HOMEFRONT

Gary Fleder und Sylvester Stallone legen einen grundsoliden und erstaunlich differenzierten Actionreißer vor

Nachdem er bei einem Undercover-Einsatz im Rocker- und Drogenmilieu von New Orleans erkannt wurde, zieht sich der DEA-Agent Phil Broker (Jason Statham) aus dem operativen Geschäft zurück. Zwar konnte der Drogenboss Danny T. (Chuck Zito) festgenommen werden, doch sein Sohn überlebte den Einsatz nicht, weshalb Phil Racheakte an sich und seiner Tochter Maddy (Izabela Vidovic) fürchtet. Zudem ist er seit kurzem Witwer und will sich nun verstärkt um Maddy kümmern.

Die beiden beziehen ein großes Haus in einer abgelegenen Kleinstadt in Louisiana, in der Phil unbekannt ist, Maddy neue Freunde finden und ihrem Hobby, dem Reiten, nachgehen kann. Zunächst lässt sich auch alles gut an, doch Maddy wird in der Schule von Teddy Klum (Austin Craig) gemobbt und setzt sich dagegen zur Wehr. Da Phil ihr beigebracht hat, sich nichts gefallen zu lassen, einen Kampf aber immer fair zu führen, warnt sie Teddy zweimal, als dieser handgreiflich wird, bevor sie ihm zeigt, was ihr Vater ihr beigebracht hat. Teddy kommt zum Glück nur mit einer blutigen Nase davon.

Phil muß in der Schule vorstellig werden, wo die Lehrer nicht wirklich schlimm finden, was da passiert ist, ist Teddy doch als Rüpel verschrien. Doch hier macht er auch die Bekanntschaft von Teddys Eltern, der sehr leicht erregbaren und etwas streitsüchtigen Cassie Bodine Klum (Kate Bosworth) und ihres Gatten Jimmy (Marcus Hester). Beide verlangen eine Entschuldigung und wollen Maddy am liebsten von der Schule verwiesen sehen. Es kommt zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Jimmy und Phil, bei der Jimmy den Kürzeren zieht. Da Sheriff Rodrigue (Clancy Brown) Zeuge des kurzen aber heftigen Kampfes wird, ahnt er, daß er es bei Phil nicht mit einem herkömmlichen Mann zu tun hat, warnt ihn aber auch, sich nicht allzu unbeliebt in der Stadt zu machen.

Was Phil nicht ahnt: Cassie ist die Schwester von Gator (James Franco) dem örtlichen Drogenboss, der ein veritables Crystal-Meth-Labor betreibt. Sie bittet ihn, der auch sie mit der Droge versorgt, Phil ein wenig zu tyrannisieren, um klar zu machen, wer Chef im Ring ist.

Bald hat Phil eine unangenehme Begegnung mit zwei Herren an einer Tankstelle, die wenig Zweifel aufkommen lassen, daß sie Ärger wünschen. Den bekommen sie dann auch, weil sie natürlich nicht wissen, daß sie es mit einem ausgebildeten Kämpfer zu tun haben.

Phil wird von Sheriff Rodrigue aufgesucht, der ihn ermahnt, es nicht zu weit zu treiben. Man wolle Ruhe und Frieden in der Stadt, da sei jemand wie Phil lediglich ein Störenfried. Teedo (Omar Benson Miller), ein junger Schwarzer, der Phil beim Ausbau des Hauses hilft, klärt den Neuankömmling in der Gemeinde auf, wie es sich mit der Polizei, Gator und Cassie verhält. Er selber hat häufiger unter dem Rassismus der „Rednecks“ zu leiden, wie er die Leute im Ort nennt.

Phil ist anschließend bemüht, die Wogen zu glätten. Er sucht Jimmy auf und entschuldigt sich, bietet ihm seine Hand und der andere schlägt auch ein. Die Schulpsychologin Susan Hetch (Rachelle Lefèvre), die Maddy zur Seite steht und sowohl das Mädchen als auch den Vater sehr mag, hilft Phil, ein schönes Geburtstagsfest für Maddy auszurichten. Die lädt dazu auch Teddy ein, was diesen rührt. Auf der Party amüsiert er sich mit den anderen Kindern und Cassie muß einsehen, daß sie vielleicht übereilt gehandelt hat, als sie ihren Bruder auf Phil angesetzt hatte.

Doch der ist längst an Phil interessiert. Er steigt in dessen Haus ein, findet im Keller Akten und erfährt dadurch, mit wem er es eigentlich zu tun hat. Er lässt Maddys Katze und ein Stofftier mitgehen, sowie die Akte zu Danny T. Durch eine Freundin, die Prostituierte Sheryl (Winona Ryder), nimmt er Kontakt zu der Gang von Danny T. auf. Die schicken mit Cyrus Hanks (Frank Grillo) einen ihrer besten Männer in das kleine abgelegene Örtchen.

Derweil hat Phil Jimmy bezichtigt, Maddys Katze entführt zu haben, was dieser vehement abstreitet. Durch einen alten Kontakt bei der Polizei erfährt Phil, mit wem er es bei Gator zu tun hat. Er steigt in dessen Bootshaus ein und findet dort das Meth-Labor. Er verkabelt es so, daß es bei einer bestimmten Schaltung des Lichts in die Luft fliegt. Hier findet Phil aber auch Maddys Katze, wodurch er weiß, daß Gator hinter dem Einbruch in sein Haus steckte, nicht Jimmy.

Dennoch beschließt Phil nach weiterem Ärger mit Gators Männern, die Stadt zu verlassen, er will keinen Kleinkrieg mit ihm Fremden. Doch bevor Phil und Maddy das Weite suchen können, nähern sich Cyrus und seine Männer nachts dem Haus und verletzen dabei auch Teedo schwer. Doch Phil ist vorbereitet. Es kommt zu einer harten Auseinandersetzung zwischen Phil und den Angreifern, bei der der Ex-Agent alle Gegner tötet. Als Sheriff Rodrigue eintrifft, ist die Action bereits vorbei – aber Maddy ist verschwunden. Sie ist auf Phils Geheiß in den Wald gerannt, dabei Sheryl in die Arme gelaufen, die sie mit einem Boot über den Fluß entführt hat. Sie steuert Gators Bootshaus an. Phil folgt ihr mit einem Polizeiauto.

Im Bootshaus kommt es zum Show-Down, bei dem sich Phil erneut gegen Gators Männer zur Wehr setzen muß, die er beide tötet. Zudem fliegt das gesamte Labor in die Luft. Gator hat sich derweil mit Maddy abgesetzt, obwohl seine Schwester, die ebenfalls zum Bootshaus gefahren ist, versucht hat, ihn davon abzuhalten. Erneut verfolgt Phil seinen Feind und auf einer Brücke gelingt es ihm schließlich, Gator zu stellen. Maddy kann aus dem Auto des Gangsters fliehen, Phil schlägt diesen zusammen und droht, ihn eiskalt zu erschießen. Doch Maddy blickt ihren Vater flehentlich an, woraufhin Phil von seinem Widersacher ablässt.

Später besucht Phil Danny T. im Gefängnis und erklärt ihm, daß er auf ihn warte am Tag seiner Entlassung…

Wer die 80er Jahre bewußt als Kinogänger erlebt hat, erinnert sich, daß es eine ganze Riege von Stars gab, die eigentlich nur im damals erst entstandenen Genre des „Actionfilms“ auftraten. Zuvor gab es Action in Western und in Krimis, in Kriegs- und Horrorfilmen oder in der Science-Fiction. Da waren sie ein Teil des Ganzen. Daß ein ganzes Genre darauf aufbaute, daß es ununterbrochen kracht, rummst, pufft und raucht, war eine spezielle Errungenschaft der 80er Jahre. Und so konnten Schauspieler wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jean-Claude Van Damme, Chuck Norris, Steven Seagal oder Bruce Willis, um nur die erfolgreichsten zu nennen, in speziell auf ihre Bedürfnisse hin entworfenen Stoffen reüssieren. Ausgeprägte Muskeln, ein finsterer Blick und die Bereitschaft, bei Stunts weit zu gehen, waren die Voraussetzungen für Karrieren in diesem Metier. Wenige dieser Stars konnten sich ins neue Jahrtausend retten. Schwarzenegger mutierte zum Gouverneur von Kalifornien, Stallone goss wieder und wieder die alten Sachen auf, Van Damme, Seagal und Norris wanderten in die Videotheken ab, solange es diese noch gab. Allein Bruce Willis gelang es, sich zu emanzipieren und auch in anderen Genres Fuß zu fassen. Nachwuchs gab es kaum. Heutzutage gibt es vielleicht noch zwei, drei reine Actiondarsteller, wobei ein Mann wie Mark Wahlberg schon lange – und erfolgreich – bemüht ist, auch in Dramen, Komödien und Thrillern zu überzeugen. Allein Jason Statham ist es vergönnt, auch im neuen Jahrtausend eine Filmkarriere nur im Actionmetier aufzubauen. So kam er auch in Stallones 80er-Hommage THE EXPENDABLES (2010) und dessen Fortsetzungen unter. Als eine Art Küken unter alten Recken, sozusagen.

Es war auch Sylvester Stallone, der das Drehbuch zu HOMEFRONT (2013) verfasste und den Film ausführend produzierte. Unter der Regie von Gary Fleder, der einst mit dem wunderbar abgründigen THINGS TO DO IN DENVER WHEN YOU`RE DEAD (1995) sein Spielfilm-Debut gab, ist ein grundsolider Action-Reißer gelungen, der weitaus weniger reaktionär ausgefallen ist, als es die Kritik wahrhaben wollte. Und Statham gelingt eine durchaus ansehnliche schauspielerische Leistung. Als ehemaliger Undercover-Agent, der aussteigt und sich aufs Land zurückzieht, um für seine Tochter da zu sein, überzeugt Statham durchaus. Die Geschichte selbst – natürlich legt er sich mit den lokalen Schlägern an (das Ganze spielt in Louisiana, tiefstes Redneck-Terrain), natürlich deckt der lokale Drogenboss seine Identität auf und verrät ihn an seine ehemaligen Kompagnons, natürlich wird er angegriffen und seine Tochter entführt und natürlich gelingt es ihm schließlich, im Alleingang alles wieder zu richten – ist altbacken und hundertfach erzählt. So muß Fleder also, wie jeder gute Genreregisseur, schauen, daß er sie ungewöhnlich verpackt. Das tut er allerdings gerade nicht, sondern er erzählt sie geradeheraus, ohne Umwege und recht kompromißlos, verlässt sich aber auf seine Darsteller und verzichtet auf allzu unwahrscheinliche Szenarien und das ganz große Geballere, sondern bemüht sich erfolgreich, Spannung aufzubauen und die Konflikte, die die Story hergibt, ernsthaft und realistisch zu entwickeln und voran zu treiben.

Dafür stand Fleder neben Statham, der natürlich und vor allem das tut, was er immer tut – die richtigen verprügeln und mit allerhand Waffen hantieren – eine Riege gestandener Charakterdarsteller und -darstellerinnen zur Verfügung. Neben James Franco, der einen charismatischen und brutalen, dennoch seltsam unsicheren Drogenboss gibt, dem die von ihm in Gang gesetzten Ereignisse über den Kopf zu wachsen drohen, gibt Winona Ryder seine Freundin und Verbündete, hinzu kommt Kate Bosworth als seine Schwester, die der eigentliche Auslöser für die ganzen Scherereien ist. Sie nämlich will, daß dem Fremden, dessen Tochter ihrem Sohn eine verpasst hat, als der sie mobbte, ein Denkzettel verpasst wird. Und dieser Denkzettel artet schließlich in Mord und Totschlag aus. Hinzu kommen einige gute Nebendarsteller wie Clancy Brown als zunächst wenig an Recht und Ordnung interessierter Sheriff, der gerade rechtzeitig noch die Kurve bekommt, und Omar Benson Miller als schwarzer Kumpel von Statham, der ihm grundlegend erklärt, wie das unter Rednecks im Süden so läuft. So gibt HOMEFRONT sogar ein klares Statement zum Rassismus ab, der gerade in Louisiana ein noch größeres Problem ist, als in anderen Staaten.

Natürlich haben die Kritiker recht, die dem Film unterstellen, nahtlos an jene Filme der 80er anzuknüpfen, die oftmals wirklich reaktionäre Botschaften unters Volk brachten und oftmals auch nicht frei waren von rassistischen und gelegentlich sogar faschistoiden Untertönen und Tendenzen. Das kann man Stallone und Fleder allerdings in diesem Fall nicht unterstellen. Eher ist es erstaunlich, wie es ihnen gelingt, einen letztlich so harten Konflikt aus einer handelsüblichen Schulhofschlägerei heraus glaubhaft eskalieren zu lassen. Wer je miterlebt hat, wie Eltern sich angehen können – sei es, weil der Filius gemobbt wird, sei es wegen sportlicher Betätigung, sei es aus Gründen, die eh kein Mensch versteht – , der weiß, daß die Ausgangslage des Films nicht ganz unglaubwürdig ist. Wenn man dann natürlich die Schwester vom lokalen Meth-König und es gewohnt ist, daß alles nach der eigenen Pfeife tanzt, kann die Sache natürlich schnell aus dem Ruder laufen.

Dann ist man aber auch eindeutig in Hollywood-Land und befindet sich in der fiktionalen Welt der passenden Zufälle und zufälligen Passgenauigkeit. Da erstaunt es eher, daß sich die Figur, die Statham spielt, sogar noch lange Mühe gibt, den Konflikt friedlich zu lösen – auch, wenn er sich eine gewisse Freude darüber, daß seine Übungen und Anweisungen an seine Tochter fruchten, nicht verkneifen kann. Wobei man das natürlich auch seinem Image zuschreiben muß. Auf der Habenseite ist wiederum zu verbuchen, daß es Stallone und auch Fleders Regie gelingt, fast keine der Figuren einfach nur eintönig gut oder böse darzustellen. Es sind Grautöne und Wandlungen, Einsicht und Erkenntnis erlaubt, auch dies eher unüblich für einen Actionfilm.

HOMEFRONT sticht also nicht weit aus der Dutzendware heraus, ist aber doch als einer der besseren unter vielen gleichen zu betrachten. Fleder weiß zu unterhalten, die Action, wenn sie dann kommt, ist hart, kompromißlos und auf den Punkt inszeniert, er gönnt sich aber auch längere Strecken, um seine Figuren vorzustellen und zu entwickeln und versteht es, Tempo, Rhythmus und Dynamik so anzulegen, daß das Ganze keine Sekunde zu lang oder zu kurz ist. Gutes Popcornkino für eher leichte, seichte Stunden, ohne daß der Betrachter sich veräppelt vorkommt oder nicht ernst genommen fühlt.

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