EIN AKT DER LIEBE/ACT OF LOVE

Eine frühe Serienkiller-Story

In Houston geht ein Serienmörder um. Er vergewaltigt und zerstückelt Frauen, nimmt Teile ihres Körpers mit und ißt diese. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Presse macht ihr die Hölle heiß und der ermittelnde Detective wird immer tiefer in den Fall hineingezogen, entfremdet sich mehr und mehr seiner Familie und verliert sich schließlich in wilden Verdächtigungen gegenüber seiner nächsten Umwelt. Dadurch kommt er dem Täter jedoch unvermittelt recht nah und so nimmt dieser nun die Familie aufs Korn. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt…

Wollte man diesen Roman nach den Kriterien des Jahres 2012 – also nach McFadyen, Thomas Harris, King oder Ketchum – beurteilen, ginge er sicher mit keinem guten Ergebnis durch. Da dies aber 1981 veröffentlicht wurde, sollte man andere Kriterien anlegen. Schon die magere Inhaltsbeschreibung oben zeigt, daß so ziemlich jedes Klischee erfüllt wird, daß man mittlerweile gerade aus dem Serienkiller-Genre (wenn man es denn so nennen darf) kennt: Die superbrutalen Morde, der eiskalte Killer, der fortschreitend zerrüttete Detektiv, dessen Familie schließlich selbst Opfer zu werden droht.

Doch als Lansdale das schrieb (übrigens sein Erstling, auch das sei zu bedenken), gab es all diese Klischees noch gar nicht. So wird dieser Roman zu einer Art Prototyp. Und man merkt das. Was einige als holprig wahrnehmen mögen, sind eher erste Schritte in einem bis dato wenig bis gar nicht begangenen Terrain. Nicht alles hier funktioniert, manches ist zu schnell und dadurch scheinbar zu hingehuddelt geschrieben. Aber Lansdale macht keine Gefangenen, er erzählt seine Story frisch, ohne Schnörkel und Umschweife. Da scheint er ganz der hard-boiled-Tradition verpflichtet. Der Leser erfährt nicht ein Jota mehr, als nötig ist, um die Story voran zu treiben. Und all die Nebenfiguren – der Journalist, der Vorgesetzte, der kumpelhafte Buddy, der verzweifelte und deshalb verräterische Kollege – kommen hier noch erstaunlich frisch rüber.

Es ist ein bisschen wie mit alten Platten der Stones: manches Riff mag man nicht mehr hören, weil jeder es seitdem gecovert hat, aber wenn man unvermittelt mal wieder reinhört, dann fällt einem schon auf, daß das damals eben neu und unverbraucht war. So ging es auch mit diesem Thriller.

Daß es heute Ausgefeilteres und Durchdachteres gibt – ja sicher. Dieses Buch ist zum einen rezeptionshistorisch interessant, erzählt es doch von einer Zeitenwende im Thrillergenre, andererseits ist es auch immer noch fesselnd ob seiner Schnörkellosigkeit.

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