GARTEN DES BÖSEN/GARDEN OF EVIL

Wenn im Zentrum des Handelns nichts mehr motiviert

Vier Männer, alle auf dem Weg ins goldgesegnete Kalifornien, stranden in einem mexikaischen Fischerdorf, als die Maschinen des Schiffes, das sie transportiert, ausfallen.

Hooker (Gary Cooper) und Fiske (Richard Widmark) – ein Abenteurer der eine, ein Spieler der andere – werden in einer Kneipe von Leah (Susan Hayward) aufgetan, deren Mann im Landesinneren in seiner Goldmine einen Unfall hatte und verletzt ist. Sie heuert die Männer an, ihr zu helfen. Der Pistolero Daly (Cameron Mitchell) und der Mexikaner Vicente Madaragia (Victor Manuel Mendoza) schließen sich an, bietet Leah doch tausend Dollar für jeden, der sie begleitet. Warum wollen die anderen Mexikaner nichts? fragt Hooker sie. Das Gebiet, das sie durchqueren werden – genannt „Der Garten des Bösen“ – ist Indianergebiet. Die Mexikaner wussten das.

Die Gruppe reitet durch das feindliche Gebiet, es kommt zu Spannungen, als jeder der Herren einmal versucht, bei Leah zu landen. Nur Hooker weiß, daß sie alle zusammen halten müssen, wollen sie dieses Abenteuer überleben. Schließlich erreichen sie die Mine, können Leahs Mann John Fuller (Hugh Marlowe) auch retten und eine Menge Gold sicherstellen. Was eigentlich ist der Grund, daß diese Männer hier sind? Die Rettung eines Mannes, die Lust auf eine Frau oder das Gold?

Fuller wirft Leah vor, ihn immer nur mißbraucht zu haben. Sie bietet an, daß Hooker und die Männer den verletzten Fuller fort bringen, sie wolle hier bleiben und die Indianer, die sich immer offener zeigen, ablenken. Hooker macht dies nicht mit und so reiten alle gemeinsam. Bei der ersten Rast bittet Fuller Daly, ihm aufs Pferd zu helfen, er wäre allen nur ein Klotz am Bein, er ritte allein weiter. Daly tut, wie ihm geheißen. Während Fuller davonreitet, kommt es zwischen Daly und Hooker zu einer Auseinandersetzung, doch bevor diese eskalieren kann, streckt ein Pfeil Daly nieder.

Die Verbliebenen reiten los, wollen sich retten, treffen aber nach Kurzem auf die Leiche Fullers, gespiekt mit Pfeilen. Vicente dreht durch, rennt nur mit Messern bewaffnet auf die Indianer los und wird getötet. Hooker, Fiske und Leah reiten weiter, können sich schließlich mit letzter Kraft über einen engen Felsweg retten. Hier können sie die Indianer aufhalten. Fiske fordert Hooker auf, mit ihm zu wetten, wer die höhere Karte aus dem Stapel zieht – der „Gewinner“ muß bleiben und die Indianer allein aufhalten, was seinen sicheren Tod bedeutet. Fiske zieht die höhere Karte und bleibt. Hooker, sobald er Leah in Sicherheit weiß, reitet zurück und findet den sterbenden Fiske, der es geschafft hat, den Pass zu halten.

Hooker und Fiske blicken in einen majestätischen Sonnenuntergang, Fiske stirbt und Hooker stellt fest, daß wenn die Erde aus Gold wäre…

„Wenn die Erde aus Gold wäre…würden die Menschen für eine Handvoll Dreck sterben.“ So das Fazit Hookers, nachdem er seine drei Kameraden hat sterben sehen – für nichts.

Wenn alle Geschichten auserzählt sind und die Städte befriedet und die Rinder getrieben und die Verbrecher gestellt, bleibt den Helden von einst nicht mehr viel zu tun. Und immer mehr von ihnen finden sich südlich der Grenze wieder, in Mexico. Und dort werden sie „professionals“. Sie werden käuflich: Hookers. Gary Cooper spielt hier einen der coolsten Typen seiner Karriere in dieser letzten Zusammenarbeit mit Henry Hathaway. Der war eine Art „Hausregisseur“ für ihn. Ähnlich wie in Robert Aldrichs VERA CRUZ (1954) – im selben Jahr entstanden – , treibt es ihn als einzigen aus halbwegs humanen Gründen in die Wüste, um diesen Mann in seiner Mine zu retten. Und ausgerechnet ihn stattet das Drehbuch mit diesem Namen aus, dem Slangbegriff für eine weibliche „Professionelle“.

Alle anderen hier sind hinter etwas her: Der Frau, dem Gold? Man weiß es nicht, niemand spielt mit wirklich offenen Karten, auch nicht Widmarks Fiske, ein „professional“ des Kartenspiels. Wie der WILD BUNCH (1969) bei Peckinpoah oder die Söldner in Brooks THE PROFESSIONALS (1966)  bewegen sich diese Männer irgendwo in einer Grauzone halblegalen Tuns. Jeder ist für sich selbst unterwegs und keiner traut dem andern. Ironischerweise hat man es in gewissem Sinne hier mit einem typischen McGuffin zu tun: Denn in dem Moment in dem Fuller nicht mehr lebt (bzw. schon in jenem, da er allein wegzureiten versucht), ist der nominelle Grund für das ganze Abenteuer obsolet. Er ist schlichtweg nicht mehr vorhanden.

Henry Hathaway hat mit GARDEN OF EVIL (1954) sicherlich nicht seinen spannendsten Western gedreht, wohl aber den abgebrühtesten und in seiner Haltung auch zynischsten. Sei es der eben erwähnte „telling name“, der Cooper verpasst wird; sei es das Setting – hier sind sicherlich einige der großartigsten und atemberaubensten Landschaftsaufnahmen in der Geschichte des Western zu besichtigen – in einer wundervollen Region aus Felsen, weiten Hängen und schroffen Felsen, die unfassbar schön leider den Namen „Garten des Bösen“ trägt; sei es die Tatsache, daß nicht einmal der professionelle Kartenspieler durchschaut, wer hier wie spielt; sei es, daß der Grund, warum diese Kerle überhaupt aufbrachen, sofort abhaut und stirbt und somit im Zentrum des Films nichts mehr existiert, worum es zu kämpfen lohnte, außer eben das eigene Leben. Interessant ist, daß der Plot keine doppelten Böden oder hintergründige Clous bereit hält. Der Zuschauer weiß von Anfang an, daß diese Männer sich wahrscheinlich nicht sonderlich leiden können, daß sie unterschiedliche Ziele verfolgen, daß der Frau – Leah – eher nicht zu trauen ist und daß sicherlich nicht alle dieses Abenteuer überleben werden. Und das alles passiert in einer eher actionarmen Handlung, die häufig auf Bilder der Landschaft, der Menschen darin setzt. Daß es Hathaway dennoch gelingt, aus sehr wenig einen gelungenen Western zu machen, der zwar nicht sonderlich spannend, dafür aber in seiner dramatischen Entwicklung packend ist, zeigt einmal mehr das routinierte Können dieses Regieveteranen.

Kameraarbeit, die Landschaftsaufnahmen vor allem, und die Schauspielerleistungen überzeugen hier so sehr, daß man dem Film einfach gern zuguckt, auch wenn einem das alles nicht den Schweiß der Spannung auf die Stirne treibt.

4 thoughts on “GARTEN DES BÖSEN/GARDEN OF EVIL

  1. Gerlinde Stang sagt:

    vera cruz ist nicht sechs, sondern 2 jahre später entstanden und war wesentlich härter und ironischer, wie auch Aldrich in einer anderen Liga spielt als H.
    Garten des Bösen ist ein schöner Film, mit Bombenrollen für Cooper, Hayward und Widmark, die ein schönes Stück zu ihrem jeweils spezifischen legendären Starnimbus beitrugen, aber du interpretierst zu viel hinein, nimmst alles zu ernst. Hollywood hatte nie was mit der Wirklichkeit zu tun, durfte es auch nicht, deshalb hat es funktioniert.
    Die weiten Prospekte, in denen man sich verlieren möchte, sind gemalt, ähnlich unecht wie der lebensgefährliche Pfad über dem Abgrund.

  2. Gavin sagt:

    Hallo Gerlinde Stang,

    vielen Dank für den Kommentar und vor allem für den Hinweis auf den Abstand zwischen den Filmen. Tatsächlich sind sie sogar beide von 1954, keine Ahnung, wie mir das passieren konnte. Wird berichtigt!

    Ob ich die Filme zu ernst nehme, sei einmal dahin gestellt. Ich denke, jeder Film hat einen enormen Interpretatiosnspielraum. Das Verhältnis zwischewn Wirklichkeit, Wahrheit und Hollywood ist natürlich ein weites Feld, um darüber zu philosophieren. Sieht man die Filme „eifach so“ haben sie natürlich nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Sehr wohl aber haben sie die Wirklichkeit interpretiert, haben zur „großen amerikanischen Erzählung“ ihren – revisionistischen – Teil beigetragen, wie man vor allem bei Filmemachern wie John Ford sehen kann.

    Ob nun Aldrich in einer anderen Liga spielt als Hathaway, soll jeder selbst bemessen. Hathaway stammt sicherlich aus einer anderen Generation, ist mehr dem „alten“ Hollywood verpflichtet, Aldrich gehörte zu jenen, die Hollywood in eine Zuklunft fühten, dem Film neue Räume öffneten.
    In meinen Augen gehört aber auch GARDEN OF EVIL durchaus zu jenen Western, die dem Genre eine gewisse neue Richtung zugewiesen haben.

    Meiner Kenntnis nach ist er größtenteils in Mexiko on location gedreht, Teile mögen im Studio entstanden sein (ebenfalls Mexiko), aber große Teile der Landschaftsaufnahmen sind „original“.

    Grüße,
    Gavin Armour

  3. Heribert Leonardy sagt:

    Lieber Gavin,
    total spannend, was ihr hier diskutiert. Garden of Evil ist aesthetisch sehr schön, weil er, wie Du sagst, in lication gedreht ist. Die Kirche im Lavafeld ist einfach umwerfend. Allerdings finde ich ihn unerträglich bzgl. Der Yaquis, eine indigene Bevölkerungsgruppe, die in dieser Zeit „ausgerottet“ wurde. Hier wäre eine Banditenbande, wie es sie im Mexico vor und nach der Revolution viele gegeben hat, besser gewesen. Es ist ähnlich wie bei „Comanche Station“ von Boetticher. Die Story ist Klasse, die Darstellung und dramaturgische Verwurstelung der Native Americans einfach nur grauenhaft. Schade. Aber ich mag die Filme trotzdem. Apropos Mexico-Western. Großartig finde ich da „The Wonderful Country“. So long, Herri

  4. Gavin sagt:

    Hallo Herri,
    über die Darstellung und Behandlung der Indianer in Hollywood-Western kann man zumeist eigentlich nur entsetzt sein. Gerade in diesem Bereich kann man vortrefflich über das Verhältnis von „Wirklichkeit“, „Wahrheit“ und Fiktion, mehr noch über Fragen nach dem Mythos und seiner Ausgestaltung diskutieren. Als Westernliebhaber muß man da manchmal viel ausblenden – wider besseren Wissens.

    THE WONDERFUL COUNTRY habe ich auch mal besprochen. Ein sehr schöner Film, der eine Grenze, eine Passage markiert, wie ich finde. Es gibt einige ganz hervorragende Mexiko-Western, THE RIDE BACK gefällt mir bspw. auch sehr. Ich muß aber zugeben, daß mir gerade in diesem Sub-Genre neben VERA CRUZ wohl THE WILD BUNCH immer noch am meisten zusagt, auch wenn er schon einer anderen Ära zuzurechnen ist. Interessant finde ich in allen Fällen, wie Mexiko zugleich Sehnsuchtsort und persönliche Hölle werden kann.

    Aber wo ich gerade diesen Text hier zu GARDEN OF EVIL erneut lese, denke ich, ich sollte vor allem die älteren Texte noch mal überarbeiten 😉 Man merkt, daß man einiges schon vor Jahren geschrieben hat.

    Gruß
    Gavin

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