tom Benson (Randolph Scott) kehrt mit seiner Braut Martha Kellogg (Barbara Hale) in das Fort zurück, wo er mit der glorreichen 7. Kavallerie stationiert ist.

Doch ist das Fort leer, bis auf Seargent Bates (Jay C. Flippen), der als Wache für einige betrunkene Soldaten abkommandiert war. Der befehlshabene General Custer ist mit seinen Männern gen Little Big Horn geritten, wo die gesamte Truppe vernichtet wurde. Benson steht als Feigling da, zumal er nicht beweisen kann, daß Custer ihm den Befehl erteilt hatte, seine Braut zu holen. Der einzige, der dies mitbekommen hatte, ist der Meldereiter der Kompanie, Corporal Morrison (Harry Carey, Jr.). Benson übernimmt fortan mindere Aufgaben und muß sich im Fort als Paria behandeln lassen.

Als Marthas Vater, Oberst der Armee, auftaucht, um die Vorgänge um das Verhalten Custers und der anderen Offiziere rund um das Massaker am Little Big Horn zu untersuchen, kommt es zu offenen Feindschaften gegen Benson. Dieser übernimmt schließlich ein Todeskommando, bei dem er in das Indianergebiet reiten und die gefallenen Soldaten beerdigen, die Leichen der Offiziere bergen und zurück ins Fort bringen soll.

Unterwegs gibt es verschiedene Versuche, ihn auszuschalten, bzw. des Kommandos zu entheben. Doch Benson setzt sich immer wieder durch – Kraft der besseren Argumente ebenso, wie Kraft seiner Fäuste. Schließlich kommt es zur Konfrontation mit den Indianern, doch gelingt es, diese zunächst davon abzuhalten, Bensons Trupp anzugreifen.

Mittlerweile ist Corporal Morrison wieder im Fort eingetroffen und teilt Martha mit, daß er sehr wohl wisse, daß Benson unter Befehl stand, seine Braut zu holen. Er nimmt Custers überlebendes Lieblingspferd und reitet damit Benson hinterher. Unterwegs wird er von einem Siouxindianer getötet, so daß Custers Pferd schließlich allein am Ort des Geschehens auftaucht und die Indianer dadurch in Angst und Schrecken versetzt, hängen sie doch dem Aberglauben an, dies sei der Geist von Custers Pferd, geritten von Custers eigenem Geist. Benson und seine Leute nutzen die Gunst der Stunde und ziehen ab.

Zurück im Fort entschuldigt sich Marthas Vater für seine Haltung Benson gegenüber und dieser – nun reingewaschen von allen Vorwürfen – kann endlich seine Braut in die Arme nehmen und heiraten.

Joseph H. Lewis, Regisseur solcher Semiklassiker des Noir wie GUN CRAZY (1950) oder THE BIG COMBO (1955), zeichnete im Jahr 1956 für diesen kleinen Indianerwestern verantwortlich, der von Randolph Scotts eigener Produktionsfirma Ranown mitproduziert wurde, jedoch nicht zum sogenannten Ranown-Zyklus zu rechnen ist, welcher die Filme bezeichnet, die Scott mit dem Regisseur Budd Boetticher verwirklichte. Hier hat man es mit einem seiner zwar schwächeren Western (im Vergleich zu den Ranown-Giganten) zu tun, dennoch ist es ein interessanter und durchaus spannender Film.

Sind die Personen, die Randolph Scott bei Boetticher darstellt, meist verbitterte Männer, die auf Rache sinnen, was sie zu monolithischen, oft vollkommen kargen Figuren macht, ist Tom Benson ein sehr pflichtbewusster Soldat, dem lediglich der Makel eignet nicht in West Point die handelsübliche Ausbildung genossen zu haben. Er ist ein Protegee General Custers und diesem weit über dessen Tod hinaus verpflichtet. Die Rolle ist schwach, weil dieser Tom Benson nie so wirkt, als könne ihn wirklich ein Wässerchen trüben. Egal, welchen Schlag das Schicksal als nächsten bereit hält, Benson scheint alles immer vorausgeahnt und die Lösung längst parat zu haben. Wir wissen vom ersten Moment an, daß er reingewaschen wird. Doch in der Schwäche der Figur liegt die Stärke des Films, denn diese Schwäche erlaubt es, das Augenmerk auf andere, eher nebensächlichere Dinge zu legen.

Ohne ein wirklich „psychologischer“ Western zu sein, funktioniert das psychologische Moment hier hervorragend. Der Konflikt innerhalb der Truppe ist sofort nachvollziehbar – die Soldaten, die Benson mißtrauen, seine Offizierskollegen, die ihm eh skeptisch gegenüberstehen und nun gänzlich gegen ihn eingenommen sind, der Schwiegervater in spe, der diesen Mann für einen Hallodri hält aufgrund dessen Vergangenheit als Spieler – und die Spannung wird geschickt aus diesem Konflikt heraus generiert, aufgebaut und gehalten. Ob während der Untersuchung seines Schwiegervaters zu den Vorkommnissen rund um Custers Mission, ob während des Weges zum Little Big Horn – das Spannungsfeld zwischen Benson und fast allen anderen sorgt für eine nervöse Grundstimmung, die trägt. Wir ahnen, daß es für Benson gut ausgehen wird, wir wissen aber nicht, ob seine Männer gesund nach hause kommen werden…

Was den Film allerdings über einen reinen, zwar spannenden, ansonsten aber Dutzendware entsprechenden Western hebt, ist zum einen die Haltung zu den Indianern sowie die Konfliktlösung, die er im Spannungsverhältnis der Soldaten zu diesen anbietet, zum anderen, daß man hier aufs Genaueste eine amerikanische Neurose besichtigen kann.

Es ist ein Indianerwestern und wie viele Indianerwestern, geht er zunächst nicht sonderlich gut mit ihnen um. Sie sind das wilde Andere, das einen Helden vernichtet hat (dazu sei angemerkt, daß Custer keineswegs den guten Ruf genoß, den viele Hollywoodfilme ihm angedeihen ließen – John Fords FORT APACHE [1948] ist da die rühmliche Ausnahme). Doch spätestens, wenn der Trupp den Little Big Horn erreicht und Benson mit einem des Englischen mächtigen jungen Häuptling verhandelt – nebenbei einen philosophisch anmutenden Disput über die Frage von Aberglaube und Relativität ausficht – und es zu keiner gewalttätigen Auseinandersetzung führt, verschiebt sich der Blick auf die Indianer. Diese bieten eine friedliche Lösung an und erklären sogar, warum es ihnen wichtig ist, daß die Leichen der von ihnen getöteten Feinde dort liegen bleiben, wo sie gefallen sind, lediglich leicht verscharrt. Daß es mit dem Auftauchen von Custers Pferd dann schließlich reiner Aberglaube ist, der Benson und seinen verbliebenen Leuten das Leben rettet, ist ein hübscher kleiner Twist am Ende dieses Films.

Was man allerdings an SEVENTH CAVALRY (1956) sehr deutlich ablesen kann, ist ein amerikanisches Trauma: Sehr überzeugend bringt der Film anfangs den Schock rüber, den die Vernichtung von Custers Truppe darstellte. Indianer, die eine gut organisierte Armeeeinheit vernichten konnten? Zudem noch ausgestattet (was auch im Film mehrmals Erwähnung findet) mit Repetiergewehren, die sie von Weißen erhalten haben mussten? Es waren unvorstellbare Zumutungen für eine Öffentlichkeit, die den Westen 1876 langsam für befriedet hielt. Es war das „Pearl Harbour“ oder „9/11“ des 19. Jahrhunderts. Dem Film gelingt es sowohl inhaltlich – auf der Dialogebene v.a. – als auch in seiner eigenen Haltung, diesen Schock zum Ausdruck zu bringen. Er verdeutlicht die Verletzung einer Nation, die sich im Grunde für unverletzlich hält. Das macht ihn zu einem Kleinod kulturellen Ausdrucks. Mehr, als ihm wahrscheinlich zugedacht war, mehr als er verdiente.

Keines der wirklich großen Werke eines Randolph Scott, hat man es hier dennoch mit einem spannenden Western der B-Klasse zu tun, der 76 Minuten lang gut zu unterhalten weiß.

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