WIE BEIM ERSTEN MAL/HOPE SPRINGS

David Frankel liefert eine gelungene, unaufgeregte, wenig spektakuläre Ehe-Therapie

Kay (Meryl Streep) und Arnold (Tommy Lee Jones) Soames führen eine eher typische Ehe: Nach über dreißig Jahren schlafen sie in getrennten Betten, weil er nachts schnarcht und sich allen medizinischen Eingriffen widersetzt, viel zu sagen haben sich die beiden nicht mehr, morgens liest Arnold seine Zeitung, während er sein Frühstück isst und gibt seiner Frau beim Abschied den obligatorischen Wangenkuss.

Kay arbeitet in einer Boutique, Arnold ist Mitinhaber eines gut laufenden Steuerberatungsbüros. Für Arnold ist an diesem Lebensentwurf im Grunde nichts auszusetzen. Kay hingegen leidet schon seit längerem unter der Kälte, die sich in die Beziehung eingeschlichen hat. Nach einem abendlichen Annäherungsversuch, den Arnold dadurch abgewehrt hat, indem er auf ein leichtes Unwohlsein verweist, beschließt sie, nach Ratgebern zu suchen, die ihr Tipps geben, wie sie das Eheleben wieder etwas aufpeppen kann. Dabei stößt sie auf den Therapeuten Dr. Bernard Feld (Steve Carell), der behauptet, es sei nie zu spät und man könne immer die Ehe führen, die man führen wolle. Kay sucht die Website des Therapeuten auf, der in Maine lebt und praktiziert, und beschließt, für sich und Arnold eine Therapie zu beantragen.

Arnold will erwartungsgemäß nichts davon wissen, doch da Kay die Sitzungen mit ihrem eigenen Geld bezahlt hat, ist sie entschlossen, diese auch in Anspruch zu nehmen. Am Morgen der Abreise ins weit entfernte Maine, weigert Arnold sich. Doch als Kay bereits im Flugzeug sitzt, stößt er zu ihr, setzt sich neben sie und gibt sich grummelig, aber einverstanden, sich auf ihr Experiment einzulassen.

In Maine angekommen, kommen Arnolds typische Wesenszüge erneut zum Ausdruck: Er meckert über Preise und Angebote, er findet den kleinen Ort, in dem sie gelandet sind, zu zuckrig und das einzige, womit er halbwegs einverstanden ist, ist Kays Wahl des Hotels: Eine billige Eccolodge, statt eines der teuren Hotels vor Ort.  Am folgenden Morgen suchen die beiden ein Café auf, in dem Arnold erneut wegen Preisen und Angeboten mosert. Die erste Sitzung bei Dr. Feld steht unmittelbar bevor und Kay kann vor Aufregung kaum etwas essen. Daraus schließt die Kellnerin sofort, daß die beiden wohl zum Doktor gehen, was wiederum Arnold stutzig macht. Der Therapeut scheint hier eine lokale Bekanntheit zu sein.

Arnold zeigt sich bei den Therapiesitzungen erwartet renitent. Er zweifelt die Fähigkeiten von Dr. Feld an, er beschwert sich über dessen Preise und fordert Kay in fast ehrabschneiderischer Weise auf, mit ihm nachhause zu kommen, anstatt sich von einem Scharlatan beraten zu lassen. Dr. Feld erträgt dies alles stoisch und ruhig, immer freundlich und durchaus voller Interesse an seinen Klienten. So befragt er sie zu ihren Gewohnheiten, der Geschichte der Ehe und der letzten sexuellen Begegnung miteinander. Kay kann diese Dinge alle genau benennen, während Arnold nur vage Vorstellungen dazu hat.

Nachmittags verbringen die Eheleute ihre Zeit getrennt und die frustrierte Kay landet in einer Bar, wo sie sich, zunehmend angetrunken, bei der Barkeeperin über ihre Eheprobleme auslässt. Die, alles andere als auf den Mund gefallen, hat nicht nur ganz bodenständige Tipps, sondern fragt in die Bar hinein, wer alles keinen Sex mehr habe und nahezu alle Anwesende zeigen auf. Kay muß darüber lachen und wird sich der Tatsache bewußt, daß ihre Probleme nicht so besonders sind.

Dr. Feld gibt den beiden, nachdem er das Ziel der Therapie darin festgelegt hat, die verlorene Intimität wieder herzustellen, diverse Aufgaben mit. So sollen sie sich gemeinsam auf das Bett legen und sich berühren, einfach nur streicheln. Schon dabei zeigt sich, wie weit die beiden voneinander entfernt sind. Nach anfänglich zögerlichen Versuchen, wird Kay ein wenig forscher, was Arnold veranlasst, das Ganze abzubrechen und ins Bett zu gehen – in sein eigenes. Eine andere Aufgabe ist es, in einem Bett zu schlafen und Arnold lässt sich darauf schließlich ein. Morgens wacht Kay auf und findet sich von ihrem Mann umarmt, ein Gefühl, das sie kaum noch kannte.

Arnold gehen Dr. Felds Erforschungen seines Intimlebens aber zu weit. Eine der Sitzungen bricht er ab und rennt aus der Praxis. Als er Kay abends im Hotel trifft, ist diese dabei, zu packen. Dr. Feld habe sich bereit erklärt, ihr die Hälfte der Kosten für die Therapie zu erlassen. Zwischen den beiden kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Während Kay, die in der Sitzung darüber sprach, einfach nur Liebe erfahren zu wollen, darauf beharrt, nie das bekommen zu haben, was sie erwartet habe und sich immerzu nur mit Vertröstungen abgegeben habe, bleibt Arnold bei seiner Haltung, daß eine Therapie nicht richten könne, was sich nicht von selbst ergebe. Stattdessen würden Leute wie Dr. Feld den Menschen Probleme einreden, um dann abkassieren zu können.

Dennoch finden sich beide am kommenden Morgen wieder in der Praxis des Therapeuten ein. Der fragt sie nach ihren sexuellen Erlebnissen und Erwartungen und es wird deutlich, daß Arnold durchaus liebevoll an Kay denkt, wie sie war und auch, wie sie ist. Die wiederum muß zugeben, daß ihr gewisse Wünsche Arnolds – vor allem Oralsex – nie geheuer waren und sie das auch nicht könne. Arnold erklärt, er sei nie fremdgegangen, er habe Kay nie betrogen, nicht einmal Pornos habe er geschaut, sondern einfach irgendwann aufgehört, darauf zu warten, daß seine Vorstellungen von Sexualität je Wirklichkeit würden.

Abends in einem Kino versucht Kay, während der Vorstellung Arnold zwischen den Stuhlreihen oral zu befriedigen, merkt aber einmal mehr, daß sie das nicht kann und so auch nicht will. Kay rennt aus dem Kino, Arnold folgt ihr, doch sie ist weg. Er erinnert sich an ein Zwiegespräch mit dem Therapeuten, in dem der von Arnold wissen wollte, woher dessen unglaubliche, aber unterdrückte Wut käme? In diesem Gespräch hatte Dr. Feld Arnold auch gefragt, ob der sich wirklich sicher sei, alles für die Ehe gegeben zu haben, alles getan zu haben, was in seiner Macht stünde, um Kay gerecht zu werden.

So reserviert Arnold unter erheblichen Schwierigkeiten einen Tisch in einem der besten Restaurants vor Ort, auch ein Zimmer im angeschlossenen Luxus-Hotel bestellt er. Er führt Kay im besten Sinne „groß“ aus, sie essen hervorragend und haben auch Spaß gemeinsam, als Arnold gelungene Parodien auf den Therapeuten, aber auch auf allerhand Menschen abgibt, die sie gemeinsam beobachtet haben.

Später, auf dem Zimmer, trinken sie Champagner und sitzen auf einem Fell vor dem Kamin – alles ist, wie man sich einen romantischen Abend vorstellt. Doch als es endlich zu Intimitäten kommt, kann Arnold plötzlich nicht mehr. Kay bezieht dies auf sich, er habe gelogen und fände sie nicht mehr attraktiv. Arnold, der gegenüber Dr. Feld behauptet hatte, keine Probleme mit Erektionen zu haben, muß nun eingestehen, daß auch an ihm der Zahn der Zeit nagt.

In der letzten Sitzung macht Dr. Feld den beiden Mut und erklärt, daß sie den Wert ihrer Ehe und auch deren Gelingen momentan vielleicht nicht wahrnehmen könnten, aber Rückschläge seien normal und sie sollten durchhalten. Er glaube an sie, was nicht immer der Fall bei seinen Klienten sei, viele begleite er nur bei einer geordneten Trennung. In ihrem Heimatort sollten sie einen örtlichen Therapeuten aufsuchen, er könne ihnen auch einen empfehlen. So reisen Kay und Arnold wieder ab, zurück in ihr Alltagsleben.

Arnold liest beim Frühstück die Zeitungen, verabschiedet sich dann eher lieblos, beim Abendessen erzählt er die immer gleichen Geschichten von den immer gleichen Kunden und schläft dann während einer seiner Golfsendungen, die Kay hasst, beim Fernsehen ein. Nichts scheint sich geändert zu haben.

Vor Kollegen erklärt Arnold, zwar eine wunderbare Ferienwoche mit seiner Frau verbracht zu haben, doch sei in Maine einfach alles zu teuer. Kay ist weiterhin unzufrieden. Bei einer Gelegenheit fragt sie ihre Chefin in der Boutique, ob sie bei der schlafen könne, was ihr sofort gewährt wird. Die braucht gerade eine Hüterin für ihre Katze, was Kay allzu gerne übernimmt. Abends beim Essen fragt Arnold, ob Kay das gemeinsame Leben immer noch so schlimm finde, woraufhin sie erklärt, es habe sich nichts geändert, sie wolle das aber nicht mehr. Sie beginnt, ihre Sachen für die Tage im Haus ihrer Chefin zu packen, dann geht sie ins Bett. Arnold macht den Fernseher aus und folgt ihr nach oben, doch ist ihre Zimmertür diesmal zu. Nachts, als beide nicht schlafen können, tritt Arnold in ihr Zimmer und fragt, ob er bei ihr schlafen könne. Sie lässt ihn in ihr Bett und die beiden schlafen miteinander.

Am Morgen verschläft Arnold entgegen seiner Gewohnheiten und ist drauf und dran, das Haus ohne Abschied zu verlassen, dann kehrt er um und küsst Kay leidenschaftlich. Dann geht er und vergisst seinen Aktenkoffer. Kay bringt ihn ihm nach draußen, wo die beiden die Nachbarin treffen. Kay lädt sie zum Abendbrot ein, um von dem Urlaub in Maine zu erzählen. Arnold grinst, weil er gegenüber Dr. Feld bei dessen Frage nach seinen geheimsten Wünschen geantwortet hatte, daß er sich einen Dreier mit Kay und der Nachbarin vorstelle. Kay lächelt ihn nun an und erklärt, er solle nicht mal im Traum daran denken…

Während der Abspann läuft, sieht man Kay und Arnold, die in Anwesenheit ihrer Kinder und Enkel und des Therapeuten Dr. Feld an einem Strand ihr Eheversprechen erneuern und sich gegenseitig versprechen, sich zu bessern, auch wenn das nicht immer gelingen würde. Dann feiern alle gemeinsam die „neue Ehe“ der beiden.

Seit die ganz große Ratgeberwelle irgendwann in den 90er Jahren losgetreten wurde, gibt es eigentlich kein Thema, zu dem man nicht Tipps, Hilfestellungen und Ratschläge in Buchform erhalten kann. Ob Ernährung, Glückssuche, Lebensführung, das Alter oder eben die Liebe – nichts, wozu sich nicht kluge und weniger kluge Menschen eine Menge Gedanken gemacht und diese in schriftlicher Form (heute wird das langsam von Internet-Blogs abgelöst) niedergelegt hätten. Und so findet sich auch die allmählich alternde Kay Soames eines Tages in einer Buchhandlung wieder, wo sie einen Ratgeber zu finden hofft, der ihrer nun 31jährigen Ehe mit ihrem Gatten Arnold noch einmal neuen Schwung geben kann. Der nämlich hat die Kommunikation mit ihr nahezu gänzlich eingestellt, schläft im Gästezimmer und wandelt durch das gemeinsame Leben, als sei dies gottgegeben. Von Zärtlichkeit, Intimität oder gar Sex kann sowieso keine Rede mehr sein.

Nun denkt man sich in seinen mittleren und späteren Jahren vielleicht, das ginge alles immer so weiter. Sicher, die Leidenschaft lässt nach, die Liebe aber mag wachsen und sich von solch flüchtigen Dingen wie der Triebabfuhr lösen. Kay aber erlebt die Zurückweisung durch ihren Mann als Kränkung und sie befürchtet, daß dessen Haltung sie früher oder später von ihm wegtreiben wird. Was also tut man in solcher Lage? Wenn man seinen Ratgeber aufmerksam liest, dann wird man wohl früher oder später auf die Idee einer Paartherapie kommen. Und so meldet sich diese etwas schüchterne, aber durchaus auch resolute Frau für eine solche bei einem bekannten Therapeuten im fernen Maine an, um zu retten, was noch zu retten ist.

Regisseur David Frankel lässt seinen Film HOPE SPRINGS (2012) zunächst wie eine eher leichte Komödie daherkommen, die sich einreihen könnte zwischen all jenen eher komödiantischen Filmen der vergangenen zehn, fünfzehn Jahre, in denen Liebe im Alter mit all seinen Tücken und Stärken thematisiert wurde. Jack Nicholson konnte allein daraus ein Rollenprofil für seine späten Jahre entwickeln. Doch nimmt Frankel sowohl sein Sujet, als auch – und vor allem – seine beiden Hauptfiguren so ernst, daß das Thema nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird, und auch die billigen Lacher eher die Ausnahme bleiben. Im Gegenteil: Dank des Drehbuchs von Vanessa Taylor wird hier, durchaus auch schmerzlich, einmal sehr konkret durchgespielt, wie verdrängte Wünsche, verdeckte Erwartungen und eingeschlafene Gefühle sich im Laufe der Jahre auswirken können. Frankel kann dafür auf zwei Schauspieler zurückgreifen, die in der Lage sind, die Figuren nicht nur mit Leben auszufüllen, sondern die in ihrem Spiel so exakt sind, deren Gesten und Mimik so genau den Punkt dessen treffen, was auszudrücken ist, daß dies nicht nur der Thematik gerecht wird und die Figuren erhellt, oft auch ohne erdrückend viel Dialog, sondern denen zuzuschauen eine wahre Wonne ist: Meryl Streep in der Rolle der Kay und Tommy Lee Jones in der ihres Ehemanns Arnold.

Streep und Jones – zur Entstehungszeit des Films 63 und 66 Jahre alt – sind auf ihre jeweils eigene Art und Weise Größen des Hollywood-Films, die sich und anderen kaum mehr etwas beweisen müssen. Zwei Könner, die sich ihrer Mittel absolut bewußt sind und diese mit großer Souveränität einzusetzen verstehen. Wo Streep das Spiel mit minimalistischen mimischen Mitteln nahezu perfekt beherrscht, weiß Jones, daß er sich im Zweifelsfall darauf verlassen kann, einfach gar nichts zu tun und mit der daraus entstehenden Stoik nicht nur zu amüsieren weiß, sondern einer Figur auch etwas Resignatives, in sich selbst Verlorenes beizumischen versteht. Es entsteht eine Art Gigantenduell, das aber eben nie zu einem Zweikampf ausartet, sondern sich wunderbar ergänzt. Wie sie um ihn wirbt und ihre Verletztheit zu verbergen sucht, wenn er sie scheinbar eiskalt abblitzen lässt; wie er sich windet und mit allen Mitteln versucht, die Reise zu einem Star-Therapeuten zu boykottieren, nur um im letzten Moment doch im Flieger aufzutauchen; wie sie ihre Unsicherheit und Schüchternheit zu überspielen sucht in Anbetracht des berühmten Mannes, dem sie ihre Ehe anvertraut und wie er sich darum bemüht, Würde und Privatheit zu schützen in einer Situation, der er sich niemals freiwillig ausgesetzt hätte – da ist die Klasse großer amerikanischer Schauspielkunst zu bewundern.

In mancherlei Hinsicht rettet dies Frankels Film, bei aller Qualität, die er hat Der nämlich kommt ohne sonderliche Höhepunkte oder irre Wendungen aus, sondern folgt seinen Protagonisten auf dem steinigen Weg in die Wahrheit über die eigene Vergangenheit mit ihren Versäumnissen und Mißinterpretationen der Wünsche des anderen. Frankel nimmt das alles sehr ernst, zugleich aber mangelt es dem Film an wirklicher Spannung, erinnert an eine Tragikomödie von Woody Allen aus den späten 70er oder den 80er Jahren. Voller leiser Melancholie und auch einer gewissen Traurigkeit über die vergangenen Zeit, die man vielleicht verloren hat, aber ohne allzu melodramatische Aufwallungen, erzählt die Regie von dieser Krise in einer fortgeschrittenen Ehe. Manchmal drängt sich der Verdacht auf, daß das Drehbuch doch etwas sehr auf den sexuellen Aspekt der Sache abhebt. Beispielsweise, wenn in den Therapiestunden nach all den vielen Jahren rauskommt, daß Arnolds sexuelle Verweigerungshaltung keineswegs mit nachlassender männlicher Lust und sinkendem Testosteronspiegel zu tun hat – es wäre  ein durchaus beachtlicher thematischer Bezug gewesen, Männer einmal nicht als die ewig geilen, immer willigen Berserker darzustellen, was bei Frankel thematisch leider nur gestreift wird – sondern schlichtweg mit ihrer uralten Weigerung, ihn oral zu befriedigen.

Amerikanische Filme haben, man kann es seit geraumer Zeit feststellen, eine obsessive Haltung, was Oralverkehr angeht. Warum, darüber ließe sich nur spekulieren, hier wird diese Obsession einmal mehr bedient und dann in den wenigen nicht gerade geschmackssicheren Szenen des Films bedient. Kays Versuche, in einem Kino zur Tat zu schreiten, wirken im Kontext des Films so hilflos, daß man Mitleid bekommt, allerdings fragt man sich automatisch, wie oft eigentlich in Kinos Oralsex wirklich stattfindet und ob dies nun gerade der geeignete Ort ist, damit anzufangen, wenn man es eh nicht mag. Allerdings erspart Frankel seinem Publikum dann auch nicht die Demütigung und Kränkung, die Kay empfindet, wenn sie, als sie merkt, daß sie schlicht nicht tun kann, was sie im Begriff ist zu tun, als sie zwischen den Reihen der Kinosessel zu knien versucht, sich verrenkend, aus dem Saal läuft. Da wird die Szene dann doch wieder wahrhaftig und emotional nachvollziehbar. In anderen Momenten weiß Frankel mit den Annäherungen, die der Therapeut seinen Klienten als „Aufgaben“ mit auf den Weg gibt, souveräner umzugehen, wodurch sie weitaus ehrlicher und realistischer, dadurch aber auch schmerzhafter für den Zuschauer wirken. Da sitzen die beiden auf dem Hotelbett und berühren einander mit der Verklemmtheit und Beklommenheit von Teenagern, die überhaupt zum ersten Mal den Körper des andern zu erkunden wagen. Rührend ist das und vollkommen würdevoll.

Daß Drehbuch und Regie ihren beiden Protagonisten schließlich ein Happyend gönnen, mag dann der Einordnung als „Romantic Comedy“ geschuldet sein, aber sei es drum. Denn eine romantische Komödie ist dies, wenn, wirklich nur auf den allerletzten Metern, wo wir Kay und Arnold und ihre Kinder sowie den Therapeuten, der wohl dazu geladen wurde, am Strand ihr Eheversprechen erneuern sehen. Doch sind die Wahrheiten und Einsichten, die HOPE SPRINGS seinem Publikum zuvor zumutet zu eindringlich und manchmal auch zu schmerzhaft, als daß man behaupten könnte, daß nun mit einem Mal alles wieder gut sei. Bei aller Hoffnung, die aus diesen Abspannszenen erwachsen mag, ahnen wir, daß diese Ehe fragil bleibt und dieses Paar noch lange nicht über den Berg ist.

„Nett“ ist gemeinhin keine wirklich positive Kategorie, verbirgt sich darin doch auch immer der schleichende Verdacht der Harmlosigkeit, möglicherweise sogar jener der Belanglosigkeit. Dennoch kann man HOPE SPRINGS attestieren, ein netter Film zu sein. Er ist wie eine Ehe nach über 30 Jahren Dauer: etwas behäbig, nicht allzu aufregend, voller warmen Humors und sich dennoch der überall lauernden Tragik durchaus bewußt. Kein großer Film, nein, aber sicherlich eine gelungene kleine Studie über ganz normale Menschen in ihren ganz normalen Leben. Und ein Beweis für das fantastische Können seiner Hauptdarsteller.

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