GEHEIMBUND SCHWARZE LEGION/BLACK LEGION

Einer der ersten Filme, mit denen Warner Bros. ihre Kampagne gegen Faschismus und Nazismus starteten

Frank Taylor (Humphrey Bogart) lebt mit seiner Frau Ruth (Erin O´Brien-Moore) und dem gemeinsamen Sohn Buddy (Dickie Jones) ein eher beschauliches Leben. Frank ist Maschinist in einer Fabrik, unter seinen Kollegen ist er ausgesprochen beliebt und allseits als Fachmann angesehen. Es könnte ein wenig mehr Geld sein, aber im Großen und Ganzen ist er seines Lebens froh. Zudem steht eine Beförderung in Aussicht, da der Vorarbeiter geht und ein Ersatz gebraucht wird.

Befreundet ist Frank vor allem mit seinem Kollegen Ed (Dick Foran), der bei seinem Nachbarn Mike Grogan (Clifford Soubier) zur Untermiete lebt. Ed ist ein Draufgänger, der gern trinkt, sich die Nächte um die Ohren schlägt und mit der Dirne Pearl Danvers (Helen Flint) tanzen geht. Dabei merkt er nicht, daß die Tochter seiner Vermieter, die junge Betty (Ann Sheridan) in ihn verliebt ist.

Als es zur Neubesetzung des Vorarbeiterpostens kommt, wird dieser dem jungen Joe Dombrowski (Henry Brandon) zugesprochen. Joe ist Sohn polnischer Einwanderer und zudem jüdischen Glaubens, was vor allem bei Cliff Summers (Joseph Sawyer) auf Widerstand stößt. Frank seinerseits ist am Boden zerstört, war er sich doch mehr als sicher, den Posten zu bekommen. Er hatte sogar bereits ein neues Auto geordert, das er nun abbestellen muß.

Frank verbittert zusehends. Abends lauscht er nicht mehr, wie bisher, gemeinsam mit Buddy den Abenteuergeschichten im Radio, sondern den Ansprachen eines Predigers, der amerikanische Männer aufruft, sich gegen Ausländer – also nicht in den USA Geborene – zur Wehr zu setzen, da diese ihnen die Arbeitsplätze wegnähmen.

Cliff Summers seinerseits ist Mitglied in einer Geheimorganisation, die sich Black Legion nennt. Er bietet Frank an, zu einem Treffen der Organisation zu kommen und sich anzuhören, was diese zu sagen hat.

Die Black Legion will u.a. gegen Ausländer vorgehen und dafür sorgen, daß diese das Land wieder verlassen müssen. Ziele, die der gedemütigte Frank natürlich teilen kann.

Schnell findet er heraus, daß allerhand Honoratioren der Stadt, in der er lebt, Mitglieder bei der Black Legion sind. Er schließt sich ihnen an. In einem ebenso bizarren wie brutalen Aufnahmeritual wird er in die Organisation aufgenommen. Allerdings muß er für die Verkleidung der Legionisten – schwarze Umhänge und Kapuzen – sowie die Waffe, die ihm zur Verfügung gestellt wird, selbst zahlen, wodurch er sogleich bei seinen neuen Freunden in der Kreide steht.

Bald findet die erste Aktion statt, an der Frank teilnimmt. Es geht gegen die Dombrowskis, deren Farm die Legion überfällt. Die Scheunen werden angezündet, das Vieh laufen gelassen und die Familie entführt.

In der Folge wird nun doch Frank Vorarbeiter. Er leistet sich gleich das ursprünglich avisierte Auto und kauft Ruth allerhand Sachen für den Haushalt. Da die Legion aber feststellt, daß ihre Finanzen in Unordnung sind, werden Frank und andere Mitglieder aufgefordert, junge Leute zu rekrutieren. Als es bei einem seiner Rekrutierungsgespräche am Arbeitsplatz des jungen Kerls, den Frank überreden will, bei der Legion mitzumachen, zu einem Unfall kommt, wird er , degradiert und Mike Grogan erhält den Job als Vorarbeiter.

Nun setzt bei Frank erneute Verbitterung ein, die er zuhause auch Ruth und Buddy spüren lässt. Seine Laune verschlechtert sich zusehends, er vernachlässigt seinen Job und ist zugleich zu immer militanteren Aktionen bereit.

So wird eines Nachts Mike Grogan entführt, irgendwo in der Wildnis um die Stadt an einen Baum gebunden und ausgepeitscht. Für die Legion erschwerend kommt hinzu, daß Grogan ein Katholik – also ein „Papist“ – ist. Nur durch Zufall wird Mike gefunden und kann gerettet werden.

Ed, der inzwischen begriffen hat, daß Betty ihn liebt und das , Junggesellenleben aufgegeben und seine Herzensdame geheiratet hat, bezichtigt Frank, an der Aktion gegen Bettys Vater beteiligt gewesen zu sein. Zuvor hatte es bereits eine Konfrontation zwischen den Freunden gegeben, bei der Ed Frank klargemacht hat, daß er der Black Legion unter keinen Umständen zur Verfügung stünde. Er ist dabei so weit gegangen, die Organisation als eine Gangstervereinigung darzustellen, was Frank erzürnt hatte.

Nun spricht Ed auch mit Ruth und weist sie darauf hin, mit wem ihr Mann da Umgang pflegt. Ruth konfrontiert Frank mit den Vorwürfen. Es kommt zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden, Ruth verlässt Frank und reist mit Buddy zu ihren Eltern.

Frank fängt an zu saufen, er schlägt sich die Nächte mit Pearl Danvers um die Ohren und verliert schließlich seinen Job. Von Ed auf sein heruntergekommenes Äußeres und die Schieflage in seinem Leben angesprochen, beteuert Frank, er würde ja gern wieder aus der Legion aussteigen, doch könne er das nicht, da er nun einmal den Eid abgelegt habe, auf Leben und Tod mit seinen Kumpanen zusammen zu gehen.

Als die erfahren, daß Ed Frank mit der Polizei gedroht hat, wird der als nächstes entführt, zeigt sich gegenüber den Kapuzengestalten aber angstfrei. Als sie ihn aus dem Auto holen, setzt Ed sich zur Wehr und schlägt zwei der Entführer nieder, um dann zu fliehen. Frank, in Panik, schießt auf ihn und streckt ihn nieder. Die anderen Vertreter der Legion fliehen, Frank will sich um Ed kümmern, merkt aber, daß der bereits tot ist und ihm zudem die Polizei im Nacken sitzt. Auch er flieht, wird aber recht bald gestellt und inhaftiert.

Mit Hilfe seines Anwalts und von Pearl Danvers bastelt Frank sich eine Geschichte zurecht, die seine Schüsse auf Ed als Notwehr erscheinen lassen. Vor Gericht scheint er damit zunächst durchzukommen. Doch als sein Anwalt ihm klarmacht, daß er die Schuld allein auf sich nehmen müsse und dabei auch droht, daß die Legion Ruth und Buddy etwas antun könnte, besinnt sich Frank eines Besseren. Er deckt die gesamte Verschwörung vor Gericht auf und sorgt so dafür, daß die führenden Mitglieder alle des Mordes an Ed angeklagt werden.

Nach einer Ansprache, in der er auf die amerikanischen Werte hinweist und darauf, daß die Black Legion diese keineswegs ver-, sondern vielmehr mit Füßen trete, desweiteren darauf verweist, daß Menschen in Amerika nicht nach Religionszugehörigkeit, Geburtsrecht oder gar Hautfarbe beurteilt werden, sondern lediglich nach ihren Taten, verurteilt der Richter alle Beteiligten zu lebenslanger Haft.

Franks letzter Blick, bevor er abgeführt wird, gilt Ruth, die zurückgekehrt ist und ihrem Mann im Gerichtssaal zur Seite gestanden hat.

Hollywood reagierte verhalten auf die gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen, die durch den Börsencrash 1929 und die folgende Große Depression ausgelöst wurden. Auch die Entwicklungen in Europa schienen die Bosse in Hollywood wenig zu interessieren. Allerdings gab es durch die MPPDA, die Motion Picture Producers and Distributors of America, Inc., eine Art freiwillige Selbstkontrollinstanz, die Filmproduktionen in moralischen Fragen überwachen sollte, auch eine Richtlinie, die von Hollywood absolute Neutralität gegenüber dem Ausland verlangte – und schließlich ebenfalls verlangte, daß die Filmstudios sich aus dem politischen Alltagsgeschäft herauszuhalten hätten. Die meisten Studios hielten sich daran, obwohl viele Studiobosse jüdischen Glaubens waren, einige als Kinder oder junge Menschen gar aus dem damaligen zaristischen Russland vor Verfolgung und Pogromen geflohen waren. Doch viele von ihnen wollten sich in Amerika assimilieren, wollten ihre jüdischen Wurzeln wenn nicht ganz verleugnen, so doch zumindest weitestgehend vergessen machen. So gab es kaum Widerstand gegen die Machtergreifung der Nazis in Deutschland – was sicherlich auch kommerzielle Gründe hatte – oder der früheren faschistischen Bewegung in Italien (auch wenn diese sich zunächst nicht explizit antisemitisch zeigte), noch gegen die reaktionären Bewegungen in den USA selbst, die zunehmend faschistoiden Charakter annahmen und auch Zuspruch durch sehr populäre Amerikaner wie Henry Ford oder Charles Lindbergh fanden. Eine der Organisationen, die von reaktionär auf faschistisch schaltete, war die Black Legion, die mehrere Metamorphosen durchlief, bevor sie jene Form annahm, die Züge einer Terrororganisation hatte[1]. Geheimorganisationen, Verschwörungen, Attentate, Mord und Totschlag – eigentlich bot die Geschichte um die Black Legion, die aufgrund eines Mordes an einem unbescholtenen Bürger schließlich aufflog, vor Gericht landete und deren etliche Mitglieder verurteilt wurden, perfekten Stoff für einen Hollywood-Film. Doch war es „heißer“ Stoff, der definitiv nicht von der MPPDA genehmigt werden würde.

Die einzigen Studiobosse, die sich zunächst überhaupt für die politischen Vorgänge in Europa und den USA zu interessieren schienen, waren die Gebrüder Warner, wie sie sich nannten, welche gemeinsam das Studio Warner Bros. betrieben. Eines der big five, jener großen Studios, bei denen die großen Stars unter Vertrag standen, die die teuren Produktionen auf den Markt brachten und eigene Distributionswege und Kinoketten unterhielten. Es war unter den Brüdern allerdings nicht der legendäre Jack Warner, sondern sein Bruder Harry, offizieller Präsident des Studios, der früh schon seine Aufmerksamkeit sowohl auf die Vorgänge in Europa als auch die inneramerikanische Gefahr für die Demokratie richtete. Er ließ seine Assistenten Artikel und Magazinreprotagen über die Umtriebe amerikanischer Nazis sammeln und hatte immer ein wachsames Auge auch auf jene, die mit populistischen Parolen zur Spaltung der Gesellschaft beitrugen und Hass und Hetze verbreiteten. Der beliebte Radioprediger Father Charles Coughlin gehörte bspw. dazu, der mit antisemitischen Hetzreden auffiel – obwohl selbst Katholik und damit im Fadenkreuz einer Organisation wie der Black Legion, die in ihrer Urform Juden, Schwarze, Katholiken und alle nicht in Amerika geborenen „Ausländer“ entweder des Landes verweisen oder gleich internieren wollte. Später milderte sie ihren Anspruch ein wenig ab und nahm Katholiken in ihre Reihen auf.

Warner Bros. hatte im Laufe der Jahre einen vollkommen eigenen Stil entwickelt. Ihre Filme waren etwas härter, etwas brutaler als die der Konkurrenz, allerdings nahm sich das Studio auch immer wieder sozialer Belange an und prangerte Mißstände und Bedingungen an, die Armut beförderten und soziale Ungerechtigkeiten schürten. Jack Warner war derjenige, der dafür sorgte, daß all diese Geschichten trotz allem unterhaltsam und kommerziell erfolgreich verpackt wurden. Harry Warner, der auch in allerlei zivilgesellschaftlichen Organisationen vertreten war, trug sein Judentum zwar nicht vor sich her, anders als viele Kollegen versteckte er es allerdings auch nicht. Doch stieß er bei eben diesen Kollegen – bspw. Harry Cohn von Columbia Pictures oder Louis B. Mayer von MGM – hinsichtlich des auch in den USA zunehmend grassierenden Antisemitismus´ meist auf taube Ohren. So begannen Warner Bros. sehr viel früher als alle anderen Studios in Hollywood, die sich später geradezu überschlugen, patriotische Filme zu drehen, die die Demokratie feierten und Nazi-Deutschland verdammten, damit, eine regelrechte Kampagne gegen die Nazis zu fahren.

Um den diversen Einschränkungen und Bestimmungen, darunter eben das Neutralitätsgesetz, zu entgehen, überlegte man sich im Studio, nicht den europäischen Faschismus als originäre ideologische Quelle anzuprangern, sondern Geschichten darüber zu erzählen, wie sich diese Ideologie schnell auch in eine demokratische Gesellschaft hineinfressen kann. Der oben bereits erwähnte Mord an Charles Poole, dessen Schwager, ein Mitglied der Geheimorganisation, es störte, daß seine Schwester mit einem Katholiken verheiratet war. Im Mai 1936 wurde Poole von Mitgliedern der Black Legion umgebracht. Der Fall kam schließlich vor Gericht, wo sich einer der Haupttäter als Polizeispitzel entpuppte, der dann auspackte und damit nicht nur führende Mitglieder, sondern auch Strukturen der Organisation preisgab. Die Black Legion wurde danach aufgelöst. Das war der Stoff, den Warner Bros. brauchte. Es war allerdings ein weiter Weg durch die Prüfinstanzen der MPPDA. Michael E. Birdwell zeichnet die Produktionsentwicklung sehr genau nach[2] und verweist darauf, daß die ursprüngliche Drehbuchfassung weitaus schärfer gewesen ist als diejenige, auf deren Basis schließlich der Film BLACK LEGION (1937) gedreht wurde.

Als Regisseur beorderten Warner Bros. Archie Mayo, der im Jahr zuvor mit THE PETRIFIED FOREST (1936) einen veritablen Erfolg gefeiert hatte. In jenem Film hatte er bereits mit Humphrey Bogart zusammengearbeitet. Eben dem gab man nun die Rolle des Frank Taylor, eines All-American-Man, eines ganz normalen Arbeiters, der mit seiner Familie ein zufriedenes Leben führt, ein bisschen mehr Geld könnte es sein, aber alles in allem sind er, seine Frau Ruth und der gemeinsame Sohn Buddy mit ihrem Dasein einverstanden. Zudem hat Frank Aussicht auf eine Beförderung, die es ihm ermöglichen würde, einen neuen Familienwagen und seiner Frau einen „guten“ Staubsauger zu kaufen. Als ein ausländischer und zumindest andeutungsweise als jüdisch ausgezeichneter Kollege gegenüber Frank bevorzugt wird, ist letzterer so gekränkt, daß er sich einer Geheimorganisation anschließt, der titelgebenden Black Legion, die dafür eintritt, das gebürtigen Amerikanern nicht durch Ausländer die Arbeitsplätze weggenommen werden. Bogart sollte die Rolle übernehmen, weil er in den Augen der Produzenten einem typischen Durchschnittsamerikaner entsprach. Für Bogart selbst war es eine gewaltige Chance, war er bisher doch meist auf miese Gangstertypen abonniert – oder spielte in Ensemblefilmen, wie dem oben erwähnten THE PETRIFIED FOREST. Nun traute man ihm zu, einen Film allein zu tragen.

Die Exposition des Films beschäftigt sich sehr ausführlich damit, Frank als einen bei Kollegen und Nachbarn beliebten Kerl darzustellen, den kaum ein Wässerchen trüben kann, der gemeinsam mit seinem Filius abends im Radio Abenteuergeschichten lauscht und das Herz am rechten Fleck hat. Und doch gelingt es Drehbuch und Regie, die Veränderung in diesem Mann nachvollziehbar zu machen. Die Kränkung dadurch, bei der Beförderung übergangen worden zu sein, ist glaubhaft. Daß das Drehbuch darauf verzichtet, die ganze Bandbreite des Hasses der Mitglieder der Black Legion darzustellen, war den bereits geschilderten Vorgaben der MPPDA geschuldet. Von Rassismus ist zunächst gar keine Rede, auch die antisemitische Hetze wird lediglich angedeutet, wenn ein Mitglied der Organisation gegenüber Frank auf die Größe der Nase des ihm vorgezogenen Kollegen anspielt, in einer weiteren Szene wird ein Nachbar von Frank ausgepeitscht und dann an einem Baum festgebunden sich selbst überlassen, wobei einer der maskierten Legionisten Befriedigung darüber äußert, daß man dem „Katholiken“ gezeigt habe wo sein Platz ist. So wurde zumindest angedeutet, daß es den Anhängern der Black Legion keineswegs „nur“ um Ausländer ging, die gebürtigen Amerikanern die Arbeitsplätze wegnahmen – wobei es erstaunt, daß genau dieses Argument hier so ausgespielt wird, ist es doch eins der beliebtesten bei Populisten und Hetzern aller Zeiten.

Trotz des 1937 bereits seit einigen Jahren gültigen Production Codes, der durch die MPPDA erlassen worden war, um Hollywood bei der Darstellung von Erotik und Gewalt sowie weiterer tabuisierter Themen zu zügeln, geht BLACK LEGION in der Darstellung der Gewalt recht weit. Die Mitglieder der Organisation überfallen unliebsame Mitmenschen, schleifen sie aus ihren Häusern, zerstören ihr Hab und Gut, fesseln andere – siehe oben – irgendwo in der Wildnis an Bäume und peitschen sie aus. Dabei tragen sie Kostüme, die an jene des Ku-Klux-Klans erinnern, also Gewänder und spitze Kapuzen, die allerdings sind nicht weiß, wie beim Klan, sondern schwarz und zudem mit Aufnähern von Totenköpfen und gekreuzten Knochen verziert. Tatsächlich war die reale Black Legion ein Ableger des originalen Klans, dem sie Verweichlichung vorwarf. Franks innere Wandlung wird dadurch verbildlicht, daß er ab einem gewissen Zeitpunkt des Films im Zivilleben schwarze Kleidung trägt, womit seine sich verfinsternde Seele symbolisiert wird. Seine Veränderung verändert auch seine Beziehung zu Kollegen, vor allem aber zu seiner Frau und seinem Jungen. Schließlich verlässt Ruth ihn und nimmt Buddy mit. Franks Zerrüttung schreitet danach schnell voran, bis er sich dazu hinreißen lässt, an der Bestrafung seines Freundes Ed teilzunehmen, den er bei dessen Fluchtversuch erschießt. Erst vor Gericht, Im Angesicht von Ruth, die für den Prozess zurückgekehrt ist, begreift er das Ausmaß seines Unrechts und rückt dann von der Geschichte ab, die er sich mit Hilfe einer Dirne aus der Stadt und seiner Freunde bei der Legion zurechtgelegt hatte. Er gibt alles zu, denunziert die Mitglieder der Black Legion und sorgt somit dafür, daß sie alle zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

Bogart spielt diesen Frank Taylor hervorragend und liefert hier sicher eine seiner besten Leistungen überhaupt ab, ganz sicher die beste seiner frühen Karriere. Es gelingen ihm Nuancen und die differenzierte Darstellung eines zutiefst gekränkten Mannes, der zusehends in Gewissenskonflikte gerät, der darum weiß, daß sein Handeln falsch ist, der irgendwann aus der Organisation aussteigen will und erst da versteht, worauf er sich eigentlich eingelassen hat, als er in dem harten Aufnahmeritual seine Mitgliedschaft bezeugte. Dieses Ritual gab es wirklich, es soll jedoch weitaus brutaler und grausamer gewesen sein, als der Film es darstellt – wobei schon die Darstellung des Films den Zuschauer das Fürchten lehrt. Bogart, der in nahezu jeder Szene auf der Leinwand zu sehen ist, zeigt hier eindrucksvoll, welches Starpotential in ihm schlummerte. BLACK LEGION war einer von immerhin sieben Filmen, die er 1937 drehte, es ist sicherlich mit Abstand der beste in diesem Reigen. Die Leinwandpräsenz, die Bogart hier entfaltet, zeigt vor allem, daß er eben ein wirklich guter Schauspieler war, ein Darsteller, dem es gegeben war, nahezu natürlich die unterschiedlichsten Gefühlsregungen, inneren Konflikte und die Ambivalenz eines Mannes auszudrücken, der zwischen Selbstüberschätzung, durchaus vorhandenen Talenten als Ehemann und Vater und innerer Kränkung driftet.

Typisch für eine Warner Bros.-Produktion und den Mut, den das Studio immer wieder bewies, ist auch der Verzicht auf ein Happyend. Frank wandert gemeinsam mit seinen Mittätern ins Gefängnis. Sein letzter Blick gilt Ruth, die im Gerichtssaal sitzt und sich erst seine Lügen (und die der Dirne) auch hinsichtlich der Ehe anhören muß, bis sie zumindest Zeugin wird, wie ihr Mann zu seinem ehrlichen Wesen zurückfindet und im letzten Moment bereit ist, zu seinen Taten zu stehen. Zusammenfinden werden diese beiden Menschen wahrscheinlich nicht mehr. Zu viel ist kaputtgegangen und Frank wird Jahre hinter Gittern verbringen müssen.

Der Film endet – und das wird ihn einigen der heutigen Zuschauer eher verdächtig machen, da es den Film so deutlich als Gesinnungsstück, als Werk mit „Anspruch“ und einem Anliegen markiert – mit einer Ansprache des Richters an die Angeklagten, das man getrost als große Verteidigungsrede eines überzeugten Amerikaners hinsichtlich der Verfassung der USA, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit betrachten kann. Eine Rede, die sich vielleicht all jene, die Amerika wieder groß machen wollen und bereit sind, dafür auch faschistische Methoden anzuwenden, noch einmal anhören sollten. Denn sie erinnert daran, daß die Haltung der Black Legion keineswegs patriotisch ist, sondern schlicht faschistoid. In dieser Rede wird dann auch explizit darauf hingewiesen, daß weder Religion, noch Herkunft oder Hautfarbe den Wert eines Menschen bestimmen, sondern nur seine Taten, sein Charakter. So wird hier auch noch einmal deutlich, daß die USA originär ein Einwanderungsland sind, im Grunde jeder europäische – oder afrikanische – Wurzeln hat und sie alle nur Zugezogene sind. Es erstaunt, daß die MPPDA diese Schlußrede die Zensur hat passieren lassen.

BLACK LEGION ist also durchaus ein Gesinnungsstück, doch Hollywood wäre nicht Hollywood und Jack Warner nicht Chef der Produktionsabteilung des Studios gewesen, wenn er nicht trotz all seinen Anliegen eben auch unterhaltsam wäre. Und das ist er. So sehr er zunächst das idyllische Bild einer All-American-Family zeichnet, so sehr zeigt er die Aktionen der Legion später als Maßnahmen von Terroristen oder, wie einige Kritiker befanden, der von Gangstern. Allerdings – und das macht ihn erst recht zu einem wirklich großartigen Film – zeichnet er auch zu Beginn seine Figuren nicht schlicht als gut. Frank ist kein Verführter, sondern sein Charakter ist so angelegt, daß wir durchaus begreifen, daß es auch niedere Beweggründe sind, die ihn antreiben. Sein gekränkter Stolz ist eng an materielle Bedürfnisse gekoppelt. Die Beförderung wird mehrfach deutlich als finanzieller Zuwachs ausgewiesen und das Familienauto und auch der „gute“ Staubsauger werden immer wieder erwähnt und als Erfüllung eines Traums hingestellt. Ähnlich ist es mit Ed, Franks Freund, Nachbarn und Kollegen, der sich müht, Frank davon abzuhalten, sich der Organisation anzuschließen und den Frank später töten wird. Es ist ein Untermieter bei Franks Nachbarn, die Tochter des Hauses ist in ihn verliebt. Doch Ed treibt sich lieber mit Pearl Davis – jener Dirne, die später Frank bei seiner Behauptung, er habe aus Notwehr auf Ed geschossen, unterstützen wird – herum, trinkt, feiert und braucht erstaunlich lange, bis er begreift, daß Betty Grogan, die Tochter seiner Vermieter, ihn aufrichtig liebt.

Zu den differenzierten Charakterstudien dieser Männer kommt hinzu, daß Mayo es versteht, die Action, zwar spärlich aber durchaus vorhanden, so zu inszenieren, daß der Zuschauer gebannt ist. Die Überfälle der Legion – vor allem der Angriff auf die Dombrowskis, deren Sohn Frank bei der Beförderung vorgezogen wurde, weil er sich in Abendkursen weiterbildet und sich so bemüht, das große Versprechen des amerikanischen Traums, daß man mit Fleiß und Willen vorankommen kann im Leben, wirklich zu leben – sind atemberaubend inszeniert. Sie sind bedrohlich und düster. Die brennende Farm, die Hühner, die überall aufgeregt durchs Bild fliegen und rennen, versuchen, dem Feuer zu entkommen, die verängstigte Familie, die nicht weiß, was sie verbrochen haben soll, macht die Willkür spürbar, der sich der einzelne in einer Gesellschaft, deren Grundwerte erodieren, ausgesetzt sieht. Die Methoden der Black Legion ähneln denen des Ku-Klux-Klans, doch könnte man sie auch mit denen der SA in den Anfangsjahren des Nazi-Regimes vergleichen. BLACK LEGION warnt sehr deutlich davor, daß faschistisches Gedankengut sehr schnell auch in einer durch und durch demokratischen Gesellschaft um sich greifen kann. Frank wird auf die Legion aufmerksam, als er eines Abends statt der üblichen Abenteuergeschichten einem Prediger oder Politiker – erinnert wird man an jene eben vor allem antisemitischen Radioansprachen, die Charles Coughlin zu halten pflegte – lauscht, der davon spricht, wie der hart arbeitende, fleißige amerikanische Arbeiter von Ausländern um den Lohn seiner Mühen betrogen wird.

Die Hetze und der Hass, die hier verbreitet werden, sind überdeutlich, dennoch begreifen wir, daß der tief gekränkte Frank offen für die Verlockungen und Versprechen ist, die ihm da angeboten werden. Er ist, gerade als bisher völlig mit den amerikanischen Werten übereinstimmender Mensch, anfällig für das faschistische Gedankengut, das einfache Antworten und einfache Lösungen für schwierige Probleme bietet. 1937 waren die Schrecken der Großen Depression nicht nur in guter Erinnerung, diese Zeit war auch noch nicht ganz überwunden. Verlust des Arbeitsplatzes war eine reelle Bedrohung und eine der großen Ängste in der Bevölkerung. Eben jener amerikanische Traum, dem auch ein Mann wie der junge Dombrowski nachläuft, schien seine Versprechungen nicht mehr erfüllen zu können, was für das Selbstverständnis des durchschnittlichen Amerikaners eine ernsthafte Bedrohung der gesellschaftlichen Grundlagen bedeutete. Das muß man verstehen, will man Frank Taylor verstehen.

BLACK LEGION ist ein mitreißendes Drama mit Anteilen eines Kriminalfilms. Es ist der Film, der seinen Star Humphrey Bogart in jene Spur setzte, die ihn spätestens fünf Jahre später mit CASABLANCA (1942) endgültig zu einem jener unsterblichen Leinwandgötter machen sollte, einem jener Sterne an Hollywoods Firmament, die nie mehr verglühen sollten. Hier kann man sehr gut beobachten, wie gut der Schauspieler funktionierte, gerade wenn er „echte“, authentische Menschen spielen durfte und nicht in überlebensgroße, meist romantische Rolle wie die des Rick Blaine schlüpfen musste, die seine Möglichkeiten stark einschränkten und ihn gelegentlich auf den erst zynischen, dann selbstlosen Melancholiker reduzierten. Vor allem aber ist dies ein großartiges Beispiel für den frühen Kampf der Warner Bros. für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie die grundlegenden amerikanischen Werte. Ein Kampf, den die Warner-Brüder, sich nicht immer ganz eins, wie man vorgehen sollte, recht lange allein führten und der beweist, daß Hollywood – trotz all der Vorwürfe, die man ihm hinsichtlich der Authentizität der Stoffe und der allzu oft verherrlichenden Art, wie es mit Geschichte und auch Emotionen umging – durchaus immer schon in der Lage gewesen ist, Problembewußtsein zu zeigen und, wenn es drauf ankam, Stellung zu beziehen. Das ist natürlich einer der Gründe, weshalb die Traumfabrik bis heute jenen Rechten in den USA ein Dorn im Auge ist, die ihr übermäßigen Liberalismus, ja sogar Libertinage vorgeworfen haben und dabei auch immer einem meist unterschwelligen, manchmal offenen Antisemitismus frönten. Davon abgesehen, ist BLACK LEGION aber auch einfach ein guter, unterhaltsamer Film. Was zumindest in den Augen von Jack Warner die Hauptsache gewesen sein dürfte.

 

[1] Vgl. Birdwell, Michael E.: DAS ANDERE HOLLYWOOD DER DREISSIGER JAHRE. DIE KAMPAGNE DER WARNER BROS. GEGEN DIE NAZIS. Hamburg/Wien, 2000; S.66-96.

[2] Ebenda; S.83ff.

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