VERSCHWÖRUNG AUF FORT CLARK/WAR ARROW

George Shermans B-Western ist ein Paradebeispiel des reaktionären Teils des Genres

Major Howell Brady (Jeff Chandler) reist im Geheimauftrag der Regierung gen Texas. Dort soll er den drohenden Aufstand der Kiowa-Indianer niederschlagen. Sein Plan: Er will die ebenfalls im Südwesten in einem Reservat untergebrachten Seminolen dafür gewinnen, mit ihm gegen die Kiowa zu kämpfen.

Brady wird von den Soldaten Sergeant Augustus Wilks (Noah Beery jr.) und 1st Sergeant Luke Schermerhom (Charles Drake) begleitet. Letzterer ein Kenner der Indianer, der auch verschiedene Sprachen und Dialekte der Eingeborenen beherrscht. Die beiden sollen Brady bei der Ausbildung der Seminolen unterstützen.

Sie erreichen Fort Clark, wo Colonel Jackson Meade (John McIntire) das Kommando innehat. Er entpuppt sich als ein Mann, der den Kampf gegen die Indianer offensichtlich nicht sonderlich ernst nimmt. Er versteckt sich hinter der aus seiner Sicht mangelnden Besetzung des Forts. Brady und seine Begleiter haben auf dem Ritt jedoch einen Planwagen gefunden, an dessen Rädern eine ganze Familie festgebunden war. Sie alle wurden zu Tode gefoltert.

Brady lernt bei einem abendlichen Tanz die Witwe Elaine Corwin (Maureen O´Hara) kennen. Er verliebt sich sofort in die ausgesprochen schöne Frau, die ihn allerdings mit ihrer scharfen Zunge auf Abstand zu halten versteht. Da auch der Colonel ein Auge auf Mrs. Corwin geworfen hat, gibt es auch auf dieser Ebene schnell Konkurrenz zwischen ihm und Brady.

Den Plan des Majors hält Meade zudem für spinnert. Seiner Meinung nach müsse man eine gewaltige Streitmacht aufstellen, um die Kiowa zu besiegen. Brady will genau das Gegenteil: In kleinen Stoßtrupps will er die Kiowa mehr oder weniger mit deren eigenen Mitteln schlagen. Und genau dafür braucht er die Seminolen.

Brady, Wilks und Shermerhom nehmen Kontakt mit den Indianern auf und schließlich kann Brady den Häuptling Maygro (Henry Brandon) davon überzeugen, an seiner Seite zu kämpfen. Sie bilden die Indianer an Repetiergewehren aus, allerdings erweisen die sich als sehr gelehrig und können bald schon hervorragend mit den Waffen umgehen.

Mit den Indianern kommt auch Maygros Tochter Avis (Suzan Ball) ins Fort. Die junge Frau ist ausgesprochen selbstbewusst und weiß sehr genau, was sie will. Sie widersteht den Avancen von Wilks und Shermerhom, macht allerdings Brady schöne Augen. Der mag die junge Frau, weiß aber schnell, für wen sein Herz schlägt – natürlich für Mrs. Corwin.

Nun kommt es zu einer Reihe von Scharmützeln, bei denen Brady und sein Haufen – Brady´s Bunch nennen die Soldaten des Forts Bradys Indianer-Truppe – immer wieder Hinterhalte legen, um Kiowas zu töten.

Elaine Corwin hatte gegenüber Brady erwähnt, daß sie manchmal das Gefühl habe, ihr Mann lebe noch. Brady solle dies bitte für sie herausfinden. Bei einem dieser Scharmützel fällt Brady ein weißer Mann auf, der einer Falle entkommt, die den Kiowa gestellt wurde. Doch fällt dabei ein Kavallerie-Säbel in Bradys Hände, auf dessen Klinge Corwins Name eingraviert ist.

Shermerhom kannte Corwin und zeigt seine Abneigung gegen den Mann mehr oder weniger offen. Corwin sei ein Südstaatler durch und durch und hasse die Armee, weshalb er in Shermerhoms Augen alles dafür täte, dieser zu schaden. Bradys Verdacht, daß Corwin die Kiowa aufgestachelt hat, verdichtet sich.

Zwischen Brady und Meade kommt es zu Auseinandersetzungen, weil der Colonel Bradys Versprechen, die Familien der Seminolen-Krieger zu versorgen, solange diese unter Bradys Kommando kämpfen, nicht nachgekommen ist. Brady und seine beiden Kompagnons beladen heimlich einen Wagen und bringen diesen zu den Seminolen, um Maygro, der das Fort wütend verlassen hat, davon zu überzeugen, daß sie ihr Wort halten.

Colonel Meade lässt Brady dafür festsetzen und unter Arrest stellen. Doch mittlerweile haben Maygro, dessen Schwiegersohn Pinto (Dennis Weaver), Wilks und Shermerhom herausgefunden, daß tatsächlich Corwin der Anführer der Kiowa ist. Die Seminolen dringen ins Fort ein und befreien Brady. Gemeinsam ziehen sie sich in die Berge zurück, um dem Fort zur Hilfe zu kommen, sobald die Kiowa angreifen.

Doch da Meade seine Männer auf Patrouille geschickt hat, ist das Fort mehr oder weniger ungeschützt. Brady und die Seminolen reiten ins Fort und besetzen dort die Palisaden, um sie gegen die angreifenden Kiowa zu verteidigen. Meade will Brady sofort wieder verhaften lassen, als die Reste seiner Patrouille ins Fort geritten kommen und Bradys Behauptung, die Kiowa wollten das Fort angreifen, bestätigen.

Es kommt zu einer Schlacht, bei der es schließlich gelingt, die Kiowa vernichtend zu schlagen. Brady und seine Leute reisen gemeinsam mit Mrs. Corwin zurück gen Osten. Meade, der eingesehen hat, daß er für die Witwe immer nur ein väterlicher Freund, nie aber ein Liebhaber sein könnte, gibt den beiden seinen Segen und entschuldigt sich bei Brady für seine Ressentiments. Zukünftig sollen die Seminolen als gleichberechtigte Kämpfer in der Armee dienen.

Will man etwas lernen über Propaganda, Gesellschafts- und Geschichtsentwürfe, lohnt ein Blick auf den B-Western der 50er Jahre. Dort konnte, weitestgehend unbemerkt von Kritik und intellektueller Durchdringung, ein eher reaktionäres, patriarchales Weltbild gepflegt und verbreitet werden, welches die herrschende Gesellschaftsordnung – weiße, meist protestantische Männer, die die Geschicke des Landes, aber auch der Gesellschaft lenkten – feierte und verfestigte.

George Shermans WAR ARROW (1954) bietet gutes Anschauungsmaterial zu dieser These. Die Indianer proben den Aufstand – hier sind es mal ausnahmsweise nicht Komantschen oder Apachen, sondern Kiowa – und ein mutiger Soldat mit Sonderauftrag soll dafür sorgen, daß die Territorien befriedet werden. Um dies zu erreichen, werden die Krieger des Stammes der Seminolen rekrutiert, die von Florida nach Texas verbracht wurden, nachdem die U.S.-Army sie nach jahrelangen Kämpfen besiegen konnte. Wie sich schließlich herausstellt, werden die aufständischen Kiowa ebenfalls von einem Weißen angeführt, einem abtrünnigen Captain der Armee, der als ehemaliger Südstaatler immer noch einen tiefsitzenden Groll gegen seinen Arbeitgeber hegt. Da trifft es sich natürlich bestens, daß der Mann der totgeglaubte Gatte eben jener Frau ist, die der Held vom ersten Moment an begehrt.

Shermans Film, auf einem Script von John Michael Hayes beruhend, ist auf den ersten Blick ein typisches Beispiel für einen B-Western, der in den freitäglichen und samstagabendlichen Double-Bill-Vorstellungen gezeigt wurde. In gerade einmal 78 Minuten verhandelt der Regisseur eine Menge Handlung, Action, ein paar romantische Momente, lässt etliche Figuren auftreten, vergisst hier und da nicht die nötige Prise Humor, um das Ganze aufzulockern. Mit Maureen O´Hara, die hier in den Credits zu Beginn des Films zwar mit dem männlichen Hauptdarsteller, Jeff Chandler, auf einer Tafel genannt, ihm jedoch übergeordnet wird, eben jenem Chandler, der sonst häufig Indianerhäuptlinge spielen durfte, und einer Riege ganz hervorragender Charakterdarsteller, stand Sherman ein wahrlich erlesenes Ensemble zur Verfügung.

Anders als in jenen gern als „erwachsen“ betrachteten Edel-Western der Dekade, gibt Sherman wenig auf psychologische Erklärungen oder auch nur Genauigkeit. Chandlers Figur, Major Brady, ist ein zutiefst von sich überzeugter Mann, dessen Selbstgewissheit schon an Arroganz grenzt. Er erblickt Miss Elaine Corwin, die vermeintliche Witwe, und es dauert gefühlt fünfundzwanzig Sekunden, da hat er sie bereits in einen heißen Flirt verwickelt, dessen Dialogschärfe dem damals nicht mehr ganz so beliebten ‚Film Noir‘ entnommen scheint. Auch der Auftritt gegenüber dem ihm zwar im Rang übergeordneten, durch den Geheimbefehl jedoch gleichgestellten Befehlshaber des Forts, das den deutschen Namen des Films (VERSCHWÖRUNG AUF FORT CLARK) dominiert, weist Brady als ebenso selbst- wie machtbewussten Mann aus, der sich auch durch Rangordnungen und Befehlsketten nicht von seinem Vorhaben abbringen lässt. Das beweist sich später im Film erst recht, als Brady festgesetzt, von seinen mittlerweile zu Freunden erwachsenen Verbündeten von den Seminolen befreit wird und später dann mit diesen zurückkehrt, um das Fort zu retten. Wodurch er natürlich nicht nur seine Treue zur Armee, sondern auch beweist, daß er mit all seinen Annahmen hinsichtlich der Kiowa vollkommen richtig lag.

Es bleibt einem nichts übrig, man muß auf das Indianerbild des Films zurückkommen und es genauer analysieren. Der Western hatte Mitte der 50er Jahre – vor allem durch BROKEN ARROW (1950) von Delmer Daves – bereits begonnen, seine Darstellungsweise der amerikanischen Ureinwohner zu hinterfragen. Wo zuvor einfach wilde Horden auf die Kamera zugeritten kamen, die der oder die Held(en) dann von den Pferden knallen durfte(n), bekamen die Indianer nun nicht nur eine Stimme, ihre Häuptlinge sogar etwas Charakter (nicht zuletzt durch Chandlers Darstellung des Häuptlings Cochise im oben genannten Werk), ihre Frauen wurden plötzlich auch begehrenswert. Ein Mann wie Sherman scherte sich darum aber wenig. Die Kiowa in WAR ARROW sind eben genau das – wilde Horden, brutal und gnadenlos, die im Laufe des Films zu Dutzenden von den Pferden geschossen werden, was immerhin für spektakuläre Bilder sorgt. William H. Daniels fing diese für Sherman ein. Neben den Actionsequenzen gelangen ihm allerdings auch teils atemberaubend schöne Landschaftsaufnahmen.

Ein wenig differenzierter verhält es sich mit den Seminolen im Film. Deren Geschichte ist allerdings eine der tragischsten in der ganzen Geschichte der amerikanischen Landnahme. Sie wurden fürchterlich bekämpft, übten eisernen Widerstand in den unzugänglichen Sumpfgebieten Floridas und jener Gebiete, die heute staatsübergreifend Everglades genannt werden, bis sie schließlich niedergerungen und in den Westen verfrachtet wurden. In Gegenden, die überhaupt nicht zu ihrer Lebensweise passten und wo sie zu Hunderten verhungerten, weil sie nichts mit den trockenen Böden des Westens, mit Farmarbeit und Pflanzungen anzufangen wussten. WAR ARROW stellt sie denn auch als gebrochene Menschen dar, die wie Geister durch die Weite des Landes ziehen und am Leben zu bleiben versuchen. Lediglich die Häuptlingstochter Avis wird als stolze und selbstbewusste junge Frau dargestellt, die sehr genau weiß, daß sie mehr vom Leben will, als nur im Staub nach Wurzeln zu suchen. In dieser Figur wird den Indianern ein wenig ihres Stolzes und ihrer Würde zurückgegeben. Sie wird aber auch sofort zu einem Objekt sexueller begierde degradiert.

Es ist dann aber Major Brady, der mit seiner Aufforderung, gemeinsam gegen die Kiowa zu kämpfen, ihren Kampfgeist weckt und aus den Männern wieder stolze Krieger macht. Eine zutiefst paternale Geste, die der Film nie in Frage stellt, sondern im Grunde als selbstverständlich behauptet. Sie wird dadurch vervollständigt, daß schließlich die Verwicklung des vermeintlich toten Captain Corwin in den Kiowa-Aufstand entdeckt wird und dies beweist, daß eben auch jener Stamm fehlgeleitet und von einem Weißen manipuliert und mißbraucht worden ist. Indianer als leicht steuerbare Masse, als Spielzeug weißer Männer in einem Machtkampf.

Das alles ist natürlich in den Maßstäben Hollywoods sehr gut gemacht, ökonomisch in seiner Erzählweise, unterhaltsam, actionreich. Sherman gelingt ein gutes Gleichgewicht zwischen all diesen Strängen und der romantischen Geschichte zwischen Mrs. Corwin und Major Brady. Man folgt dem gern, keine Sekunde herrscht Langeweile. Und doch bleibt bei einem Western wie diesem heutzutage mehr als ein schaler Beigeschmack. Denn zu offensichtlich wird hier der oben beschriebene patriarchale Blick auf die Indianer nicht nur bedient, sondern geradezu gefeiert.

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