THE FAVOURITE – INTRIGEN UND IRRSINN/THE FAVOURITE

Ein herrliches Kleinod des Historienfilms, böse funkelnd und voller hintergründigem Witz

England im Jahre 1708: Am Hofe der englischen Königin Anne (Olivia Colman) herrschen Neid, Intrigen und Illoyalität. Der spanische Erbfolgekrieg bindet enorme finanzielle Mittel, die anderweitig gebraucht würden, weshalb die Opposition der Whigs den im Parlament vorherrschenden Tories weitere Steuererhöhungen vor allem für die Grundbesitzer untersagen will.

Während Robert Harley (Nicholas Hoult) für die Whigs spricht, sind es auf Seiten der Königin vor allem der Schatzmeister Godolphin (James Smith), mehr noch die engste Vertraute der Königin, Sarah Churchill (Rachel Weisz) und deren Gatte, der Duke of Marlborough (Mark Gatiss), Führer des königlichen Heeres, die unbedingt auf die Fortführung des Krieges und somit auch die dafür nötigen Steuererhöhungen plädieren.

Sarah ist seit Kindheitstagen mit Anne befreundet und nimmt an der Seite der Queen tatsächlich eine Sonderstellung ein. Im Grunde führt sie die Staatsgeschäfte, da die Königin seit dem Tod ihres Mannes im Vorjahr noch verletzlicher und nervlich angeschlagen wirkt, als es durch etliche Totgeburten und einen an sich schon eigenwilligen Charakter sowie eine ausgeprägte Launenhaftigkeit schon ohnehin der Fall ist.

Die Königin leidet zudem an wiederkehrenden Gichtanfällen, die sie immer wieder ans Bett fesseln. Weinerlich und wehklagend beschwert sie sich bei Sarah, aber auch bei jedem und jeder anderen zur Verfügung stehenden Person in ihrem Umfeld über ihr grausames Schicksal. Sarah allerdings weiß Anne zu nehmen und auch zu beruhigen. Zwischen den Frauen herrscht ein tiefes Verständnis.

Eines Tages taucht Abigail (Emma Stone) am Hofe auf. Die verarmte Cousine von Sarah Chruchill wurde vom eigenen Vater beim Spielen an einen Gläubiger verloren. Sarah zeigt sich ungnädig gegenüber diesem Abkömmling eines eher unbeliebten Teils der Familie und lässt Abigail in der Küche arbeiten und beim Gesinde schlafen.

Abigail nimmt ihr Schicksal an. Doch als sie mitbekommt, wie sehr die Königin unter den Gichtanfällen leidet, nutzt sie ihre Kenntnisse der Pflanzenheilkunde, sucht entsprechende Kräuter, bereitet eine Paste zu und schleicht sich nachts in die Gemächer der Königin, wo sie die wunden Stellen des Beins damit bestreicht.

Alsbald tritt Linderung ein und die Königin verlangt nach derjenigen, die dafür verantwortlich ist. So gerät Abigail in den näheren Dunstkreis der Königin.

Selbstverständlich trägt ihr dies auch eine bessere Stellung bei Sarah ein. Die beiden schießen häufiger gemeinsam Tauben und bei diesen Gelegenheiten verdeutlicht Sarah gegenüber Abigail ihre Philosophie, ihren Machtanspruch und auch, dass sie ihre Verwandte zwar duldet, jedoch sehr genau darauf achten wird, wie die sich verhält.

Abigail begreift bald, dass Sarah nicht nur Vertraute, Freundin und Beraterin einer Königin ist, die leicht manipulierbar scheint, tatsächlich aber ihren sehr eigenen Willen hat, den sie auch durchzusetzen versteht, vielmehr ist die Cousine auch die Geliebte der Königin.

Als die Staatsgeschäfte Sarah immer stärker in Anspruch nehmen, schickt sie gelegentlich Abigail als Ersatz zum Zeitvertreib zur Königin, die ihr Schlafgemach oft tagelang nicht verlässt. Hier hält sie in Käfigen neben ihrem Bett siebzehn Kaninchen, die sie morgens frei im Zimmer herumhoppeln lässt und ihr Gesellschaft leisten. Abigail begreift bei einem Besuch sofort, dass die Anzahl und die Namen der Tiere auf die vielen, vielen toten Kinder der Königin verweisen. Als sie sich auch noch liebevoll gegenüber den Karnickeln zeigt, hat sie die Gunst der Königin gewonnen.

Je weniger Zeit Sarah für ihre Freundin findet, desto häufiger ist es nun Abigail, die der Herrscherin nicht nur Gesellschaft leistet, sondern schließlich auch im Bett Sarahs Stelle einnimmt.

Als Sarah eines Nachts an den Hof zurückkehrt, findet sie Abigail in den Armen Annes. Daraufhin entlässt sie Abigail und verbannt sie erneut in die Gesinderäume.

Doch Anne reagiert ebenfalls sofort und macht die junge Frau zu ihrer persönlichen Kammerzofe – ein Entschluss, den Sarah auch durch gutes Zureden und tatsächlich sogar Lügen nicht verhindern kann und der andeutet, dass es einen Bruch zwischen ihr und der Königin geben könnte.

Anne betrachtet das Spiel um ihre Gunst mit einigem Wohlwollen. Während Abigail, der es vornehmlich darum zu tun ist, in der Aristokratie wieder aufzusteigen, „eine Lady“ zu sein, ihrem Ziel deutlich näherkommt, nutzt Sarah jede Gelegenheit, die Königin gegen ihre Zofe einzunehmen.

Abigail mischt Sarah etwas in ihr Essen, wodurch diese bei einem anschließenden Ausritt einen Schwächeanfall erleidet und vom Pferd fällt. Tagelang wird sie im Haus eines Adligen, dessen Angestellte sie gefunden haben, gepflegt, allerdings auch festgehalten. Offensichtlich will ihr Gastgeber seinen prominenten Gast auch deshalb nicht wieder gehen lassen, weil er in Opposition zu der auch von der Königin vertretenen Politik der Tories steht.

Derweil vergnügen sich die Königin und Abigail miteinander. Anne scheint die Abwesenheit ihrer bisher engsten Vertrauten nicht sonderlich zu sorgen, sie unterbindet sogar eine Suche. Abigail ihrerseits nutzt die Gelegenheit und bitte die Königin, sie mit Samuel Masham (Joe Alwyn) zu vermählen, der sie schon seit geraumer Zeit umwirbt. Die Königin stimmt dem zu und es kommt zu einer überstürzten nächtlichen Vermählung.

Durch Albträume entsetzt, veranlasst Anne einige Tage später doch noch eine Suche nach Sarah. Diese kehrt aber auf eigene Faust an den Hof zurück, schwer gezeichnet durch die Verletzungen, die sie beim Sturz vom Pferd erlitten hat. Nun warnt sie Anne ganz offen vor Abigail, der sie unterstellt, wirklich Böses im Schilde zu führen. Doch Abigail, nun im Range einer Lady, lässt Sarah abblitzen und macht deutlich, dass ihre Stellung ihr nun sehr viel mehr Macht und Spielraum verleiht.

Auch die Königin ist nicht mehr willens, sich von Sarah manipulieren und anleiten zu lassen. Sie entzieht ihr ihre Gunst und nimmt sogar ein Geschenk zurück, dass sie ihr machen wollte – ein Schloss. Daraufhin droht Sarah damit, die Liebesbriefe öffentlich zu machen, die Anne ihr in all den Jahren geschrieben hat und die äußerst kompromittierend sind. Doch Anne zeigt sich willensstark und verweist Sarah endgültig des Hofes.

In einem letzten, durch eine Geheimtür zu den königlichen Gemächern geführtes Gespräch, versichert Sarah der Königin ihre Liebe, erklärt, die Briefe längst verbrannt zu haben, was tatsächlich stimmt, und sagt Anne, dass sie, Sarah, anders als all die Günstlinge, immer ehrlich zu ihr gewesen, ihr immer die Wahrheit in persönlichen wie politischen Belangen gesagt habe. Dies sei der größte Beweis ihrer Liebe.

Abigail nimmt nun mehr und mehr die Stellung ein, die Sarah so viele Jahre innehatte. Doch ist sie weitaus weniger geeignet, die Staatsgeschäfte zu führen. Sie flüstert Anne ein, Robert Harley, der sie lange Zeit als eine Art Spionin am Hof benutzt und zugleich seine Geringschätzung ihr gegenüber mit teils brutalen Mitteln zum Ausdruck gebracht hat, nun zum Premier zu machen. Er wird sich umgehend um einen Frieden mit Frankreich bemühen, ein Hauptanliegen der Opposition, und somit den Landbesitzern die angesetzten hohen Steuern ersparen.

Abigail hat im Gegensatz zu Sarah wenig Interesse an der Politik. Ihr eigentliches Anliegen ist es, Sarah von einer Rückkehr an den Hof abzuhalten. Zu diesem Zwecke fängt sie regelmäßig die Briefe ab, die Sarah an die Königin schreibt. Schließlich bringt sie Anne soweit, einen Bann gegen die Marlboroughs auszusprechen, denen die allerdings zuvorkommen und freiwillig England verlassen. Doch all das Intrigantentum, all der Hass, der die junge Frau so offensichtlich umtreibt, lässt sie auch verlieren, was sie einmal ausmachte: Anmut, Charme und Empathie.

Die zusehends erkrankende Königin langweilt sie, lang hat sie schon kein erotisches Interesse mehr an ihr. Als sie sich offen zu widersetzen beginnt, muss Anne sie in einem letzten Kraft- und Willensakt regelrecht zwingen, vor ihr auf die Knie zu gehen.

Dass sich ausgerechnet Yorgos Lanthimos, bis dato eher für in hermetischen Welten angesiedelte Schauerstücke der hintergründigeren Art bekannt, für eine heute weniger beachtete Epoche in der Geschichte der britischen Königshäuser interessieren könnte, hätte man auch nicht unbedingt erwartet. Und doch – mit THE FAVOURITE (2018) legte er genau ein solches Werk vor. Und schuf ein kleines Meisterstück des Historienfilms, ein vor bösartigem Witz nur so funkelndes Kleinod, ein Kammerspiel voller Lust an Tratsch, Illoyalität, Verrat und hysterischer Konkurrenz unter jenen, die sich der Macht andienen oder hingeben, koste es (nahezu) alles, was sie materiell, physisch und psychisch für diese Kämpfe aufzubieten haben.

Nach einem Drehbuch von Deborah Davies und Tony McNamara, widmet sich Lanthimos einem Intrigenspiel rund um Queen Anne (*1665; †1714), deren Regierungszeit von 1702 bis zu ihrem Tod währte. Zunächst war sie Königin von England, Schottland und des Königreichs Irland, ab 1707 dann Königin des Königreichs Großbritannien, nachdem sie die Königreiche England und Schottland vereinigt hatte. Sie galt als ein wenig verschroben, etwas scheu, allerdings war sie sich ihrer Rolle und des Wesens des Amts, das ihr auferlegt wurde, wohl bewusst. Unter ihrer Ägide gab es große militärische Erfolge im Spanischen Erbfolgekrieg, dabei vor allem gegen die Franzosen. Zudem blühte das Land wirtschaftlich auf. So wurde sie zu Good Queen Anne, wodurch das Urteil der Geschichtsschreibung zum Ausdruck kommt, die ihre Herrschaftsjahre als durchaus gelungen betrachtet. Interessant ist die Figur aber auch aufgrund ihrer persönlichen Beziehungen zu anderen. Einige waren so eng, dass nur allzu gern über allerhand intime Details spekuliert wurde. Vor allem die seit Kindheitstagen bestehende Freundschaft zu Sarah Churchill, einer frühen Ahnin des späteren britischen Premiers Winston Churchill, ist bis heute Gegenstand eben solcher Spekulationen. Und sie ist die Grundlage des Films.

Dieser setzt nach dem Tod von Prinz Georg von Dänemark ein, des Duke of Cumberland, mit dem die Königin seit 1683 bis zu seinem Tod im Jahr 1708 verheiratet war. Laut ihrer Biograph*innen wohl durchaus glücklich. Der sehr viel ältere Gemahl gab ihr Rückhalt und unterstützte sie in ihren politischen Geschäften und Entscheidungen, durfte selbst – sehr zum Unbill einiger Herren der zweiten politischen Reihe – als Lord High Admiral der britischen Seekräfte diese befehligen. Dass Anne wohl ein Mensch war, der unbedingte, enge, loyale Bindungen brauchte, scheint verbürgt.

Wie weit diese Bindungen sowohl politisch als auch privat reichten, ist jedoch umstritten. Doch scheint belegt, dass sie gerade nach dem Tod ihres Gatten dringend auf ihre Freundschaften und Vertraute angewiesen war. Das Drehbuch des Films macht sich den Klatsch hinsichtlich einer angeblichen, tatsächlich nie belegten intimen Beziehung zu Sarah Churchill zunutze und stellt die Freundschaft der beiden als eindeutig lesbisch dar, wodurch ein Teil des Einflusses erklärt wird, den Churchill auf die Königin hat. Im Grunde schöpft der Film aus dieser Spekulation sein dramatisches Potential. Denn hier wird politische Macht auch und gerade über persönliche Gefühle, über Eifersucht, Neid und seelische Abhängigkeiten verhandelt. Sarah Churchill, von Rachel Weisz aufreizend arrogant und nach außen recht spröde wirkend dargestellt, mutiert im Film zu einer Machtmaschine, die sie in Wirklichkeit wohl durchaus auch gewesen sein mag, doch werden andere Facetten ihres Charakters lediglich angedeutet oder skizziert. Die herrische, machtbewusste Seite ihres Charakters prägt und dominiert die Figur eindeutig.

Das Intrigenspiel beginnt, als Sarahs verarmte Cousine Abigail, später, nach der Heirat mit Samuel Masham gleichen Namens wie ihr Gatte, am Hofe auftaucht. Bald entbrennt ein Kampf um die Gunst der Königin, einer Frau, die zwar schwach und verunsichert wirkt, doch immer wieder, gerade in Momenten, in denen man es am wenigsten erwarten würde, Stärke, wirkliche Führungsstärke und auch einen klaren Willen zur Macht zeigt. Es ist Olivia Colmans schauspielerischer Klasse geschuldet, wie intensiv sowohl die einen wie die anderen Momente im Charakter dieser Frau sind und wie glaubwürdig die Stimmungsschwankungen und die damit einhergehenden Anwandlungen von königlicher Durchsetzungskraft auf der Leinwand wirken.

Churchill wird hingegen als eine Intrigantin dargestellt, welche die Königin am Gängelband führt, sie weitestgehend beherrscht. Sie führt die Staatsgeschäfte, sie hält andere Einflüsterer von ihr fern und sie bestimmt, wenn es darauf ankommt, wie die Königin sich in welchen Situationen zu verhalten, wann sie sich bspw. zusammenzureißen hat. Doch ist es nicht zuletzt die Art und Weise, in der Anne die Gunstbezeugungen der beiden miteinander verwandten Frauen genießt, die um sie buhlen, die ihren Charakter eben auch ausmachen. Es ist sicher kein feiner Wesenszug, der sich darin ausdrückt, jedoch ein Beweis, dass diese Frau sehr genau begreift, was um sie herum vor sich geht und sogar einen gewissen Gefallen daran finden kann. Darin ist sie dann ganz königlichen Geblüts, wie es das Klischee will: Abgehoben, arrogant und auch ein wenig bösartig in der Lust an der Demütigung anderer. Anne forciert das Spielchen ihrer Zofen sogar, indem sie mal hier ein wenig Zuneigung zeigt, dann wieder dort. Mal entzieht sie sich der einen, dann der anderen. Und als Sarah durch einen durch Abigail mit herbeigeführten Reitunfall tagelang verschwunden ist und unauffindbar bleibt, scheint dies die Königin entweder nicht zu sorgen, oder aber sie genießt die Freiheit von der sie bestimmenden Frau sogar und verzichtet ganz bewusst darauf, Suchtrupps los zu schicken. Nicht nur in dieser Sequenz findet der Film findet immer wieder exquisit bösartige Szenen und Dialoge, um das Machtspiel auch der Königin darzustellen.

In Bezug auf Sarah Churchills Stellung am Hofe Queen Annes balanciert der Film recht geschickt auf einem schmalen Grat zwischen historisch verbürgten Fakten und reiner Spekulation. Winston Churchill selbst war es, der die auch heute noch gängige Sicht auf Sarah Churchill, ihren Mann, John Churchill, den 1. Duke of Marlborough, und Sidney Godolphin, den 1. Earl of Godolphin – als Schatzmeister der Königin eine ausgesprochen wichtige und einflussreiche Figur seiner Zeit, der auch im Film, wo sich vieles um Steuererhöhungen dreht, die den Krieg auf dem europäischen Festland finanzieren sollen, eine hervorgehobene Rolle spielt – geprägt hat. Churchill bemerkte, dass Sarah die Königin gelenkt habe, Marlborough den Krieg und Godolphin das Parlament, wodurch die Regierungsgeschäfte recht reibungslos im Sinne dieser drei liefen. Bis zu einem gewissen Punkt mag dies gestimmt haben, tatsächlich widerspräche es allerdings der ebenfalls gängigen Meinung, dass Anne doch auch willensstark ihre politischen Positionen vertreten habe. Der Film findet auch hier passende Szenen, um beiden Sichtweisen gerecht zu werden. Nicht zuletzt dadurch baut er einen gehörigen Teil seiner Spannung auf.

Was das Verhältnis zwischen Sarah Churchill und der Königin jenseits möglicher erotischer Intimitäten betrifft, gibt es in der Wissenschaft ebenfalls widersprüchliche Ansichten. Es war eine lange und sehr enge, bereits aus Kindheitstagen herrührende Freundschaft, darüber besteht kein Zweifel, allerdings gab es einen Bruch um das Jahr 1709 herum, nach welchem die Churchills England verließen und auf das europäische Festland übersiedelten. Dieser Einschnitt markiert das Ende des Films. Der Grund für den Bruch wird im Film eindeutig mit dem Intrigenspiel zwischen Sarah und ihrer Cousine Abigail belegt, die nach und nach in der Gunst Annes aufsteigt und Sarah schließlich verdrängt und damit auch deren politische Expertise in Frage stellt. Eie Expertise, die Abigail sich lange nicht anmaßt zu besitzen und, als sie dann doch die Stellung hat, der Königin ihrerseits politische Ratschläge zu erteilen, auch nicht erbringen kann. Der Ratschlag, Robert Harley zum neuen Premier zu ernennen, ist im Film auf dessen, nicht auf Abigails Mist gewachsen. Im Gegensatz zu den Behauptungen des Films belegen die historischen Fakten aber, dass Sarah Churchill ihre Position an der Seite der Königin zunehmend als schwierig, ja herausfordernd betrachtete und ganz bewusst andere Frauen an Anne heranführte, um sich sukzessive von ihr zu lösen und zurückzuziehen.

Das Drehbuch des Films hält sich allerdings so nah an die Fakten, wie es irgend geht, die wesentlichen Figuren sind historisch verbürgt und auch ihre uns bekannten Funktionen und Haltungen werden adäquat wiedergegeben. Neben den bereits erwähnten ist dies vor allem der eben erwähnte Robert Harley, einer der wesentlichen Politiker seiner Zeit und im Film vor allem Vertreter der Opposition im britischen Parlament, der Whig-Partei. Allerdings war Harley politisch nicht so eindeutig einzuordnen, wie es hier erscheint, er wechselte während seiner öffentlichen Tätigkeit mehrfach die Seiten und Positionen. Es schadet nicht, zum besseren Verständnis des Films ein wenig Vorkenntnisse über das damalige politische System Großbritanniens und die herrschenden Verhältnisse zu besitzen. Nur so wird wirklich verständlich, weshalb sowohl Regierungs- als auch Oppositionsvertreter im königlichen Palast ein- und ausgehen und scheinbar jederzeit Zugang zur Königin haben. Auch die Art der Verhandlungstätigkeit im Parlament wie im Palast erklärt sich so sehr viel einfacher. Doch wirklich wesentlich, um dem Film in seinen politischen Grundzügen folgen zu können, sind solche Kenntnisse nicht. Bei aller historischen Genauigkeit, so sehr der Film auch eingebettet ist in die damaligen politischen Belange, im Kern geht es hier ums Menschliche, ums Allzumenschliche.

Es ist der Hang zur Dekadenz einerseits, der hier ausgestellt und teils auch denunziert wird, andererseits die Einsamkeit, die ein Mensch vor allem empfinden kann, während er oder sie unter vielen anderen Menschen sich befindet. Und auch die seelische Korruption, die Macht auslöst, wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. Es ist eine – und da ist Lanthimos dann wieder bei sich und den filmischen Vorgängern zu THE FAVOURITE – nahezu hermetisch abgeschlossene Welt, in der sich der Adel, der Hof, einige wenige Bürgerliche bewegen. Obwohl wir zu Beginn des Films, als Abigail von ihrer Cousine in die Gesinderäume verbannt wird, Einblick in die Lebensbedingungen des Plebs erhalten, bleibt „das Volk“ eine völlig abstrakte Größe, die zwar ständig erwähnt, auf die dauernd rekurriert, die aber nie sichtbar wird. Stattdessen gibt es ausschweifende Spiele, Taubenschießen im Park, Hühnerrennen in den Galerien des Schlosses, es gibt Feste und Tänze und Fressgelage, der Hof wird als ein Ort dargestellt, an dem ununterbrochener Betrieb herrscht und doch vergleichsweise wenig passiert. Robbie Ryans Kamera durchstreift immer wieder die schier endlosen Gänge und Galerien des Schlosses, in teils durch den Einsatz von extremen Weitwinkel- und Fisheye-Objektiven bizarr verzerrten Einstellungen wird uns ununterbrochene Bewegung suggeriert, sehen wir überall aufgebrezelte Herren und aufgeputzte Damen herumstehen, scheinbar in Gespräche vertieft, die aber offenbar nichts tun. Diese tauchen in nahezu allen solchen Einstellungen und Szenen auf, was den Eindruck verstärkt, dass dieser Hof ein in seiner Regsamkeit seltsam stillstehender Betrieb ist.

Die Königin wird über weite Strecken des Films als eine vergleichsweise hysterische Figur präsentiert. Sie hat einen Gichtanfall, was zu ausführlichem Stöhnen und Wehklagen führt (wer je einen Gichtanfall hatte, weiß, wie schmerzhaft ein solcher tatsächlich ist), jeder und jede hat sich um sie zu kümmern, Ärzte werden herbeigerufen, es herrscht Hektik, im Licht der Kaminfeuer brechen sich die Bewegungen, es entsteht hohe Betriebsamkeit. Leben, wollte man meinen, wenn auch ex negativo. Doch wirkt diese von Colman auf eindringliche Art manchmal gar abstoßend, mit Mut zur Hässlichkeit gespielte Queen Anne immer, auch und vielleicht gerade in solchen Momenten, allein und sehr verletzlich, bzw. verletzt, auch im Kreis ihrer Hofschranzen und Vertrauten. Die Rufe nach Sarah, später nach Abigail, zu jeder Tages- und Nachtzeit, drücken die Einsamkeit einer Frau aus, die sich nicht nur auf andere nicht verlassen kann, sondern auch nicht auf sich selbst. Diese Königin ist scheinbar immer kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Sie nimmt kindliche Positionen auf dem Boden ein oder legt sich trotzig hin, wenn sie ihren Willen nicht bekommt, sie schreit unvermittelt im Vorbeigehen Diener im Palast an – mal, weil sie sie anschauen, dann, weil sie keine Notiz von ihr nehmen. Nebenbei ein schönes Symbol für die Willkür der Macht. In ihrem Schlafgemach ist eine ganze Batterie aus Kaninchenkäfigen aufgebaut, tags dürfen die Tiere frei durchs Zimmer hoppeln, siebzehn an der Zahl, stellvertretend für die siebzehn Kinder, die Anne als Totgeburten oder in frühen Jahren verloren hatte. Sie scheinen ein wenig Trost in ihr Leben zu bringen, den andere jedoch nicht verstehen. Der Schmerz dieser Frau, ihre Verluste – versucht man den Film anhand historischer Daten zeitlich einzuordnen, müsste er den Zeitraum eines Jahres zwischen dem Tod ihres Mannes 1708 und dem Bruch mit Sarah Churchill 1709 abdecken – definieren das Leben, das diese Frau führen muss. Abigail erringt vor allem deshalb die ihre Aufmerksamkeit – und dann auch ihre Sympathie – weil sie den Tieren positiv begegnet, sie auf den Arm nimmt und streichelt. Ein Liebesbeweis, den Sarah Churchill nicht zu erbringen in der Lage ist, sie ekelt sich vor den Karnickeln – und beweist in ihrer harschen Ablehnung, sie zu berühren, dass ihre Empathie begrenzt ist. Dieser Mangel an Empathie wird für die sich einfühlsam gebende Abigail der Schlüssel, gleichsam das Einfalltor zur Gunst der Königin.

Es ist ein großes Verdienst des Drehbuchs, keine dieser Figuren als eindeutig gut oder schlecht, als nur verkommen oder bösartig, andererseits aber auch nicht überhöht positiv zu zeichnen. Queen Anne ist eine schwierige, fordernde Persönlichkeit und es fällt dem Publikum schwer sie zu mögen. Manchmal ist sie in ihrer Hilflosigkeit nahezu lächerlich, wenn sie bspw. die Herren Abgeordneten des Parlaments im Nachthemd auf einem Hocker sitzend in ihrem Schlafgemach empfängt. Und doch begreifen wir ihre inneren Kämpfe und auch die Schmerzen – sowohl die physischen wie auch die seelischen – unter denen sie leidet, wir können sie nachvollziehen. Wir können und wollen diese letztlich ja doch sehr mächtige und sich ihrer Macht eben auch bewussten Frau nicht entschuldigen, doch macht der Film begreiflich, wie verschlungen die Abhängigkeitsverhältnisse an einem Hofe wie diesem zu Beginn des 18. Jahrhunderts gewesen sein mögen.

Auch für Sarah Churchill gilt diese ambivalente, manchmal abgründige Charakterisierung. Man nimmt dieser Figur recht lange ab, dass sie tatsächlich im Sinne Englands handelt, wie sie immer wieder behauptet, ganz gleich, was es sie persönlich wie offiziell kosten mag. Dass sie aber zugleich auch die Macht um ihrer selbst willen liebt und will, das wird ebenfalls sehr deutlich. Nicht zuletzt dann, wenn sie ihre Haltung beim Taubenschießen mit Abigail darlegt.

Die von Emma Stone ein wenig ordinär, ein wenig hinterfotzig gegebene Abigail Masham – ebenfalls historisch verbürgt, wobei die Autoren sich bei ihr die größten Freiheiten genommen und unterschiedliche reale Personen in den Charakter haben einfließen lassen – bleibt uns hingegen lange verschlossen. Ist sie einfach eine Art Erbschleicherin, jemand, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht jede Schwäche anderer auszunutzen bereit ist? Ist es so einfach? Auf jeden Fall sagt sie in einer Szene, dass es ihr schon gefallen würde, wieder „eine Lady“ zu sein. Der Film reflektiert ein wenig, was es bedeutete, im frühen 18. Jahrhundert als gefallener Adel bei Verwandten als Bittsteller auftreten zu müssen. Abigail Masham wurde von ihrem Vater beim Spielen an einen Gläubiger „verloren“, bei dem sie als Magd zu arbeiten hatte. Wir werden des Schocks gewahr, den ein solches Schicksal bedeuten musste. Und Sarah Churchill, die nicht viel mit ihrer Verwandten anzufangen weiß und auch wenig Interesse zeigt, sich um sie zu kümmern, lässt sie zunächst ebenfalls als Hausmagd arbeiten und auch bei den Mägden schlafen. Mehrfach werden wir Zeuge, wie Abigail geschubst und niedergeworfen wird, sie ist auch das Gespött der Leute und oft deren Blitzableiter. Als sie erstmals bei ihrer Cousine vorstellig wird, ist sie von oben bis unten mit Kot eingedeckt. In der Kutsche, die sie zum Schloss gebracht hat, meinte ein Mann, sich offen vor ihr entblößen und sich selbst befriedigen zu dürfen. Hinweise auf eine rohe Gesellschaft, vor allem aber Hinweise darauf, welchen Stellenwert eine Frau wie Abigail innerhalb dieser Gesellschaft und abseits des Hofes hatte. Sie war mehr oder weniger ausgeliefert. Stone spielt das in einer gekonnten Mischung aus Unterwürfigkeit und zumindest behaupteter Würde.

Auch die wesentlichen Nebenfiguren – Marlborough, Godolphin, Harley – sind nie eindeutig festzumachen oder gar in ihrer Motivation zu be- oder zu verurteilen. Am ehesten noch ist es Harley, der hier nicht nur als historisch verbürgter Antagonist herhalten muss, sondern auch im klassischen Sinne des Dramas. Er benutzt Abigail regelrecht als Spionin am Hofe und je näher sie der Königin kommt – schließlich teilt sie mit dieser sogar das Bett – desto wichtiger wird sie für ihn und desto schlechter behandelt er sie, wenn sie nicht das liefert, was er wissen will. Das Intrigenspiel wird immer komplexer und undurchschaubarer und die Art und Weise, wie dieses Spiel gespielt wird, immer bösartiger. Was natürlich zum Unterhaltungsgrad des Films beiträgt, mehr noch: ihn ausmacht.

Zunächst spricht man schlecht übereinander, dann bemüht Sarah sich, ihre Stellung auszunutzen und Abigail zu entlassen, was von Anne höchstselbst durchkreuzt wird, die die junge Frau kurzerhand zu ihrer Kammerzofe ernennt und die alte Freundin damit düpiert. Abigail schlägt zurück, indem sie Sarah ein Gebräu verabreicht, dass deren Sturz vom Pferd und die folgende tagelange Abwesenheit vom Hof zeitigt; ein Zeitraum, den Abigail nutzt, um sich mit Einverständnis der Königin mit Samuel Masham zu verehelichen und ihre Stellung am Hofe somit deutlich verbessert. Als Sarah zurückkehrt, wohl wissend oder zumindest sehr genau ahnend, welche Rolle Abigail bei ihrem Unfall gespielt hat, verlangt sie von Anne ultimativ, Abigail zu entlassen. Als die Königin sich erneut widersetzt, droht Sarah, die Liebesbriefe zu veröffentlichen, die Anne ihr im Laufe der Jahre geschrieben hat, was hoch kompromittierend und ein Skandal erster Güte wäre. Dass die Königin sich ihr dennoch widersetzt, ist einerseits der letzte, der maßgebliche Bruch zwischen den beiden, es ist aber auch ein klares Zeichen von Emanzipation. Die Königin löst sich von der Freundin – begibt sich allerdings gleich in die Abhängigkeit zur nächsten Person. Ein leises Echo des berühmten Hegel´schen Gleichnisses vom Herrn und dem Knecht, des dialektischen Verhältnisses der beiden zueinander, klingt hier an. Aber mehr noch verdeutlicht die Härte, mit der die Cousinen gegeneinander vor- und aufeinander losgehen, wie wichtig, gerade für Frauen, die Gunst eines mächtigen Mitglieds der Gesellschaft war. Umso besser, wenn dieses seinerseits weinblichen Geschlechts ist.

THE FAVOURITE wurde gern mit Stephen Frears DANGEROUS LIAISONS (1988) verglichen und auf einer gewissen Ebene mag das auch stimmen. Nur war in der brillanten Verfilmung des Briefromans von Choderlos de Laclos, der Vorlage getreu, das Liebes- und Intrigenspiel eine Vernichtungskomödie um ihrer selbst willen. Der böse Pakt zwischen der Marquise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont ist nun wahrlich ein dekadentes Stück menschlicher Abgründigkeit. Hier, bei Lanthimos, wird die Intrige hingegen auf verschiedenen Ebenen durchgespielt. Denn neben der Zuneigung, ja der Liebe einer wirklich einflussreichen Person, geht es eben auch um politische Einflussnahme und die reine, kalte aber sehr konkrete Macht. Was hier vorgeführt wird, ist nicht ein aus Langeweile und Lust an der Zerstörung betriebenes Spielchen mit den Gefühlen anderer, vielmehr ist es ein hoch rationales Abwägen verschiedener Möglichkeiten, Eine Art Schachspiel. Der Gewinn ist die Gunst der Monarchin, der Preis das eigene Seelenheil.

Ein anderer filmischer Vergleich liegt näher, nämlich der mit Stanley Kubricks BARRY LYNDON (1975). Allerdings eher auf der formalen Ebene denn der inhaltlichen. Kubrick verfilmte Thackerays Roman tatsächlich als Sittengemälde, als Epos, als Portrait einer Epoche, während Lanthimos gar nicht so weit ausgreift, sondern ein Kammerspiel, einen Ensemblefilm bietet, der en miniature eine Gesellschaft abzubilden versteht. Doch orientiert sich Ryans Kameraarbeit, die exquisit ist, an jener, die John Alcott einst für Kubrick geleistet hatte. Lanthimos konnte an etlichen historischen Schauplätzen drehen, hauptsächlich in Hatfield House in der Grafschaft Hertfordshire. Ryan nutzt die strenge Architektur elisabethanischen und jakobinischen Stils, um die Figuren in Landschaften und vor Hintergründe zu zeigen, die sie teils regelrecht vereinnahmen. In denen sie aber eben auch immer ge-setzt wirken, nicht wie Wesen eigenen Willens, sondern Figuren in Anordnungen, was wiederum mit den erwähnten Figuren korrespondiert, die während der Kamerafahrten durch die Gänge des Schlosses herumstehen und sich unterhalten. In den Parks und auf den Terrassen der Schlösser, meist in Totalen oder Hals-Totalen eingefangen, wird die Bedeutung dieser Figuren brutal relativiert. Ryan gestaltet seine Bilder oft symmetrisch, richtet die Bild-Kadrierungen genauestens durch an den durch die Landschaftsarchitektur vorgegebenen Linien aus, und löst sie dann häufig, fast unmerklich, durch leichte Kamerabewegungen dezent wieder auf. Gelegentlich übernehmen diese Auflösungen aber auch der Schnitt und die Montage.

Die eigentliche Meisterschaft Ryans kommt jedoch in den Innenaufnahmen zur vollen Entfaltung. Die extremen Weitwinkel, die er nutzt, um beim Zuschauer teils Entfremdung, teils Verstörung hervor zu rufen, wurden bereits erwähnt, doch ebenso eindrücklich sind die Aufnahmen – hier standen Kubrick und Alcott eindeutig Pate -, die offensichtlich bei realem (Kerzen)Licht eingefangen wurden. Wir sehen Sarah Churchill mehrfach durch nächtliche Korridore gehen, die nur von dem Kerzenlicht in ihrer Hand erleuchtet werden. Sie schält sich geradezu aus der Dunkelheit heraus, verliert sich ein einem schwarzen, raum- und tiefenlosen Nichts, das sie umgibt. Auch die Szenen im Gemach der Königin, als sich der Hofstaat des Nachts um die an der Gicht Leidende schart, wurde offenkundig bei reinem Kerzenlicht aufgenommen, wodurch der Raum, aber auch die Gesichter der umstehenden etwas Gespenstisches bekommen. Wir können uns so des tatsächlichen Lebens in einem Schloss des 18. Jahrhunderts gewahr werden. Es war wohl ein düsteres und vor allem sehr kaltes Dasein. Zugleich wird uns dieses Leben aber auch wieder distanziert, indem Ryans Bilder manchmal regelrecht abstrakt wirken.

Lanthimos und Ryan setzen die Gebäude und ihre innere Architektur häufig wie Protagonisten in Szene, als würden deren bauliche Bedingungen die Bedingungen der menschlichen Beziehungen zueinander und auch den Rang einzelner Angehöriger des Hofs definieren. So gibt es zwei Zugänge zum königlichen Gemach, einmal die offizielle Tür, durch die offizielle Besucher, gelegentlich das halbe Parlament, aber auch Ärzte, Mägde und Diener eintreten, und es gibt die heimliche Tür, durch die die Geliebten Einlass finden. Diese Geheimgänge nutzen zunächst Sarah und die Königin, manchmal in kindlicher Freude am Versteckspiel, wenn sie als Mrs. Freeman und Mrs. Morley den Ansprüchen und Pflichten des königlichen Amts entfliehen. Später nutzt dann auch Abigail diese Tür, was ihren Aufstieg in der Gunst der Königin symbolisiert. Es wirkt ein wenig so, als huschten hier heimliche Gedanken und Begierden durch Hirne und Herzen der Protagonisten. Wünsche und Gelüste. Spätestens, wenn Sarah Churchill, nachdem sie von Anne des Hofs verwiesen wurde, gleichsam bettelnd an eben dieser Geheimtür steht, um ein letztes Mal zu versuchen zu kitten, was wahrscheinlich nicht mehr zu kitten ist, spürt man, dass da doch mehr im Spiel ist als reines Machtkalkül. Hier verliert eine einst mächtige Frau etwas, was vielleicht sogar für sie wichtiger ist als Einfluss: Eine Liebe. Und nichts kann das klarer symbolisieren, als vor der verschlossenen Geheimtür zur Königin (und ihrem Herzen) zu stehen – einer Tür, die bisher wie selbstverständlich offenstand.

THE FAVOURITE erzählt von mächtigen Frauen und was dabei unter anderem auffällt, ist die Tatsache, wie selbstverständlich die Macht dieser Frauen von den Männern in ihrer Umgebung hingenommen wird. Das gilt ganz sicher für die Königin, wobei man natürlich weiß, dass sowohl England als auch Schottland mehrfach von weiblichen Monarchen regiert wurden (vielleicht ein Grund dafür, dass es in der westlichen Welt ausgerechnet Großbritannien war, wo mit Margaret Thatcher erstmals eine Frau Regierungschefin wurde) und es von daher gewohnt waren, das Haupt auch vor einer Frau zu neigen. Doch trifft dies vor allem auf die Königin selbst zu. Die Macht einer Frau wie Sarah Churchill, die von Geburt eine Bürgerliche war, beruhte ganz sicher auf ihrer Heirat, aber auch auf ihrer Intelligenz. Und natürlich auf Glück, wurde sie doch recht früh, mit 13 Jahren schon, als Hofdame in das Haus des Duke of York berufen, wo sie sich mit dessen Tochter Anne anfreundete. So konnte sie zu einer, wenn nicht der einflussreichsten Frau ihrer Zeit in Großbritannien werden.

Diese Geschichte erinnert ein wenig an einen zehn Jahre älteren Film, der die Geschichte einer anderen adligen Dame am Ende des 18. Jahrhunderts erzählt, dabei allerdings mit weitaus weniger Witz und sehr viel bitterer. In THE DUCHESS (2008) ist es die Geschichte von Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire, die ihrerseits enorm einflussreich war und als eine Art Frühfeministin gelten kann. Vielleicht ist es dieser Film, mit dem THE FAVOURITE am ehesten vergleichbar wäre und mit dem er auch in gewisser Weise korrespondiert, nicht zuletzt, da sich beide einer ähnlichen Bildsprache bedienen. Auf jeden Fall ergänzen sie sich ganz wunderbar in einem modernen Blick auf das 18. Jahrhundert, das uns so fern gar nicht ist. Allerdings entlässt THE FAVOURITE sein Publikum dann doch mit guter Laune, was sowohl den Drehbuchautoren, als auch dem Regisseur hoch anzurechnen ist.

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