DIE VIER SÖHNE DER KATIE ELDER/THE SONS OF KATIE ELDER

Ein formvollendeter Ensemblewestern à la John Wayne

Die vier Brüder Elder – John (Wayne), Tom (Martin), Bud (Michael Anderson jr.) und Matt (Earl Holliman) – finden sich nach Jahren der Abwesenheit am Grab der Mutter ein. Sie spüren sofort, daß ihnen in der kleinen Stadt niemand mehr wohlgesonnen ist, der Vater wurde vor geraumer Zeit erschossen, die elterliche Farm ging an den Nachbarn Hastings (James Gregory) über.

Dieser hat sich mit dem Profi Curley (George Kennedy) einen Leibwächter angeheuert, weil er vor allem John Elder, dem ein gewisser Ruf vorauseilt, fürchtet. Hastings setzt alles daran, die Brüder in der Stadt zu diskreditieren. Was ihm schließlich auch gelingt: Während die Elders einen vertraglichen Deal ihrer Mutter einlösen und eine Herde Pferde treiben, wird ein Haftbefehl gegen sie erlassen, der sie des Mordes bezichtigt.

Da ein Mob sie zu lynchen droht, sollen sie in die nächstgrößere Stadt, Laredo, überführt werden. Die Kolonne wird unterwegs von Hastings, Curley und seinen Leuten angegriffen. Obwohl man den Angriff abwehren kann, stirbt Matt bei einer Explosion.

Zurück in der Stadt verschanzen sich die Elders in einer Scheune und Tom entführt Hastings Sohn Dave (Dennis Hopper). Schließlich kommt es soweit, daß Hastings den eigenen Sohn tötet, um seine Verbrechen zu kaschieren, doch sterbend berichtet Dave alles, was er weiß. Tom stellt Hastings…

Der damals 67jährige Hollywoodveteran Henry Hathaway, der 58jährige John Wayne, an seiner Seite der auch schon auf die 50 zugehende Dean Martin – die Helden, Prototypen und Protomacher des klassischen Hollywoodwesterns erlaubten sich mit THE SONS OF KATIE ELDER (1965) eine kleine Extravaganz der Unwahrscheinlichkeiten und feierten ein wenig sich selbst. Man reitet, man prügelt sich, es wird geschossen, es gibt Rinder und Pferde und wilde Berge und Staub und die ratternden Räder wackliger Wagen. Es gibt eine schöne Nachbarin, einen wahrlich galligen Bösewicht, einen hinterhältigen Mord, Verrat und Rache. Die Herren servieren uns DEN Western nach John Wayne. Anders als viele der Serienwestern, die Wayne in den 60ern nicht zuletzt aus Geldmangel abdrehte, sticht Hathaways Film durch die ihm eigene routinierte Action, den Humor und eine Selbstsicherheit hervor, die ein teils hanebüchenes Drehbuch vollkommen überflüssig zu machen scheint. Das erinnert schon an den sechs Jahre älteren Howard-Hawks-Klassiker RIO BRAVO (1959), der ebenfalls das Duo John Wayne/Dean Martin zusammen gebracht hatte.

Der Film scheint eigentlich keine rechte Lust zu haben, sich in irgendwelche Konflikte zu begeben. Was das angeht, kommt die Sache recht schwerfällig in Gang. Das wiederum gibt dem Drehbuch jede Menge Gelegenheit, Wayne, Holliman und Dean Martin um Buds Wohl und Wehe als Collegeboy streiten und sich schließlich auch zünftig hauen und sich gegenseitig und sowieso jeden und überhaupt alle anpflaumen zu lassen und anzupflaumen, was allen Beteiligten sichtbar Spaß macht. Damit überhaupt mal etwas passiert, wird ein umständlicher Pferdetrieb in Szene gesetzt, was Kameramann Lucien Ballard die Gelegenheit gibt, sowohl eine atemberaubende Berglandschaft, als auch fesselnde Bilder des Triebs zu präsentieren. Der Film steckt voller kleiner Logiklöcher, allein die Altersspanne zwischen John und Bud Elder müsste um die 40 Jahre betragen, was zumindest auf eine lange Anziehung der Eheleute Elder zueinander schließen läßt. Der Film schert sich um all das kein bisschen. Die ganze Story ist an den Haaren herbeigezogen, ein reines Vehikel, damit die Jungs tun können, was sie gern tun. Und das wiederum tun sie so gern, daß nicht einmal die schöne Martha Hyer ihre Aufmerksamkeit wirklich erregen kann.

Der Formwille, den Hathaway an den Tag legt, die Souveränität, mit der er als Vertreter eines „älteren“ Westernkinos auf die Relevanz dieser Art der Erzählung beharrt, das Gespür dafür, wie man diese Darsteller zueinander in Beziehung setzen muss, welche Anteile man ihnen physisch wie dialogisch zugestehen darf – man achte auf die Szene recht zu Beginn des Films, wenn die vier Brüder in dem Anwaltsbüro Platz nehmen – , der Humor, der sich zur Gewalt in Bezug setzt und stellenweise äußerst grimmig gerät – all das weist großes Könnertum, große Routine und tiefe Einsicht in die Grammatik des Westerns aus.

Und doch blieb es Hathaway vorbehalten, erst einige Jahre später einen jener vielleicht sechs, sieben, acht ganz großen Filme zu drehen, die die Karriere John Waynes schmücken. TRUE GRIT (1969) sollte Waynes persönlicher Triumph werden, sein Oscarfilm. THE SONS OF KATIE ELDER ist ein hübscher Ensemblefilm, ein unterhaltsames, actionreiches und raubeiniges Stück Westernkino, das fabel-haft überzeugend die Stärken eines spezifischen Stils ausstellt.

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