HELLBOY – DIE GOLDENE ARMEE/HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY
Eine - je nach Perspektive - gelungene oder vollends das Original preisgebende Fortsetzung
Um Weihnachten 1955 leben Professor Trevor Bruttenholm (John Hurt) und sein Ziehsohn Hellboy (Montse Ribé) – ein Dämon, der gegen Ende des 2. Weltkriegs bei einem aus dem Ruder gelaufenen Experiment der Nazis in die Welt gekommen ist und den Bruttenholm aufgenommen hat – in einem Camp in der Wüste des Südwestens der USA. Der Professor liest Hellboy eine Geschichte vor, die davon erzählt, wie die Menschen, die Bewohner der Städte, und die Elfen und Trolle, Bewohner der Wälder, einst koexistierten, bis die Menschen begannen, ihre Widersacher zu bekämpfen, zu vertreiben und zu töten. Der Elfenkönig Balor ließ die Kobolde daraufhin eine mechanische Armee, die „goldene Armee“, bauen, welche eine tödliche und furchterregende Waffe im Krieg gegen die Menschen war. Kontrolliert wurde sie von einem Herrscher mit königlichem Blut, der die entsprechende Krone trug. Doch war der Einsatz der Armee so grauenerregend, dass Balor ihren Bau und den Einsatz bereute, sie außer Dienst nahm, an einem geheimen Ort versteckte und die Krone in drei Teile zerbrach, deren zwei er selbst behielt, den dritten jedoch den Menschen gab, damit die Armee zukünftig nicht wieder aktiviert werden könne. Die Elfen sind mit dieser Entscheidung einverstanden, nur Prinz Nuada (Luke Goss) will die Menschen endgültig vernichten und geht deshalb ins Exil.
In der Gegenwart wird eine Auktion in New York von dem Prinzen überfallen, da dort der „menschliche“ Teil der Krone versteigert werden soll. Mit der Hilfe seiner monströsen Helfer tötet Nuada sämtliche Bieter und klaut das entsprechende Teil. Die B.U.A.P., die Behörde zur Analyse und Abwehr paranormaler Erscheinungen, schickt das Team um Hellboy (Ron Perlman), Liz (Selma Blair) und Abe Sapien (Doug Jones), um die Vorgänge zu untersuchen. Prompt müssen sie und weitere Agenten der Behörde sich etlicher Angreifer erwehren.
Durch den Kampf tritt Hellboy, der bisher eher ein Mythos denn ein Fakt ist, erstmals in voller Erscheinung in der Öffentlichkeit auf. Sehr zum Unbill von Tom Manning (Jeffrey Tambor), dem Leiter der B.U.A.P. Umso erfreulicher, dass Washington ihm einen neuen Agenten schickt, der das Team ab nun anführen soll: Johann Krauss (James Dodd/John Alexander; Stimme im Original Seth MacFarlane), ein ektoplasmatisches Wesen, welches in einem einst von Professor Bruttenholm eigens angefertigten Schutzanzug existiert. Krauss besitzt die Fähigkeit, in die Körper Toter einzudringen und deren „Gedanken“ zu lesen, kurzzeitig kann er aber auch lebende Wesen übernehmen und steuern. Vor allem aber besitzt er ein herrisches Wesen und glaubt, mit diesem einen Anarchisten wie Hellboy Befehle erteilen zu können, was in der Folge zu allerlei Wortgefechten zwischen den beiden führt.
Hellboy und Liz haben eine Beziehungskrise, Liz will mehr Freiräume und ist über Hellboys mangelnden Sinn für Ordnung entsetzt. Durch Zufall findet Abe Sapien, der ebenfalls telepathische Fähigkeiten besitzt, heraus, dass Liz schwanger ist – seiner Meinung nach der Grund für ihren Zustand.
Prinz Nuada hat derweil seinen Vater zur Rede gestellt und von ihm den zweiten Teil der Krone eingefordert. Als König Balor sich weigert diesen auszuhändigen, tötet Nuada ihn und bemächtigt sich des Schmuckstücks. Nun braucht er noch das dritte Teil, welches sich im Besitz seiner Zwillingsschwester Nuala (Anna Walton) befindet.
Diese treffen Hellboy und sein Team auf dem Trollmarkt, der unter der Brooklyn Bridge eröffnet wurde und woher die sogenannten „Zahnfeen“ stammen, die u.a. für das Massaker bei der Auktion verantwortlich waren. Während Abe die Prinzessin in Sicherheit bringt, die hier in den Besitz einer Karte gelangt ist, auf der das geheime Versteck der goldenen Armee verzeichnet sein soll, kämpft Hellboy gegen Wink (Brian Steele), einen Höhlentroll und Gehilfen von Prinz Nuada. Es gelingt Hellboy, seinen Widersacher zu töten.
Aus Rache beschwört Nuada einen Waldgott, ein Baumwesen, das letzte seiner Art, welches wiederum Hellboy töten soll. Nuada spricht zu Hellboy und erklärt ihm, dass auch seinesgleichen durch die Menschen bedroht sei. Dennoch tötet Hellboy den Waldgott und rettet zugleich ein Baby, das während des Auftritts des Monsters von seiner Mutter getrennt wurde. Doch als Hellboy das Kind zurückgeben will, wird er von der Polizei bedroht und von den Menschen, die eigentlich gesehen haben, wie er sie beschützt hat, beschimpft. Er und Liz kehren enttäuscht und desillusioniert ins Hauptquartier zurück.
Dort hat Abe sich mit der Prinzessin angefreundet und ist erstmals in seinem Leben verliebt. Hellboy leistet ihm mit ein paar Bierchen Gesellschaft und gibt seinem Kumpel gute Ratschläge hinsichtlich der Art und Weise, wie er Frauen zu behandeln habe, was im Angesicht der Schwierigkeiten, die er und Liz momentan haben ein wenig aufgesetzt wirkt. Bevor diese Gespräche aber Vertiefung erfahren, taucht Nuada auf und bedroht die Agenten der B.U.A.P. Es gelingt ihm, die Karte an sich zu bringen, bei einem Kampf verletzt er Hellboy mit der Spitze seines Schwertes tödlich. Dann entführt er Nuala, die ihr Teil der Krone versteckt hatte. Nuada droht, sie zu töten, sollten Hellboy und seine Gefährten ihm das fehlende Teil nicht bringen.
Nicht einmal Abe gelingt es, die Schwertspitze aus Hellboy zu entfernen. Dafür gelingt es ihm, einen Abdruck der Karte zu entziffern, wodurch sie die Koordinaten des Verstecks der goldenen Armee herausfinden. Das Team inklusive Johann Krauss bricht nach Irland auf.
Dort treffen sie auf einen Kobold (John Alexander), der die goldene Armee einst gebaut und dabei seine Beine eingebüßt hatte. Er ist bereit, den Trupp ins Versteck zu führen, wenn er dafür das „Glänzende“ bekäme, das in Hellboy steckt. Er kenne auch jemanden, der es entfernen könne.
So führt er Liz und Hellboy zu einem Todesengel, der Liz vor die Wahl stellt: Er könne Hellboy retten, damit aber auch seine eigentliche Bestimmung, die Menschheit dem Untergang zuzuführen, erhalten, oder aber ihn sterben lassen und damit die Menschheit vielleicht erretten. Liz, die entscheiden soll, wählt Hellboys Leben und erklärt dem Dahindämmernden, er müsse nun stark sein, da er Vater werde. Das bringt den Dämon sofort wieder auf die Beine.
Im Versteck der goldenen Armee kommt es zum Showdown mit Prinz Nuada, der scheinbar mit Hilfe der goldenen Armee die Oberhand behält, bis Prinzessin Nuala sich mit einem Messer selber richtet, wodurch auch ihr Bruder stirbt, da die beiden miteinander verbunden sind. Die goldene Armee ist besiegt und zerfällt. Liz schmilzt die Krone mit Hilfe ihrer Feuerkräfte ein.
Als sie und Hellboy sich vom Einsatzort entfernen, nachdem sie Tom Manning mitgeteilt haben, dass sie bei der B.U.A.P. kündigen, teilt Liz ihrem Gatten mit, dass er Vater von Zwillingen werde. Hellboy ist begeistert.
Als Guillermo del Toro Teil 2 seiner Verfilmungen der HELLBOY-Comics plante, hatte er bereits Erfahrungen mit Sequels. Bevor er die Möglichkeit bekam, seine Version des Dämons, den der amerikanische Comic-Zeichner und Autor Mike Mignola erfunden und um den herum er ein ganzes Universum aufgebaut hatte, auf die Leinwand zu bringen, realisierte er die Fortsetzung des Marvel-Franchise Blade, BLADE II (2002). Er war also auf die spezifischen Schwierigkeiten vorbereitet, die eine Fortsetzung mit sich bringt. Sie muss der Gemeinde mehr vom Gleichen bieten und der bewährten Mixtur zugleich Neues, wenn möglich Originelles hinzufügen. Dass ein Regisseur wie del Toro sich grundsätzlich in einer Welt wie der, die Hellboy umgibt, gut zurechtfindet, kann man bei seinem Portfolio voraussetzen. Denn der Mexikaner ist im Bereich der Märchen und der Fantasy, aber auch des Schreckens und damit des Horrors gleichsam beheimatet.
Betrachtet man das Ergebnis HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY (2008), dann kann man konstatieren, dass es del Toro gelungen ist, seinem eigenen Vorgänger HELLBOY (2004) einen adäquaten Nachfolger beizufügen. Vielleicht etwas zu familientauglich, vielleicht etwas zu lustig, aber angemessen, solange man die Sache aus der Perspektive des Regisseurs betrachtet, der das Drehbuch gemeinsam mit Mignola verfasst hatte. Man weiß aber, dass es während der Dreharbeiten in Ungarn zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Regisseur und seinem Co-Autor hinsichtlich der Figur und ihres Verhaltens gekommen ist. Mignola erzählte in einem Interview, dass er del Toro beim Dreh einer bestimmten Szene darauf angesprochen habe, dass Hellboy nicht täte, was er da tut – und del Toro geantwortet haben soll, dies sei „sein“ Hellboy, nicht Mignolas, der solle sich um seinen eigenen Hellboy kümmern. Bitter, wenn es so stimmt.
Kennt man die Comics und weiß man um die dunkleren Seiten der Geschichte um den Dämon, der eigentlich auf die Erde entsandt (oder geholt, je nachdem, wie man die Sache betrachtet) wurde, um diese zu zerstören, um alle menschliche Zivilisation dem Untergang zuzuführen, versteht man darüber hinaus dessen Charakter und das Ringen in seinem Innern, in seiner Seele, kann man sich denken, um welche Szene es sich handeln könnte. Wahrscheinlich ist es jener Moment im Film, als Hellboy einem Monsterwesen Ohrfeigen verpasst, um eine Information aus diesem heraus zu prügeln. So würde er sich in den Comics nicht verhalten. Hellboy ist kein FBI-Agent der düstersten 50er Jahre, wie sie sich der Film Noir einst vorstellte. Er ist kein brutaler Ermittler in diesem engeren Sinne. Nein, so würde Hellboy nicht vorgehen. Sollte dies jedoch nicht die Szene gewesen sein, um die es Mignola ging, muss man tatsächlich hervorheben, dass es wohl einiges an der Art und Weise, wie sich der Charakter des (Anti)Helden in Teil 2 der Film-Saga entwickelt, zu beanstanden gibt.
Man könnte sogar von einer gewissen Disneysierung des Charakters und der gesamten Story sowie ihres Hintergrunds sprechen. Der Film beginnt mit einer sehr schönen und sehr del-Toro-liken Eröffnung, in der Hellboys Ziehvater, der Professor Trevor Bruttenholm, seinem Ziehsohn eine Geschichte vorliest, in der erklärt wird, wie es zur Feindschaft zwischen Menschen und Elfen kam und wie der Elfenkönig Balor durch die Kobolde eine mechanische Armee bauen ließ – die titelgebende goldene Armee, gegen die der erwachsene Hellboy dann selbstredend gemeinsam mit seinen Freunden Liz Sherman, Abe Sapien und dem neu hinzugekommenen, Lesern der Comics aber bereits bekannte Johann Krauss, antreten muss. Del Toro verwendete für diesen Prolog handgemachte Puppen, die er dann durch CGI nachträglich bearbeiten und teils vervielfältigen, teils auch plastischer erscheinen ließ. Diese Eröffnungssequenz lässt in der Tat auf viel Gutes hoffen, doch der erste Dämpfer entsteht, wenn die eigentliche Handlung einsetzt, wir in der Gegenwart angelangt sind und der erwachsene, erneut von Ron Perlman gespielte Hellboy und seine Freundin Liz, das Feuerwesen, dadurch eingeführt werden, dass wir einem schnöden Beziehungskrach beiwohnen. Der Ton des Films ist damit gesetzt. Und es wird nicht zwingend besser.
Dass del Toro auf Humor setzt, Hellboys Sprüche immer alberner werden, er im Grunde jeden und alles spöttisch kommentiert, vor allem den von ihm zunächst ungeliebten Johann Kruss, das mag angehen, ein gewisser – allerdings doch um einiges düsterer – Humor ist auch den Comics eigen. Darauf zu setzen, uns Monsters als „ganz gewöhnliche Leute mit ganz gewöhnlichen Problemen“ vorzuführen, ist irgendwann aber doch zu viel des Guten. Und, schlimmer, es ist nicht sonderlich originell. Womit ist man beim nächsten Problem des Films angelangt wäre. Del Toro ist bekannt für seine oft atemberaubende Mise en Scène, er weiß seine Bilder derart mit Details zu füllen, manchmal zu überfrachten, dass die Betrachter*innen oft nicht mehr wissen, wo sie hinschauen sollen. Doch die Bildwelten, die er hier erschafft, wirken eben nicht originell, nicht neu, nicht eigen. Wenn Hellboy in den Straßenschluchten von New York gegen allerhand mythisches Getier und Gewese antritt, meint man genau diese Kämpfe schon alle irgendwo – und irgendwie besser – gesehen zu haben. Tritt er gegen seinen Widersacher an, den Elfenprinzen Nuada, dann erinnern diese Duelle verteufelt an jene Martial-Art-Auseinandersetzungen in BLADE II, wenn der Halbvampir seinesgleichen abschlachtet. Wenn Hellboy, Abe und Johann Krauss den gigantischen Troll-Markt besuchen, der von herkömmlichen Menschen völlig unbemerkt unter der Brooklyn Bridge seine Pforten öffnet, wenn man nur weiß, wie, dann betreten die drei eine Welt, die direkt aus einem der jüngeren STAR-WARS-Filme entlehnt sein könnte. Und in jener Unterwelt, in der Hellboy und seine Kollegen zum Showdown des Films Nuada stellen, wo sie sich der goldenen Armee erwehren müssen und Hellboy in einem ebenfalls gigantischen Mechanismus aus Zahnrädern verschlungen zu werden droht, glaubt man auf nicht verwendete Kulissen aus Peter Jacksons THE LORD OF THE RINGS-Filmen (2001-2003) gestoßen zu sein.
A propos STAR WARS – schon in HELLBOY fiel auf, dass Abe Sapien, der Fisch- oder Amphibienmensch, doch stark an den Roboter C2PO aus George Lucas Weltraum-Saga erinnert, nicht nur in seinen Bewegungen, sondern auch in seinem Gebaren und in seiner Sprache. Womit man generell bei der Figurenzeichnung wäre, die del Toro den Charakteren angedeihen lässt. Dass Hellboy und Liz mittlerweile in den Niederungen banaler Beziehungs- und Eheprobleme angekommen sind, wurde bereits erwähnt. Dieser Dämon wird immer menschlicher, wenn er auch am Schluss des Films tatsächlich ein wenig von seiner düsteren Seite zurückerhält. Schwer, womöglich tödlich verletzt, bringt Liz ihn zu einem Tordesengel, der es ihr überlässt: Er kann die Speerspitze, die Nuada nah an Hellboys Herzen platziert hat entfernen und damit das Leben dessen retten, der einst den Untergang der Menschheit herbeiführen wird, wie das Wesen der verzweifelten Liz erklärt, oder dies sein, Hellboy also sterben lassen und damit das Schicksal der Menschheit einer positiveren Zukunft zuführen. Liz entscheidet sich für Hellboys Leben. Damit ist sie der Liz aus den Comics recht verwandt. Doch bleibt die Figur in beiden Filmen – HELLBOY und HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY – letztlich recht blass.
Abe wiederum verliert in diesem Teil noch das letzte bisschen Geheimnisvolle, das er im ersten Teil dann doch noch hatte. Er verliebt sich in die Zwillingsschwester Nuadas, Prinzessin Nuala, die sich schließlich selbst tötet, um zu verhindern, dass ihr Bruder die Menschheit vernichtet. Denn der ist mit ihr verbunden und segnet ebenfalls das Zeitliche, als sie sich ein Messer in die Brust rammt. So erhält Abe ein wenig Tragik, wenn er die sterbende Nuala in den Armen hält. Doch kann dies nicht wettmachen, dass den Drehbuchautoren – und dazu gehört dann eben auch Mignola selbst – nichts Besseres eingefallen ist, als ein Besäufnis Abes gemeinsam mit Hellboy zu ersinnen, weil der Fischkopp meint, unglücklich verliebt zu sein. Diese Art der Vermenschlichung ist der Figur, die in den Comics ganz eigene Probleme hat, die eine gewisse Düsternis und eben auch ein Geheimnis umwehen, unangemessen.
Schließlich bleibt noch Johann Krauss. In den Comics ist er eine der interessantesten Figuren der B.U.A.P. – der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Ursprünglich ein Medium, musste Krauss erleben wie sein physischer Körper stirbt, er selbst als Ektoplasma jedoch überlebte. Dank Professor Bruttenholm, der ihm einen speziellen Anzug entworfen und gebastelt hatte, kann Krauss nun auch in einer physischen Form weiterleben. Del Toro und seine Designer machten aus dem Schutzanzug ein kleines Meisterwerk des Steam Punk, einen Anzug, der irgendwo zwischen einem Taucheranzug des 19. Jahrhunderts in der Vision von Jules Verne und einem abstrakten Insekt angelegt ist, mit einem Hauch jenes Stützkorsetts, das Erich von Stroheim einst in LA GRANDE ILLUSION (1937) trug. Krauss´ Charakter im Film entspricht denn auch dem eines deutschen Adligen oder eines preußischen Offiziers, schnarrend und anmaßend im Ton und den Ansagen gegenüber seinen neuen Untergebenen – und das meint vor allem Hellboy, Liz und Abe. Auch hier wurde die Charakterisierung der Comics zugunsten einer eher klischeehaften, dafür aber den Humor des Films unterstützenden Figurenzeichnung aufgegeben.
Was man dem Drehbuch zugutehalten kann, sind die eher stillen Töne, die es hier und da anschlägt und die zu verfolgen vielleicht einen etwas besseren, einen etwas erwachseneren Film ergeben hätten. Denn Hellboy, der bisher von der B.U.A.P. sozusagen „unter Verschluss“ gehalten wurde und der sehr zum Verdruss seines Chefs Tom Manning immer mal ausbüxt und dadurch entdeckt, gesehen und in Zeiten des allgegenwärtigen Smartphones natürlich auch fotografiert wird, tritt hier nun endgültig in die Öffentlichkeit – und wird von dieser beschimpft und schließlich sogar bespuckt. Obwohl er gerade ein Monster besiegt und ein Baby gerettet hat. Prinz Nuada erklärt dem Dämon dann auch, dass er die Menschen nicht zuletzt deshalb bekämpfe, weil sie eben genau so seien: Undankbar, feindlich gesinnt und im Zweifelsfall vernichtend. Dieser Gedanke der friedlichen oder eben nicht ganz so friedlichen Koexistenz – ein Thema, das etwa zeitgleich zu del Toros Film auch die Verfilmungen von Marvels X-MEN (2000-2019) aufgriffen – wäre es durchaus wert gewesen, ausführlicher behandelt zu werden. Doch wird das Thema hier lediglich angerissen und dann wieder fallengelassen.
HELLBOY – THE GOLDEN ARMY entzieht sich also mehr oder minder einer eindeutigen Beurteilung, da es stark darauf ankommt, von welcher Position aus man den Film betrachtet. Ist man ein Fan der Comics – oder, wie Mike Mignola, gar ihr Erschaffer – kann diese Fortsetzung des ebenfalls nur oberflächlich sich an der Vorlage orientierenden, dafür aber wirklich originellen ersten Teils nicht wirklich überzeugen. Zu lustig auf eine doch arg gefällige Weise, zu eindimensional die Charaktere, denen Tiefe und eine gewisse Tragik zu geben Mignola sich immer redlich und erfolgreich bemüht hat. Betrachtet man den Film allerdings aus der Perspektive eines Kinogängers, der die Figur Hellboy und ihre Kollegen und Freunde vor allem aus Teil eins kennt, wird man auch diesen Film mögen, wenn nicht gar lieben. Er bietet genau die Art von seichter Popcorn-Unterhaltung, die ein Samstagabend-Publikum goutiert. Auch, wenn man von heute aus betrachtet klar sagen muss, dass bspw. die CGI-Effekte schlecht gealtert sind, die Monster bei aller Detailverliebtheit und aller Mühe, die in den Entwürfen gesteckt haben mögen, nicht mehr wirklich überzeugen können.
Dennoch: Del Toro hält auf seine recht unnachahmliche Art die Balance zwischen extremer Action und ruhigeren Momenten, in denen die Figuren dann tatsächlich realistisch(er) gezeichnet werden, er bietet ein enormes Sammelsurium an Monstern und damit an Schauwerten, letztere unterstützt durch die einmal mehr sehr genau ausgetüftelten Schauplätze und Kulissen. Der Humor, ob man ihn nun mag oder nicht, sorgt für Auflockerung einer eigentlich düsteren Geschichte, die sich nur grob an Mingolas Vorlagen orientiert. So aus seiner Sicht gesehen, ist dies dann eine wirklich gelungene Fortsetzung und ein weiteres Highlight im Oeuvre des Regisseurs und Autors Guillermo del Toro.