WES CRAVEN`S WISHMASTER/WISHMASTER

Einer der besseren Splatter- und Gorebeiträge der 90er Jahre

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entfesselt ein Dschinn (Andrew Divoff) am Hofe eines arabischen Prinzen die Hölle auf Erden, bis es einem mächtigen Zauberer gelingt, ihn in einen Opal zu bannen. Der Stein wird daraufhin in die Statuette einer Gottheit eingebettet und der Dämon scheint so für alle Zeit gefangen.

1997 – der New Yorker Antiquitätenhändler Raymond Beaumont (Robert Englund) erwartet am Hafen dringend die Lieferung der Statuette einer vorislamischen Gottheit. Beim Entladen der Kiste kommt es zu einem Zwischenfall, der Kran löst sich und die herabstürzende Fracht tötet Beaumonts Assistenten. Aus den Trümmern der zersplitterten Statuette stiehlt ein Arbeiter den glitzernden Opal, der dort versteckt war.

Nachdem der Arbeiter den Stein bei einem Pfandleiher eingelöst hat, bringt dieser ihn zu Nick Merritt (Chris Lemmmon), dem eines der führenden Auktionshäuser der Stadt gehört. Gemeinsam mit seiner besten Angestellten Alexandra Amberson (Tammy Lauren) versucht Merritt herauszufinden, was der Stein wert sein könnte? Amberson versteht, daß sich im Stein etwas befindet und bringt ihn, nachdem sie ihren Chef befriedigend mitgeteilt hat, daß der Stein Unmengen wert sei, zu ihrem Freund Josh (Tony Crane), einem Geologen.

Der stellt bei etlichen Versuchen fest, daß etwas in dem Stein zu leben scheint. Allerdings kann er seine Erkenntnisse niemandem mehr mitteilen, weil sich der Dschinn aus dem Opal befreien kann und sehr schnell wächst. Josh überlebt diese Begegnung nicht.

Der Dschinn, um seine Mission Welteroberung durchführen zu können, braucht einen Menschen, dem er drei Wünsche erfüllen kann, erst danach ist er frei, sich zu entfalten. Alexandra scheint ihm dafür die geeignete Kandidatin, da sie ihm letztlich zur Freiheit verholfen hat. Also macht er sich auf die Suche nach ihr. Da jeder Wunsch, dem er jemandem erfüllt, ihm eine Seele zuträgt, da die Seelen von Menschen ihn nähren und stärken, kommt es auf seiner Suche zu einer Reihe unschöner und letztlich immer für irgendwen tödlicher Zusammentreffen. Denn anders als die Wünschenden, hat der Dschinn verstanden, daß ein jeder Wunsch immer verschiedene Auslegungen in sich trägt- und er ist der Herr der Interpretation…

Schließlich trifft der Dämon auch auf Nick, der sich ihm allerdings relativ lange widersetzt, bis auch er – an seiner empfindlichen Stelle, dem Geld, gepackt – sich einen Wunsch erfüllen lässt. Anschließend nimmt der Dschinn Kontakt mit Alexandras Schwester Shannon (Wendy Benson-Landes) auf und durch sie erfährt er von einer Party bei Beaumont. Nun ist die Zeit gekommen, da er von jenen, denen er einst Wünsche erfüllte, Tribut einfordert – er nimmt ihre Seelen und erscheint so gestärkt auf dem Fest.

Erneut kommt es zu einem Massaker an den Gästen einer Feier und erst Alexandra gelingt es schließlich, den Fluch zu stoppen, indem sie ihren finalen Wunsch darauf ausrichtet, daß der Unfall beim Entladen der Fracht im Hafen, gerade einmal zwei Tage zuvor, nicht geschehen wäre. So  gelingt es ihr, alles Geschehene ungeschehen zu machen und den Dämon wieder in sein opalenes Gefängnis zu verbannen.

Da auch Josh wieder lebt, erhört Alexandra nun sein Werben um sie, dem sie zuvor stets freundlich abgeneigt war…

Gemeinhin gelten die 1990er Jahre nicht als die dem Horrorfilm zuträglichste Dekade. Peter Jackson hatte mit BRAINDEAD (1992) zwar Maßstäbe gesetzt was Splatter, Gore und den allgemeinen Blutfaktor betraf, aber auch den Ton definiert, der in den folgenden Jahren den Horrorfilm beherrschen sollte: Ironie. Nun sind gute Horrorfilme meist auch immer nah an der Komödie angesiedelt, zumindest mit einer guten Portion schwarzen Humors gesegnet, doch die 90er brachten neben etlichen Sequels und Prequels zu erfolgreichen Filmen und Serien der 80er und durchaus gelungenen Crossover-Produkten wie THE SILENCE OF THE LAMBS (1991), vor allem den selbstreferentiellen, postmodernen Horrorfilm hervor, der sich in ironischer, manchmal sarkastischer Selbstbespiegelung und hyperintelligenter Genreexegese erging. Das Endprodukt dieser Entwicklung war die SCREAM-Trilogie (ab 1996), für die Freddy-Kruger-Erfinder Wes Craven verantwortlich zeichnete. Der gleiche Wes Craven fungierte im vorliegenden Werk, Robert Kurtzmans WISHMASTER (1997), als ausführender Produzent, was dem Film den blödsinnigen deutschen Titel WES CRAVEN´S WISHMASTER bescherte. Allerdings sorgte er in dieser Funktion auch dafür, daß man es hier mit einem astreinen Splatter- und Gorespektakel zu tun hat, das zwar durchaus humorige Elemente hat, aber in seinem Zynismus und der Lust an der expliziten Darstellung von Gewalt keinen Zweifel daran aufkommen lässt, daß er der Familie des klassisch harten Schlitz-, Matsch- und Blatschgenres entstammt.

WISHMASTER wartet, was ihn schon mal interessant macht im Meer der Psychopathen, Serienkiller und Zombies, die den Horrorfilm seit den 80er Jahren bevölkern, mit einem interessanten Bösewicht, bzw. Monster auf – einem Dschinn. Bis dato war der bekanntesten Dschinn – aus dem arabischen Raum stammende, vorislamische Dämonen und Geisterwesen, gemacht aus Feuer, die neben dem Menschen die Erde bevölkern, jedoch nur selten sichtbar werden oder Kontakt zu uns aufnehmen, obwohl es in der Mythologie durchaus auch Berichte von Vermählungen zwischen Mensch und Dschinn gibt; meist sind sie uns feindlich gesonnen, treten aber durchaus auch als Schutzmacht auf – der Film- und Fernsehgeschichte die BEZAUBERNDE JEANNIE aus der gleichnamigen TV-Serie der 1960er Jahre, die in eine Flasche gesperrt wurde und sich in ihren Erlöser, einen Astronauten, verliebt. Der Dämon, den WISHMASTER auf das moderne New York loslässt, wurde seinerseits in einem ausgesprochen wertvollen Juwel eingeschlossen und muß, damit er sich endgültig befreien und entfalten kann – Weltherrschaft, drunter macht er es nicht – , einem Menschen drei Wünsche erfüllen, besser gesagt: Er muß irgendwen dazu bringen, sich drei Wünsche von ihm erfüllen zu lassen. Denn daß er die Wünsche derer, die ihm so über den Weg laufen, recht eigen auslegt, versteht sich von selbst. Es macht dem Dämon wie dem Film sichtlich Spaß, wieder und wieder mit den Doppeldeutigkeiten von Wünschen zu spielen und so gibt der Film ein beredtes Beispiel des Jenny-Holzer-Theorems „Protect me from what I want“. Allerdings gelingt es der Heldin des Films schließlich, dieses Prinzip auch gegen ihren Peiniger selbst anzuwenden, was ausnahmsweise eine wirklich intelligente Pointe in einem Horrorfilm abgibt, die oft genug unter schlampigen und unausgegorenen Auflösungen leiden.

Mit seiner arabischen Abstammung ist der Dämon des Films natürlich auch ein ferner Verwandter eines weiteren Monsters des klassischen Horrorfilms – der Mumie, die schon in Gestalt des seligen Boris Karloff 1932 fröhliche Urständ´ feierte. Bedenkt man, wie reich an Fabelwesen, Dämonen, Monstren  und Geistern die arabische Märchenwelt aus 1000 UND EINER NACHT doch ist, verwundert es, wie selten sich das Grusel- und Geistergenre letztlich aus diesem Fundus bedient hat. Hier allerdings, in WISHMASTER, geht man direkt in der ersten Szene, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts am Hofe eines arabischen Prinzen spielt, in die Vollen. Der entfesselte Dämon richtet ein fürchterliches Blutbad unter den Gästen des Prinzen an, die sich teils in Schlangenwesen verwandeln, teils ihrer Haut und ihres Fleisches entledigen, teils als Brutstätten ekelerregenden Gewürms entpuppen, bis es einem Zauberer gelingt, das Geisterwesen in einem Opal einzuschließen und es damit – vermeintlich bis in alle Ewigkeit – in Gefangenschaft zu setzen. Eine eindrucksvolle Eröffnung, die dem Publikum deutlich macht, daß WISHMASTER ganz sicher keine Konzessionen an den guten Geschmack und keine Gefangenen machen wird.

Mit dieser Eröffnungssequenz ist also der Standard gesetzt und Buch und Regie geben sich redlich Mühe, ihn zu halten, was, so viel sei verraten, auch gelingt. Die folgenden ca. 90 Minuten der Uncut-Fassung gleichen einer Geisterbahnfahrt der raueren Sorte, dennoch überzeugt WISHMASTER aber nicht nur durch seine Effekte, die Maske und den Blutzoll, sondern auch und vor allem durch einen erstaunlich hohen Spannungsgrad, der trotz einfachster Handlung, teils banaler Muster und den genreüblichen Logiklöchern dadurch gehalten wird, daß man sich freudig fragt, wie wohl das nächste Opfer dem Dämon in die Falle des Wunschdenkens geht, sowie einer ganzen Reihe von Horrorfilmdarstellern der B- und C-Kategorie aus den 70er und 80er Jahren, die dem Film ein gewisses Insiderflair geben. Dies ist vielleicht noch die deutlichste Verneigung Richtung Postmoderne und postmoderner Selbstreferenzialität, die sich der Film gönnt. Robert ‚Freddy‘ Englund in der Rolle des ebenso undurchschaubaren wie schmierigen Antiquitätenhändlers Raymond Beaumont dürfte unter diesen noch das bekannteste Gesicht  sein, obwohl er in seiner Freddy-Maske ja eher weniger zu erkennen ist. Andrew Divoff, der den Dschinn spielt, verleiht dem in seiner Urgestalt hervorragend gestylten Wesen in dessen menschlicher Form genug unterschwellige Bosheit, damit dieses auch ohne Hörner und rotglühenden Augen bedrohlich und furchteinflößend wirkt. Deutlich fällt leider Seriendauerdarstellerin Tammy Lauren in der Hauptrolle der sich dem Dämon entschieden entgegenstellenden Alexandra Amberson ab, was umso stärker auffällt, weil die sie umgebenden Darsteller aus teils wirklich kleinen Rollen maximale Wirkung erzielen – herausragend dabei Chris Lemmon als Alexandras Chef, der sich einen herrlich höllischen Dialog mit dem Dschinn liefert.

WISHMASTER will unterhalten und bietet dabei die Art von Exploitation-Spektakel, das der gemeine Splatter- und Gorefan liebt. Der Film versteht es, einen Grat zwischen Humor und Härte zu halten, der ihn über die Dutzendware hebt und vor allem nie zur reinen Parodie verkommen lässt. Da jede gute Idee heutzutage bis zur bitteren Neige ausgenutzt werden muß, verordnete man Kurtzmans Film drei Fortsetzungen, derer lediglich die erste, WISHMASTER 2: EVIL NEVER DIES (1999),  zumindest ansatzweise mit dem Original mithalten kann, ja, überhaupt inhaltlich mit ihm zu tun hat. Hier gab sich Andrew Divoff auch noch einmal die Ehre, dem Dämon sein Gesicht zu leihen, danach stieg er aus der Reihe aus. Man senke den Mantel des Schweigens über die Serie, wie über so viele der endlos ausgeschlachteten Reihen von einmal gut funktionierenden Ideen. Stattdessen sollte man sich an diesem Original erheitern, daß aus der Landschaft mittelmäßiger Horrorfilme der 90er-Dekade deutlich heraussticht.

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