MÄNNER, DIE AUF ZIEGEN STARREN/THE MEN WHO STARE AT GOATS

Eine leider verunglückte Militärsatire...oder doch nur eine Klamotte?

Bob Wilton (Ewan McGregor) führt ein recht beschauliches Leben: Er ist Redakteur bei einer Lokalzeitung in der Provinz, glücklich verheiratet und zufrieden in einer gewissen Bräsigkeit.

Zufällig wird er auf einen Bericht aufmerksam, der von einem Mann handelt, der einer geheimen Einheit des Militärs angehörte, in welcher paranormale Fähigkeiten untersucht und gefördert worden seien. Bob interessiert sich für die Story, spricht auch mit dem Betreffenden und hört erstmals in seinem Leben von einem Mann namens Lyn Cassady (George Clooney), dem es gar gelungen sei, eine Ziege nur dadurch zu töten, daß er sie anstarrte.

Einige Zeit später bricht das Undenkbare über Bob herein – seine Frau geht ihm nicht nur fremd, sondern verlässt ihn sogar für den andern Kerl. Bob fällt daraufhin in das erwartbare tiefe Loch. Es ist das Jahr 2002, die USA sind in den Irak einmarschiert – und Bob beschließt, in den Krieg zu ziehen, in seiner Tätigkeit als Journalist. Er will sich und seiner Ex-Frau seine Männlichkeit beweisen. Weil Männer immer schon aus Liebeskummer in Kriege gezogen seien.

Leider bekommt Bob keine Akkreditierung als „Embedded Journalist“, weshalb er schließlich in Kuwait strandet und nicht weiß, wie er überhaupt in den Irak hineinkommen soll. Als er in seinem Hotel eher zufällig einen Fremden kennenlernt, der sich an einer seiner Zeichnungen interessiert zeigt, stellt Bob fest, daß er es mit dem realen Lyn Cassady zu tun hat. Der gibt vor, hier im Auftrag einer Firma zu arbeiten. Bob bittet ihn, ihn mit in den Irak zu nehmen. Lyn erklärt sich dazu bereit.

Unterwegs erzählt Lyn seinem neuen Kompagnon, daß er in Wahrheit eine geheime Mission verfolge. Er sei Mitglied in einer geheimen Militäreinheit, der New Earth Army, die unter dem Kommando von Bill Django (Jeff Bridges) in den frühen 70ern gebildet wurde. Es sei eine Einheit gewesen, die sich paranormalen Fähigkeiten widmete und mit der Hilfe bewußtseinserweiternder Drogen, Yoga und Meditation Fähigkeiten erlangte, die es erlaubten, durch Wände zu gehen, Fernwahrnehmung auszubilden, ebenso Unsichtbarkeit – und sogar durch tödliches Starren Ziegen zu töten. Bob ist einerseits begeistert, den realen Lyn Cassady kennen zu lernen, zugleich aber skeptisch, was dessen Erzählungen betrifft. Allerdings glaubt Bob an eine Story, einen Scoop sogar, weshalb er Cassady gern begleitet und dessen Geschichten lauscht.

Der will seinem neuen Partner seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, was erst dazu führt, daß sie sich in der Wüste verfahren, später einen Unfall zur Folge hat, bei dem ihr Wagen zerstört wird. Die beiden sitzen am Straßenrand, irgendwo im Nirgendwo, und Bob beginnt nun doch ernsthaft an Cassadys Begabungen zu zweifeln.

Ein Wagen kommt vorbei, Cassady bittet den Fahrer und seine Begleiter, sie mitzunehmen, doch schnell stellt sich heraus, daß sie nicht Mitfahrer, sondern Geiseln sind. Der Fahrer trifft unterwegs ein Kommando von Al-Quaida oder einem anderen islamistischen Verein, dem die Amerikaner übergeben werden sollen. Lyn und Bob und ein weiterer Gefangener irakischer Abstammung gelingt allerdings durch Zufall die Flucht. Sie laufen einer amerikanischen Sicherheitsfirma in die Arme, wodurch sie gerettet werden.

Während eines Stopps an einer Tankstelle, kommt es zu einem Feuergefecht zwischen den Amerikanern und Einheimischen. Lyn, Bob und ihr neuer Begleiter fliehen. Der Fremde bringt sie zu seinem mittlerweile völlig zerstörten Haus. Aus Dankbarkeit, daß sie ihn gerettet haben, leiht er ihnen sein Auto. Bob und Lyn machen sich wieder auf den Weg, bis eine versteckte Mine sie stoppt und sie erneut mitten in der Wüste gestrandet sind. Dehydriert und hungrig stolpern sie durch die Dünen, Lyn ist sich sicher, daß ein Fluch seine Mission, von der er Bob bisher immer noch nichts Genaues erzählt hat, behindert oder gar verhindern soll.

Unterwegs berichtet Lyn Bob mehr Hintergründe über die Einheit, erzählt, wie Bill auf ihn aufmerksam wurde, daß er damals, Ende der 60er, Anfang der 70er, ein Suchender gewesen sei und in der Einheit erstmals so etwas wie ein Zuhause gefunden hätte. Sie seien der Überzeugung gewesen, daß sie Gegner nicht-letal, mit Gedankenkraft und auch paranormalen Mitteln hätten besiegen können. Wie ein Orden hätten sie sich gefühlt und Bill habe der Bruderschaft den Namen „Jedi-Ritter“ gegeben.

Alles sei gut gegangen, bis ein neues Mitglied der Truppe, Larry Hooper (Kevin Spacey) – eifersüchtig auf Lyns Vorrangstellung aufgrund seiner ganz besonders ausgeprägter Begabung für das Übersinnliche, aber auch Bill gegenüber reserviert – durch eine Intrige dafür sorgte, daß Bill unehrenhaft entlassen wurde. Erstaunlicherweise sei dieser Larry Hooper dann schnell selbst zum Chef der Einheit aufgestiegen. Er habe Lyn dann zu einem Experiment gezwungen, bei dem dieser tatsächlich eine Ziege durch reine Gedankenkraft getötet habe. Das aber widersprach Lyns (und Bills) Philosophie, die auch unbedingten Respekt vor dem Leben fordere. Deshalb habe er, Lyn, nach diesem Experiment, dessen Erfolg für ihn persönlich ein reiner Mißerfolg gewesen sei, den Dienst quittiert. Und nun sei er eben reaktiviert worden, um die bereits erwähnte Geheimmission zu erfüllen. Worin diese Aufgabe bestehe, will er Bob gegenüber aber weiterhin nicht preisgeben.

Schließlich stoßen die beiden auf eine Wasserstelle und werden bald danach von einem amerikanischen Helikopter gefunden und in ein Camp gebracht.

Dort stellt sich schnell heraus, daß das Camp die New Earth Army in neuem Gewand beherbergt. Sogar Bill ist mit von der Partie, wenn auch offensichtlich gebrochen und dem Alkohol verfallen. Wie zu erwarten war, ist Hooper hier der diensthabende Kommandant, der aus dem Haufen esoterischer Hippie-Soldaten eine effektive Kampfeinheit geformt hat, die vor allem psychische Kampfmethoden – sprich: Folter – erprobt. Bill weist Bob und Lyn daraufhin, daß in engen Zellen Iraker über Tage Stroboskoplicht und ununterbrochener Beschallung mit Musik ausgesetzt seien.

Lyn, der Bob von einem speziellen Schlag berichtet hat, der angeblich tötet, auch wenn das Sterben sich durchaus über Jahre hinziehen könne, und den Hooper ihm einst verpasst habe, als Lyn aus dem Dienst schied, ist derart entsetzt über das, was aus dem Projekt geworden ist, daß er sich in sein Zelt legt und vorgibt, zu sterben. Es sei nun die Zeit, daß Hoopers Fluch mit dem Schlag ihn töten werde – auch, wenn die Ärzte behaupteten, er sei an Krebs erkrankt.

Bob ist irritiert, vor allem aber will er seinen neuen Freunden helfen. Denn die haben ihm mitgeteilt, daß sie die Kraft des Jedi-Ritters auch in ihm spürten. Bill bildet Bob Tag für Tag ein wenig mehr aus, während Lyn immer schwächer wird. Bob macht sich schließlich das Mantra – oder Motto oder Credo – der New Earth Army zunutze, um in Lyn und Bill die alten Geister zu erwecken. Und Bill hat auch bald eine gute Idee.

Er und Bob vermischen die Speisevorräte der Einheit mit LSD, woraufhin das ganze Camp, auch Larry Hooper, in orgasmische Lachkrämpfe verfällt. Im daraus resultierenden Chaos gelingt es dem wieder erstarkten Lyn und Bill, die Gefangenen zu befreien, einen Helikopter zu kapern und davon zu fliegen. Bob, den sie scheinbar vergessen, in Wirklichkeit aber nie vorhatten mitzunehmen, bleibt zurück. Lyn ruft ihm noch zu, daß er die Aufgabe habe, das, was hier passiert sei, in die Welt zu tragen. Er, Bob Wilton, sei die Mission gewesen.

Im Voice-Over – Bob erzählt die ganze Geschichte – wird dem Zuschauer erklärt, daß Lyn und Bill verschollen blieben und niemand wisse, was aus ihnen geworden sei.

Er selbst kehrt in die USA zurück. Er schreibt die Story, berichtet von den Folterungen im Namen der Demokratie und der Freiheit und muß ernüchtert feststellen, daß sich niemand für seine Geschichte interessiert. Doch will er nicht aufgeben. Er sieht sich als Erbe von Bill und Lyn und will in deren Sinne den Weg des Jedi-Ritters weiter beschreiten.

Bob steht in seinem Büro von seinem Sessel auf, starrt die gegenüberliegende Wand an, rennt los – und rennt direkt durch sie hindurch. Ende.

Gern streitet man in der Filmwissenschaft über genaue Bezeichnungen für Genres, aber auch über Werke, die so eindeutig gar nicht zuzuordnen sind. Ein hervorragendes Beispiel für solche Zankereien sind Kriegsfilme und ihr Antipode, der sogenannte Anti-Kriegsfilm. Einen Sonderfall stellen Militärkomödien dar: Wann ist ein Kriegs-, bzw. Militärfilm eine Satire, wann nur eine Klamotte, die sich mit billigen Witzchen auf Kosten vermeintlich schwuler Soldaten, doofer Krankenschwestern oder naiver Militärgeistlicher amüsiert? So geschehen im Falle von Robert Altmans M*A*S*H (1969), der zwar einerseits ein beißend böser Kommentar auf den Vietnamkrieg war, sich zugleich aber nicht entblödete, genau die eben genannten Albernheiten zu präsentieren.

Im Falle von Grant Heslovs THE MEN WHO STARE AT GOATS (2009) könnte man genau diese Diskussion erneut eröffnen. Ein wilder Ritt durch den Irak anno 2002, ein liebeskranker Journalist, eine geheime Hippie-Einheit des U.S.-Militärs, die einst dafür gegründet wurde, mit paranormalen Fähigkeiten den Feind gleichsam mit Liebe umzubringen, ein bisschen Folter, ein wenig Esoterik, viele Schmunzeleien und einige echte Lacher. Und mit George Clooney, Jeff Bridges, Ewan McGregor und – ja, man darf ihn noch namentlich nennen – Kevin Spacey eine Besetzung, die zumindest für hochkarätige Schauspielkunst und folgerichtig für Unterhaltung garantiert. Dennoch ist der Film ein gutes Beispiel für Uneindeutigkeit, Unentschlossenheit und letztlich Ungenauigkeit und die daraus resultierenden Probleme. Denn das Drehbuch von Peter Straughan, das auf einem Sachbuch basiert, will zu viel. Eine „echte“ Message und dennoch schrägen Humor, der an die Filme der Coen-Brüder gemahnt, Detailgenauigkeit, ungläubiges Staunen beim Betrachter und zugleich einen märchenhaften Optimismus verbreiten.

Allein die Besetzung und die Rolle, die hier Jeff Bridges zugeschrieben wird, erinnert an einen Film der Coen-Brüder, die u.a. für THE BIG LEBOWSKI (1998) verantwortlich zeichneten. Dort spielte Bridges einen Spät-Hippie, der hier nun in seiner etwas energetischeren und vor allem militaristischen Version auftritt. Clooney durfte sein komödiantisches Talent ebenfalls bei den Coen-Brüdern erproben, für die er in einigen Filmen vor der Kamera stand. Der Part, den er hier gibt, Lyn Cassady, könnte in Mimik und Gestik auch ein entfernter Verwandter eines Mannes wie Ulysses Everett McGill in O BROTHER, WHERE ART THOU? (2000) sein, den Clooney in jenem Film der Brüder spielte. Die Coen-Brüder haben einen gewissen Humor etabliert, der sich vor allem daraus speist, daß er immer auf einem schmalen Grat zur Tragik wandelt. Sie beobachten die Unbilden des Alltags, manchmal durch eine etwas verzerrende Brille, und generieren daraus die Komik des scheiternden Menschen – meist Mannes, denn es sind diese, die meist vor die Wand rennen. In THE MEN WHO STARE AT GOATS rennen nun diverse Männer buchstäblich vor Wände, immer in dem festen Glauben, auf dem Weg zu ihrem Astral-Leib bereits vorgeschritten zu sein. Für die meisten endet dies schmerzhaft, nämlich vor der Wand.

Das Problem ist, daß der Coen-Humor nicht kopierbar ist. Versucht ein Künstler es, merkt man dies sofort und merkt natürlich auch bald, daß die Coens am entsprechenden Produkt nicht beteiligt waren. Manchmal – bspw. im Falle von THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI (2017) – kann das einen Film Reputation kosten und dem Publikum den Blick für die wahren Qualitäten trüben. In Heslovs Film kommt einiges zusammen, was den gerade beschriebenen Schwierigkeiten entspricht, zudem kommen aber noch einige Probleme hinzu, die wiederum sehr typisch für die Diskussion um Kriegs- oder Anti-Kriegsfilme ist. Denn natürlich wollen Buch und Regie den Krieg im Irak anprangern und darüber hinaus dem Militarismus eine Abfuhr erteilen. Was natürlich wohlfeil ist und im Jahr 2009 bereits recht billige Kritik war, wusste doch jeder, der sich dafür interessierte, daß die Mission im Irak nicht nur nicht gerechtfertigt war, sondern alles in allem ein Misserfolg. Wenn also Lyn Cassady und der von McGregor gespielte Journalist Bob Wilton im Camp, das sie schließlich erreichen und wo die Geheimeinheit nach wie vor tätig ist (ohne daß je näher erklärt wird, worin ihre Aufgaben eigentlich genau besteht), Gefolterte befreien, spricht das zwar für unsere Helden, wirkt aber letztlich auch nur wie Kolportage, wie ein gerade gutes Beispiel, daß wir es bei diesen Männern mit Menschenfreunden und Humanisten zu tun haben. Das typische Problem von Anti-Kriegsfilmen: Sie rennen weit offenstehende Türen ein, gehen aber nur selten soweit, die Institution der Armee als solche in Frage zu stellen..

Die Grundidee des Films an sich ist charmant: Das U.S.-Militär, immer auch an abwegigen Mitteln und Methoden interessiert, eventuelle Feinde – lange Zeit also vor allem der Warschauer Pakt während des Kalten Krieges – in die Knie zu zwingen, greift Anfang der 70er Jahre auch auf Ressourcen zurück, die allerdings seltsam wirken: Sie suchen Menschen mit paranormalen Fähigkeiten, um diese auszubilden und in geheimen Missionen einzusetzen. Eine der Übungen besteht darin, so lange auf eine Ziege zu starren, bis der das Herz stillsteht und sie tot umfällt. Andere Methoden ähneln herkömmlicher psychologischer Kampftechnik: Den Gegner mit Blicken derart bannen, daß seine Aufmerksamkeit abgelenkt wird und man ihm ins Auge stechen oder ihn mit einem gezielten Schlag kampfunfähig machen kann. Daß nun mit dem von Bridges gespielten Bill Django ein ausgesprochener Verehrer der Lehren von Timothy Leary und anderen LSD-Gurus die entsprechende Einheit aufbauen soll, stellt sich letztlich als Fehlgriff heraus. Denn der ist nach Jahren einschlägiger Exegese und intensiver Nachforschungen im Milieu mittlerweile zu einem Hohepriester esoterischer Liebes-Mantras mutiert und glaubt, daß man den Gegner wirklich vor allem mit Liebe vereinnahmen, ja zuschütten sollte. Ob es unlogisch ist, daß ein solcher Mann noch in der Armee bleibt und letztlich damit auch deren Ziele unterstützt, sei einmal dahingestellt. Der Blick in die nach und nach freigegebenen Akten des FBI und der CIA zeigt ja, daß es in den späten 50er und den 60er Jahren die seltsamsten Allianzen gegeben hat.

Daß die CIA mit allerlei psychologischen Versuchen an Insassen von Heilanstalten, gelegentlich auch an eigenen Soldaten, experimentiert hat, die ersten Happenings der Acid-Tests, die Leary und Männer wie Ken Kesey in Kalifornien seit Mitte der 60er organisierten, teils von der CIA gesponsert waren, da man die Massen-Wirkung der Droge ausprobieren wollte (ein Fehlschlag, führte der Versuch doch leider nicht zu gesteigerter Aggression, wie erhofft, sondern eher zum Gegenteil, was unter anderem an der Musik einer Frühformation der Grateful Dead und anderer West-Coast-Psychedelic-Bands gelegen haben mag), all dies ist heute belegt und keine Neuheit mehr. Wenn Heslov zu Beginn seines Films also den Zuschauer per Schrifttafel wissen lässt, daß hier weitaus mehr wahr sei, als der glauben wollte, dann ist dies nicht ganz aus der Luft gegriffen. Ein Verdienst des Films ist es, daß Buch und Regie immer offenlassen, ob die Kräfte, die Lyn Cassady (der Name übrigens ebenfalls ein Verweis auf einen Song der Grateful Dead) nutzt (oder zu nutzen behauptet) real sind oder schlicht Behauptung, Lüge und Einbildung. Immer da, wo er sie zur Anwendung zu bringen scheint, könnte es sein, daß er wirklich in natürliche Prozesse eingreift, es könnte aber auch jedes Mal reiner Zufall sein, was Wilton und der Zuschauer geboten bekommen. Zudem Lyn er nie wirklich Spektakuläres aus. So bleibt eben offen, ob das alles ein riesiger Schwindel ist – oder eben doch Hexenwerk. Entscheiden muß das letztlich der Zuschauer, ein jeder für sich.

Ein weiteres hübsches Vexierspiel treibt der Film mit einem Wechsel von Fakt und Fiktion. Ewan McGregor spielte in der mittleren STAR WARS-Trilogie der 90er Jahre (tatsächlich Prequels zu den Originalfilmen der 70er und 80er Jahre) den jungen Jedi-Ritter Obi Wan Kenobi. Nun trifft er in der Rolle des Journalisten Bob Wilton auf Männer, die sich selbst als Jedi-Ritter bezeichnen – und dies offenbar schon seit dem Jahr 1972, also fünf Jahre, bevor der Begriff durch den ersten STAR WARS-Film (1977) populär wurde. Nun behauptet THE MEN WHO STARE AT GOATS schlicht, ein Mann wie Wilton hätte im Jahr 2002 noch nie von Jedi-Rittern gehört. Und schließlich muß der arme Kerl auch noch feststellen, daß er höchst selbst Lyn Cassadys Mission ist, da dieser ihn als Träger jener Macht sieht, die die Jedi-Ritter auszeichnet. Der Film endet mit einem eindeutigen Beweis, daß Wilton mittlerweile gelernt hat und fortgeschritten ist. Denn ihm gelingt, was zuvor anderen nicht gelang: Er springt durch eine massive Wand, direkt aus dem Film heraus, der damit dann auch endet. Ein hübscher Verweis, den sich Buch und Regie hier mit ihren Schauspielern und deren Figuren-Portfolio erlauben.

Mit einer Lauflänge von 93 Minuten ist THE MAN WHO STARE AT GOATS in einem für Komödien guten Mittel, sehr viel länger tragen die meisten komischen Formate meist nicht. So bleibt das alles kurzweilig, es ist unterhaltsam und hat erstaunlicherweise dennoch seine Längen. Das liegt daran, daß der Film eben unentschlossen wirkt und der Zuschauer sich mehrfach fragt, ob das jetzt noch komisch sein soll oder nicht doch schon ernst gemeint ist. Letzteres wäre ja nicht verwerflich, ist aber aus dramaturgischen Gründen eine gefährliche Strategie. Und vor allem in den Momenten, in denen Heslov den Krieg dann sehr unlustig anprangert – ein Beispiel wurde oben anhand der Folter-Gefangenen erwähnt – kehrt sich die Strategie des Films ungewollt gegen sich selbst. Denn die Bilder aus Abu Ghraib, die Foltergefängnisse, von denen wir wissen – das Lachen ist uns längst vergangen und niemand braucht auch nur die schrägste Komödie der Welt, um das Grauen zu begreifen. Zumal das wirkliche Grauen hier nicht einmal in Ansätzen zu erahnen ist.

So lässt sich nicht einmal sagen, hier seien große Potentiale verschenkt worden. Die Macher haben sich schlicht verhoben, haben wirklich Abwegiges, das durchaus zum Lachen animieren kann, mit allzu Gegenwärtigem zusammengespannt und dabei vergessen, daß die Wirklichkeit der Folter im Namen von Freiheit und Demokratie jeden Zuschauer lange schon beschäftigt und ein stetes Unwohlsein hervorruft. Herov zeichnet mittlerweile auch für eine sechsteilige Miniserie (2019) nach dem Roman CATCH-22 (1961) von Joseph Heller verantwortlich. Auch das war eine Komödie, allerdings von solch tiefschwarzem Humor und einer so weiten Sicht auf die Fürchterlichkeiten des 2. Weltkriegs, daß man schon nach der Lektüre dieses Romans zum Pazifisten werden konnte. Heller und auch Mike Nichols Erstverfilmung von 1970 (auch, wenn man über ihre Wirkmächtigkeit und letztlich die Qualität der Umsetzung generell streiten mag) boten eben jene Art von schrägem Humor, die für viele satirische bis sarkastische Kriegsromane als Vorbild taugten. Vielleicht hätte Herov sich zuerst an dieser Vorlage abarbeiten sollen und danach ein eigenes, originäres Szenario angehen. Vielleicht wäre THE MEN WHO STARE AT GOATS ein besserer Film geworden.

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