ZUM LEBEN VERDAMMT/WOE TO LIVE ON

Daniel Wooodrells wuchtiger Bürgerkriegsroman

Der amerikanische Bürgerkrieg kann getrost als eigentliche Geburtsstunde der USA wie wir sie heute kennen, betrachtet werden. Es war ein Ringen archaischen, ja biblischen Ausmaßes, ein Bruderkrieg, in dem eine Nation um ihr Selbstverständnis und ihre Grundwerte rang. Man darf das so sagen, auch wenn die hehren Ziele, die gern als Movens angegeben werden – allem voran die Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten, also jenen Gebieten südlich von 36° 30´, die zu Sklavenstaaten erklärt wurden, während die Staaten nördlich dieser Längen- und Breitengradbezeichnungen sogenannte Freie Staaten bildeten – nicht mit denen übereinstimmten, die vor allem den damaligen Präsidenten Abraham Lincoln bewogen, einen Bürgerkrieg in Kauf zu nehmen. Diesem war vor allem am Erhalt der Union, also der Vereinigten Staaten von Amerika, gelegen, die er – Zitat: „Mit oder ohne die Institution der Sklaverei“ – um jeden Preis verteidigen wollte. Was daraus folgte, was ein Schlachten, das mit ungeheurer Grausamkeit, ohne Mitleid und unter fürchterlichen Verlusten an Menschenleben ausgetragen wurde. Zudem war der Amerikanische Bürgerkrieg ein Versuchsfeld, in dem neue Waffen, neue militärische Taktiken und Strategien und nicht zuletzt eine Menge Material erprobt wurden. All das Material, die Taktiken und Strategien, kamen später, vor allem im Ersten Weltkrieg, auf den Schlachtfeldern Europas, zum Einsatz. Es gab Schützengräben, es kamen die ersten stahlgepanzerten Schlachtschiffe zum Einsatz, man experimentierte mit modernsten Waffentechniken, denen die medizinische Versorgung auf den Schlachtfeldern nichts entgegen zu setzen hatte. Ein Krieg des 20. Jahrhunderts wurde mit den medizinischen Mitteln des 17. Jahrhunderts geführt. Dies hatte unter anderem zur Folge, daß in keinem – auch  keinem modernen  – Krieg derart hohe Verluste im Kampfeinsatz selbst zu beklagen waren. Bis zu 27% der Gefallenen kamen im direkten Gefecht ums Leben. Hinzu kamen Krankheiten, Hunger und die fürchterlichen Bedingungen in den Kriegsgefangenenlagern des Nordens, wie des Südens.

Die Folge all dessen waren Verwerfungen, die bis heute spürbar sind, nachwirken. Ein tiefer Riss, ja, ein Graben, verlief zwischen den einstigen Gegnern, verlief aber auch zwischen verschiedenen Gesellschaftsschichten des Nordens, wo keineswegs eine einheitliche Front bspw. gegen die Sklaverei herrschte. Und wo man nach dem Krieg, aufgrund massiver Wanderungsbewegungen schwarzer Mitbürger, mit einem Mal Konkurrenz und Druck an den Arbeitsmärkten der aufkommenden industriellen Revolution zu spüren bekam. Im Süden hingegen war man sich weitestgehend einig, Opfer einer widerrechtlichen Unterwerfung geworden zu sein. Man hatte dem Süden seine „Lebensart“ – auch wenn diese wirtschaftlich nur auf dem vollkommen veralteten Prinzipien der „Institution“, wie die Sklaverei genannt wurde, funktionieren konnte – ausgetrieben und etwas dem Untergang anheim gegeben, das für Viele ab nun verklärt zum Mythos einer alten, einer besseren Zeit werden sollte. Die Südstaatenflagge kann man in vielen Pick-Up-Fahrzeugen und Kleinlastern in Louisiana oder Alabama oder Georgia auch heute noch sehen und als stillen Protest begreifen. Ein Protest gegen Washington und die verhasste „Zentralregierung“. Die Unversöhnlichkeit vieler Südstaatler gegenüber den „Yankees“, ein im Grunde falscher und deshalb wenig brauchbarer Begriff für alle Nordstaatler, kann man auch heute noch spüren, wenn man sich mit Leuten in kleineren Städten im Hinterland unterhält. Es bleibt ein „Rebellenstolz“, der sich trotzig den tatsächlichen und eingebildeten Zumutungen des Krieges widersetzt. Es hat gut Einhundert Jahre gebraucht, bis die Südstaaten wirtschaftlich wieder auf die Beine kamen, was nicht nur daran lag, daß ihr Wirtschaftssystem in einer unmenschlichen und eher mittelalterlichen Feudalstruktur fußte, sondern die Armeen der Nordstaatengeneräle, allen voran die von William Tecumseh Sherman, es sich nicht nehmen ließen, den Willen des Südens zu brechen und eine fürchterliche Schneise der Verwüstung quer durch das Herz des Südens zu furchen.

Es mag der Grausamkeit dieses Krieges und den noch immer schwärenden Wunden, die er hinterlassen hat, geschuldet sein, daß er erstaunlich wenig Niederschlag in der amerikanischen Kultur fand. In den Western Hollywood spielte er häufig eine hintergründige Rolle, um einzelne Charaktere oder Spannungen zu erklären, doch nur wenige Western – oder Filme generell – zeigten wirklich Kampfhandlungen. Der große Regisseur und Nationen-Erbauer John Ford, der sich einem Programm der Mythisierung hingab, um dem Land einen grundlegenden Kitt zu verpassen, da er erkannt zu haben glaubte, daß eine jede Gesellschaft Mythen braucht, um ihre inneren Risse und Widersprüche auszugleichen, drehte nur einen einzigen Film unter seinen Western, THE HORSE SOLDIERS (1959), der direkt im Bürgerkrieg spielte und ansonsten lediglich eine Bürgerkriegs-Episode für den Panoramafilm HOW THE WEST WAS WON (1962). Auch in der Literatur kam der Bürgerkrieg selten vor. Natürlich gab es GONE WITH THE WIND (1936), Margaret Mithells großes Südstaaten-Epos, das noch einmal jenen Süden der Plantagen, der angeblich so liebevoll mit ihren Sklaven umgehenden Pflanzer, der ehrenwerten Gentlemen und wunderschönen Frauen, jener „Magnolien des Südens“, aufleben ließ. Es war und  bleibt aber vor allem eine Schmonzette. In der ernsthaften Literatur wurde wenig auf den Krieg reflektiert. William Faulkner nimmt zwar ununterbrochen Bezug auf ihn, der Krieg ist wesentlicher Referenzpunkt seiner Literatur, doch wirklich tauchte er lediglich in ABSALOM, ABSALOM (1936) historisch in den Krieg ein. Shelby Foote war lange einer der wenigen Literaten, die sich wirklich mit dem Krieg auseinandersetzten. SHILOH (1952) gilt als einer der wesentlichen Romane zum Thema, doch noch bedeutender als diese literarische Auseinandersetzung, ist Footes dreiteilige Geschichte des Krieges, die bis heute als ein Standardwerk zum Thema gilt.

Geändert hat sich dies in den vergangene zwei Dekaden. E.L. Doctorow trug mit THE MARCH (2005) ebenso zum Bürgerkriegs-Kanon bei, wie Robert Olmstead mit COAL BLACK HORSE (2007), ein Werk, das, wie Doctorows, bei seinem Erscheinen frenetisch gefeiert wurde. Viel früher, bereits 1987, war bereits Daniel Woodrells WOE TO LIVE ON  (1987) erschienen. Ein Werk, das vielleicht zu wenig Beachtung gefunden hat, bedenkt man, mit welcher Wucht Woodrell seine Geschichte eines der düstersten Kapitel des Sezessionskrieges – der Guerillakrieg der Milizen im Hinterland von Missouri und Kansas – auf den Leser niederkommen lässt.

Daniel Woodrell dürfte in Deutschland einem breiteren Publikum vor allem durch die Verfilmung seines Romans WINTER`S BONE (Roman 2006; Verfilmung 2010) bekannt geworden sein. Auch die Trilogie um den Ermittler Rene Shade, die in Deutschland als Sammelband unter dem Titel IM SÜDEN (2012) bei Heyne neu verlegt wurde, fand einige interessierte Leser. Doch beide Werke kommen nicht an WOE TO LIVE ON heran, das von ungeheurer literarischer Qualität zeugt. Nicht nur in seinen manchmal schwer erträglichen, weil expliziten Darstellungen dessen, was Milizkrieg bedeutet, sondern auch und gerade durch die überzeugende Darstellung eines vollkommen verqueren, vom Krieg und dem dauernden Umgang mit dem Tod geprägten Weltbildes, hat es eine nachhaltige Wirkung auf den Leser.

Die Begebenheiten, die sich eher episodisch darstellen, werden von dem Milizreiter Jake Roedel erzählt. Er ist zu Beginn der Handlung die sich über etwa zwei Jahre erstreckt, noch ein Junge, gerade achtzehn Jahre alt. Er reitet mit den Bushwhackers, unorganisierten, nicht den offiziellen Truppen des Südens unterstellten Einheiten, die vor allem in jenen Staaten ihr Unwesen trieben, deren Zugehörigkeit – wie eben in Missouri oder Kansas – nicht wirklich erkennbar war. Hier, an den Rändern des Kriegsgebietes, dessen Kern viel weiter östlich, in Virginia, den Carolinas, Maryland oder Georgia lag, wurde der Bürgerkrieg zu einem oft von persönlichen Motiven befeuerten Krieg zwischen Nachbarn. Teile der Bevölkerung der einzelnen Staaten schlossen sich umgehend der Sache des Südens an, andere – darunter traditionell die Deutschen, von denen auch Roedel abstammt – kämpften auf der Seite der Union. Roedel schließt sich aus Freundschaft zu seinem Fast-Bruder, wie er ihn nennt, Jack Bull den Sezessionisten an. Ihre Gegenspieler in dieser oft grausigsten Form des Krieges, sind die Jayhawkers, Milizen, die sich dem Norden verpflichtet fühlten und enger mit den regulären Truppen zusammen arbeiteten, als dies die Bushwhacker taten.

Roedel erzählt von der unglaublichen Brutalität, mit der gegen Nachbarn und Unbekannte vorgegangen wird, von Raub und Plünderung, gipfelnd in dem Massaker in der Stadt Lawrence, Kansas, im August 1863, das bis heute als „Quantrill´s Raid“ bezeichnet wird und dessen Grausamkeit für ebenso  nachhaltigen wie zweifelshaften Ruhm gesorgt hat. William Clark Quantrill war der berühmteste und wohl auch berüchtigtste Bushwhacker-Partisan und der Überfall auf die Stadt fand unter seinem Kommando statt. Doch Woodrell gibt die Lage der Dinge wohl sehr naturgetreu wieder, wenn er Roedel berichten lässt, daß sich einzelne Bushwhacker-Trupps vollkommen autonom organisierten und unabhängig voneinander agierten. So gab es Kommandos unter verschiedenen regionalen Anführern, zu denen auch Coleman Younger gezählt werden darf, der später mit den James-Brüdern Jesse und Frank die berüchtigte Bande bildete. Younger, Quantrill und auch Frank James haben Auftritte im Roman. Daß die Übergänge vom Partisanenkrieg zum reinen Gangstertum schon während des Krieges fließend waren, verdeutlicht der Roman ebenfalls. Es wundert nicht, daß Männer, die ein Massaker wie jenes in Lawrence anzettelten, jedes Maß und jede Mitte verloren hatten. Und daß sie mit Beendigung der Kampfhandlungen nahtlos dazu übergingen, Züge, Postkutschen und weiterhin die Gehöfte jener zu überfallen, die sie als ihre Feinde ausgemacht hatten.

Lawrence wurde zu einem Fanal, bei dem der Anlaß – angeblich war ein Frauengefängnis in Brand gesetzt worden, in dem vor allem Südstaatlerinnen einsaßen – und die eingesetzten Mittel in keinem Verhältnis mehr zueinander standen, zumal man in der Stadt, entgegen eigener Erwartungen, weder auf reguläre Unionstruppen, noch auf Jayhawkers traf. Der Überfall artete in ein Gemetzel an der Zivilbevölkerung aus und Roedel/Woodrell lassen dabei wenig aus, was man sich an Widerlichkeiten vorstellen kann. Allerdings schwelgen weder der Autor, noch sein Sprachrohr, in Beschreibungen der Gewalt. Sie beschreiben, was zu beschreiben ist. Und das, was zu beschreiben ist, spricht für sich selbst.

Es sind eben diese Beschreibungen und die Sprache, die Woodrell Roedel angedeihen lässt – und die in der Übersetzung von Peter Torberg gut getroffen wird – die die eigentliche Qualität des Buches ausmachen. Denn nur in der Sprache kommt zum Ausdruck, welch fürchterliche Verwerfungen psychischer und seelischer Art dieser Krieg nicht nur bei den Opfern hatte. Wobei die meisten, die an Roedels Seite reiten, selber auf die eine oder andere Art Opfer geworden sind. In einer ernüchternden und ebenso bedrückenden Szene, wird Roedel nonchalant von einem Bekannten, den er ewig nicht gesehen hat, mitgeteilt, daß sein Vater, obwohl ein Mann der Union, von einem freigelassenen Deutschen erst schwer verletzt und dann sterbend durch das Dorf getrieben worden sei, bis er zusammenbrach. Der Grund dafür dürfte Roedels eigene Seitenwahl für die Sezession gewesen sein. Roedel nimmt diese Information fast gleichmütig hin. Die Abstumpfung dieser Männer ist ohnegleichen, mehr noch: Jede Form der Gewalt, die ihnen angetan wird, wird zugleich als gerecht betrachtet, weil man selber kein Deut besser ist. Und diese Kerle wissen das. Da Roedel denjenigen, der seinen Vater getötet hat, zuvor selber verschont hatte, kommt er lediglich zu dem Schluß, daß in „Mitleid Verrat stecke“ (S. 92). Daraus leitet er daraus ab, zukünftig noch gnadenloser gegen Feinde und solche, die er dafür hält, vorzugehen.

Diese Männer, nein, Jungen, fast Kinder noch, sind durch den Krieg vollkommen abgestumpft. Sie sind brutalisiert und bar aller Menschlichkeit. Aber es ist etwas noch Fürchterlicheres mit ihnen geschehen – sie sind Todesengel geworden. Sie sind verliebt in den Tod, sie flirten mit ihm. Sie bringen ihn, sicher, und sie tun es mit Lust. Doch sie erwarten ihn auch. In der Welt dieser Jungs, ist das Leben ein unnatürlicher Zustand, etwas Obszönes. Der Tod ist die Normalität geworden. Woodrell gelingt es, diese Entwicklung mit einer grausigen Wucht zu vermitteln, indem er seinen Ich-Erzähler mit Kälte und Sachlichkeit von den Taten berichten lässt, die er und die seinen verrichtet haben. Und gelegentlich lässt Woodrell dabei aufblitzen, wie sehr diese Taten ihnen gefallen haben.

Woodrell gelingt es brillant, die Spirale der Gewalt nachzuzeichnen und spürbar zu machen. Man hat sich entschieden und man bleibt seiner Entscheidung treu, Im Laufe der Zeit, mit jedem Gefecht, jedem Freund und Mitreiter, den man sterben sieht, wächst der Hass und wird der einzelne unversöhnlicher. Der Krieg – gerade der Guerilla-Krieg – wird zu einem sich selbst befeuernden System. Selbst die Erkenntnis, daß das Gegenüber genau dasselbe empfindet, genau dieselben Phasen von Trauer und Hass durchlebt, ändert daran wenig. Als die Männer, mit denen Roedel reitet, einen Postsack der Unionisten stehlen und Jake, der einer der wenigen ist, die lesen können, bitten, ihnen Briefe der Föderalisten vorzulesen, entdecken sie genau die gleichen Gefühle, Ängste und Sorgen bei den Müttern und Vätern, den Brüdern und Schwestern ihrer Feinde, wie sie sie von den eigenen Angehörigen kennen. Das berührt die Männer, doch es lässt sie in ihrem Furor eher erstarken, denn milder werden. Ja, sie lieben den Tod.

Erst die Erlebnisse in Lawrence, mehr noch, daß auf einmal die eigenen Leute anfangen, auf Roedel und seine engeren Kumpane zu schießen, weil diese bei der vollkommen unmotivierten Gewalt nicht mehr mittun wollen, läßt den Erzähler umdenken. Eine Verletzung zwingt ihn zu einem Rückzug vom direkten Kampfgeschehen. Und hier kommt Roedel nicht nur zur Ruhe, sondern in ihm reift auch die Einsicht, daß der Krieg verloren und die „Sache“, für die man gekämpft hat, möglicherweise nicht so überzeugend ist, wie einst gedacht. Zudem wird Roedel durch eine erzwungene Heirat mit einer jungen Frau, die von seinem Freund Jack Bull, der mittlerweile getötet wurde, schwanger ist, auf unerbittliche Art und Weise mit den Moralvorstellungen des Südens konfrontiert.

Woodrell macht es sich und dem Leser nicht einfach mit den Konstellationen. Der Deutsche Roedel – von seinem Mitstreitern „Dutchy“ genannt, obwohl er kein Holländer ist – reitet gegen die Haltung seiner Gemeinde mit den Sezessionisten, von denen die meisten sogenannte Yeoman-Farmer sind, also keineswegs Sklavenhalter, sondern eher Kleinbauern und Pächter. Sie kämpfen also für eine Sache, die ihre gar nicht ist. Weshalb im Süden gern von „the cause“ – der Sache – die Rede war, womit eben jene bestimmte Lebensart gemeint war, die aber für das Gros der Männer, die da rebellierten nie galt oder gelten würde. Roedels Freund Jack Bull ist seinerseits Sohn eines Pflanzers, also eines Großgrundbesitzers und Sklavenhalters, und geht mit einem vollkommen anderen Selbstverständnis in den Krieg. Dieses Selbstverständnis schließt auch ein, daß sogar Schwarze für die Sache des Südens kämpfen. Zu dem Trupp um Bull und Roedel gehört unter anderem Holt, ein Schwarzer, der kein Sklave war und an der Seite eines Weißen reitet, mit dem er seit Kindestagen befreundet ist- Ihm fühlt er sich verpflichtet. Im Laufe der Ereignisse schließen Holt und Roedel ebenfalls Freundschaft und schließlich begleitet Holt Roedel, als der sich aus den Kämpfen zurück zieht. Auch Holt hat seine Einstellung zum Krieg verändert, als er in Lawrence Zeuge wurde, wie eine Gruppe wehrloser Schwarzer kaltblütig ermordet, regelrecht hingerichtet wurde.

Anhand solcher Konstellationen gelingt es Woodrell, die äußerst komplizierte Gemengelage in den Reihen der Rebellen nachvollziehbar zu vermitteln. Daß man es hier zudem mit Milizen und keinesfalls regulären Truppen zu tun hat, verdeutlicht die Komplexität dieses Bürgerkriegs umso mehr. So nüchtern Woodrell seinen Erzähler von dessen Erlebnissen berichten lässt, so kaltblütig das oft wirkt, so deutlich kommt hier zum Ausdruck, wie sehr dieser Krieg die Menschen, ein ganzes Land, deformiert hat, Seelen und Herzen zerstört und vergiftet. Man versteht, wieso dieser Krieg so endlos lange nachwirken konnte – und ganz nebenbei versteht man, wie fürchterlich Kriege immer sind, welchen Hass sie zwangsläufig heraufbeschwören und daß sie meist nichts außer verbrannte Erde – im wahrsten Sinne des Wortes – zurücklassen. Wie das Land, so die Menschen: zerstört.

1999 wurde Woodrells Roman von Ang Lee unter dem Namen RIDE WITH THE DEVIL (1999) recht werkgetreu verfilmt.

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