STARSHIP TROOPERS

Zwanzig Jahre danach: Gut abgehangene Sci-Fi-Satire von Paul Verhoeven

Die Welt in einer unbestimmtenn Zukunft: Der Mensch verfügt über mächtige Raumschiffe und -stationen. Er hat weite Teile des Universums kolonialisiert und daheim auf der Erde eine könföderierte Weltregierung installiert. Der einzige wirkliche Feind sind die Bugs, Insektoide, die zwar mit primitiver, doch wirksamer Methodik immer wieder Kriege gegen die Menschheit führen.

Wer auf sich hält, so vermitteln es die Medien, die Werbung und letztlich auch die Lehrer, verpflichtet sich für mindestens zwei Jahre zur Armee. Johnny Rico (Caspar Van Dien) will eigentlich einen Zivilberuf ergreifen, doch seine Schulfreundin Carmen Ibanez (Denise Richards) drängt ihn, sich zur Infanterie zu melden. Sie selber will Raumschiffpilotin werden. Carl Jenkins (Neil Patrick Harris), ein telepathisch begabter Junge und Freund der beiden, möchte zur Armee, um seine Fähigkeiten dort weiter zu trainieren und schließlich bei der Geheimpolizei/Aufklärung zu arbeiten. Dizzy Flores (Dina Meyer) ist eine Schulkameradin der drei, die in Rico verliebt ist.

Gegen die Widerstände seiner Eltern, tritt Rico in die Infanterie ein, während die andern ihren jeweiligen Weg gehen. Dizzy trifft er in seinem Ausbildungslager wieder, wo sie sich als hartnäckige Kämpferin erweist. Unter dem Ausbilder Sergeant Zim (Clancy Brown) wird Rico schnell befördert, doch schließlich geschieht unter seinem Kommando ein Mißgeschick während eines Ausbildungslehrgangs, der einen anderen Kadetten das Leben kostet.

Rico wird schwer bestraft und will daraufhin die Ausbildung quittieren. Da Carmen, die mittlerweile schnelle Fortschitte als Pilotin macht und dabei den attraktiven Zander Barcalow (Patrick Muldoon) kennen gelernt hat, Rico per Video-Botschaft den Laufpass gibt, weiß er keinen Grund mehr, warum er weiterhin Soldat werden sollte. Dizzy macht ihm klar, daß sie ihn dafür verachtet.

Gerade als Rico das Camp verlassen und zur Erde zurückkehren will, erfahren die Truppen, daß der Krieg ausgebrochen ist. Riesige Bug-Armeen haben die Erde angegriffenn und unter anderem die Heimatstadt von Rico, Carmen und Dizzy, Buenos Aires, zerstört. Rico fühlt sich  an der Ehre gepackt und zieht umgehend seinen Antrag, aus der Armee ausscheiden zu dürfen, zurück.

Gemeinsam mit Dizzy und anderen Kameraden, erlebt er seine ersten Kampfeinsätze, bei denen die ehemaligen Rekruten erstmals mit der ganzen Gewalt und Brutalität des Krieges konfrontiert werden. Während einer schlecht geplanten und noch schlechter durchgeführten Invasion auf dem Planeten Klendathu, dem Heimatplaneten der Bugs, werden fast 300.000 Soldaten in einer Stunde getötet. Zu den Gefallenen wird auch Rico gezählt , der aber  schwer verletzt in einem Tank liegt, wo seine zerstörten Fleisch- und Hautzellen wieder aufgebaut werden. Carmen, die von dem Einsatz natürlich ebenfalls erfahren hat, hält ihren ehemaligen Freund ab nun für tot.

Nach dem Rückschlag erhält die Konföderation eine neue militärische Führung und man bereitet sich auf eine große Invasion und Entscheidungsschlacht gegen die Bugs vor. Rico, Carmen und Ace (Jake Busey), mit dem sie sich angefreundet haben, werden einer neuen Einheit zugeteilt. Als Eliteeinheit gilt für sie, unter Lieuenant Rascack (Michael Ironside), den Rico und Dizzy noch aus ihrem früheren Unterricht kennen, die besonders harten Einsätze durchführen zu müssen. Rico gelingt es bei einem davon, einen besonders üblen Riesen-Bug zu vernichten und wird umgehend befördert.

Abends im Lager kommt es zwischen ihm und Dizzy endlich zu der lang erwarteten Annäherung. Die beiden schlafen miteinander und Rico wehrt sich nicht mehr gegen ihre Liebe. Doch ihr Glück währt nicht lang, die Einheit wird umgehend zu einer Hilfsmission gerufen, bei der sie auf Planet P einem General und dessen dezimierten Einheiten beistehen sollen.

Dort kommt es zu fürchterlichen Zusammenstößen mit Bugs, bei denen Rascack schwer verletzt wird und Rico bittet, ihn zu töten, Rico kommt der Aufforderung nach. In letzter Sekunde können Carmen und Zander, die als besonders wagemutiges Team der Flugeinheiten gelten, die letzten Truppen ausfliegen. Kurz bevor sie den Transporter besteigt, wird Dizzy von einem Bug angegriffen und tödlich verletzt. Sie stirbt in Ricos Armen. Der fordert die Vernichtung des Planeten an, das Flottenkommando lehnt diese aber ab.

Zurück auf dem Flottenschiff, wird Dizzy mit militärischen Ehren beigesetzt. Carmen ist überglücklich, daß Rico doch noch am Leben ist. Als Colonel des Geheimdinestes taucht Carl auf und erklärt den beiden, daß Planet P bewusst nicht vernichtet wurde, ja, daß man sogar mit der Niederlage der Eliteeinheit gerechnet habe. Man vermutet auf dem Planeten einen Brain-Bug, ein Wesen, daß menschliches Gehirn zu sich nimmt und dadurch die feindliche Spezies erforscht. Diesen will man fangen, um seinerseits mehr über den Gegner zu erfahren.

Während der Landung auf Planet P kommt die Flotte der Konföderation unter fürchterlichen Beschuß. Carmens Schiif wird abgeschossen und sie und Zander können sich so gerade noch mit einer Rettungskapsel absetzen. Sie landen auf dem Planeten und sehen sich sofort mit Bugs konfrontiert, die sie jedoch nicht töten. Vielmehr werden sie dem Brain-Bug dargereicht, der sich auch gleich daran macht, Zanders Hirn zu schlürfen.

Rico, der den Absturz Carmens per Funk verfolgt hat, führt seine Truppen in das unterirdische Labyrinth, wo man das Monster vermutet. Unvermittelt nimmt er dann aber eine zunächst nicht vorgesehene Route, weil er Carmen dort verortet. Ace und ein anderer Freiwilliger folgen ihm, während der Rest der Truppe den vorgeschriebenen Weg einschlägt. Rico, Ace und Sugar (Seth Gilliam) können so gerade noch verhindern, daß Carmen das nächste Opfer des Brain-Bugs wird. Während dieser flieht, müssen sich die vier mit Horden von Bugs auseinandersetzen. Der tödlich verwundete Sugar hält die Insektoiden auf und vernichtet dann die Höhle mit einer Granate.

Als Rico, Carmen und Ace schließlich ans Tageslicht zurückkehren, wird draußen bereits gefeiert. Dem zum Rekruten degradierten ehemaligen Ausbilder Zim ist es gelungen, den Brain-Bug zu fangen. Carl, der Rico telepathisch auf den richtigen Weg zu Camren geführt hatte, kann nun feststellen, daß das Monstrum Angst hat. Es wird zur Erde zurück gebracht und fortan in den Labors des Geheimdienstes untersucht und mit allerhand Gerät maträtiert.

Rico, Carmen und Carl erneuern ihren an der Schule geschlossenen Freundschaftspakt und nehmen ihren Dienst in der Armee wieder auf.

Als Paul Verhoevens STARSHIP TROOPERS (1997) erschien, war er aufgrund seines scheinbar unbekümmerten Umgangs mit Nazi-Symbolik und SS-Abzeichen höchst umstritten. Zumal bekannt ist, daß Robert A. Heinlein, auf dessen Vorlage der Film grob beruht, durchaus faschistoide Tendenzen hatte  und bspw. eine Demokratie befürwortete, die auf einem Militärregime beruhte. Wählen dürfen sollte in seinen Zukunftswelten nur derjenige, der bei der Armee entweder diente oder zumindest gedient hatte. Heute, mit über zwanzigjährigem Abstand und mittlerweile einen ganz anderen künstlerischen und politischen Umgang mit der Vergangenheit gewohnt, lohnt sich ein erneuter Blick auf diesen ebenso satirischen wie brutalen Science-Fiction-Streifen.

Schon in den ersten Szenen konfrontiert Verhoeven das Publikum mit einer sich im Film wiederholenden Sendung, die Nachrichten anpreist, Wochenschaumaterial zur Verfügung stellt und immer wieder für den Dienst im Militär wirbt. Verhoeven legt damit schon den Grundstein seiner Herangehensweise an das Sujet: sie ist zutiefst postmodern. Wie alle seine Filme seit ROBOCOP (1987) und bis zu seinem Weltkriegsdrama ZWARTBOEK (2006) es gewesen sind. Sie sind provokativ, ironisch, un-eigentlich und voller Zitate. Das geht mal hervorragend auf, wie in TOTAL RECALL (1990), manchmal lieferte er aber auch nur Rohrkrepierer ab, wie bspw. in SHOWGIRLS (1995). STARSHIP TROOPERS verleiht es in seiner Gänze durchaus eine Distanz, die im Erscheinungsjahr möglicherweise so nicht wahrgenommen wurde, schon gar nicht von deutschen Kritikern, die sofort all die Anspielungen auf Militarismus und den Nationalsozialismus – bzw. totalitäre Systeme im Allgemeinen – erkannten. Verhoeven wollte seinen Film dann auch als Satire verstanden wissen, unterschätzte allerdings ein wenig, daß das Spiel mit Symbolen nicht immer funktionieren muß und kann.

Daß der Film nicht einen Moment ernst gemeint ist, sieht man ihm allerdings nicht nur in diesem Spiel an. Es  beginnt mit der Wahl der Darsteller, die von Caspar Van Dien bis Denise Richards reicht und vor allem damals durch das Fernsehen und etliche Jugendserien wie BEVERLY HILLS 90210 (1990-2000) bekannte Gesichter zusammenbrachte. Diese Schauspieler entsprachen den gängigen Schönheitsidealen, funktionieren im Kontext des Films allerdings auch als Abziehbilder einer Rassenreinheit, die eine ironische Anspielung auf die Ideale der Nazis ist. Da strecken die Kerle das kantige Kinn vor, da hüpft der Bizeps und strahlt das Lächeln so weiß, daß man sich als Betrachter schier geblendet glaubt. Zudem klammert sich Denise Richards am Steuerknüppel ihres Raumschiffs fest, als würde sie soeben die erste Fahrstunde absolvieren. Der Film ist voller solcher kleiner, zunächst unscheinbarer Momente, Gesten und Verweise, die jedweder Ernsthaftigkeit widersprechen.

Auch die Gewalt, die dem Film in Deutschland eine Indizierung einbrachte, muß man in diesem Kontext sehen. Derart viele zerfleischte, zerrissene und zerstückelte Körper hatte  man in einem Mainstreamfilm lange nicht gesehen, wenn überhaupt. Verhoeven hatte, was Gewaltdarstellungen angeht, nie ein Problem, bis zum jeweils Äußersten dessen zu gehen, was auf der Leinwand zeigbar war. Allerdings wirkt sie oft so übertrieben, daß sie Comiccharakter bekommt und sich damit selbst ad absurdum führt. So auch hier. Sie verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den Werbevideos der zuvor erwähnten Wochenschauen und der Wirklichkeit. Allein aufgrund dieser Härte sollte man Verhoeven schon abnehmen, daß er eben nicht Militarismus verherrlichen, sondern vielmehr dessen Wirklichkeit und mehr noch dessen Wirkmächtigkeit der Lächerlichkeit preisgeben wollte.  Allerdings ließe sich darüber streiten, ob es unbedingt diese Deutlichkeit dafür benötigte. Allerdings zielt der Film auf ein Massenpublikum ab, auch ein jugendliches, also kann man wahrscheinlich wenig ausrichten mit einer Feinheit, wie sie bspw. Bertrand Tavernier in seinem LA VIE ET RIEN D`AUTRE (1989) bot – ein Film, der den Wahnsinn des Militarismus wie kaum ein zweiter anprangert und ausstellt. Trotz gewisser Feinheiten, nutzt Verhoeven in seinem Film gewiß lieber den Vorschlaghammer, trägt mit dem ganz dicken Pinsel auf, um seine Botschaft an den Mann zu bringen.

Technisch ist der Film hervorragend gemacht. Obwohl die CGI-Technik seitdem mindestens drei Revolutionen durchlaufen hat und extrem verfeinert wurde, funktionieren die meisten Tricks und Spezialeffekte immer noch. Die Raumschiffe sind imposant, auch wenn man sich nach wie vor fragt, wie Feuer im All funktionieren soll, die Ausstattung ist teils grandios, die Action stimmig. Die Splatterszenen sind angemessen ekelerregend und die Bugs – jene insektenartige Wesen, gegen die die Konföderation ihre Kriege führt – sind überzeugend umgesetzt. Besonders der Brain-Bug, der am Ende gefangen genommen wird, ist beeindruckend, obwohl sein einer Vagina ähnelnder Mund, der einen phallischen Saugarm ausfährt und die sechs Augen, die sein „Gesicht“ schmücken, einmal mehr ironischer Verweis auf etliche Weltraummonster, von den 5oern bis zu den ALIEN-Verschnitten der 80er Jahre, sind. Die Computereffekte funktionieren sowohl in den Massenszenen, als auch bei einem wilden Kampf der Hauptfigur mit einem riesigen Mistkäfer, der aus seinem Anus Laserstrahlen (o.ä.)  bis ins All zu verschießen vermag. All diese Kleinigkeiten weisen immer wieder auf den Unernst hin, mit der Verhoeven seine im Kern ausgesprochen simple Story erzählt.

Die besteht aus den einfachen Teilen einer herkömmlichen Landser- oder Soldatengeschichte, wie sie in jedem Groschenroman auftaucht, vermischt mit Elementen einer Coming-of-Age-Story und typischen Versatzstücken der Soap-Operas des Fernsehens. Hübsches Mädchen liebt hübschen Kerl, der sich, um ihr zu imponieren, bei der Infanterie bewirbt. Anderes hübsches Mädchen liebt denselben Kerl. Man geht durch etliche Kämpfe, es sterben die „Richtigen“, damit sich am Ende die anderen „Richtigen“ finden können und alles sich in Wohlbefinden auflöst. Zudem wird eine kleine Auseinandersetzung mit den Eltern verwurstet, weil solche Konlikte sich natürlich immer gut machen. Die Simplizität der Geschichte ist ein weiteres Indiz für Verhoevens Taktik, den Stoff als Satire zu nutzen. Obwohl viele der Helden dieses Plots sterben müssen, wirkt das Ganze oft vollkommen beiläufig und spielerisch. Da werden Städte und Planeten ausgelöscht, da sterben die Eltern, Freundinnen und Freunde wie die Fliegen, doch ein Handschlag, ein Wiedersehen, genügen und alles ist vergessen. Das ganze Unterfangen soll wie ein Werbefilm für die Armee wirken – und wurde ja auch so verstanden – und unterläuft dieses Anliegen permanent durch die Härte und Oberflächlichkeit, die dabei gezeigt wird.

Bleibt zu kritisieren, daß Verhoeven es gerade beim Spiel mit der Symbolik weit treibt. Die faschistoiden Untertöne der Vorlage unterläuft er mit dem Film zwar in Gänze, doch ist der Film mit über zwei Stunden Lauflänge zu ausufernd, um als reine Satire wahrgenommen zu werden. Zu sehr wird das Actionelement in den Vordergrund gestellt und dabei nehmen wir all die Abzeichen und verklausulierten Hakenkreuze immer beiläufiger in Kauf. Das wurde ihm vorgeworfen und diese Kritik bleibt auch bestehen. Dennoch hat STARSHIP TROOPERS die Zeit gut überstanden und seine kritische Grundhaltung gegenüber allem Militärischen und auch der Art und Weise, wie es der Gesellschaft eingeträufelt wird, hat sich möglicherweise noch verstärkt, bzw. ist heute leichter zu erkennen. Man sollte nicht mehr aus dem Film machen, als er ist, und ihm bspw. attestieren, er sei seiner Zeit voraus. Doch kann man getrost festhalten, daß er sowohl als Actionfilm, wie auch als Satire, gut funktioniert, auch über zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen. Und das lässt sich nicht über allzu viele Filme sagen.

 

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