DER VERWEGENE/WILL PENNY

Tom Gries schuf einen realistischen Spätwestern, der recht aucthentisch das Leben eines Coboys schildert

Will Penny (Charlton Heston) ist Cowboy auf einem Viehtrieb. Als die Herde irgendwo in der Wildnis an einer Bahnstrecke abgeliefert wird, werden er und die anderen Cowboys vom Boss Ike Walterstein (Slim Pickens) ausgezahlt. Walterstein bietet Penny an, ihn zurück zur Ranch  zu begleiten. Er hält den Cowboy für einen guten und zuverlässigen Arbeiter. Doch ein Kollege bittet Penny, ihm den Platz auf der Ranch zu überlassen. Penny willigt ein.

So reitet er mit Blue (Lee Majors) und Dutchy (Anthony Zerbe) los, die sich einen Job für den anstehenden Winter suchen wollen.

Unterwegs will Blue einen Elch erlegen, was den Dreien eine Menge Fleisch für die kommenden Tage und Wochen bescheren würde. Doch bevor Blue zur Tat schreiten kann, wird der Elch von jemand anderem erschossen. Es ist der Prediger Quint (Donald Pleasence), der mit seinen Söhnen unterwegs ist. Es bricht ein Streit darüber aus, wem der tote Elch denn nun gehöre. Dabei kommt es zu einem Schußwechsel, bei dem einer der Söhne des Predigers getötet wird. Quint zieht ab und schwört Rache.

Dutchy wurde bei der Auseinandersetzung ebenfalls verletzt. Allerdings gibt er an, er sei es selber gewesen, sein Revolver sei in der Tasche losgegangen. Will und Blue laden ihren Kumpel auf den Wagen und suchen nach einem Arzt. Bei einer Farm, die auch als Pferdestation dient, werden sie auf eine Stadt verwiesen, die einen halben Tagesritt entfernt liege. In der Station treffen sie auf eine Frau, Catherine Allen (Joan Hackett) und deren Sohn Horace (Jon Gries). Die beiden sind mit einem Führer in der Wildnis unterwegs, sie wollen nach Kalifornien, wo Mrs. Allen ihren Mann zu treffen hofft, der eine Farm bestellt.

Penny, Blue und Dutchy ziehen weiter. In der Stadt bringen sie Dutchy zum Arzt. Doch Penny möchte nicht abwarten, wie es um seinen Kollegen steht. Er reitet allein weiter, da er auf der nahe gelegenen Flatiron-Ranch Arbeit für den Winter zu finden hofft.

Unterwegs findet er die Leiche eines Cowboys. Er nimmt sich des Toten und dessen Pferdes an und bringt beide zur Ranch. Der dortige Boss, Alex (Ben Johnson) stellt Penny auch ein. Der soll den Winter im Gebirge als Grenzreiter verbringen. Ein einsamer Job, bei dem es darum geht, das Vieh, das sich in die Berge verirrt, zusammen zu halten und die Grenzen der Ranch regelmäßig abzureiten, um die Zäune zu überprüfen. Alex schwört Penny darauf ein, daß er auf keinen Fall jemanden in der Hütte wohnen lassen soll.

Als Penny die Hütte nach einigen Tagen erreicht, trifft er dort auf Mrs. Allen und Horace. Deren Führer hat sich aus dem Staub gemacht. Penny, der eigentlich keinen Ärger will, fordert Mrs. Allen auf, die Hütte in den kommenden Tagen zu verlassen. Er selber werde erst einmal die Umgebung erkunden und dann zurückkehren.

Unterwegs wird Penny von Quint und dessen Söhnen überfallen. Sie rauben den Cowboy aus, nehmen sich seiner Sachen, seiner Waffen und des Pferdes an. Dann übergießt Quint Penny mit Wasser und erklärt seinem Sohn Rafe (Bruce Dern), der kurzen Prozeß mit Penny machen will, daß dieser langsam und qualvoll in der Kälte sterben soll.

Der schwer verletzte Will Penny schleppt sich, nur mit seiner Unterhose bekleidet, zur Hütte. Mrs. Allen und Horace, die geblieben sind, nehmen sich seiner an und es gelingt ihnen, ihn wieder halbwegs auf die Beine zu bringen.

Der Winter naht. Penny ist klar, daß er Mrs. Allen und den Jungen nicht einfach wegschicken kann. Andererseits kann er die Hütte auch nicht einfach räumen, wie es Mrs. Allen vorschlägt. So arrangieren sich die Drei mehr schlecht als recht.

Will sucht Feuerholz und Kuhfladen zusammen, damit sie genügend Brennmaterial für den Winter haben, zudem dichtet er die Hütte ab, damit die Wärme bleibt.

Horace bewundert den Cowboy zunehmend. Penny nimmt den Jungen mit auf seine Streifzüge in die Umgebung, er zeigt ihm, wie man in der Wildnis überlebt. Mrs. Allen kümmert sich aufopferungsvoll um das Haus, sie kocht, melkt die einzige vorhandene Kuh und hält das Feuer am Brennen.

Penny beobachtet, wie Mrs. Allen ihrem Sohn Unterricht gibt, ihn Lesen und Schreiben lehrt, was er, Penny, beides nicht beherrscht. Penny spürt zum ersten Mal in seinem Leben, was es bedeutet, eine Familie zu haben. Und er spürt eine immer stärkere Zuneigung sowohl zu Horace, den er wie einen eigenen Sohn behandelt, und auch zu Mrs. Allen, die er mittlerweile Cath nennt.

Weihnachten kommt näher, Penny und Horace schlagen einen Baum und Mrs. Allen schmückt ihn ein wenig. Am Abend singen Horace und Mrs. Allen ein Weihnachtslied. Als Horace im Bett liegt, versucht Mrs. Allen, auch Penny ein Weihnachtslied beizubringen. Dabei wird offensichtlich, daß auch die Gefühle für Will hegt. Beide sind sich allerdings bewußt, daß eine Beziehung zwischen ihnen schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist. Zumal Penny davon ausgeht, daß Mrs. Allen verheiratet ist.

Der Abend schreitet voran, als plötzlich die Tür aufspringt. Quint und seine Söhne treten ein. Sie haben die Hütte gesehen und wollen nun dort Unterschlupf finden. Sie schlagen Penny erneut zusammen. Quint verlangt von Mrs. Allen, daß sie sich zwischen einem seiner Söhne wird entscheiden müssen. Penny soll als sein Sklave für ihn arbeiten.

Ausbruchsversuche gelingen nicht. Penny weiß aber, daß er etwas unternehmen muß. Er beschließt zu fliehen, wenn Mrs. Allen die Männer ablenkt. Mrs. Allen ihrerseits spielt die Jungs gegeneinander aus und bringt sie dazu, sich gegenseitig zu verprügeln.

Als Penny dies nutzt und fliehen will, wird er von Rafe und seinem Bruder verfolgt. Plötzlich gellen Schüsse durchs Gebirge. Der wieder genesene Dutchy und Blue sind aufgetaucht. Sie wollten ihren Freund Will Penny davon unterrichten, daß ihnen noch Zusatzzahlungen vom Viehtrieb zustehen, da Walterstein die Herde besser verkauft hat, als angenommen. Sofort kommen sie Will zur Hilfe.

Mit einem Trick gelingt es Will, die Hütte auszuräuchern. Als Quint und seine Söhne herausgestürmt kommen, schießen Penny und Blue sie gnadenlos nieder.

Die Schießerei ist gerade vorbei, als Alex und die Männer von der Flatiron-Ranch auftauchen. Ihnen kam zu Ohren, daß das Vieh frei rumlaufe und einige Zäune beschädigt seien. Sie wollten nachschauen, was es damit auf sich hat.

Nun sieht Alex, daß Will Mrs. Allen und ihrem Sohn Unterschlupf gewährt hat. Er erklärt, er nähme die Frau und das Kind direkt mit zur Ranch. Will gibt seinen Job auf, den er, nimmt man es genau, nicht gut erledigt hatte.

In der Hütte kommt es zu einer Aussprache zwischen Cath Allen und Will Penny. Sie versucht, wenn auch zaghaft, ihn davon zu überzeugen, mit ihr zu kommen und ein neues Leben anzufangen. Sie sei gar nicht verheiratet und es müde, hinter einem Mann herzureisen, dessen sie sich nicht sicher sei. Doch Will erklärt, daß er keine gute Partie ist. Er gehe auf die 50 zu, habe nichts, außer den Klamotten, die er am Leib trage, zudem sei er nicht zum Farmer geboren. Eine Arbeit, von der er nichts verstünde. Doch, so gibt er an, habe er einmal spüren dürfen, wie sich die Liebe anfühle, einmal im Leben habe er merken können, was drin gewesen wäre. Leider sei es für ihn aber zu spät.

Will, Blue und Dutchy reiten davon. Mrs. Allen und Horace blicken ihnen nach, bis sie in den Hügeln verschwunden sind. Dann reiten sie mit Alex und dessen Männern zur Ranch.

Spätwestern, das sind jene Beiträge zum Genre, die in den späten 60er Jahren und den 70ern entstanden und – auch in einem Rückgriff auf den Italowestern, jenem Innovationsschub aus Europa, der das Genre massiv beeinflusst und verändert hatte – den Westen noch einmal anders erzählten, als ihre Vorläufer in den 40er und 50er Jahren. Konnten jene Filme noch relativ bruchlos von Helden und harten Kerlen erzählen, die allerdings auch erstmals durch die Brille der Psychologie betrachtet wurden, erzählte der Spätwestern meist von alternden Revolverhelden, die spürten, daß ihre Zeit vorüber war. Will man das Sub-Genre auf einen Namen herunterbrechen, müsste man wahrscheinlich Sam Peckinpah nennen, der mit Filmen wie THE WILD BUNCH (1969) und PAT GARRET AND BILLY THE KID (1973) Prototypen dieser Spielart des Western schuf. Allerdings gab es auch einen Zweig, der den Blick nicht auf Banditen und Scharfschützen richtete, sondern auf jene Männer, die meist namenlos ihre Arbeit verrichteten und ihrerseits alterten und spürten, daß ihre, meist ganz persönliche, Zeit ablief. Es handelte sich im engeren Sinne um Cowboy-Filme.

Tom Gries schuf mit WILL PENNY (1968) einen packenden, melancholischen und auch spannenden Cowboyfilm, der aus dem Leben eines solchen alternden Mannes erzählt. Der damals 45jährige Charlton Heston spielte diesen Will Penny, einen Viehtreiber, der sich nach dem Ende eines Viehtriebs einen neuen Job suchen muß, als Grenzreiter auf einer Ranch anheuert und ungewollt in eine Beziehung zu einer Frau verwickelt wird, die mit ihrem Sohn Unterschlupf in der Hütte sucht, die Penny für den Winter in den Bergen zur Verfügung gestellt wurde.

Gries hatte das Drehbuch selbst verfasst und machte es in seinen Gesprächen mit den Produzenten Walter Seltzer und Fred Engel, die es kaufen wollten, zur Bedingung, selber Regie führen zu dürfen. Seltzer, der eng mit Heston befreundet war, zeigte dem Schauspieler das Drehbuch, das dieser später mehrfach als das beste Script bezeichnete, das er in seiner Karriere je zu lesen bekommen habe. Nach einigem Hin und Her bekam Gries den Zuschlag. Der Regisseur hatte bisher lediglich Erfahrungen im Fernsehen gesammelt, zehn Jahre zuvor seinen letzten Kinofilm gedreht. Die Skepsis, die ihm entgegenschlug, war also nicht ganz unberechtigt. Heston fürchtete, daß dieses sehr gute Script an einen Mann wie Gries letztlich verschenkt war. Das Ergebnis allerdings überzeugte ihn. Er nannte WILL PENNY verschiedentlich als seinen persönlichen Favoriten unter den Filmen, die er gedreht hatte. Und wirklich ist WILL PENNY ein hervorragender Film, dem es gelingt, die Arbeit der Cowboys so authentisch und realitätsnah wie möglich darzustellen. Hier wird nichts glorifiziert oder romantisiert. Die Arbeit wird als hart und oft gefährlich dargestellt, das Leben in der Wildnis ist hier kein Zuckerschlecken, im Gegenteil.

Genau dies war Gries´ Anliegen, als er sein Buch schrieb. Ein Film, der die Arbeit zeigt, die Härte des Landes und das Leben jener Männer, die es bewirtschafteten, bzw. mit dem Vieh durchqueren sollte im Mittelpunkt stehen. Zunächst hat man den Eindruck, der Film erzählte entlang einiger Episoden aus dem Leben des Will Penny. Der Film zeigt zu Beginn den Viehtrieb, dann, wie die Männer ausgezahlt werden und ohne Arbeit dastehen. Doch indem Gries den verrückten Laienprediger Quint in die Handlung einbaute, gab er dem Film eine Form und einen roten Faden. Denn dieser Mann taucht mehrfach auf und bedroht Penny und schließlich auch die Frau und den Jungen, denen er entgegen seiner Order Unterschlupf in der Hütte gewährt. Quint erfüllt allerdings auch die Aufgabe, dem Zuschauer ein wenig Action und herkömmliche Spannung zu bieten.

Donald Pleasence spielt diesen Prediger, Quint, als einen Irren, als einen Mann, der sadistische Freude am Schmerz und Leiden anderer hat. Er ist ein Patriarch, der mit Gewalt über seine kleine Familie herrscht. Eine Rolle, die Pleasence so oder ähnlich in seiner langen Karriere immer wieder angeboten bekam und zusehends mit Routine gab. Hier aber nimmt man ihm den Wahnsinn dieses Mannes ab und dadurch wirkt er enorm bedrohlich und unberechenbar. Die Familie, mit der der Prediger herumzieht – es handelt sich um seine drei Söhne, darunter ein blutjunger Bruce Dern, und eine Frau, deren Rolle nie näher erklärt wird – bietet ein Gegenbild zu der Notgemeinschaft in der Hütte, die ebenfalls zu einer Art Familie zusammenwächst. Anhand der Quint-Familie wird ebenfalls die Härte des Landes und auch die Rechtlosigkeit, die hier (noch) herrschen verdeutlicht. Quint ist verrückt, doch in der Einöde ist er auch frei, seinem Wahnsinn freien Lauf zu lassen. Bedenkt man die Funktionalität der Rolle, muß man Pleasence eine superbe Leistung attestieren, da sein Auftauchen ernsthafte Gefahr bedeutet und uns um Penny und die ihm Anvertrauten bangen lassen.

Doch zunächst sehen wir Penny als Viehtreiber. Will und zwei Kumpel, die er unterwegs näher kennen und schätzen gelernt hat, machen sich auf, um neue Jobs zu finden. Der Winter naht, eine schlechte Zeit für Cowboys, da die großen Ranches im Winter nahezu zum Erliegen kommen. Unterwegs werden die drei dann mit dem Prediger konfrontiert. Zwar können Penny und seine Kumpels in der folgenden Auseinandersetzung die Oberhand behalten, doch wird einer von ihnen, Dutchy, schwer verletzt. Die Art, wie Penny und Blue mit dem Verletzten umgehen, wie sie ihn in einem Wagen betten und durch die Wildnis befördern, dann an einer Pferdestation Halt machen und erst einmal selber jede Menge Schnaps trinken, bevor sie sich um Dutchy kümmern, ihn später in einer kleinen Stadt beim Arzt abliefern und zumindest Penny dann aufbricht, um einen Job zu finden, das alles erzählt einiges über das Verhältnis dieser Männer untereinander. Man begegnet sich bei einem Job, bei dem es darauf ankommt, sich auf den anderen verlassen zu können, nach getaner Arbeit trennt man sich wieder und geht eigener Wege. Der von Slim Pickens – einem Veteranen des Western der 50er Jahre – gespielte Chef des Viehtriebs und auch die Unterhaltungen der Cowboys untereinander machen es mehrfach deutlich: Arbeit ist, vor allem eben im Winter, schwer zu finden und alle diese Kerle sind letztlich auf sich allein gestellt. Deshalb kann man hier auch kaum davon sprechen, daß sie Freunde seien.

Gries ist ganz offensichtlich weniger an Action und Schießereien interessiert, als vielmehr daran, das Leben in der Wildnis adäquat darzustellen. Mit der Unterstützung von Kameramann Lucien Ballard, der bereits auf eine lange Karriere in Hollywood zurückblickte, in den 60er und 70er Jahren allerdings wesentlichen Anteil an den Filmen u.a. Sam Peckinpahs hatte, gelang es Gries, in allen Abschnitten seines Films ebenso großartige, als auch die Härte dieses Lebens unterstreichende Bilder einzufangen. Angefangen mit dem Viehtrieb, auf dem wir Penny und seine Kumpels kennenlernen, über die kurzen Einschübe in einer Stadt und auf der Flatiron-Ranch, die nahezu im Matsch versinkt, bis hin zu den kargen Aufnahmen der Hütte und ihrer winterlichen Umgebung, die einen Eindruck davon vermitteln, wie rau das Leben in den Bergen gewesen sein muß, gelingt es, dem Zuschauer die Lebensfeindlichkeit dieser Gegenden, aber auch die Schönheit zu vermitteln, die sie bieten. Und wir verstehen instinktiv, weshalb diese Männer ihre Jobs – trotz der Härte, trotz der Einsamkeit – eben auch lieben. Ballard gelingt es, dem Zuschauer einen klaren Eindruck davon zu vermitteln, wie diese Menschen nahezu zwangsläufig mit diesem Land verwoben waren. Wie sehr die Anforderungen des Landes das Leben bestimmten, wie hart dieses Leben war und wie wenig Mitmenschlichkeit oder gar Gnade man sich erlauben konnte, oder meinte, erlauben zu können. All das schließen Ballards Aufnahmen ein, die hauptsächlich in den Bergen Kaliforniens entstanden.

Spannung bezieht WILL PENNY also keineswegs nur aus dem Auftauchen von Quint und seinen Söhnen, sondern sehr oft aus genau jenen Momenten, die weit von herkömmlichem Western-Geschehen entfernt sind, weil sie schlicht die Arbeit in und an diesem Land zeigen. Penny, der mitten in eine Rinderherde hineinrennt, um einen gestürzten Kollegen zu retten; die Schießerei über einen Fluß hinweg, bei der Dutchy angeschossenen wird, ausgetragen mit extra für die Produktion zusammengetragenen Originalwaffen, was zur Folge hat, daß wir nicht Könnern mit dem Schießeisen zuschauen, sondern einer wilden Ballerei, bei der alles Mögliche, u.a. ein Pferd, getroffen wird, der Gegner aber eher aus Versehen – oder gar nicht, wie Dutchy bestätigt, der glaubt, sich selbst angeschossen zu haben; die Innenräume, die bewusst die Düsternis und Kargheit dieser Behausungen wiedergeben, was vor allem für die Hütte gilt; die Ausflüge im Schnee in der Umgebung der Hütte, um Brennholz zu suchen; der Gang zum Gatter, mitten im Schneesturm, um die Kuh zu melken – es sind diese Momente, die den Film auszeichnen und besonders machen. Zudem kreiert Gries enorme Spannungsmomente durch das Aufeinandertreffen eines Mannes wie Penny, der weder Lesen noch Schreiben kann, der wenig von der Welt kennt und keinen Umgang mit Frauen gewohnt ist, und einer Frau wie Cath Allen, die, ohne daß wir darüber je genauer unterrichtet werden, offenbar von der Ostküste stammt, die gebildet ist, die voller Optimismus auf ein Leben als Farmersgattin blickt. Ein Leben, das sie mit ihrem Mann, den sie irgendwo im Westen zu treffen hofft, teilen will.

Die Rolle der Cath Allen wurde diversen Schauspielerinnen angeboten, die durchweg ablehnten. Dabei ist dies eine hervorragende Rolle, gerade für eine Frau in einem Western. Cath ist selbstständig und selbstbewußt, sie lässt sich nicht einschüchtern, widersetzt sich dort, wo ihr Grenzen aufgezeigt werden sollen. Sie ist ihrem Sohn. gespielt von Gries´ eigenem Sohn Jon Gries, eine ebenso liebende wie strenge Mutter. Vor allem aber ist sie eine überaus mutige Frau. Schließlich übernahm Joan Hackett die Rolle und spielte diese Frau zwar zurückhaltend, doch mit enormer Präzision und Präsenz. Und offenbar steckte sie damit die anderen Schauspieler an. Allen voran Heston, der hier eine hervorragende, wenn nicht die beste, Leistung seiner Karriere ablieferte. Das Zusammenspiel der beiden ist exquisit. Es gelingt ihnen, zunächst ohne viele Worte, die Annäherung und aufkeimenden Gefühle zwischen Penny und Allen spürbar zu machen. Und genauso spüren wir in all den Gesten, den kurzen Blicken, dem sanften, versteckten Lächeln, wenn der andere nicht hinschaut, immer auch schon die Unmöglichkeit einer solchen Liebe. Wenn es dann schließlich am Ende des Films, nachdem Quint und seine Söhne erledigt wurden und der Boss der Flatiron-Ranch mit seinen Leuten aufgetaucht ist, zu einer ersten und letzten Aussprache zwischen den beiden kommt, verstehen wir ganz genau, wieso es ihnen nicht möglich ist, sich zusammen zu tun.

Penny erklärt, daß er mittlerweile – er ist um die 50, was in seiner Zeit, auch das sehr realistisch, schon ein hohes Alter war – zu alt sei, um sein Leben noch zu ändern. Er könne Cath nichts bieten, er sei ein Habenichts und zudem sei er zu früh erwachsen und zu spät klug geworden. Das ist ein ungeheuer trauriger Satz, den Heston jedoch so ausspricht, daß man darin nicht etwas Sentimentales erkennt, sondern schlicht die Wahrheit über diesen Mann, der sein Leben größtenteils allein verbracht hat. Es sind einfache Sätze, die Gries seinen Protagonisten in den Mund legt, wodurch sie wahr und wahrhaftig werden und dem Film eben jene Unaufgeregtheit und Ruhe geben, die sein inneres Wesen ausmachen. So entsteht hier ein ungewöhnlicher Western, ein Western, dem eher an Authentizität und Realismus denn an Spannung und Action gelegen ist. Und gerade in einer Szene wie dieser Aussprache wird noch einmal deutlich, wie man berühren kann, ohne kitschig oder sentimental zu werden. Denn sie berührt ungemein, gerade in ihrer scheinbaren Schlichtheit.

Man kann WILL PENNY als ersten Teil eines Triptychons sehen, der mit William A. Frakers höchst melancholischem MONTE WALSH (1970) fortgesetzt und von Balke Edwards mit WILD ROVERS (1971) abgeschlossen wurde. Alle drei sind Filme, die sich mit dem Altern von Cowboys beschäftigen, alle drei finden unterschiedliche Lösungen, die aber allesamt nicht befriedigend sind. Allerdings reitet Will Penny am Ende von Gries´ Film einfach mit seinen Kumpels davon. Er wird einen weiteren Job finden, er wird weiter das Leben eines Cowboys führen und er wird wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit haben. Bei ihm sind es anders als in Frakers und Edwards´ Film weniger die äußeren Umstände, die den Cowboy als Arbeitskraft langsam überflüssig machen, als vielmehr die eigenen Lebensentscheidungen, die ihm nun im Wege stehen, um vielleicht das Glück zu finden, von dem er bis zu seinem Zusammentreffen mit Cath Allen nicht einmal wusste, daß es existiert. Dadurch wird WILL PENNY schließlich auch zu einem existenzialistischen Werk, dessen Protagonisten – egal wie gebildet sie sind, egal, ob sie des Schreibens und Lesens mächtig sind – zumindest wissen, daß sie ihre Leben auf Basis eigener und weitestgehend freier Entscheidungen getroffen haben. Auch, wenn die Leben, die sie geführt haben, oftmals kaum andere Entscheidungen zugelassen haben mögen.

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