RIVALEN AM REISSENDEN STROM/RIVER LADY

Ein Abenteuer-Western um Holz, Frauen und Freundschaft

Nach Monaten in der Wildnis, wo sie Bäume gefällt haben, kehren Dan Corrigan (Rod Cameron) und Mike Riley (Lloyd Gough) in die Stadt zurück. Corrigan freut sich auf seine Geliebte, Sequin (Yvonne De Carlo), die stolze Besitzerin eines Flußdampfers ist und gerade rechtzeitig wieder in der Stadt am Mississippi anlegt.

Beauvais (Dan Duryea), Sequins Geschäftspartner, versucht, einen der letzten unabhängigen Holzhändler, H.L. Morrison, sein Geschäft an ihn und das Syndikat, dem er vorsteht, zu verkaufen. Was Morrison nicht weiß: Sequin gehört das Syndikat, Beauvais ist ihr „Geschäftsführer“.

Sequin setzt sich bei Morrison, der Beauvais´ Angebot abgelehnt hat, dafür ein, daß dieser Corrigan als seinen Geschäftsführer einsetzt. Dafür legt Sequin ihr Geld in Morrisons Geschäft an und rettet dieses damit. Corrigan nimmt den Job nach einigem Hin und Her an.

Schnell hat er Erfolge, wundert sich allerdings, daß gewisse Grundstücke und Ländereien nicht vom Syndikat aufgekauft wurden. Zugleich muß er sich der Avancen von Morrisons Tochter Stephanie (Helena Carter) erwehren. Die nämlich hat sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Die beiden flirten miteinander, doch Corrigan gibt sich Mühe, den gebührenden Abstand zu wahren. Zudem gibt Sequin ihre Verlobung bekannt.

Die folgende Eheschließung verhindert Stephanie, indem sie Corrigan verrät, daß Sequin für ihn um den Posten bei Morrison gebeten habe. Corrigan, der mittlerweile in Anzug und Krawatte herumläuft, allerdings behauptet, immer er selbst zu bleiben, ist derart erbost, daß er nicht nur die Verlobung löst, sondern auf Stephanies Werben eingeht und sie heiratet, wohl wissend, daß er sie nicht wirklich liebt.

Mike ist derjenige, der ihn darauf anspricht, nicht zuletzt, weil Stephanie ihm ihr Herz ausgeschüttet hatte. Corrigan verbittet sich jedwede Einmischung, weiß aber, daß Mike recht hat.

Morrison ist der Meinung, daß die kleinen und mittleren Betriebe nicht mehr zu retten sind, das Syndikat sei zu stark. Corrigan widerspricht dem und bittet darum, an die Ostküste reisen zu dürfen. Dort findet er neue Geschäftspartner, denen er sein Holz billiger anbietet, als dies durch das Syndikat geschieht.

Zurück in der Stadt ruft er alle kleinen und mittelgroßen Holzfabrikanten zusammen und erklärt ihnen seinen Plan: Sie sollen zusammenhalten und ihr Holz gemeinsam verkaufen. Damit könnten sie das Syndikat unterbieten und dennoch Gewinn machen. Die Händler erklären sich einverstanden.

Beauvais wirbt Corrigan die Arbeiter ab und verspricht ihnen horrende Löhne. Als Corrigan dazwischen gehen will, wird er niedergeschlagen. Er und Mike überlegen sich einen Trick, um die Arbeiter wieder auf ihre Seite zu ziehen, was ihnen schließlich auch dadurch gelingt, daß sie erklären, wie der Hase läuft: Wenn das Syndikat erst einmal ein echtes Monopol aufgebaut habe, könnten sie die Löhne diktieren.

So kommt es, daß Corrigan und Mike die Stämme schließlich den Fluß hinuntertreiben. Beauvais und seine Männer errichten eine Baumsperre, um Corrigan zu behindern. Es kommt zu einem Kampf als Corrigan versucht, die Sperre in die Luft zu sprengen. Beauvais schießt auf ihn, wird aber selbst bei der Sprengung getötet.

Mike bringt den verletzten Corrigan in die Stadt. Sequin findet sich ein und versucht ein letztes Mal, Corrigan davon zu überzeugen, sie zu heiraten. Da Corrigan und Stephanie sich getrennt haben, glaubt die Bardame, freie Bahn zu haben. Doch Corrigan erklärt ihr, daß er Stephanie liebe, auch wenn sie wahrscheinlich nicht zu ihm zurückkehren würde.

Sequin bittet Corrigan, ihre Firmen zu verwalten, sie selbst habe kein Interesse an dem Holzgeschäft. Corrigan willigt ein. Sequin küsst ihn zum Abschied auf die Stirn, Stephanie sieht dies. Sie wollte gerade zu ihrem Noch-Gatten gehen, dreht nun aber um. Sequin folgt ihr und erklärt ihr, daß Corrigan Stephanie liebe und sie zu ihm gehen solle. Diese folgt dem Rat. Das Paar verträgt sich.

RIVER LADY (1948) war einer der ersten Filme, die George Sherman für die Universal Pictures drehte. Es ist ein ungewöhnlicher Western, wenn man ihn denn so nennen will, vielleicht eher ein Abenteuerfilm, handelt er doch von den Erlebnissen einiger Holzfäller am Ufer des Mississippi, die einem Syndikat in die Quere kommen. Zudem gibt es romantische Verwicklungen, die sich aber zum Glück leicht lösen lassen, so daß nur wenig von der eigentlichen Geschichte ablenkt.

Die Handlung des Films erzählt im Grunde von Arbeit. Von der Arbeit, vom Proletariat und der Frage der Klasse, der man entstammt und der man den Rücken kehrt, bzw. ob dies überhaupt möglich ist. Rod Cameron spielt dem Holzfäller Dan Corrigan, der nach Monaten in der Wildnis in die Stadt zurückkehrt, wo er seine Geliebte, die titelgebende River Lady Sequin – in dieser Rolle darf Yvonne De Carlo glänzen und singen – wiederzutreffen hofft. Doch mit ihr muß er auch den Plagegeist Beauvais in Kauf nehmen. Dan Duryea darf einmal mehr sein Können als miese Type unter Beweis stellen und einmal mehr denkt der Zuschauer, daß er ihn gern einmal in einer anderen Rolle, vor allem einer sympathischeren, gesehen hätte.

Eine Frau zwischen zwei Männern also – altes Terrain, man kennt es. Doch zum Glück gibt es die junge Stephanie, gespielt von Helena Carter, die sich sehr offensiv – und sehr sexy – an Corrigan heranmacht. Es dauert, bis er seine Liebe für sie entdeckt, aber als es soweit ist, versteht Sequin dies und räumt ganz freiwillig das Feld. So können sich Drehbuch (D.D. Beauchamp und William Bowers) und Regie ganz auf den eigentlichen Konflikt konzentrieren, der hier aufgebaut und denkbar einfach gelöst wird. Denn es geht um die Frage des Großkapitals und der Mittelschicht. Sequin und Beauvais kaufen nach und nach die mittleren Holzfällergeschäfte auf, werben denen, die widerstehen, mit hohen Lohnversprechen die Arbeiter ab, und streben danach, ein Holz-Monopol zu errichten. Der Western war immer erstaunlich kapitalismuskritisch, hier kann man diese Tendenz einmal mehr bestaunen. Zugleich verherrlicht er natürlich das Individuum, das sich gegen die Übermacht – des Kapitals, des Staates, der Rinderbarone, you name it – wehrt und schließlich obsiegt. Dafür steht hier Camerons unbestechlicher Corrigan.

Der wird von seiner Geliebten bei dem Holzhändler H.L. Morrison als Geschäftsführer untergebracht, weil sie ihren Mann nicht als einfachen Arbeiter wissen will. Er nimmt an, ohne zu ahnen, wer hinter der Idee steht, ihn zum Geschäftsführer zu machen, und tritt nun nicht mehr im klassisch karierten Hemd auf, sondern trägt Anzug und Krawatte. Kleider machen Leute – zumindest sieht Sequin die Sache in etwa so. Und auch Corrigans Freund Mike zeigt sich befremdet. Doch Corrigan beharrt darauf, derselbe zu sein, der er immer war, auch wenn er nun in besseren Klamotten rumläuft. Und natürlich geben die Ereignisse und die Darstellung durch Cameron ihm recht. Als es drauf ankommt, zieht er seine alten Hemden wieder an und steht seinen Mann auf den gefällten Baumstämmen im reißenden Strom, erwehrt sich Beauvais´ Angriffen und schafft es, sein Versprechen wahr zu machen und das Holz, das er gemeinsam mit den letzten Unabhängigen gen Osten transportieren will, an seinen Bestimmungsort zu bringen.

Kameramann Irving Glassberg fängt teils atemberaubende Bilder von der Arbeit mit dem Holz ein, immer wieder betrachten wir die mächtigen Bäume, wenn sie gefällt werden und schließlich niederkrachen, zersägt in den Fluß gestoßen und von den Männern mit ihren Haken in die richtige Richtung geleitet werden. Wie die Arbeiter über das treibende Holz springen, von Stamm zu Stamm, dabei mit ihrem Werkzeug hantierend, allein das ist es wert den Film zu betrachten. Und obwohl das Gros des Films auf dem Studiogelände der Universal gedreht wurde, entstehen so auch einige herrliche Landschaftsaufnahmen. Es ist eine eher billige Produktion, was allein schon dadurch auffällt, daß sich der größere Teil der Handlung in Innenräumen abspielt, die eher lustlos dekoriert wurden. Glassbergs Bilder allerdings prägen und bestimmen das Thema des Films: Arbeit. Die Arbeit des „kleinen“ Mannes, der sich schindet, der aber auch ehrliches Handwerk abliefert. Beauvais und auch seine heimliche Gefährtin Sequin gehören einer anderen Schicht, einer anderen Klasse an. Das wird durch ihre Kleidung markiert – Sequin versucht ja nicht umsonst, aus ihrem offiziellen Liebhaber einen „Herren“ zu machen – mehr noch aber durch ihre Haltung, die Art, wie sie reden, ihre Gestik und Mimik, die immerwährende Verachtung für die wirklich arbeitenden Schichten verrät. So ist Sequins Interesse an dem Holz auch nur ein sekundäres, ihre eigentliche Einnahmequelle ist die River Lady, jener Schaufelraddampfer, mit dem sie den Mississippi zwischen New Orleans und St. Louis bereist, wo sie selbst als Sängerin auftritt und auf der das Glücksspiel floriert.

Herrlich ist hier vor allem die Handhabung emotionaler Probleme. Nachdem Beauvais bei dem Versuch, Corrigan endgültig davon abzuhalten, das Holz auszuliefern, ums Leben gekommen ist und sie begreifen musste, daß ihr ehemaliger Liebhaber nicht an ihre Seite zurückkehren wird, macht Sequin nicht nur Platz, sie überredet Stephanie auch, zu ihrem Mann zu gehen und ihm zu vertrauen. Zuvor war Corrigan ebenso schnell davon zu überzeugen, daß seine Liebhaberin nichts Gutes im Schilde führt und er sie verlassen müsse, um sich selbst treu zu bleiben. Krisenlösungen à la Hollywood. Überhaupt wartet RIVER LADY nicht gerade mit westerntypischen Konfliktlösungen auf. Es wird lediglich einmal geschossen – Beauvais´ letztes Mittel gegen Carrington, bevor der reißende Fluß ihn mit sich nimmt – , es gibt eine ganze Reihe von Raufereien, die so aber genauso gut in einen Seefahrer- oder Goldsucherfilm passen würden. Auch andere für den Western typische Accessoires sind hier nebensächlich: Es wird kaum einmal auf einem Pferd geritten, die Männer sind selten bis nie bewaffnet und die Helden tragen keine Hüte, sondern Wollmützen.

Ist RIVER LADY überhaupt ein Western? Zumindest spielt Shermans Film im Westen, wenn auch nicht im „far west“, wo der klassische Western meist angesiedelt ist. Doch sind Themen und Umgang mit ihnen durchaus einem Western angemessen. So oder so ist RIVER LADY ein unterhaltsamer Spaß, nicht zu lang, temporeich und actiongeladen. George Sherman kehrte schon bald wieder in gewohntere Gefilde – sprich: die Weiten der Prärie – zurück und widmete sich dort weitaus eher dem Western entsprechenden Geschichten.

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