DIE LETZTE FESTUNG/THE LAST CASTLE

Ein erstaunlich eindimensionaler Militär- und Gefängnisfilm von Rod Lurie

Lieutenant General Eugene Irwin (Robert Redford) wird in ein Militärgefängnis eingeliefert. Er hat gegen die expliziten Anweisungen selbst des Präsidenten der Vereinigten Staaten gehandelt und eigenmächtig mit einigen von ihm ausgesuchten Männern versucht, einen Kriegsverbrecher festzusetzen. Das Kommando lief vollkommen schief, acht seiner Männer verloren auf teils grausige Art und Weise ihr Leben.

Nun will Irwin nach eigener Aussage gegenüber dem Leiter des Gefängnisses, Colonel Winter (James Gandolfini), der ihn aufgrund seines einstmals hohen Rangs, den er natürlich verloren hat, empfängt, nur seine Zeit – es werden Jahre sein – absitzen und dann ruhig sein Leben weiterführen.

Schon beim Empfang im gepflegten Büro des Gefängnisdirektors kommt es zu einer ersten Unstimmigkeit. Während Winter sein Exemplar jenes Buchs sucht, das Irwin einst über das Kriegshandwerk geschrieben hat und das ein Bestseller wurde und als Standardwerk gilt, betrachtet der Gefangene Winters Sammlung an Militaria. Captain Peretz (Steve Burton), der auf Irwin aufpasst, zeigt seine Bewunderung für diese angeblich wertvolle Sammlung seines Chefs. Irwin merkt an, dass Soldaten, die Militaria sammelten, meist Männer seien, die nie auf einem Schlachtfeld gestanden hätten. Winter hört diese Anmerkung und teilt Irwin daraufhin mit, dass er sein Exemplar des Buchs gerade nicht finden könne.

Während Irwin die ersten Tage im Knast verbringt, wetten seine Mitgefangenen darauf, wie lange er durchhält, ob er sich gar das Leben nehmen wird. Dabei fungiert der Gefangene Yates (Mark Ruffalo) als Buchmacher. Er selbst hält sich aus den Wetten heraus, wie er sich im Grunde aus allem heraushält, was das Leben im Gefängnis betrifft.

Bald schon wenden sich einige der Mithäftlinge an Irwin. Winter, so ihr Credo, sei ein Sadist, der gestoppt gehöre, es habe bereits dreimal Disziplinarverfahren gegen den Mann gegeben. Irwin, dem die Männer Beziehungen zu hochrangigen Dienstgraden nachsagen, solle mit seinen Freunden im Militär, am besten gleich in Washington, sprechen und ein Wort für sie einlegen. Irwin, der darauf besteht, er sei kein Soldat mehr, sondern ein einfacher Gefangener, der wie alle andern auch seine Zeit absitze, verweigert ihnen diesen Dienst. Zudem ist er sich sicher, dass die Männer übertreiben.

In verschiedenen Diskussionen merken die Gefangenen, dass Irwin seine Haltung ernst nimmt, so wie er auch einer der wenigen im Gefängnis ist, der klar dazu steht, schuldig zu sein und seine Strafe zurecht abzusitzen.

Doch merkt auch Irwin schnell, dass Winters Regime zumindest hart ist. Ertönt die Gefängnissirene, haben sich alle Häftlinge mit dem Gesicht nach unten auf die Erde zu legen, gleich, wo sie sich gerade befinden. Wer diesen Anweisungen nicht Folge leistet, wird schon mal mit einem Gummigeschoss von einem der Wachtürme herab niedergestreckt. Auch scheut sich Winter nicht, die Gefangenen gegeneinander auszuspielen, um seine eigene Macht und Herrschaft zu sichern und etwaige Verbrüderung zwischen den gemischtrassigen Häftlingen zu unterbinden. Eine weitere sehr genau genommen Anordnung besagt, dass die Häftlinge nicht salutieren dürfen. Denn dies sei ein Privileg von Soldaten, die diese Männer dezidiert eben nicht mehr sind.

Irwin erhält Besuch von seiner Tochter Rosalie (Robin Wright), die er lange nicht gesehen hat. Sie pflegen ein wenig Smalltalk, bis es aus Rosalie herausbricht: Sie liebe ihren Vater, sie bewundere ihn als der Mann, der er sei. Doch wolle sie nichts mehr mit ihm zu tun haben, da er sich nie um sie gekümmert habe und sie ihn eigentlich gar nicht kenne. Irwin bittet sie um ein Bild seines Enkels, der mittlerweile sechs Jahre als ist. Das letzte Bild, das er von ihm habe, datiere aus der Zeit, als der Junge vier gewesen sei. Bevor sie geht, bittet Irwin Rosalie zudem, ihr schreiben zu dürfen, was sie bejaht.

Für ein recht unwichtiges Vergehen lässt Winter Irwin einen ganzen Tag lang Steine im Gefängnishof schleppen. Wieder ist es Yates, der Wetten darauf annimmt, wann der ältere Mann in der Hitze umkippt. Dass dies nicht geschieht und Irwin durchhält, bringt ihm sogar den Respekt der Männer ein, die gegen ihn gewettet haben.

Der Gefangene Ramon Aguilar (Clifton Collins Jr.), ein etwas unbedarfter Junge, der Schwierigkeiten hat, sich unterzuordnen, wird wiederholt von der Gefängnisleitung bestraft, weil er es nicht unterlassen kann, bspw. vor Irwin, an dem er einen Narren gefressen hat, zu salutieren. Winter lässt den jungen Mann einmal sogar nahezu 24 Stunden bei Wind und Regen im Gefängnishof stehen und dort salutieren. Irwin bringt Aguilar bei, wenn er den Drang verspüre, zu salutieren, die Hand so durch die Haare zu schieben, als wolle er sie zurückstreichen. So könne ihm niemand böse Absicht unterstellen.

Winter lässt die Gefangenen eine Mauer errichten, deren Grundrisse bei Bauarbeiten gefunden wurden und die der Außenmauer des ursprünglichen Gefängnisses entspricht. Die Männer verrichten ihre Arbeit mit äußerstem Desinteresse, um so ihre Abneigung gegen eine in ihren Augen sinnloses Tun zu demonstrieren. Lediglich Aguilar, dessen Vater Polier auf dem Bau war, zeigt echtes Interesse und verbessert und belehrt die Männer. Die finden dies nicht immer angemessen, weshalb Aguilar mehrfach Gefahr läuft, sich Prügel einzufangen. Doch Irwin kann die Männer davon überzeugen, dass gerade der Bau der Mauer ihnen Sinn verschaffe – immerhin haben sie einen Stein gefunden, in dem der ursprüngliche Erbauer der Mauer sich verewigt habe. Dies zeige, dass dieser Mann diesen Teil einer Festung, auch wenn sie ihn einsperren sollte, anstatt den Feind abzuhalten einzudringen, als seine Arbeit und damit als etwas für ihn Sinnvolles wahrgenommen habe.

Winter lässt die Mauer mit einem Bulldozer wieder einreißen, um zu demonstrieren, dass er der Herr des Verfahrens ist und die Macht innehabe. Aguilar will sich dem Bulldozer entgegenstellen und wird gezielt von einem Gummigeschoss am Kopf getroffen, woraufhin er stirbt. Irwin lässt die Gefangenen, die ihm mittlerweile folgen, salutieren, auch auf die Gefahr hin, dass sie alle bestraft werden. Dann verabschiedet er Aguilar mit gebührender Ehre und erweist ihm damit einen letzten militärischen Gruß.

In einem Gespräch mit Winter stellt Irwin klar, dass er die Absetzung des Gefängnisleiters erreichen wolle, da er diesen als nicht fähig ansehe, eine Anstalt wie diese angemessen zu führen. Winter wendet sich daraufhin an seinen Vorgesetzten Brigadier General Wheeler (Delroy Lindo), ein Freund und früherer Untergebener von Irwin, dem er sein Leben zu verdanken hat. Winter möchte, dass Irwin aus dem Gefängnis entfernt wird, da er die Männer aufwiegele. Ihm sei es egal, wenn man den ehemaligen General als krank einfach entließe, da er ihn im Grunde bewundert. Doch Wheeler kann bei einem Gespräch mit Irwin keine Anzeichen für Geistes- oder eine andere Krankheiten feststellen.

Winter beschließt, zu anderen Mitteln zu greifen. Er weiht Peretz in seine Annahme ein, dass sie es bald mit einem Aufstand zu tun haben werden. Um über Irwins Pläne unterrichtet zu sein, will Winter Yates als Spitzel einsetzen. Der soll sich bei Irwin und seinem engeren Zirkel anheischig machen und Informationen liefern. Yates lässt sich gegen eine erhebliche Haftverkürzung darauf ein.

Bei erster Gelegenheit nimmt Irwin Yates zur Seite. Längst hat der ehemalige General begriffen, wie Yates tickt, dessen Vater er kannte, dem er in Hanoi einst das Leben gerettet hatte, als sie alle in vietnamesische Gefangenschaft gerieten. Er erklärt dem jungen Mann, dass er wisse, dass dieser versucht sei, sie zu verraten, dass er aber auch wisse, dass Yates zu gegebener Zeit wisse, zu wem er zu halten habe.

So kommt es auch. Als der Tag der Revolte, die akribisch vorbereitet wurde, da ist, schlägt sich Yates nicht erst jetzt auf die Seite der Aufständischen. Zuvor hatte er Winter mit teils falschen Informationen versorgt. Darunter die, Irwin plane, Winters U.S.-Fahne zu kapern und falsch herum zu hissen – in der U.S.-Army ein äußerstes Notsignal. Winter ist außer sich.

Mit einigem Einsatz und unter Nutzung teils primitiver Mittel, gelingt es Irwin und seinen Männern tatsächlich, das Gefängnis zu übernehmen, wenn auch eher indirekt. Sie haben unter anderem Wheeler und dessen Bataillon informiert, da der sehen soll, was im Gefängnis vor sich geht und Winter dann absetzen muss. Winter hat seine Männer jedoch mit scharfer Munition ausgerüstet und befiehlt schließlich, auf die Gefangenen, die sich auf seine Order hin nicht niederlegen wollen, zu schießen. Doch die Soldaten verweigern den Befehl. Irwin beginnt, die Fahne zu hissen, Winter zieht schließlich seine Dienstwaffe und schießt viermal auf Irwin. Der zieht mit letzter Kraft die Fahne auf den Mast, dann stirbt er, weil ihm ärztliche Hilfe verweigert wird. Captain Peretz begreift schließlich, wer auf der richtigen Seite steht und entwaffnet Winter und verhaftet ihn dann. Als die Soldaten und die Gefangenen aufschauen, weht die Fahne der Vereinigten Staaten so, wie sie wehen soll: Richtig herum gehisst und stolz im Wind.

Die Gefangenen bauen die Mauer erneut auf und verewigen Lieutenant General Eugene Irwin mit einem eigenen Stein in ihrem Fundament.

Wenn man das Veröffentlichungsjahr von Rod Luries THE LAST CASTLE (2001) nicht kennt, würde man diesen Film zeitlich wahrscheinlich in den späten 80er Jahren verorten; erfährt man dann, dass er aus den frühen Nullerjahren stammt, wirkt er sofort wie aus der Zeit gefallen. Patriotisch, pathetisch, voller Verherrlichung des Soldatischen, militärischer Tugenden wie Gehorsam und Selbstaufgabe und infolgedessen altbackenen Heldentums. Bedenkt man, dass Lurie zuvor mit THE CONTENDER (2000) ein außerordentlich komplexes, differenzierendes und letztlich auch liberales Polit-Drama gedreht hatte, wundert man sich, dass er für ein solches Machwerk zur Verfügung stand. Immerhin standen ihm mit Robert Redford und James Gandolfini zwei brillante Schauspieler und im Falle Redfords ein echter Superstar zur Verfügung.

Redford tritt als ehemaliger Lieutenant General Eugene Irwin auf, also als hochrangiger Offizier, der in ein Militärgefängnis gesperrt wird, welches unter dem Kommando von Colonel Winter – James Gandolfini – steht. Von Beginn an steht fest, wer hier welche Rolle einnimmt und der Film bzw. das Drehbuch – geschrieben von Graham Yost und David Scarpa – gibt sich keine Mühe, diesen Eindruck zu zerstreuen oder zumindest in Frage zu stellen. Da ist nichts Ambivalentes oder Doppelbödiges, es gibt kaum Zwischentöne oder gar offene Enden. Winters Regime im Knast ist hart, er wähnt sich an der Front gegen Bestien in Menschengestalt, die zwar einmal Soldaten waren, sich aber als Unmenschen entpuppt hätten. Irwin verhält sich vollkommen korrekt, also soldatisch, bis hin zu der Tatsache, eben kein Soldat mehr zu sein, keinen Dienstgrad zu bekleiden und deshalb auch keine Befehle erteilen zu können. Was er verbrochen hat, wird dem Zuschauer erst spät offenbart und entpuppt sich dann natürlich als verkappte Heldentat (er wollte Kriegsverbrecher gefangen nehmen, ein Unterfangen, das ihm explizit von höchster Stelle untersagt war und bei dessen letztlich illegaler Durchführung acht seiner Männer ums Leben kamen), zumindest in den Augen seiner Mitgefangenen. Was im Laufe der Filmhandlung im Gefängnis passiert, die Befehle, die er dann eben doch erteilt, die Lehren, die er seinen Mitgefangenen zukommen lässt, entstammen also seiner natürlichen Autorität.

Wie weit sein soldatisches Selbstverständnis reicht, beweist – neben der Schlussszene des Films – eine kurze Sequenz, in der er Besuch von seiner Tochter erhält. In einem Kurzauftritt ist hier Robin Wright als Rosalie Irwin zu sehen. Vater und Tochter sprechen kurz miteinander, zu viel mehr als einem Austausch von Allerweltfloskeln kommt es dabei nicht. Schließlich erklärt Rosalie ihrem Vater, dass sie ihn als Mann sehr schätze und bewundere, dass sie aber keinen Kontakt mehr zu ihm wünsche, da er sich mehr um die Rettung der Welt bemüht habe, denn je um sie oder die Familie. Er dürfe ihr und ihrem Sohn, seinem Enkel, gern schreiben, doch solle er keine weiteren Besuche etc. mehr erwarten. Es ist dies eine der ganz wenigen Szenen des Films, in denen die Figur des Eugene Irwin in Frage gestellt wird und zumindest den Hauch von Ambivalenz erhält. Denn offenbar ging seine Soldatenehre sogar vor die als Familienvater, was in einem amerikanischen Film zumindest ein fragwürdiges Licht auf einen Protagonisten wirft. Es ist einer Schauspielerin vom Kaliber Wrights zu verdanken (eine Fähigkeit, die sie bspw. mit Frances McDormand teilt), dass es gelingt, in diesen paar Filmminuten so viel Zweifel zu säen, so viel Unausgesprochenes sichtbar werden zu lassen, dass zumindest eine Weile die Figur des Lieutenant General in Frage steht.

Freilich hält das nicht lange vor. Denn nachdem für Irwin wie für den Zuschauer geklärt ist, dass dieser Mann nichts mehr zu verlieren hat, da er alles Wesentliche – Dienstrang und Familie, wobei die Armee ihrerseits eben wie eine Familie oder Ersatzfamilie betrachtet wird – verloren hat, wendet er sich der Aufgabe zu, für Ordnung im Knast zu sorgen. Winter lässt die Männer scheinbar sinnlose Arbeit verrichten – u.a. sollen sie eine Mauer, die Teil der ursprünglichen Gefängnismauer gewesen ist, wieder aufbauen – und behandelt sie ansonsten wie Abschaum. Seine Wachen weist er an, mit Gummigeschossen auf jene zu schießen, die beim Ertönen der Sirene nicht schnell genug mit dem Gesicht nach unten auf der Erde liegen, gelegentlich sorgt er mit bewusster Verweigerung von den Gefangenen zustehenden Mitteln für Reibereien, die er dann mit Gewalt niederschlagen lassen kann, seine Strafen sind drakonisch. Gegenüber Irwin, den er eigentlich bewundert, da der Mann ein Standardwerk zur modernen Kriegsführung geschrieben hat, erklärt er dieses Vorgehen mit den oben beschriebenen Urteilen über die Menschen in seiner Obhut. Schnell gerät er in einen inneren Zwiespalt, da er bei Irwins Einlieferung mitbekommt, wie er sich – ein Mann, der immerhin einen enorm hohen Rang in der Armee bekleidet hatte und zudem eine Berühmtheit innerhalb der Streitkräfte ist und den er deshalb in seinem Büro empfängt – sich über Winters Sammlung von Militaria, darunter Minié-Kugeln aus dem Sezessionskrieg, lustig macht. Soldaten, die sowas sammelten, hätten nie selbst auf einem echten Schlachtfeld gestanden, so Irwins Urteil. Damit ist nicht nur zwischen diesen beiden Männern, sondern auch zwischen Winter und dem Publikum die Fallhöhe definiert. Denn naturgemäß folgen wir Redfords Einschätzung, allein schon deshalb, weil er Robert Redford ist und wir in den letzten 40 Jahren gelernt haben, dass er edel, hilfreich und gut ist. Oder wann hätte Redford je eine wirklich zwielichtige Figur gespielt?

Was dann folgt, ist reinstes Soldaten-und-Militär-Kintopp. Irwin verschafft sich ruhig und unaufgeregt das Vertrauen der Männer, er bringt ihnen Selbstrespekt und Selbstvertrauen bei, zeigt ihnen nach und nach – insbesondere beim Bau der zuvor als nutzlos betrachteten Mauer – dass sie auch dann noch Soldaten sind, bzw. sich wie Soldaten verhalten können, wenn sie nominell gar keine mehr sind und führt, da das Salutieren im Gefängnis verboten ist, einen Gruß ein, der wie ein Salut anmutet, dann aber als Streichen durch die Haare endet, wodurch das Verbot unterlaufen wird. Winter und seine Männer können darauf nur mit Aggression und Gewalt reagieren und so ist es keine Frage, wem unsere Sympathien gehören, erst recht, als der junge Ramon Aguilar durch eines der Gummigeschosse, das ihn auf Befehl Winters direkt am Kopf trifft, stirbt. Und selbst der dann doch etwas zwielichtig gezeichnete und von Mark Ruffalo mit seiner ganzen Routine für solche Charaktere gespielte Häftling Yates entpuppt sich schlussendlich natürlich als Ehrenmann, der sich in den Dienst der Sache stellt. Und „die Sache“ bedeutet in diesem Falle, das Gefängnis, den Richtlinien der U.S.-Army für die Leitung eines Militärgefängnisses folgend, zu übernehmen und den wahrscheinlich anrückenden Truppen, die zur Hilfe gerufen werden, mit einer falschherum aufgezogenen Fahne zu signalisieren, dass man Hilfe braucht.

Das Motiv der umgedrehten Fahne spielt eine wesentliche Rolle im Film. Es ist ein anerkanntes Notsignal, das allerdings unter Gefechtsbedingungen nur im äußersten Notfall angewandt werden darf. Wer dieses Zeichen setzt, gibt damit zu verstehen, dass er sich selbst nicht mehr helfen kann. Im Falle des Gefängnisses würde dies bedeuten, dass Winter seine Unfähigkeit, eine militärische Anstalt zu führen, eingestehen müsste. Wenn Lurie und sein Kameramann Shelly Johnson und auch das Team, das für Schnitt und Montage zuständig war, dem Zuschauer am Ende, im großen Showdown, nachdem es Irwin und seinen Männern tatsächlich gelungen ist, das einer Festung gleichende Gefängnis mit nahezu archaischen Mitteln der Kriegsführung ein- und dann zu übernehmen, lange den Blick auf die Flagge verweigern, dann dient das zwar dem Aspekt der Spannungssteigerung, doch längst ahnen wir: Nie würde dieser Mann, Lieutenant General Eugene Irwin, die Flagge falsch herum hissen. Im Gegenteil: Unter Aufbietung seiner letzten Kräfte, denn Winter feuert auf ihn, um eben das falsche Hissen zu verhindern und verwundet ihn tödlich, zieht er die Fahne am Mast hoch und da flattert sie nun, weithin sichtbar. Die amerikanische Flagge, Stars and Stripes, so, wie es sein muss, „richtig“ herum. Und die Männer im Gefängnishof, eben noch in nahezu tödlichem Kampf miteinander ringend, halten inne und salutieren. Gefangene ebenso, wie das Wachpersonal und die zur Hilfe gerufenen Einheiten. Und als Brigadier General Wheeler, ein Freund und Verehrer Irwins, eintrifft, bleibt ihm nur, dem nun toten Freund die letzte Ehre zu erweisen. Allgemeine Ergriffenheit.

Es erstaunt, wie redundant THE LAST CASTLE daherkommt, wie wenig Mühe er sich gibt, eine zweite Ebene einzuziehen, seine Geschichte an irgendeiner Stelle mit so etwas wie Ambivalenz aufzupeppen. Dass es dem Film, seinen Autoren, dem Regisseur und seinen Darstellern tatsächlich einfach nur darum zu gehen scheint, dieses Hohelied auf Männlichkeit, Heldentum und die U.S.-Army zu singen, ist für einen Film dieses Jahrgangs – immerhin der gleiche wie Ridley Scotts BLACK HAWK DOWN (erschienen 2001), der ungemein ambivalent und doppeldeutig ist, bei all seiner Verherrlichung des Militärischen – kaum zu glauben. Doch immerhin das gelingt ihm dann leidlich. Die Action ist recht gut gemacht, Gandolfini und Redford liefern sich ein schauspielerisch angemessenes Duell, wobei Gandolfini/Winter dem Betrachter schon fast leidtun kann, wirkt er doch nicht nur sehr unzufrieden in seiner Rolle als Direktor eines Militärgefängnisses, sondern auch recht unglücklich im Konflikt mit einem Mann wie Irwin, den er – das weiß das Publikum schon in dem Moment, in dem es Robert Redford sieht, das weiß er, Winter, aber auch selbst – nur verlieren kann. Und natürlich weiß dieser Mann auch um seine Taten, bzw. seine Untaten, weshalb er am Ende auf Irwin schießt und diesen tötet, dies aber nur als eine Art Akt der Selbsttötung oder -bestrafung gelesen werden kann, da Winter sich seines Ansehensverlusts vor seinen Untergebenen aber auch den Vorgesetzten, vollkommen bewusst ist. Das allerdings macht ihn in der verqueren Logik dieses Films schon wieder ein wenig ehrenhafter.

Dass Irwin die Fahne dann auch noch „richtig“ herum aufgezogen hat, macht Winters Niederlage zwangsläufig komplett. Denn – so die Message – diese Armee, dieses Land und diese „Festung“, als die das Gefängnis von Irwin betrachtet wird, sind nicht hilf-, noch sind sie wehrlos. Ganz im Gegenteil, so die weiterführende Botschaft dieses extrem eindimensionalen Films, sind diese Männer, unter der richtigen Anleitung eines echten An-Führers, immer und jederzeit dazu in der Lage, sich selbst zu helfen und, natürlich, auch das Land zu beschützen. Nur folgerichtig, dass die Männer die auf Winters Befehl eingerissene Mauer schließlich wieder aufbauen und Lieutenant General Eugene Irwin mit einer Inschrift die Ehre erweisen. Was denn sonst?

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