LOGIK FÜR DEMOKRATEN

Eine hervorragende Analyse populistischen Denkens

Im Gedröhn der Vielstimmigkeit politischer Meinung ertönt die Forderung, man möge mit ihnen reden, von populistischer Seite mit immer neu vorgetragener Verve. Redet man dann mit ihnen – am Stammtisch, an der Theke, auf der Straße oder aber, zumeist ungefiltert, im Internet und seinen zahllosen Foren – stellt man schnell fest, daß es wenig bis keine Gesprächsgrundlage gibt, da das, was der eine als gesicherten Fakt hinstellt, beim andern nur noch höhnisches Gespöttel hervorruft, bestenfalls; andersrum ist es nicht anders: Äußert der eben noch Spöttelnde hingegen seine Befürchtungen und Sorgen, muß er sich regelmäßig derVorwürfe erwehren, am rechten Rand zu stehen oder unhaltbaren Irrationalitäten aufzusitzen. Es kommt kein Dialog zustande, weshalb es auch zu keinem echten Austausch von Argumenten kommt, weshalb es kein Gespräch gibt und somit auch keine Erkenntnis, weder hie noch dort.

Dennoch gibt man gerade als demokratisch gesinnter Bürger, ja, man möchte fast sagen: als Citoyen, die Hoffnung auf das Gespräch, auf Vermittlung und selbstverständlich auch auf Einigung, zumindest im Kompromiß, nicht auf. Hat man die seltene Gelegenheit, auf ein Gegenüber zu treffen, das an ehrlicher Auseinandersetzung interessiert ist und nicht daran zu missionieren, bzw. lediglich die eigene Meinung als Dogma in die Welt zu tröten, stellt man häufig genug fest, nicht die „richtigen“ Argumente zur Hand zu haben, um das zu verteidigen, was so selbstverständlich verteidigenswert erscheint, daß die Angriffe umso schwerer verständlich sind – die Demokratie.

Daniel-Pascal Zorn stellt in seiner LOGIK FÜR DEMOKRATEN eine Anleitung für eben dieses Gespräch zur Verfügung. Er bietet eine kurze, durchaus an den strengen Regeln antiker Rhetorik geschulte Einführung in logisches Denken und wie es funktioniert, wie sich aus Rede und Gegenrede dialektische Prozesse entwickeln und daraus wiederum logische Argumente und Schlüsse abzuleiten sind. Mit diesem – auch terminologischen – Rüstzeug ausgestattet, untersucht er dann in drei Kapiteln populistisches, totalitäres und schließlich demokratisches Denken.

Gerade das erste Kapitel, welches sich dem auch und gerade wieder zunehmenden populistischen Denken widmet, analysiert seinen Gegenstand mit äußerster Schärfe und Genauigkeit. Die Fallen und rhetorischen Manöver, die Vereinfachungsprinzipien und mutwilligen Mißverständnisse – all diese Methoden, die kennt, wer je versucht hat, sich mit einem der berüchtigten „Trolle“ im Internet auseinander zu setzen, seziert Zorn brillant. Leider kann er dieses Niveau nicht halten, wenn er totalitäres Denken untersucht.

Hier konzentriert er sich stark auf durch Nietzsche geprägte Vorstellungen von „Starken“ und „Schwachen“ und auf die dialektische Verkehrung der Positionen, die jeweils eine hinreichende Begründung für ihren Standort brauchen. Darin liegen jeweils Entscheidungsschlüsse, die zu „guten“ oder „bösen“ Handlungsmustern führen und passen. Daß dieses Denken in einer Logik an sich selber scheitert, weil es den Ort der eigenen Überlegenheit nicht hinreichend begründen kann, ist zwar denkerisch nachvollziehbar, doch ist es in der Realität politischen Handelns ja gerade die Ignoranz gegenüber den Brüchen in der eigenen Logik, die ein Merkmal totalitären Denkens bildet. Ein Hitler oder ein Stalin hatten auch deshalb immer recht, weil sie die Macht dazu besaßen.

Das letzte Kapitel, das sich mit demokratischem Denken befasst, wird dem kundigen und politisch wachen Leser – also dem wahrscheinlichsten Leser eines Buches wie diesem – wenig Neues mitzuteilen haben. Der Rekurs auf den Begriff des „Volkes“ und seiner immanenten Widersprüchlichkeiten, darin eingebettet ein Blick auf die Problematik sogenannter „Volksabstimmungen“, entspricht dem, was zur Zeit allgemein in den einschlägigen Blättern und auf Meinungsseiten vertreten wird.

Es sind die Einführung und das erste Kapitel, die das Buch vor allem lesenswert machen, allerdings steht man immer wieder vor dem gleichen Problem: Es wird eine Gesprächssituation angenommen, vorausgesetzt, in der die Regeln eines Gesprächs allgemein bekannt und anerkannt sind und ebenso anerkannt wird, daß man zugibt, wenn man argumentativ überboten wurde. Ein solches Gespräch gibt es natürlich – meist allerdings unter Gleichgesinnten, selten unter Gegnern, so gut wie nie unter Feinden. Den Regeln, die dann gelten – das Laute, Pöbelige, der Hohn und der Spott und der zumindest rhetorische Vernichtungswille – , hat man mit den von Daniel-Pascal Zorn empfohlenen Mitteln wenig entgegen zu setzen.

Was hilft´s? Jedes bisschen Hoffnung ist willkommen, insofern nimmt man diese Anleitung gern zur Kenntnis und immer wieder zur Hand, denn die Aktualität dessen, was hier verhandelt wird, ist noch lange nicht vorbei.

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