KEEPERS

Ein ruhiges Psycho-Drama, das sich eines realen Falles annimmt

Die Seeleute Thomas Marshall (Peter Mullan), James Ducat (Gerard Butler) und der junge Donald McArthur (Connor Swindells) treten einen sechswöchigen Dienst auf einem Leuchtturm vor der schottischen Westküste an. Donald bekleidet dabei den Rang eines Auszubildenden, da er über keinerlei Erfahrungen mit dieser Arbeit verfügt. Das bedeutet allerdings auch, daß er nicht weiß, was ihn erwartet.

Der Dienst ist von Einsamkeit, gelegentlichen Trinkgelagen und allerhand rauen Späßen seiner älteren Kollegen geprägt – und von Langeweile. Die Männer kümmern sich um das Licht des Turms, müssen dafür sorgen, daß die Scheiben sauber sind, die Mechanik funktioniert und müssen sich auch um das Nebelhorn kümmern, das seine Warnsignale bei Nebel über die See trötet.

Während James sich vor allem als Koch verdingt, absentiert sich Thomas immer stärker und spricht nur wenig, erst recht nicht über die Geheimnisse, die er mit sich herumträgt. Donald erfährt von James, daß Thomas einst Frau und Kinder hatte. Während die Kinder kurz nach der Geburt starben, ließ Thomas seine Frau später an einer Krankheit sterben, ohne jede erdenkliche Hilfe anzustreben, weil er ihr den Tod der Kinder ankreidete.

Wie sehr den alten Mann seine Dämonen umtreiben, kann Donald erkennen, als er Thomas nachts beobachtet, wie er betrunken durch den Regen um den Turm herumirrt und von James beruhigend zurück ins Haus geführt wird.

Nach einem gewaltigen Sturm begehen die Männer die Insel, um nach Schäden zu schauen. Dabei entdecken sie am Fuß einer Klippe ein gestrandetes Beiboot und den leblosen Körper eines Mannes. Donald wird von den beiden anderen Männern herabgelassen, er soll den vermeintlich Toten bergen. Zudem befindet sich im Boot eine Holzkiste, die die Aufmerksamkeit der Männer erregt. Doch als Donald, der den Mann für tot hält, dabei ist, die Kiste so zu vertäuen, daß seine Kollegen sie die Klippe hinaufziehen können, wird er von dem Seemann angegriffen. Es kommt zu einem Kampf, den Donald zunächst zu verlieren droht. Thomas macht sich schon bereit, selbst den Felsen hinabzuklettern, um Donald zu helfen, als dieser sich befreien und seinen Kontrahenten mit einem Stein erschlagen kann.

Die drei Wärter lassen die Leiche zurück und nehmen die Kiste mit in den Leuchtturm. James will sie öffnen, doch Thomas hält ihn davon ab. Sie sollten die Geheimnisse, die darin verborgen seien, nicht anrühren, so Thomas´ Credo. Unwillig stimmen die beiden andern zu.

Donald leidet unter der Tatsache, daß er einen Menschen getötet hat. Thomas beschwört ihn, die Situation als das zu begreifen, was sie tatsächlich ja war – Notwehr. Doch Donald spürt starke Gewissensbisse.

In der darauffolgenden Nacht öffnet Thomas die Kiste heimlich. Er findet darin neben allerhand persönlichen Dingen, die ein Seemann immer bei sich hat, auch einige Goldbarren. Er legt alles in die Kiste zurück und verschließt sie wieder.

Am folgenden Morgen muß er allerdings feststellen, daß James und Donald dieselbe Idee hatten und die Kiste ihrerseits geöffnet haben. Sie sind nahezu außer sich vor Freude über den Fund des Goldes. Doch Thomas weist sie darauf hin, daß es bei einem solchen Fund immer auch jemanden gebe, dem der Schatz gehört – und derjenige werde sich sein Eigentum zurückholen wollen.

Kurz darauf beobachten Thomas, James und Donald einen Trawler, der sich der Insel nähert. Die Seemänner Locke (Søren Malling) und Boor (Ólafur Ólafsson) kommen an Land und erkundigen sich nach ihrem Kameraden und dessen Gepäck. Thomas erklärt, man habe den Mann tot aufgefunden, ihn und sein Gepäck aber bereits der Küstenwache übergeben. Die Sachen befänden sich bereits auf dem Festland. Da vor allem Locke, der der Anführer zu sein scheint, nicht lockerlässt und Thomas mit seinen Fragen immer weiter zusetzt, eilen James und Donald ihrem Kameraden zur Hilfe. Es wird deutlich, daß die Stimmung unter den Männern nicht nur voller Mißtrauen, sondern geradezu von Feindseligkeit geprägt ist.

Während Thomas nun endlich das seit Dienstbeginn kaputte Funkgerät reparieren will, um im Notfall Hilfe zu rufen, wird Donald beauftragt, das Schiff von der Klippe aus zu beobachten, bis es am Horizont verschwunden ist. Doch der Trawler kehrt um und beginnt, die Insel in langsamem Tempo zu umrunden.

Thomas, James und Donald verfolgen es von den Ufern aus, merken dennoch nicht, daß es Locke gelingt, an Land zu kommen. Die beiden Seeleute überwältigen die Leuchtturmwärter. Dann beginnen sie damit, Thomas zu foltern, um zu erfahren, wo das Gold ist. Zu diesem Zeitpunkt kann Thomas ihnen allerdings tatsächlich nichts dazu sagen, da er James beauftragt hatte, die Barren zu verstecken und er selbst das Versteck nicht kennt.

James, den sowohl Thomas als auch seine Peiniger für tot gehalten hatten, nachdem Boor ihn niedergeschlagen hat, kommt zu sich und es gelingt schließlich, Locke und Boor zu überwältigen. Vor allem James vergisst sich dabei und prügelt solange auf die Männer ein, bis beide tot in ihrem Blut liegen.

Nun überlegen die drei Wärter, was sie mit den Leichen anstellen sollen und beschließen, sie am Morgen an Bord des Trawlers zu verfrachten und diesen dann zu versenken. Doch während sie dies noch überlegen, erblickt Donald durch eins der Fenster des Turms ein Gesicht. Offenbar befindet sich noch jemand auf der Insel.

Die drei verfolgen den Unbekannten und James, bewaffnet mit einem Enterhaken, holt nach ihm aus und zerreißt ihm dabei die Kehle. Als sie den Toten genauer betrachten, stellt sich heraus, daß es ein blutjunger Kerl ist, der James zu allem Unglück auch noch an seinen eigenen halbwüchsigen Sohn erinnert.

James scheint ob seiner Tat den Verstand zu verlieren. Er schließt sich ein, brüllt die anderen an und will im Grunde nicht mehr leben. Die Schuld scheint ihn zu erdrücken. Als Donald Thomas vorschlägt, gemeinsam die Insel zu verlassen und Hilfe zu holen, um den angeschlagenen James dann mitzunehmen und Thomas zunächst schwankt, da er sich James gegenüber verpflichtet fühlt, tritt dieser plötzlich in die Küche und erklärt, es täte ihm leid, den anderen Angst gemacht zu haben. Schnell versichert Donald ihm, daß sie immer zu ihm hielten und ihn niemals allein zurückließen.

Während James scheinbar wieder den geregelten Tätigkeiten nachgeht und sich um das Essen kümmert, will Thomas zur Feier des Tages einen Whiskey holen. James schließt ihn in der Speisekammer ein und tötet dann Donald. Thomas kann sich befreien. Er erkennt James´ Tat. Der bittet ihn, ihm zu helfen, die Leiche von Donald an Bord des Schiffes zu bringen, er wolle den Jungen auf See bestatten.

Als die beiden Männer schließlich draußen auf See sind, beschließt James, nun auch selbst ins Wasser zu gehen. Er könne und wolle nicht mit der Schuld leben und dies auch seiner Familie nicht antun. Thomas beschwört ihn, die ganze Sache einfach zu vergessen. Niemand würde erfahren, was wirklich geschehen ist. Doch James lehnt das ab. Er habe bei Thomas gesehen, wohin die ewige Heimlichtuerei geführt habe, er wolle das nicht. Dann lässt er sich die Leiter hinab ins eisige Wasser. Nach mehrmaliger Aufforderung drückt Thomas seinen Freund unter Wasser, bis dieser leblos davon treibt.

Thomas bleibt allein auf dem Schiff zurück und fährt aufs offene Meer hinaus.

Im Jahr 1900 verschwanden drei Wärter vom Flannan Isles Lighthouse auf den äußeren Hebriden vor der schottischen Nord-West-Küste. Bis heute ranken sich Gerüchte, Annahmen und Mutmaßungen, teils rationaler, teils übernatürlicher Provenienz, und jede Menge Theorien um den Vorfall. Letztgültig aufgeklärt wurde er nie. Solche eine Geschichte ist natürlich geradezu prädestiniert für die Literatur, für Filme und Theaterstücke. Immer wieder haben Künstler sich der Sache angenommen, zuletzt u.a. Emma Stonex, die das Geschehen nach Cornwall verlegte und einen mitreißenden Roman (THE LAMPLIGHTERS/2021) vorlegte, der sich mindestens ebenso mit den Zurückgebliebenen und deren Ängsten und Leiden auseinandersetzte, wie er sich um eine nicht gänzlich überzeugende Auflösung dessen, was auf der Insel geschah, bemühte. Der Filmemacher Robert Eggers ließ sich durch die Geschichte zu seinem etwas verquasten Horror-Psycho-Drama THE LIGHTHOUSE (2019) inspirieren, auch wenn der Film letztlich nicht mehr viel mit den wirklichen Umständen zu tun hat. Ein Jahr zuvor führte der Däne Kristoffer Nyholm Regie bei der britischen Produktion KEEPERS (2018) nach einem Drehbuch von Celyn Jones und Joe Bone, welches sich möglichst eng an die realen Vorgaben der Geschichte hielt. Vor allem aber lieferte das Team ein hervorragendes Psycho-Drama ab, das in seinen allerbesten Momenten gar an einen Klassiker wie Peter Weirs PICNIC AT HANGING ROCK (1975) erinnert.

Unter Nyholms Regie spielen Gerard Butler, Peter Mullan und Connor Swindells die drei Männer, die zu einem sechswöchigen Dienst auf den Leuchtturm gebracht werden. Ohne daß der Film darüber genauere Angaben macht, verlegt Nyholm die Geschichte offenbar in die 50er Jahre, wodurch sie etwas mehr Drive und Möglichkeiten bekommt. So erfahren die Männer bspw. bei der Ablösung, daß das Funkgerät nicht funktioniert und dies unbedingt repariert werden müsse. Die unbekannten Matrosen, die auf die Insel kommen und ihr Gold zurückverlangen, womit sie die eigentliche Tragödie in Gang setzen, können mit einem Motorboot ausgestattet weitaus eher überzeugen, als wenn sie um die Jahrhundertwende in einem Kahn an den schroffen Klippen gelandet wären. Mehr aber verstehen es Buch und Regie, die Psychologie ihrer Figuren zu erklären und darzustellen, wozu sie mit den oben Genannten ein wahrlich überzeugendes Ensemble beisammen haben. Gerade der sonst meist auf Machorollen abonnierte Gerard Butler kann hier zeigen, daß mehr in ihm steckt als der Brutalo. Peter Mullan ist so oder so über alle Zweifel erhaben und Swindells, für den KEEPERS der erste Leinwandauftritt war, überzeugt vollends in der Rolle des jungen Lehrlings, der zwischen trotziger Opposition und fast brüderlicher Hingabe zu Butlers James changiert. Der von Mullan dargestellte Thomas ist als erfahrenster Mann im Team so oder so eine Art Vaterfigur.

Das Drehbuch stattet alle drei mit Eigenarten und Macken aus. Und mit Geheimnissen. Zumindest Thomas trägt ein solches mit sich herum, was seine Einsilbigkeit erklärt. Einst hatten er und seine Frau Zwillinge, die aber wohl bald nach der Geburt starben. Thomas ließ später seine Gattin sterben, als diese immer kränker wurde – nun zündet der alte Seebär, sobald er auf die Insel kommt, in der dortigen Kapelle drei Kerzen an, um seiner Toten zu gedenken. Doch auch James und der junge Donald, den Swindell spielt, tragen an ihrer Vergangenheit. Allerdings wird dies im Film lediglich angedeutet. James hat eine Familie zu versorgen, zugleich aber Geldprobleme, weshalb er Thomas dankbar ist, daß der ihn für den Dienst auf dem Turm angeheuert hat, Donald scheint ein schwieriger Jugendlicher gewesen zu sein, der Probleme hat, einen Job und sozialen Anschluß zu finden. Was nun Nyholms Regieleistung betrifft, ist es dieser zu verdanken, daß sein Film all dies ohne viele Worte und also Erklärungen erzählt und begreifbar macht. Es gelingt den Darstellern, die Päckchen, die diese Männer mit sich schleppen, in ihren Gesten und mit den wenigen, oft Banalitäten betreffenden, Worten auszudrücken und spürbar zu machen.

Nyholm unterstützt dies, indem er eine leise, ruhige, manchmal schon lethargisch wirkende Inszenierung bevorzugt. Die Kamera von Jørgen Johansson bietet lange Einstellungen, Totalen vom Meer – meist zeigt er dabei eine ruhige See, die gleißend das Sonnenlicht reflektiert und dadurch etwas Mystisches, gar Transzendentes erhält – ruhige Einstellungen von den Innenräumen des Turms und immer wieder weite Schwenks über das Eiland auf dem der Turm steht, verloren im Meer. Diese Bilder sprechen für sich und verdeutlichen nicht nur das Raue dieser Landschaft, nicht nur die schroffe Schönheit, die sie in sich birgt, sondern vor allem die Einsamkeit, die sie ausstrahlt. Dies ist kein lebensfreundlicher Raum, wer hier seinen Dienst verrichtet, muß sie aushalten können, diese Einsamkeit. Sie und die Männer, die sie mit ihm teilen. Johansson durchbricht diese Ruhe, die eben trügerisch ist, mit jenen bewegten Bildern, die er in den Nächten einfängt, da die Männer trotz Sturm den Turm verlassen müssen. Und auch die wenigen actionreichen Szenen – und ergo auch die wenigen Gewaltszenen, die dann allerdings in ihrer Drastik einen Kontrapunkt zu der sonstigen Inszenierung setzen und zugleich einmal mehr den Wahnsinn verdeutlichen, der diese Männer befällt oder schon lange befallen hat – fängt er mit der Handkamera und ansonsten mit einer plötzlich im Geschehen und damit äußerst beweglichen Kamera ein. So entsteht eine Grundspannung, die durch diese wenigen Unterbrechungen gestört wird, als würde der Film sich selbst aufrütteln. Ein unangenehmer, verstörender Effekt.

KEEPERS setzt – in Abgrenzung zu den oben erwähnten Filmen und Romanen – dezidiert nicht auf übernatürliche Möglichkeiten, um zu erklären, was auf der Insel geschieht. Wohl deutet er eben das Mystische an, das von diesen Inseln generell ausgeht, er zeigt das Meer in seiner überwältigenden Schönheit und verdeutlicht seine Macht und die Faszination, die es immer schon auf den Menschen ausübte, die Anziehungskraft, die von ihm ausgeht. Doch bleibt die Story angenehm profan. Als die drei Wärter einen gestrandeten Mann in einer Jolle finden und Donald abgeseilt wird, um ihn zu untersuchen und die Kiste, die sich in seinem Besitz befindet, an sich zu nehmen, als dann die beiden Seeleute auf der Insel landen und verlangen was in der Kiste war – Goldbarren – und Thomas, vor allem aber James und Donald sich der Männer erwehren und diese schließlich sogar töten und schließlich James einen dritten Mann, den er durch das Fenster sieht, verfolgt und tötet, ist es letztlich die Psyche der Männer, die die Handlung vorantreibt. Denn einerseits ist es Gier – ein allzu menschliches Motiv – die zumindest von James und Donald Besitz ergreift, andererseits ist es das schlechte Gewissen, die Schuld, die beide empfinden und ihr weiteres Verhalten prägt.

Donald hat den zuerst gefundenen Mann getötet, nachdem dieser ihn angegriffen hatte – also eine Notwehrsituation – und leidet darunter, zum Mörder geworden zu sein; James seinerseits sieht in dem von ihm getöteten Jungen den eigenen Sohn und kommt nicht damit zurecht, einen Jugendlichen getötet zu haben. Mit der Tötung der beiden Seemänner kommen alle drei Leuchtturmwärter weitaus besser zurecht, allerdings haben diese zuvor auch keine Zweifel daran gelassen, daß sie sehr weit zu gehen bereit sind, um an die gewünschten Informationen zu gelangen. So wird Thomas regelrecht gefoltert, was insofern nicht frei von Ironie ist, da er in diesem Moment tatsächlich nicht weiß, wo seine Kollegen das gefundene Gold versteckt haben. Die gesamte Sequenz mit den Seeleuten, die ungebeten auf die Insel kommen, deutet die Härte an, die dieses Leben zwangsläufig mit sich bringt. Die Einsamkeit des Meeres, die gelegentliche Reduktion des Lebens auf das reine Überleben, der Verlust sozialer Bindungen und – zumindest deutet der Film dies bei allen Beteiligten an – die damit einhergehende Vereinzelung, die zu Geheimniskrämerei und immer weniger empathischer Regung gegenüber den Mitmenschen führt.

Durch die einem Thriller entlehnten Wendungen der Handlung macht Nyholm unmißverständlich klar, daß ihm unter keinen Umständen daran gelegen ist, seinem Film eine auch nur angedeutete Note des Übernatürlichen beizumischen. Hier geht es um drei Männer, die in ihren sozialen Kontexten vereinsamt sind, für die die Flucht auf die Insel, auf den Turm, vielleicht die einzige Möglichkeit ist, mit ihrem Leben zurande zu kommen. Zugleich erzählt Nyholm von sehr einfachen, rudimentären und fast primitiv-atavistischen Regungen des menschlichen Wesens. Das Gold verspricht einem Mann wie James schlicht eine Verbesserung seiner ökonomischen Situation, einem Kerl wie Donald eröffnet es die Möglichkeit, sich ein ganz anderes Leben irgendwo anders aufzubauen. Nur Thomas, der seine Kollegen zunächst angehalten hatte, die Kiste nicht zu öffnen, bevor er sie in einer nächtlichen Aktion dann als erster, allein, mit einem Dietrich aufschließt, scheint zu ahnen, daß mit dem Gold nichts Gutes Einzug auf der Insel gehalten hat. Er kennt das menschliche Streben, weil er sich selbst kennt und um die eigene Fehlbarkeit weiß. Und wie es uns etliche Werke der Literatur wie auch der Filmgeschichte bereits vorgeführt haben, beweist eben auch KEEPERS, daß Geld, daß Gold immer zu Verwerfungen, Streit und Hader führt.

Dem Film wurde gelegentlich vorgeworfen, in der Figurenzeichnung nicht genügend in die Tiefe zu gehen und sich letztlich nicht entscheiden zu können, was er nun eigentlich sein will – Drama, Psychodrama oder einfach ein Thriller. Das ist aber eine zu kurzgedachte Kritik. Nyholm verlässt sich mit großer Selbstverständlichkeit auf die Kraft seiner Bilder, vor allem aber auf die schauspielerischen Fähigkeiten seiner drei Hauptdarsteller. Hier wird eben nicht jede Regung der Seele besprochen, vielmehr erklären sich die Handlungen der Figuren aus sich selbst, werden oft nicht begründet und somit wird der Zuschauer aufgefordert, mitzudenken. Einzig James extreme Veränderung am Ende des Films – er tötet schließlich Donald und bittet Thomas dann, auch ihn zu töten und dem Meer zu übergeben – ist nicht wirklich nachvollziehbar. Mag sein, daß Donalds Art, um den Älteren zu buhlen – eine Mischung aus Aggression und überschwänglicher Freude – ein Motiv darstellt, mag sein, daß James nicht mit der Verantwortung umgehen kann, die sich ihm damit zwangsläufig aufbürdet und der er sich erst recht nach dem Tod des Jungen, dem er nachts mit einem Haken den Hals zerrissen hatte, dem Druck und der Verantwortung (die er auch für Thomas tragen zu müssen glaubt, wenn der nachts betrunken durch den Regen und den Sturm irrt)  nicht mehr gewachsen fühlt – als Erklärung für plötzliche Gewaltausbrüche sind solche Gründe meist eher schwach.

Doch von dieser durchaus angebrachten Kritik einmal abgesehen, bietet Nyholm mit KEEPERS ein hervorragendes Drama, einen Psychothriller im besten Sinne des Wortes, da er sich der Psyche seiner Protagonisten offen und konsequent und gnadenlos stellt, ja, ausliefert. Und zudem erfüllt Nyholm eine Forderung, die in den vergangenen Jahren immer wieder an moderne Filme gestellt wurde: Er verlässt sich auf seine Bilder, erklärt nicht alles noch einmal in den Dialogen und bietet also intelligentes Kino. Ruhiges Kino, manchmal auch anstrengendes Kino, aber ganz sicher den Zuschauer bereicherndes Kino.

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