GEFAHR AUS DEM WELTALL/IT CAME FROM OUTER SPACE

Einer der Sci-Fi-Klassiker von Jack Arnold

In der Wüste Arizonas liegt das Städtchen Sand Rock. Hier lebt, neben etlichen braven Bürgern, auch der Schriftsteller und Journalist John Putnam (Richard Carlson). Er und Ellen Fields (Barbara Rush) sind ein Paar, doch wollen sie sich nun offiziell verloben.

Eines Abends beobachten sie durch Putnams Teleskop – er ist Hobby-Astronom – wie ein Meteorit in der Nähe einschlägt. Am nächsten Morgen mieten sie einen Helikopter und lassen sich zur Absturzstelle fliegen. Putnam kriecht in den Krater und beobachtet ein UFO, dessen Luke offensteht. Als er ins Innere des Schiffes blickt, sieht er ein fremdartiges Wesen. Dann wird die Luke geschlossen und ein Steinschlag verbirgt das Schiff.

Nach und nach treffen Polizei, Reporter und Schaulustige ein. Putnam gibt zum Besten, was er gesehen hat, aber niemand, auch nicht ein befreundeter Astronom, will ihm glauben. Im Gegenteil – da John als Zugezogener und Außenseiter eh mißtrauisch in der Stadt beäugt wird, hält man ihn nun für ein wenig verrückt. Sheriff Matt Warren (Charles Drake) erklärt Putnam sogar, die Leute hätten Angst vor ihm. Er selbst mag Putnam ebenfalls nicht, da er ein Jugendfreund von Ellen ist und deren Verbindung zu dem Mann mißbilligt.

Ellen ist die einzige, die Putnam glaubt und dies auch vor allen anderen vertritt. Ellen und Putnam begegnen auf dem Highway den Arbeitern Frank (Joe Sawyer) und George (Russell Johnson). Man kennt sich und redet normal miteinander. Doch schon wenige Minuten später – Putnam wollte noch einmal die Absturzstelle besichtigen – scheinen die beiden wie ausgewechselt. Als Putnam George offen zur Rede stellt, gibt dieser zu erkennen, daß er in Wirklichkeit ein Außerirdischer ist, der sich nur vorübergehend der Gestalt Georges bedient, da sein „natürliches“ Aussehen zu schrecklich wäre. Der fremde Mann mit Georges Aussehen erklärt Putnam, daß sie Zeit bräuchten. Offenbar wurde das Raumschiff bei dem Absturz beschädigt.

Mittlerweile wurde der Sheriff von Franks und Georges Frauen benachrichtigt, daß deren Männer seltsam und wie ausgewechselt wirkten. Nun beginnt auch er zu glauben, was Putnam sagt. Der beschwört den Sheriff, die Außerirdischen nicht anzugreifen, sie seien in friedlicher Absicht gelandet, bzw. notgelandet, wenn man es genau nimmt. Sheriff Warren erklärt sich einverstanden, das Gebiet großräumig abzusperren.

Putnam hat eine weitere Begegnung mit den Fremden, bei der sie ihm erklären, was genau sie vorhaben. Sie erklären aber auch, daß sie ebenfalls eine Seele hätten, wie der Mensch, jedoch weiser seien. Sie wüssten, daß das Äußere, so fremd es erscheinen möge, nichts über den Charakter eines Wesens aussagen würde. Deshalb würden sie sich lieber hinter der Charade verstecken, als sich offen zu zeigen und angegriffen zu werden.

Mittlerweile hat sich der Wind in der Stadt gedreht. Immer mehr Bewohner von Sand Rock verschwinden. Schließlich auch Ellen. Das veranlasst Warren, nun doch eine Mannschaft zusammenzustellen und zu bewaffnen. Er will nun gegen die Außerirdischen vorgehen.

Putnam, außer sich vor Sorge, ahnt, daß die Außerirdischen sich in der alten Mine auf der Rückseite der Absturzstelle befinden. Er entwendet das Fahrzeug des Sheriffs, fährt zur Mine und klettert hinein. Hier begegnet er Ellen, bzw. deren Duplikat.

Da es zuvor zu einer Auseinandersetzung zwischen Bürgern und einem der Außerirdischen gekommen ist, glaubt die Besatzung des UFOs Putnam nicht mehr. Sie meinen, er habe sie verraten. Das Ellen-Duplikat greift ihn sogar an, woraufhin er mit einem Revolver schießt und das fremde Wesen tötet.

Tiefer in der Mine trifft Putnam nun auf die Besatzung des Raumschiffs, alle in menschlicher Gestalt. Sogar Putnam selbst wurde dupliziert – offenbar vom Anführer der Außerirdischen. Dieser repariert den Motor des Raumschiffs, erklärt aber auch, daß es in ihrer Macht läge, die ganze Erde zu zerstören. Putnam bittet darum, die originalen Menschen, so sie noch lebten, freizulassen, um den Bewohnern von Sand Rock zu zeigen, daß man keine bösen Absichten hege. Der Anführer stimmt zu.

Putnam führt die Leute aus der Mine. Draußen treffen sie auf Sheriff Warren und dessen Leute. Putnam kann sie noch einmal überzeugen, jetzt nicht in die Mine, deren Eingang er mit Sprengstoff verschlossen hat, einzudringen. Warren will dennoch gegen die Außerirdischen vorgehen. Doch während Warren und Putnam noch streiten, bebt die Erde und das Raumschiff startet. So kann das Schlimmste verhindert werden.

IT CAME FROM OUTER SPACE (1953) ist nicht nur ein nach wie vor spannender Science-Fiction-Film, zudem der erste Film dieser Gattung von Jack Arnold, der mit einigen seiner Werke Filmgeschichte schreiben sollte, nein, vielmehr wirkt er wie ein Konglomerat all jener Motive und Zutaten, die so typisch wurden für die Science-Fiction der 50er Jahre. Und als sei all dies nicht genug, bietet Arnold auch noch ein Narrativ, welches das Grundmotiv der Invasion durch Außerirdische, das in jener Dekade meist gleichzusetzen war mit einer Invasion durch die Sowjets und somit ein Propagandamittel im Kalten Krieg, unterläuft und ad absurdum führt.

Ähnlich wie William Cameron Menzies in seinem im gleichen Jahr erschienene INVASION FROM MARS (1953) und einige Jahre später Don Siegel in dem weitaus berühmteren INVASION OF THE BODY SNACTHERS (1956), bedient sich auch Arnold des Motivs vom Doppelgänger, des Austauschs von Personen. Anders als seine Kollegen, deutet er es aber nicht als aggressiven Akt, sondern als reine Verschleierung. Wirken die Doppelgänger bei Menzies und Siegel wie gehirngewaschen, nicht wieder zu erkennen für ihre Liebsten – was gern als Anspielung auf den gleichgeschalteten Menschen in totalitären Diktaturen gedeutet wurde, wie es die Sowjetunion zumindest unter Stalin war – nutzen sie in Arnolds Film die Gestaltwandlung, um sich unter den Menschen bewegen zu können, ohne diese nachhaltig durch ihr Aussehen zu verschrecken. Sie teilen dies auch mit. Und können so zumindest der Hauptfigur, den Hobby-Astrologen John Putnam, der bereit ist, zuzuhören, überzeugen, daß sie keineswegs eine Invasion planen, sondern lediglich einige Stunden auf der Erde verweilen, um ihr Raumschiff wieder flott zu machen.

Ähnlich wie der Außerirdische Klaatu in Robert Wise´ THE DAY THE EARTH STOOD STILL (1951), bietet also auch Arnold Außerirdische, die rein friedliche Absichten haben. Anders als in Wise´ Film, sind Arnolds Wesen allerdings nicht auf einer Mission, sondern lediglich daran interessiert, den Planeten Erde schnell wieder zu verlassen. Sie brauchen nur ein wenig Zeit. Allerdings erweisen sie sich in der Auseinandersetzung mit Putnam als weise Wesen, die nicht nur technologisch der Menschheit weit voraus sind, sondern auch philosophisch und in gewisser Weise auch theologisch. Harry Essex, der das Drehbuch schrieb, baute einige Dialoge in den Film ein, in dem nicht nur Menschen untereinander ihre Ängste, Hoffnungen und auch Triebe diskutieren, sondern es auch zwischen Putnam und den Außerirdischen zu solcherart Diskussionen kommt. So kommt die Sprache u.a. darauf, daß auch die Außerirdischen eine verletzliche Seele haben, aber auch, daß sie verstehen, daß ihr Äußeres den Menschen verstört und sie einst, wenn die Menschheit ihren Teil gelernt hat, wiederkämen um vielleicht Freundschaft zu schließen. Ebenso verstehen sie die Angst der Menschen um ihre Nächsten und um ihr eigenes Leben, weshalb es ihnen umso wichtiger ist, nicht als etwas absolut Fremdes zu erscheinen.

Der mit allerhand visuellen Tricks aufgepeppte Film – es war der erste 3-D-Film, den Universal Pictures produzierte – bietet dann Monster, die natürlich heutige Betrachter nicht mehr überzeugen können, die aber in einem Film von 1953 die Andersartigkeit der Außerirdischen außerordentlich betonen. Ein überdimensioniertes Hirn mit einem Auge in der Mitte, seltsam strähnigem Haar, das eine funkelnde Spur hinter sich herzieht, wenn es sich bewegt – das Art Departement des Films gab sich alle Mühe, Wesen zu präsentieren, wie sie damals die Science-Fiction zuhauf bevölkerten. Den Menschen, denen sie im Film begegnen, flößt die „natürliche“ Erscheinung der Außerirdischen offenbar enorme Angst ein. Diese Begegnungen – obwohl wir die Wesen immer mal wieder zu Gesicht bekommen; vor allem, wenn sie sich Putnam offenbaren – werden fast ausnahmslos aus der subjektiven Sicht der Außerirdischen gezeigt, was den Filmemachern die Gelegenheit bot, weitere visuelle Tricks und Spielereien in ihren Film einzubauen. Die Erkenntnis, sich den Menschen also besser als ihresgleichen zu zeigen, zeugt von tiefer Einsicht in das Bewußtsein menschlichen Wesens und menschlicher Reaktion.

Diese offenbar sehr reflektierte Spezies verfügt über Einsichten, die den Menschen selbst verwehrt bleiben. In einer Diskussion zwischen Putnam und dem Sheriff, der natürlich nicht glauben mag, was der Sternendeuter ihm da erzählt, können Buch und Regie verdeutlichen, worum es im Kern geht: Das Fremde bleibt uns fremd und macht uns Angst. Putnam zeigt auf eine Spinne und fragt den Sheriff, was er mit diesem ihm ebenfalls fremden Wesen machen würde? Daraufhin zermalmt der Ordnungshüter das Tier unter seinem Absatz. Eben, so Putnams Folgerung: Der Mensch, unfähig die eigenen Defizite zu reflektieren, wird das Fremdartige immer vernichten wollen. Es macht ihm Angst. Diese für den Sheriff scheinbar so schwere Erkenntnis lässt die Außerirdischen ihr Äußeres anpassen, wozu sie sich derer, deren Gestalten sie annehmen, bedienen, ihnen aber kein Arg zufügen. IT CAME FROM OUTER SPACE führt also deutlich den Menschen als defizitäres und damit auch gefährliches Wesen vor, während die Fremden nie als Aggressoren gezeigt werden. Sie sind rein defensiv, aber bereit, sich zu wehren.

Putnam selbst ist ebenfalls ein Außenseiter, ein Zugezogener, also ein Fremder, der am Rande der kleinen Wüstenstadt und somit symbolisch am Rande der Gesellschaft lebt. Seine eigene Andersartigkeit wird im Film dezent angedeutet, ansonsten wird vor allem darüber gesprochen. Meist vom Sheriff, der den Mann eh nicht mag, da seine Jugendfreundin Ellen Fields sich offenbar in ihn verliebt hat. Doch auch in dieser Beziehung zu einer Frau wird Putnam als eigen dargestellt. In der Eingangsszene versucht Barbara Rush in der Rolle der Ellen nahezu alles, was ein Film der 50er sich erlauben konnte, um ihren Angebeteten an sich zu ziehen. Der aber führt sie aus dem Haus in den Garten, wo ein riesiges Teleskop steht – er möchte ihr etwas zeigen, anstatt sie zu küssen. Arnold lässt die Kamera – Clifford Stine war für die Bilder verantwortlich – den beiden Verliebten folgen, bis sich das Gerät langsam von links ins Bild schiebt, wodurch dessen phallische Präsemz überdeutlich betont wird. Dieser Kerl – Putnam – spielt also offensichtlich lieber an sich selbst herum, als an seiner Freundin. Zumindest, wenn man das Teleskop symbolisch betrachtet. Erst, als sie ebenfalls einen Blick durch das Rohr wirft, verfängt ihr Gefühl auch bei Putnam. Doch wie es so kommt: Als sie sich dann doch endlich küssen wollen und der Kerl die vom Teleskop bedeutete Selbstbeschau aufgibt, kracht ein Meteorit, also das noch nicht als solches identifizierte Raumschiff, in die Berge hinterm Haus. So verhindern die Außerirdischen die Tändelei der beiden. Vor der Glückseligkeit gibt es einen Job zu erledigen, zumindest könnte man Arnolds Dramaturgie so auslegen.

Entsprechend seiner Thematik wird in IT CAME FROM OUTER SPACE viel geredet, was zulasten der Action geht. Dies ist definitiv kein Action-Film, seine Spannung bezieht er eher aus der Frage, wie viele Menschen Putnam überzeugen kann und ob die Außerirdischen ihre Gefangenen – eben die, deren Gestalt sie angenommen haben – wieder gehen lassen. Arnold gelingt es aber, dem Film immer wieder Momente von Humor einzuschreiben, was ihn auflockert, aber auch zeigt, daß man all das Geschehen auf der Leinwand nicht allzu ernst nehmen sollte. Eines Abends steht bspw. ein Junge mit einer Nachricht vom Sheriff vor Putnams Tür. Als er klopft, öffnet Ellen die Tür und kreischt – bevor wir den Jungen gesehen haben. Erst nach dem folgenden Schnitt begreifen wir, daß der junge Mann in ein Spielzeugkostüm gekleidet ist, welches ihn selbst wie einen Außerirdischen aussehen lässt. Aneignung, Gestaltwandel, in gewissem Sinne Identitätsklau – Arnold versteht es, seine Motive auf unterschiedlichen Ebenen durchzuspielen, zu variieren und auch zu brechen.

Leider erlaubt sich das Buch aber den ein oder anderen Logikfehler. So trifft Putnam in der Mine auf ein Duplikat seiner selbst. Während wir bei Ellen, den Arbeitern George und Frank und einigen anderen dabei waren und aus der subjektiven Sicht des jeweiligen Außerirdischen gesehen haben, wie sie überwältigt wurden, gibt es bei Putnam keine solche Szene. Wenn er schließlich sich selbst gegenübersteht, ist dies für ihn ebenso überraschend, wie für den Zuschauer, da wir nie den Eindruck gewinnen konnten, Putnam wäre selbst bereits Opfer einer Attacke geworden. Auch an anderen Stellen holpert das Drehbuch ein wenig und geht wenig elegant über Brüche hinweg. Und Arnolds Regie wirkt gelegentlich wie ein Vorgriff auf die Western, die er in seiner weiteren Karriere drehen sollte. Sheriff Warren und seine Meute benehmen sich wie ein klassischer Lynch-Mob, wenn sie aufbrechen, um sich den Außerirdischen zu stellen; die häufigen Fahrten durch die Wüste – gedreht wurde ausschließlich in Kalifornien, auch wenn der Film in Arizona spielen soll – ähneln den Ritten durch die Prärie in etlichen Western. Vor allem den billigen, in denen so auch Zeit gefüllt wurde.  Allerdings sind Füller wie diese bei einer B-Produktion nicht wirklich überraschend.

IT CAME FROM OUTER SPACE gehört in die Riege jener vergleichsweise schnell und billig heruntergedrehten B-Pictures der 50er, die ihre Verwendung meist in den Autokinos der Provinz fanden. Selten länger als 80 Minuten, wurden sie Samstagsabends in sogenannten Double-Bills gezeigt, Doppelvorstellungen mit zwei Filmen, jeder Menge Zeichentrick- und Animationsstreifen und oft einer Wochenschau. Gebrauchsfilme, deren Wert sich nur und ausschließlich an ihrer kommerziellen Verwendung bemaß. Gerade dies gab den Machern dieser Filme aber auch Freiheiten: Solange die Produktionen ihren Zweck erfüllten, war es den Studiobossen meist egal, was genau da transportiert wurde. So ließen diese Billigproduktionen eben auch immer viel Kreativität zu. Sowohl die Drehbuchautoren, als auch die Regisseure – in Hollywood eher als Handwerker, denn als Künstler betrachtet – und die Art-Departements hatten die Möglichkeit, sich auszuprobieren, dabei auch durchaus neue Wege zu beschreiten.

So entstanden in jenen Jahren eine Menge Filme, die – im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten – hohes kreatives Potential aufwiesen, oft neuartige Ideen verbreiteten, manchmal, es wurde weiter oben erwähnt, deutlich Propagandazwecke erfüllten (ohne daß dahinter eine übergeordnete Instanz diese einforderte oder anordnete), manchmal aber eben auch genau das Gegenteil, eine Botschaft von Freundschaft und Mitmenschlichkeit, vermittelten. Zu letzterer Kategorie sollte man auch Arnolds ersten Science-Fiction-Film zählen. Es liegt eben auch an seiner ungewöhnlichen Herangehensweise und der zwar zurückhaltenden, aber ebenfalls ungewöhnlichen Umsetzung der Idee des Buchs, daß IT CAME FROM OUTER SPACE nicht nur als Klassiker des Genres betrachtet wird, sondern auch immer noch unterhalten und überzeugen kann.

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