BAD COUNTRY

Willem Dafoe, Matt Dillon und Tom Berenger vereint in einem harten, dreckigen Thriller im Stil der 80er Jahre

Louisiana, 1983. Bei einem fingierten Juwelendeal in der Nähe von Baton Rouge wird der Cop Bud Carter (Willem Dafoe) erkannt. Es kommt zu einem Schußwechsel, zwei Kriminelle werden verhaftet. Während des Verhörs geben beide Informationen preis, um sich eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen. Dadurch werden die Ermittler auf ein Netzwerk von Banditen, Räubern und Dieben aufmerksam, dem der Auftragskiller Jesse Weiland (Matt Dillon), Bruder eines des verhafteten Tommy Weiland (Christopher Denham), angehört.

Bud und seine Kollegen suchen Weilands Haus auf und wollen ihn festnehmen. Dabei treffen sie auch auf seine hochschwangere Frau Lynn (Amy Smart), die Bud ins Krankenhaus bringt. Weiland wird ins Bezirksgefängnis gesteckt. Es fällt den Ermittlern um Captain Bannock (Don Yesso) auf, daß Weiland etliche Verhaftungen mit hohen Kautionsauflagen hatte, die Summen jedoch immer auftreiben konnte. Bud beobachtet Weiland im Gefängnis. Nach einem Besuch von Lynn, die den gemeinsamen Sohn mitbringt und Jesse ihr Leid klagt – kein Geld, das Haus belastet, sie sei allein – nimmt Bud Kontakt zu ihr auf und verspricht ihr Hilfe.

Bud versucht Jesse Weiland „umzudrehen“, ihn also als Informanten zu gewinnen, da er vermutet, daß hinter den Juwelenräubern ein viel größeres Netzwerk steckt, als die Ermittler bisher angenommen haben. Über Jesse hofft er an Informationen zu gelangen.

Derweil wird der aus dem Gefängnis entlassene Juwelendieb, der sich zunächst mit Informationen hatte freikaufen können, getötet, schließlich findet Jesse auch seinen Bruder tot in dessen Zelle, scheinbar an einer Überdosis gestorben. Jesse vermutet dahinter jedoch die Killer des Kartells. Als Bud ihm Bilder zeigt, die seine Frau in Begleitung dieser Männer zeigen, entscheidet er sich, mit den Cops zusammen zu arbeiten. Bud verspricht ihm absoluten Schutz für seine Frau und seinen Sohn.

Das FBI in Gestalt von Martin Fitch (Chris Marquette) schaltet sich ein, da deutlich wird, daß man es mit einer übergeordneten Organisation zu tun hat. Fitch gibt unumwunden zu, erst ein Jahr beim FBI zu sein und kaum praktische Erfahrung mit der Verbrechensbekämpfung zu haben. Dennoch hält er sich für geeignet, den Einsatz zu leiten und lässt Bud dies überdeutlich spüren. Bud und Hannock geraten darüber in Streit und Bud sträubt sich, Fitchs Anweisungen zu folgen.

Jesse Weiland gibt vor Bud, Hannock, Fitch und dem leitenden Staatsanwalt John Nokes (Bill Duke), der politische Ambitionen hat, zu erkennen, daß er eine Menge Informationen über das Netzwerk verfügt. Aber erst, als er einerseits von einer Todesliste berichtet, auf der Nokes als Nummer zwei geführt wird, und zudem eröffnet, daß der Grundbesitzer Lutin Adams (Tom Berenger) der Kopf der Organisation sei, willigen alle Beteiligten der Justizbehörden ein, Jesse als V-Mann in der Organisation zu belassen. Man sorgt dafür, daß eine sehr hohe Kaution für Jesse veranschlagt wird, die dieser aber erneut sofort zahlen kann. Eine Leistung, zu der nur ein Mann wie Adams fähig ist.

Derweil bereitet Lutin Adams mit seinem Anwalt Daniel Kiersey (Neal McDonough) einen neuen Deal mit dem Anwalt Daniel Morris (Kevin Chapman) vor, der sowohl ihm, Adams, als auch der von ihm geleiteten Organisation enorme Vorteile und vor allem Verbindungen zu Waffenhändlern verschaffen soll. Adams Organisation gehört zu einem WhiteSupremacy-Zirkel, der die Vorherrschaft der weißen Rasse wiederherstellen will.

Jesse kehrt zurück zur Organisation und erledigt für Adams einen weiteren Juwelendiebstahl, mit dem die Organsiation sich finanziert. Er will jedoch wieder als Killer arbeiten, weil er hofft, so an die Todesliste zu kommen, die Fitch unbedingt haben will. Schließlich wird er gemeinsam mit dem psychopathisch veranlagten „Catfish“ Stanton (John Edward Lee), ein Rassist und Gewaltfetischist, der sowohl für die Tötung des entlassenen Juwelendealers, als auch für Tommys Tod verantwortlich war, zu einem Deal mit mexikanischen Waffenhändlern abkommandiert. Das FBI überwacht die Aktion, wobei Fitch unschlüssig scheint, wie er genau vorgehen will. Während der Verhandlungen kommt es zu Anfeindungen zwischen „Catfish“ und den Mexikanern. Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der alle Mexikaner sterben und Jesse seine Leute gerade noch aus der Gefahrenzone bringen kann.

Adams und Kiersey verdächtigen Morris, hinter der Falle zu stecken. Sie verhören ihn, doch er sagt, er wisse nichts. Nachts dringt „Catfish“ in sein Hotelzimmer ein und tötet den Anwalt. Da sich in dessen Unterlagen auch ein Hinweis auf Bud findet, will Adams, daß Carter getötet wird. In der darauffolgenden Nacht kommen „Catfish“ und seine Männer zu Carters Haus, wo zu diesem Zeitpunkt auch Weiland eintrifft. Es kommt zu einer erneuten Schießerei, bei der Weiland schwer, Bud hingegen nur leicht verletzt wird. Allerdings wissen Adams und seine Leute nun, daß Jesse der Informant war. Sie finden heraus, wo seine Frau und das Baby versteckt werden und töten beide mit einer Autobombe.

Bud will Fitch nun an die Gurgel gehen und kann von Hannock nur mit äußerster Mühe davon abgehalten werden. Da Nokes bei einer Lagebesprechung deutlich macht, daß er den Fehler beim FBI, nicht bei Bud und seinen Leuten sieht und darüber hinaus erbost ist, da das Debakel seiner politischen Karriere zu schaden droht, sieht Bud sich ermächtigt, auf eigene Faust weiter zu machen. Er will Jesse dazu bringen, weiter gemeinsame Sache mit ihm zu machen, doch als er ihn im Krankenhaus besucht, ist Weiland verschwunden. Bud ahnt, daß sich sein Informant auf einem Rachefeldzug befindet.

Durch ein hartes Verhör des Anwalts Kiersey erfährt Bud, daß sich Adams zu einem Treffen mit anderen Unterweltgrößen in New Orleans aufhält. Das Treffen findet in einem Nobelbordell im French Quarter statt. Bud und seine Leute nisten sich in einer Wohnung gegenüber ein und warten. Jesse hat derweil „Catfish“ gefangen genommen und presst mit Folter den Aufenthaltsort von Adams aus ihm heraus. Dann tötet er den Killer. Auch Weiland reist nach New Orleans und es kommt zum Showdown in besagtem Bordell. Es gelingt Adams, Weiland zu töten, dann wird er von Bud überwältigt.

Im Verhörraum, zurück in Baton Rouge, wartet Adams auf Bud. Dieser betritt den Raum und bietet ihm einen Kaffee an, so, wie er es einst mit Jesse Weiland getan hatte…

Bevor Quentin Tarantino und seine Mitstreiter und Epigonen in den 1990er Jahren das postmoderne Credo von Ironie und Selbstreferentialität zum Merkmal des Mainstreams erhoben, gab es diese oft dreckigen, harten und meist sehr ernsthaften kleinen Thriller, die ihr Publikum unterhielten und dennoch etwas zu erzählen hatten. Gerade die 80er Jahre brachten wahre Perlen des Genres hervor, die teils noch einen Hauch dessen verströmten, was einst das ‚New Hollywood“ ausmachte. William Friedkins TO LIVE AND DIE IN L.A. (1985) ist ein Paradebeispiel dafür. Umso schöner, wenn mit Chris Brinkers BAD COUNTRY (2014) nicht nur ein Werk vorliegt, das den oben genannten Filmen inhaltlich und stilistisch nacheifert, sondern dem geneigten Zuschauer auch ein Wiedersehen mit Willem Dafoe beschert, der in Friedkins Film die Rolle des ebenso genialischen wie düsteren Fälschers und Mörders Eric Masters übernommen hatte.

In BAD COUNTRY spielt er nun den harten und ebenfalls düsteren Cop Bud Carter, der sich gegen eine rassistische WhiteSupremacy-Gruppe in Louisiana stellt, indem er den von ihm gefassten Auftragskiller Jesse Weiland – gespielt von Matt Dillon, selbst eine Ikone des Kinos der 80er Jahre – umdreht und als Informanten nutzt, der ihm entscheidende Hinweise auf die Machenschaften des Netzwerks und seines Anführers, Lutin Adams, gibt. Mit Tom Berenger in der Rolle des diabolischen Adams trifft Defoe auf einen alten Bekannten, denn beide spielten die Antagonisten in Oliver Stones Vietnamkriegsfilm PLATOON (1986). Die Kreise schließen sich. Besetzung, Story und Handlungsverlauf dürfen wohl mit Fug und Recht als deutliche Reminiszenz an die Actionfilme und Cop-Thriller der 80er betrachtet werden.

Auffällig ist hier die vollkommene Abwesenheit von Humor. Sehr ernsthaft gehen Buch und Regie ihre Aufgabe an und so nimmt der Film eine Haltung ein, die aus einer fast reinen Männerwelt erzählt, in der Loyalität, Härte und der Wille, sich durchzusetzen, zählen. Es werden typische Klischees bedient: Carter, der Einzelkämpfer, der sich nur auf einige wenige Vertraute seines Teams verlässt, sich mit den Institutionen anlegt und auch vor brutalen oder unkonventionellen Methoden nicht zurückschreckt; der Killer Weiland, der, über und über mit Hakenkreuzen und anderen Nazisymbolen tätowiert, im Grunde ein weiches Herz hat und zugunsten seiner Familie, vor allem seines neugeborenen Sohnes, aus der Szene aussteigen will und schließlich zum eiskalten Rächer wird; der Unterweltboss, der wie der klassische Patriarch einer Südstaatenplantage auftritt und stilecht auch gleich auf einer solchen lebt; der FBI-Mann, von Chris Marquette mit der notwendigen Streberattitüde ausgestattet, um uns angemessen anzuwidern, der sich nicht scheut, auch Verbündete übers Ohr zu hauen und natürlich mit verantwortlich dafür ist, daß die entscheidende Aktion vergeigt wird; der Staatsanwalt mit Herz, der weiß, wem er die wirklichen Erfolge zu verdanken hat; die schmierigen Anwälte, die zur Kennzeichnung ihres windigen Charakters gleich mal mit demselben Vornamen ausgestattet wurden, usw. Auch die Story selber nimmt einen recht vorhersehbaren Verlauf, wenn man einmal davon absieht, daß der Zuschauer gelegentlich ins Grübeln kommt, wer aus den eigenen Reihen Carter in den Rücken fallen könnte.

Brinker, der während der Postproduktion verstarb, hat seinen Film dementsprechend inszeniert. Weniger sind es ausgefeilte Plot-Points oder hintersinnige Volten, die den Film auszeichnen, sondern vor allem sehr gut und spannend arrangierte Actionsequenzen, dargeboten in von Kameramann Zoran Popovic klug ausgewählten Einstellungen und Kamerawinkeln, die die Qualität ausmachen. Die Story ist vergleichsweise konsequent und kompromisslos und Brinker erspart dem Zuschauer wenig, wenn er zeigt, wie Weiland Gegner zu Tode foltert oder dessen Frau und Kind kurzerhand in die Luft gesprengt werden. Auch die Methoden, derer Carter und seine Männer sich bedienen, sind oft am Rande der Legalität, werden aber als notwendig hingestellt, will man Männern wie Lutin Adams beikommen. Doch hat Brinker seine Hausaufgaben gemacht, denn wie viele der Thriller der 80er, versteht er es, seine Figuren ambivalent erscheinen zu lassen und übt damit unterschwellige Kritik an dem, was er zeigt. Angefangen bei den heute eher komisch wirkenden Schnauzbärten, die sowohl Carter als auch Weiland tragen und die überdeutlich die Seelenverwandtschaft dieser Männer ausdrücken, über die Gewalt, die allgegenwärtig scheint und nahezu Teil des alltäglichen Lebens in diesem Louisiana der frühen 80er Jahre, in denen die Handlung angesiedelt ist, zu sein scheint, bis hin zu der nicht allzu subversiv vorgetragenen Kritik daran, daß man Männer, die es können, nicht einfach ihren Job machen lässt, drückt der Film aus, daß wir es mit einer Gesellschaft zu tun haben, die an ihrem eigenen Zynismus und ihren inneren Widersprüchen zu zerbrechen droht. Daß in dieser Welt die einzige Frau, die keine Prostituierte ist, eines gewaltsamen Todes stirbt, tut sein Übriges, um uns vor Augen zu führen, wie verkommen diese Welt sein muß.

Unterstrichen wird dies durch manchmal atemberaubend schöne Aufnahmen der Sümpfe, der Bayous, des südlichen Louisiana, von Sonnenaufgängen über weiten Grasflächen und einem fast malerisch eingefangenen New Orleans, wo die Auseinandersetzung zwischen Carter, Weiland und ihren Feinden schließlich zu einem blutigen Höhepunkt kommt. Dieser Gegensatz zwischen einer schönen Natur, historisch wundervollen Städten und einer brutalen und – wie die Aufnahmen eines industriellen, mit Gebrauchsgebäuden verbauten Baton Rouge beweisen – kulturell derangierten Gesellschaft wird  durch einen vorzüglichen Soundtrack unterstützt, der sich nicht scheut, mit Blues, Zydeco-Anklängen und dahin geträufeltem Jazz von einer großen Traurigkeit zu künden.

Kritisch kann man Brinker höchstens vorwerfen, Weiland, der offenbar problemlos etliche Menschen für ein Nazi-Netzwerk getötet hat, als einen sehr plötzlich sich wandelnden Charakter darzustellen, dessen Motive nie auch nur ansatzweise hinterfragt werden. Fast lustvoll präsentiert uns der Film die Tätowierungen, die Weilands Oberkörper zieren und wir fragen uns, ob dieser Mann wirklich nur aufgrund der Liebe zu seinem Sohn und einer Frau, die er Jahre kaum gesehen hat, plötzlich zum Menschenfreund werden kann. Aber auch dies fällt vielleicht unter das Stichwort „Ambivalenz“. Denn wenn Carter in der Schlußszene des Films Lutin Adams verhören soll und ihm erstmal eine Kaffee anbietet, dabei genau jenen Moment wiederholend, in dem er zu Beginn Weiland „umgedreht“ hat, stellt sich die Frage, ob hier einer heimlich sympathisiert – wobei Carter nie als Rassist gezeigt wird, Rassismus aber nicht zuletzt durch die Ziele der Gruppe, die Carter und Weiland bekämpfen,  ein subkutan wesentliches, wenn auch nie vordergründig ausgespieltes Thema und Element der Handlung ist – oder einfach nur vollkommen indifferent in seinen Methoden geworden ist. Ein Mann, der andere Menschen schlichtweg nur benutzt, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Wahrscheinlich deutet sich an, daß Carter weitermachen will, weitere Hinitermänner fassen will, es deutet sich aber ebenso an, daß der Kreislauf der Gewalt und Gegengewalt kaum zu unterbrechen sein wird. Da der Film (einmal mehr, ein allzu beliebtes Stilmittel heutzutage) vorgibt, auf „wahren Begebenheiten“ zu beruhen, und da wir die USA in ihrem momentanen Zustand kennen, wissen wir nur allzu gut, daß dieser Kreislauf gegenwärtig eher an Geschwindigkeit aufnimmt, denn nachlässt.

Sie sind selten geworden, diese kleinen, dreckigen Thriller, aber von Zeit zu Zeit gibt es sie dann eben doch noch. Sicher ist es nicht jedermanns Sache, was Chris Brinker und sein vorzügliches Ensemble hier bieten. Doch dem Liebhaber harter Actionkost, die noch nicht durch Dauerironie entfremdet ist und dem Zuschauer durchgehend suggeriert, das alles sei doch nur halb so wild – eben „nur“ Kino – kann BAD COUNTRY wärmstens empfohlen werden. Es geht eben nicht immer darum, die klügste Story zu erzählen, manchmal geht es einfach, wie im Blues, darum, ein bekanntes Thema mit kleinen Nuancen auszustatten und so zu variieren, daß im Gesamtbild etwas Neues – oder zumindest etwas Angemessenes – entsteht. Und das ist hier (fast) vollkommen gelungen.

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