THE NICE GUYS

Shane Black bietet beste Unterhaltung in einem ebenso bunten wie brutalen Los Angeles der 70er-Jahre

Los Angeles 1977. Der Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) soll für die alte Mrs. Glenn (Lois Smith) aufklären, wieso diese ihre Nichte, die Pornodarstellerin Misty Mountains (Murielle Tello), zwei Tage nach deren angeblichen Unfalltod in ihrem Haus gesehen hat. March kommt schnell dahinter, daß wahrscheinlich eine Verwechslung vorliegt und Mrs. Glenn in Wirklichkeit Amelia Kutner (Margaret Qualley) gesehen hat.

Amelia ihrerseits fühlt sich von zwei Kerlen verfolgt und bittet den Auftragsschläger Jackson Healy (Russell Crowe), ihr diese vom Hals zu halten. Allerdings kenne sie nur die Adresse eines der beiden: Es ist die von Holland March. Den sucht Healy daraufhin in seinem Haus auf und schlägt ihn brutal zusammen, wobei er ihm den Arm bricht. March solle sich von der jungen Dame fernhalten.

March, der bei einem Feuer in seinem Haus, das dabei restlos abgebrannt ist, seine Frau verloren hat und seitdem seine Tochter Holy (Angourie Rice) allein erzieht, braucht aber Geld für den Wiederaufbau, weshalb er Mrs. Glenns großzügiges Angebot nicht ablehnen kann und weiter recherchiert.

Healy, der in seinem Privatleben ein einsamer Säufer ist, wird abends in seiner Wohnung von zwei Auftragskillern überrascht, die von ihm wissen wollen, wo Amelia zu finden sei. Obwohl sie ihm hart zusetzen, gelingt es Healy, die beiden in die Flucht zu schlagen. Durch den Überfall angestachelt, sucht er anderntags March auf und heuert ihn nun seinerseits an, Amelia zu finden.

Gemeinsam gelingt es ihnen, den Filmvorführer Chet (Jack Kilmer) aufzutreiben, durch den sie erfahren, daß sowohl Amelia als auch Misty Mountains mit einem Pornoproduzenten gearbeitet haben. Dieser hat einen sogenannten Experimentalfilm mit den beiden gedreht, der allerdings beim Brand des Hauses des Produzenten vernichtet worden sei. Zufällig erfahren Healy und March, daß in einem anderen Haus des Mannes eine Party stattfinden soll, zu der sie abends fahren. Ohne ihr Wissen, hat sich auch Holy im Auto versteckt und gelangt so ebenfalls auf die Party.

Hier treffen Healy und March die Killer wieder, die Healy aufgelauert hatten und während letzterer sich der beiden erwehren muß, findet March, als er betrunken von der Veranda des Hauses kippt, die Leiche des Produzenten. Er holt Healy herbei und gemeinsam verstecken sie die Leiche. March erklärt, er habe aber auch Amelia im Unterholz gesehen.

Auf der Party eskalieren die Geschehnisse und Holy gelingt es, Amelia im letzten Moment vor ihren Häschern in Sicherheit zu bringen. Die beiden Mädchen fliehen die Straße hinunter, verfolgt von den Killern. In einer halsbrecherischen Aktion gelingt es Healy und March, sie zu retten, wobei March kaltblütig einen der Männer tötet, als dieser bereits hilflos am Boden liegt. Amelia verschwindet in der Nacht.

Die hohe Justizbeamtin Judith Kutner (Kim Basinger) nimmt Kontakt zu Healy und March auf. Sie erklärt den beiden, daß ihre Tochter glaube, sie, ihre Mutter, wolle das Mädchen töten lassen. Sie bittet darum, daß Healy und March Amelia finden und in Sicherheit bringen.

Durch eine Notiz, die sie zuvor gefunden haben, begreifen Healy und March, daß sich Amelia in einem Hotel mit Geschäftsleuten treffen will. Im Hotel treffen sie aber auf den berüchtigten Auftragskiller John Boy (Matt Bomer), der auf Amelia angesetzt wurde. Bei ihrer Flucht fällt Amelia auf das Auto der beiden Privatdetektive und sie können sie mit zu March nach hause nehmen. Hier klärt sich einiges auf: Der Experimentalfilm ist ein „künstlerischer“ Beweis, daß es eine groß angelegte Verschwörung gibt, die einen Umweltskandal verschleiern soll, der durch die Automobilindustrie verursacht wurde. Amelia behauptet auch, daß ihre Mutter in ihrer Funktion als Ministerialbeamtin tief in den Skandal verwickelt sei.

Kutners Sekretärin Tally (Yaya DaCosta), die March schon beim Besuch in Kutners Büro aufgefallen war, ruft ihn an. Kutner würde erpresst und sie bitte die Männer darum, das Lösegeld von 100.000$ zu überbringen. Da March aber während der Fahrt zum Übergabeort am Steuer einschläft, verursacht er einen Unfall, wodurch sich der Koffer mit dem Geld öffnet und Healy und er merken, daß sich darin nur Papierschnipsel befinden. Sie schlußfolgern, daß Kutner, Tally und die Verursacher des Skandals wirklich unter einer Decke stecken.

Derweil ist der Killer John Boy in Marchs Haus eingedurngen und bedroht die Mädchen. Holy gelingt es, ihn eine Weile aufzuhalten, doch auch die Rückkehr von Healy und March kann nicht mehr verhindern, daß der Killer flieht und dabei Amelia tötet.

Als am darauffolgenden Tag Mrs. Glenn erneut auftaucht und beteuert, sie habe ihre Nicht aber ganz sicher gesehen, versteht Healy, der auf der Party in den privaten Sachen und Klamotten des Pornoproduzenten herumgeschnüffelt hatte, daß die alte Dame eine Projektion des Films gesehen haben muß. March und Healy begreifen, daß es eine weitere Kopie des Films geben muß, die sich in Chets Besitz befindet.

Auf einer gerade stattfindenden Automobilmesse will Chet den Film wohl zeigen und damit den Skandal aufdecken, doch als Healy und March eintreffen, finden sie ihn verletzt. Er wurde von John Boy zusammengeschlagen, der sich gemeinsam mit Tally die Filmrolle sichern konnte. In einer wahnwitzigen Aktion gelingt es Healy und March, den beiden den Film wieder abzuluchsen.

Der Film beweist, daß Amelias Angaben stimmten und Judith Kutner wirklich tief in den Umweltskandal verstrickt ist und mit der Automobilindustrie gemeinsame Sache gemacht hat, dabei ihre Stellung im Ministerium ausnutzend. Kutner wird angeklagt, erklärt den beiden aber im Gericht, daß sie vielleicht verurteilt werde, die Industrie aber immer stärker bliebe, da ihre Interessen letztlich allgemeine Interessen der Angelinos wären.

Nachdem die Dinge sich beruhigt haben und Marchs Haus wieder aufgebaut wurde, sitzen die neuen Freunde zusammen und March zeigt Healy den Entwurf für eine Werbung, die ihre gemeinsame Detektei anpreist.

 

Das Buddy-Movie ist zwar jüngeren Datums und bei Leibe nicht so alt wie Hollywood selbst, hat aber seit den 80er Jahren, als es mit Filmen wie jenen der LETHAL WEAPON-Serie (ab 1987) eine erste Blütephase erlebte[1], immer wieder hervorragende Beiträge hervorgebracht. Mal sind es harte Cop-Thriller, wie die BAD BOYS-Filme (1995/2003), die Will Smith einst zu seinem Superstar-Status verhalfen, mal sind es eher Komödien, wie das Clint-Eastwood-Vehikel CITY HEAT (1984), welches ihm und seinem Co-Star Burt Reynolds einst aus einem Karriere-Tief verhelfen sollte. Letzterer ist allerdings eher ein Beispiel dafür, daß man mit der Grundidee durchaus auch scheitern kann, denn weder verfängt die Geschichte, noch der Witz.

THE NICE GUYS (2016) reiht sich problemlos in die genannte Riege ein, da er die Härte der BAD BOYS durchaus mit viel Witz zu präsentieren versteht. Shane Black bietet mit seinen Hauptdarstellern Russell Crowe und Ryan Gosling einen herrlich durchgedrehten Private-Eye-Spaß, dessen Story derart wirr ist, daß sie direkt aus der Feder von Raymond Chandler stammen könnte. Doch wie der große Chandler, der manchmal das Gestrüpp seiner eigenen Kreationen nicht mehr zu durchforsten wusste, einst schon erklärte: Es geht nur um die Atmosphäre. Und die stimmt hier. Die Analogie zu Raymond Chandler kommt sicher auch nicht von ungefähr, gehört der Autor mit seinen hard-boiled Thrillern doch zum Kanon der klassischen L.A.-Literatur, mehr noch: Chandler hat als einer der ersten die Stadt überhaupt erst auf die literarische Landkarte gesetzt. Und THE NICE GUYS ist vor allem ein L.A.-Film. Angesiedelt in einem quietschbunten 70er-Jahre-Los-Angeles, in dem kein Klischee ausgelassen wird, das diese Stadt zu bieten hat – vom Starlet bis zur Porno-Tussi, von der city of lights by night bis zum neonbeleuchteten Sunset Strip – müssen sich Gosling als Privatdetektiv, der nebenbei eine vorlaute Tochter allein zu erziehen hat und ansonsten nicht unbedingt ein As seines Fachs ist, und Crowe als wahrlich runtergekommener Auftragsschläger, durch diesen (gewollt?) undurchschaubaren Plot um eine junge Dame prügeln, schießen und quatschen, der jede Menge Anlässe bietet, den genannten Tätigkeiten nachzugehen. Zudem zitiert THE NICE GUYS mit der Aufdeckung eines Umweltskandals einen der berühmtesten L.A.-Filme, Roman Polanskis CHINATOWN (1974). Was im Los Angeles der 30er Jahre eine Verschwörung um die Wasserversorgung der Stadt gewesen ist, wird in Shane Blacks Film zu einem Skandal um die Autoindustrie, die in der Geschichte der Stadt allerdings eine unrühmliche Rolle gespielt hat. Zeitgenössisch nimmt Black also auch Bezug auf die Geschichte der Stadt, die allerdings eine reine Autostadt ist, wie derjenige weiß, der je versucht hat, hier das öffentliche Nahverkehrssystem zu nutzen, und macht sich nebenbei über einen der maßgeblichen amerikanischen Fetische – das Auto – lustig.

Black sättigt seinen so Film mit einer guten Portion schwarzen, gelegentlich auch subtilen Humors an und schlägt dabei durchaus auch über die Stränge. So strotzt der Film nicht nur vor gelungenen Dialogen, sondern bietet eben auch die oben erwähnte, durchaus angemessene Härte. Da knacken die Knochen, spritzt das Blut aus den Austrittswunden und liegen die Leichen kreuz und quer in der Stadt verteilt herum. Es stört sich aber scheinbar niemand daran, was sehr Chandler-like anmutet. Russell Crowe glänzt einmal mehr als brutaler Proll, Gosling kommt als sich smart gebendes Cleverle daher. Und wie es sich  gehört, schliddern diese beiden in eine undurchsichtige Verschwörung, die schließlich bis in die höchsten Justizkreise des Staates Kalifornien  reicht. Black rekurriert dabei auf die wahre Geschichte des Privatdetektivs Jay Joseph, überdreht die Ereignisse aber maßlos und führt eine amerikanische Gesellschaft vor, die in den sonnigen 70ern schon mindestens so korrupt war, wie sie uns heute erscheint. Allerdings weiß der Film dies mit viel Humor zu nehmen. Der amerikanische Traum in der Traumfabrik – als Farce. Wie anders wäre er in seiner ganzen Verlogenheit sonst auch zu ertragen?

Crowe und Gosling können ihr komödiantisches Talent, das beide zweifelsohne besitzen, hier bis zur Neige ausschöpfen, wobei Crowes Jackson Healy eine durchaus tragische Figur abgibt, deren Witz eher dadurch entsteht, daß er durch eben diese Farce stapfen muß. Und Crowe stapft allerdings. Gosling hingegen gibt sich hemmungslos albern, hat lupenreine Slapstick-Einlagen und versteht es doch, seinem Holland March die nötige Würde zu verleihen, um diesen davor zu bewahren, als Knallcharge zu enden. Black versteht es aber auch – und das macht seinen Film glaubwürdig und charmant – im richtigen Moment einen Gang runter zu schalten und da, wo der Film durchaus ernstere Töne anschlägt, ins entsprechende Tempo zu verfallen. Holland March hat seine Frau verloren, seine Tochter Holy leidet unter dem Verlust der Mutter, aber auch des Hauses, das abgebrannt ist und von dem sie hofft, daß ihr Vater es mit dem Honorar eines fetten Auftrags wieder wird aufbauen können. Nicht zuletzt deshalb ist sie nicht nur daran interessiert, daß ihr Vater seinen Job gut erledigt, sondern mischt auch kräftig bei den Ermittlungen mit. Dabei scheut sie weder vor eindeutigen Kraftausdrücken, noch vor Bekanntschaften mit einschlägigen Damen zurück. Und so gelingt es Black dann wiederum, auch die ernsthafteren Seiten seiner Story so zu verpacken, daß dem Zuschauer zwar durchaus das Lachen im Halse stecken bleiben kann, aber immerhin ist es ein Lachen, kein Kloß.

Shane Black ist somit eine unterhaltsame, witzige und gelegentlich eben auch brutale  Actionkomödie und dabei ein hervorragendes Buddy-Movie gelungen. THE NICE GUYS muß sich auf dieser Ebene nicht vor den LETHAL WEAPON-Filmen oder anderen Werken der Gattung verstecken, mehr noch: Sein „historisches“ Setting des Jahres 1977 lässt ihn weniger zynisch als die Genannten wirken und macht ihn damit umso charmanter. Da das Gesetz der Serie in Hollywood mittlerweile in Stein gemeißelt scheint, kann man in diesem Fall nur sagen: Mehr davon!

 

[1] Natürlich gab es Filme, die zwei ungleiche, eher unpassende Figuren  zusammenbringen, schon früh in Hollywood, klassisch wäre also ein Film wie Stanley Kramers THE DEFIANT ONES (1958) bereits ein Buddy-Movie. Doch von einem Subgenre vor allem im Gangster- und Polizeifilm, generell im Thriller, sollte man wohl am ehesten seit den 70er Jahren sprechen, als bspw. ein Film wie THUNDERBOLT AND LIGHTFOOT (1974) das Prinzip auszuformulieren begann.

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