DIE COMANCHEROS/THE COMANCHEROS

Schlußstein einer großen Karriere

Texas Ranger Jake Cutter nimmt den wegen Mordes in einem Duell in New Orleans gesuchten Paul Regret (Stuart Whitman) fest und will ihn zu einem Rangers-Stützpunkt bringen.

Als sie zu einer Farm kommen, die einst Cutter und seiner Familie gehörte, die von Indianern umgebracht wurde, finden sie die jetzigen Bewohner erneut gemartert und gemeuchelt. Doch Regret nutzt Cutters Abgelenktheit und setzt sich ab.

Cutter soll nun versuchen, einem Mann auf die Schliche zu kommen, der Kontakt zu den sogenannten „Comancheros“ hat, Weißen, die den Indianern die Gewehre verkaufen. Dieser Mann heißt Crow (Lee Marvin) und Cutter gelingt es, sich in dessen Vertrauen zu schleichen, bis sie abends im Saloon an einer Pokerrunde teilnehmen, in der auch Regret sitzt. Crow fängt an zu ahnen, daß Cutter, der sich bei ihm als jemand anders ausgibt, nicht der ist, der er zu sein scheint. Es kommt zur Auseinandersetzung zwischen Cutter und Crow, die letzterer nicht überlebt.

Nun versuchen Regret, für den sich die Texas Rangers, nachdem er sich bei einer Auseinandersetzung mit den Indianern als vertrauenswürdig erwiesen hat, einsetzen, und Cutter, auf eigene Faust mit den Comancheros in Kontakt zu treten. Zwar gelingt dies, doch anders als gehofft, sehen die Verbrecher in den beiden keine Handelspartner, sondern hängen sie kurzerhand in die sengende Sonne.

Es ist der Zuneigung der jungen Pilar Graile (Ina Balin) zu Regret – die beiden waren sich bereits auf dem Schiff, das Regret aus New Orleans brachte, begegnet – zu verdanken, daß sie nicht als Dörrfleisch enden. Hier, im Stützpunkt der Comancheros, kommt es schließlich zum Showdown zwischen den Rangers, den Comancheros und den Indianern. Und auch zwischen Paul Regret und Pilar…

Mit den einsetzenden 1960er Jahren drehte John Wayne zusehends Massenware, da er in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten war und Geld brauchte. Der an Krebs erkrankte Darsteller war bereit, mit seinen damaligen „Hausregisseuren“ Burt Kennedy und Andrew V. McLaglen eine ganze Reihe mittelmäßiger Western und Abenteuerfilme zu produzieren. Generell sahen ihn seine späten Jahre nur noch in wenigen wirklich großen Filmen. Dennoch hatte er die Ehre, auch in diesen Jahren noch mit einigen der großen Meister des klassischen Hollywoodkinos, mit den Granden des Western- und Abenteuerfilms zu arbeiten. John Ford gab ihm noch zwei erinnerungswürdige Rollen, Henry Hathaway ließ ihn nicht nur als einen der Söhne der Katie Elder, sondern schließlich als Rooster Cockburn in TRUE GRIT (1969) auch zu seinem ersten Oscar reiten. Und Michael Curtiz, selber einer der prägenden Filmemacher des klassischen Hollywoodfilms, konnte in seinem letzten Werk auf Wayne, diesen Giganten des Westerns, zurückgreifen, was sicherlich mit dafür verantwortlich war, THE COMANCHEROS (1961) über das Gros der damaligen Western-Produktionen herauszuheben.

Michael Curtiz, der nicht nur für die Errol-Flynn-Vehikel der späten 30er und der 40er Jahre verantwortlich zeichnete, sondern auch für den Jahrhundertfilm CASABLANCA (1942), hatte in seiner Karriere in vielen Genres gearbeitet, in Erinnerung bleiben jedoch vor allem seine Abenteuerfilme und die Western. So ist es vielleicht nur folgerichtig, daß es ein Western war, mit dem er seine Karriere beschloß. Curtiz ist immer ein Regisseur der Aktion gewesen, obwohl oft (so auch im vorliegenden) Fall Zweitregisseure für genau diese Szenen zuständig waren. Hier allerdings war auch Wayne immer wieder an der Regie beteiligt, da Curtiz bereits sehr unter seiner Krebserkrankung litt, die ihn nicht lang nach den Dreharbeiten des Films töten sollte. In Curtiz Oeuvre ersetzt die Aktion oft den Dialog, die Erklärungen, die Psychologie (CASABLANCA sei hier – vor allem, was die Dialoge betrifft – als Ausnahme gesondert erwähnt). Wenn sich die Protagonisten etwas zu sagen haben, sind es oft reine Angebereien oder man meiert sich gegenseitig ab. Die Tat, die Bewegung ist alles. Die Aktion definiert wiederum der Raum, den sie füllt und erst ihrerseits zum Raum werden läßt. Das kann das Meer einerseits, die plötzliche Enge einer Seeschlacht andererseits sein, es kann aber auch ein Bergpanorama der Rocky Mountains und ihrer Ausläufer sein. Der Raum kann nicht weit genug, das Panorama nicht grandios genug sein.

Curtiz und seinem Kameramann William H. Clothier – der von John Ford bis Sam Peckinpah, von Josef von Sternberg bis William A. Wellmann mit so ziemlich jedem gearbeitet hat, der in Hollywood einen Namen hatte – gelingen hier fantastische Aufnahmen der teils bizarren Fels- und Gebirgsformationen, die die Bildhintergründe prägen und deren Aufbau und Komposition oft komplett definieren. Und obwohl uns der Film von den Texas Rangers erzählt, ist keine einzige Szene in Texas gedreht. Im Gegenteil: Statt der sehr flachen Weiten Westtexas` werden uns die aufregenden Gebirgspanoramen von Utah und in einem Fall Arizonas geboten. Doch die Dramatik steigern diese aufregenden geologischen Formationen ungemein, dafür darf man ruhig kleinere geographische und geologische Ungenauigkeiten in Kauf nehmen. Und so ist Curtiz genereller Ansatz: Es muß der Story dienen, die Dramaturgie stützen, die Spannung betonen. Und es sind Momente, wie jener, in dem Wayne und Whitman die beschlagnahmte Kutsche eines Waffenhändlers zum Stützpunkt der Comancheros lenken und sich auf den Anhöhen der umliegenden Sierras die Indianer sammeln, die hier immer wieder enorm zur Spannung beitragen. Hunderte Male gesehen, gelingt es Regisseur und Kameramann dennoch, solchen Anblicken Einzigartigkeit und Grandezza zu verleihen.

Doch ebenso wie Aktion das stilprägende Element des Rahmens seiner Narrationen ist, ist Humor, ja sogar Spaß, das prägende Moment der zwischenmenschlichen Beziehungen; eine Art Bindemittel, das es ermöglicht, auch so schwierige Situationen zu meistern, wie die, daß man den Mann, den man eigentlich mag, dem Tode wird ausliefern müssen. Und dieses Dilemma erleben hier gleich zwei Personen in Bezug auf den Geck, Dandy und Hasardeur Paul Regret – Cutter und Pilar. Freundschaft ist wesentlich für die Figuren in Curtiz‘ Filmen, allerdings setzt er weniger auf jene kumpelhafte und exklusive Männerfreundschaft, wie sie Howard Hawks immer wieder beschwört. Wo man es bei Hawks immer mit im Grunde gutherzigen Kerlen zu tun hat, die lediglich ein wenig austesten müssen, wer bei wem wie weit gehen kann, sind die Männer hier wirklich in einer Halbdistanz, die sich auch während der Handlung erst weiterentwickelt. Regret nämlich muß erst ein Freund werden, bei all seinem Charme steckt in ihm auch ein Feigling, ein Egoist, einer, der andere im Stich läßt. Doch als es drauf ankommt, kommt er zurück, mehr noch ist es ihm gelungen, Hilfe zu holen. Cutter hingegen braucht lange (und man nimmt es ihm ab), dem vermeintlichen Snob – den er genüßlich „Menseur“ statt „Monsieur“ nennt – aus New Orleans zu trauen. Doch dann, als er ihm vertraut, verlässt er sich absolut auf ihn. Um den Weg aus der Halbdistanz zu beschreiten, nutzen sowohl Regret, als auch Cutter ihren jeweiligen Humor – mal texanisch derb, mal fein- und hintersinnig.

Ein dritter Punkt, der hinsichtlich der prägenden Stilelemente erwähnenswert ist, ist die teils ins Sadistische kippende Gewalt. Dem Publikum werden immer wieder beiläufig schockierende Bilder gemarterter und zu Tode gefolterter Siedler geboten; die Agonie eines Strangulierten zeigt der Film nicht nur explizit, sondern sie schmückt auch noch einige Male den Bildhintergrund; Crows nach einer Skalpierung halb freiliegende Schädelplatte wird – wenn auch nur mit eher mittelmäßiger Maske – von der Kamera gern gezeigt. Zudem verleihen die von Cliff Lyons in Absprache mit Curtiz gedrehten Actionsequenzen dem Film eine ungeheure Wucht, wenn die Kamera sehr nah an die dahinrasenden Pferde der Indianer heranfährt oder sich direkt in den Staub des Kampfgetümmels vorwagt. Auch hier herrscht eine ordentliche Härte, die sich auch in den gewagten Stürzen der Stuntmen von den Rücken ihrer Rösser widerspiegelt.

THE COMANCHEROS ist ein klassischer Western, dem man – zum Beispiel in Bezug auf die Indianer, die hier wahlweise als brutal, töricht oder betrunken dargestellt werden – die Vorwürfe machen kann, die viele klassische Western auf sich ziehen. Doch wenn man bereit ist, sich den Regeln des Classic Hollywood unterzuordnen, dann hat man es hier mit einem vielleicht etwas in Vergessenheit geratenen, aber nichtsdestotrotz wunderbar aufgelegten Westernabenteuer eines der ganz Großen der goldenen Jahre der Traumfabrik zu tun.

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