GEFÄHRTEN DES TODES/THE DEADLY COMPANIONS

Sam Peckinpahs erster eigener Western

Ein ehemaliger Kavellerieoffizier der Nordstaaten, genannt Yellowleg (Brian Keith), sucht seit Jahren nach demjenigen, der einst auf dem Schlachtfeld versuchte, ihn zu skalpieren. Er findet ihn in einer Cantina, wo sich einige Spieler ein Späßchen daraus machen, diesen Turk Genannten (Chill Wills) wegen Falschspieles aufzuhängen. Yellowleg rettet ihn, Turk und sein Companero Billy Keplinger (Steve Cochran) schließen sich ihm an, gemeinsam will man eine Bank in dem Städtchen Gila City ausrauben. Dort angekommen, läßt Yellowleg die beiden anderen warten – er gebe vor, wann der richtige Zeitpunkt für den Überfall gekommen sei. Er will jedoch vor allem Turk antun, was dieser ihm antat. Bei einem Besuch bei einem Arzt, der Yellowlegs kennt und Zeuge von Turks Untat war, erfahren wir die ganze Geschichte, aber auch, daß in Yellowlegs Schlüsselbein eine Kugel steckt, die es ihm weitestgehend unmöglich macht, vernünftig zu schießen. Bevor die drei nun zur Sache kommen können, werden sie Zeugen, wie eine andere Bande die Bank überfällt, beim anschließenden Schußwechsel beteiligt sich auch Yellowlegs, kann die Waffe jedoch nicht richtig bedienen und tötet mit einem unkontrollierten Schuß einen Jungen. Dieser war der Sohn von Kit Tildon (Maureen O’Hara), die in der Stadt keinen guten Leumund besitzt, gilt sie den anständigen Bürgern doch als Amüsiermädchen, das nicht einmal wisse, wer der Vater des Jungen gewesen sei. Kit will das tote Kind an den Ort bringen, wo ihr Mann begraben liegt, was jedoch mitten im Apachengebiet ist. Yellowleg bietet sich – von Schuldgefühlen geplagt – als Eskorte an, Kit lehnt ab. Die drei Männer folgen ihr dennoch und helfen ihr schließlich, als die Kutsche mit dem Sarg in einem Flußbett liegen bleibt. Billy versucht recht bald, die Frau zu vergewaltigen, wird daran aber gehindert und verjagt. Nachts verschwindet Turk, er will zurück und die Bank doch noch ausräumen. Kit und Yellowleg reiten weiter. Unterwegs werden sie Zeuge, wie eine Postkutsche von Indianern angegriffen wird, bei genauerem Hinsehen stellen sie jedoch fest, daß auch in der Kutsche lediglich verkleidete Indianer sitzen. Alle gemeinsam „spielen“ stark angetrunken Kutschenüberfall. Nachts schleicht Yellowleg in das Lager der Indianer, entwendet ein Pferd, verscheucht die anderen und schlägt einen Indianer nieder. Er flieht und die beiden ziehen wieter, ihrem Ziel entegegn. Nun aber hat sich einer der Indianer auf ihre Fährte gesetzt und folgt ihnen, terrorisiert vor allem Kit, indem er immer wieder Pfeile auf sie abschießt, ohne einen der beiden wirklich treffen zu wollen. Yellowleg läßt die Kutsche zurück, dennoch folgt ihnen der andere weiterhin. Nachts in einer Höhle kommt es zum Showdown und es ist schließlich Kit, die den Indianer erschießt, mehr aus Versehen denn beabsichtigt, als er plötzlich vor ihr steht. Nun weiß sie, wie schnell es gehen kann, daß eine Waffe einen Menschen auslöscht. Sie beginnt, Yellowleg besser zu verstehen. Sie weiß auch, daß dieser sie begehrt, selbst merkt sie, daß sie beginnt, sich in ihn zu verlieben. Schließlich erreichen sie die kleine Stadt mitten im Nirgendwo. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden sie auch das richtige Grab, als plötzlich Turk und Billy wieder auftauchen. Es kommt zu einer letzten Auseinandersetzung, bei der schließlich Turk Billy tötet, nachdem klar wird, daß dieser alle außer Kit töten und dann mit ihr verschwinden will. Nun steht Yellowlegs Rache nichts mehr im Wege. Aber Kit bittet ihn inständig, davon abzusehen, Turk zu skalpieren. Yellowleg gibt nach. Eine Posse aus der Stadt erreicht das Dorf, sie haben Billy und Turk verfolgt. Yellowleg fordert sie auf, dem Jungen ein ordentliches Begräbnis zu geben, dann reiten er und Kit davon.

Sam Peckinpah – Bloody Sam, wie ihn seine Fans nennen – drehte mit THE DEADLY COMPANIONS seinen ersten eigenen Film. Ein Western, wie die TV-Serie RAWHIDE, für die er einige Jahre immer wieder Regie geführt hatte. Sein Hauptdarsteller aus eben jener Serie – Brian Keith – wollte ihn für diesen Film – dessen Drehbuch feststand – , bei dem Peckinpah eigentlich nur ausführendes Organ sein sollte. Das ließ ihn später ausgiebig über den Film und die Bedingungen lästern, unter denen er entstanden ist. Und es ist erstaunlich, was für ein schöner, ruhiger und sich keineswegs in den Abgründen des Scripts verheddernder Film hier entstanden ist.

Sicher, es gibt einige Logikbrüche in der Handlung, vor allem will einem als Zuschauer weder einleuchten, wieso Billy und Turk sich so ohne Weiteres unter Yellowlegs Kommando stellen (erst recht nicht, nachdem sie feststellen konnten, daß er offensichtlich nicht in der Lage ist, seine Waffe zu benutzen), noch, wie diese Liebe zwischen Täter und Opfermutter sich entwicklen soll, kurz nachdem der Junge getötet wurde. Doch wie sagte John Ford einmal auf die Frage, wieso in „Stagecoach“ die Indianer nicht einfach das Leitpferd an der Kutsche erschossen hätten? Dann wäre der Film vorbei gewesen! So ist das.

Peckinpah war gezwungen, mit einem vorgegebenen Script zu arbeiten, an dem er nichts ändern durfte, die Zusaammenarbeit mit Maureen O’Hara (die immer noch wunderschön ist in diesem Film und sogar das Titellied singt, welches Peckinpah wohl gehasst hat) gestaltete sich schwierig. Doch es sind dem Meister einige großartige Bilder gelungen, manchmal so elegisch, daß sie einen schon an den über ein Jahrzehnt später entstandenen PAT GARRETT AND BILLY THE KID denken lassen. Es ist ein solider Western, ein Film, der sich einer Rachegeschichte bedient, die ein wenig dünn wirkt, wenn Yellowleg sich der Narbe an seiner Stirn so schämt, daß er seinen Hut nicht einmal im Schlaf ablegt; sich einige Unglaubwürdigkeiten leistet mit dieser Kit Tildon die sich trotz ihres Verlustes in eben den Mann verlieben soll, der ihr den Verlust zugefügt hat (obwohl es Peckinpah hier gelingt, einen unglaubwürdigen Schwenk der Story doch halbwegs glaubwürdig werden zu lassen, indem er das Schwanken dieser Frau, die Zerrissenheit durchaus zeigt); die zwei Bösewichter präsentiert (die von Cochran und Wills gut gespielt werden und in ihrer vermeintlichen Zivilisiertheit immer wieder durchschimmern lassen, wie gefährlich und brutal sie sind), deren Motive nicht wirklich nachvollziehbar sind, vor allem nicht, warum sie – wie in einer Szene im zur Kirche umfunktionierten Saloon – erst alles tun, was man von ihnen verlangt, dann aber plötzlich umschwenken und anfangen, die Leute zu terrorisieren.

Peckinpah gelingen aber auch schon einige Szenen und Einfälle, die typisch für seine Art der Inszenierung werden sollten: Sei es der gespielte Postkutschenüberfall, sei es der Indianer, der die beiden verfolgt und mit seinem nie richtig angelegten Pfeilbeschuß terrorisiert; sei es Turks offensichtlicher Wahnsinn, wenn er immer wieder davon schwadroniert, sich mit dem Geld aus dem Banküberfall eine eigene Armee und somit einen eigenen Staat schaffen zu wollen. Und wir sehen, wie Billy in einer schnell geschnittenen Einstellung auf sein eigenes Spiegelbild schießt, was im späteren Film Pat Garrett direkt nach dem Mord an Billy tut. Und auch thematisch sind schon spätere Peckinpahsujets vorhanden: Dieser Film erzählt von Helden, die altern, die beschädigt sind. Der Hauptprotagonist kann seine Waffe nicht mehr nutzen, ist also innerhalb der Genreregeln „nutzlos“; Yellowleg und Kit müssen durch einen symbolischen Läuterungsprozess gehen, werden ihre Mittel doch immer geringer: Zunächst sitzen die Männer auf Pferden, Kit auf dem Bock des Wagens, dann stirbt ein Pferd, Yellowlegs Reitpferd wird Zugtier des Wagens, dann geben sie den Wagen auf und schließlich verlieren sie auch das zweite Pferd und tragen den Sarg mit dem Jungen durch die Wüste bis zu der toten Stadt, wo der Vater des Kleinen, Kits ehemaliger Gatte, begraben liegt. Der gebrochene Held, von Selbstzweifeln, gar Selbsthass, getrieben und vergiftet, bar aller Menschlichkeit und doch mit der Hoffnung auf Besserung ausgestattet – auch der ist hier schon angelegt. Peckinpahs Sinn fürs Absurde war offensichtlich schon deutlich ausgeprägt, als er sich an diesen Film machte.

Richtig ist, daß man es hier – gemessen vor allem an solchen Großtaten wie THE WILD BUNCH oder dem bereits erwähnten PAT GARRETT AND BILLY THE KID – nicht mit einem typischen Sam-Peckinpah-Western zu tun hat (vor allem die Gewalt bleibt hier noch in erträglichen Grenzen). Doch hat man es mit einem sehr schönen Western zu tun, einem Film, der sowohl ein wenig an Anthony Manns Rachewestern, als auch an THE SEARCHERS von John Ford erinnert in der Suche des Hauptprotagonisten, aber auch darin, wie dieser am Ende der Suche nicht tun kann/will, was sein Streben war – Rache zu üben, Töten. Abgesehen von Brian Keith, der eine bestenfalls ordentliche Leistung abliefert, spielen die Darsteller alle recht gut, was über manche Schwachstellen im Buch hinwegtäuscht.

 

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