PONY EXPRESS

Ein etwas altbackener Western mit einem jungen Cahrlton Heston in der Rolle als Buffalo Bill

Die 1860er Jahre in den westlichen Territorien. Nachdem sich William F. Cody, genannt „Buffalo Bill“ (Charlton Heston) eines Indianerangriffs erwehren konnte, muß er ohne sein Pferd weiterziehen. Unterwegs kann er eine Postkutsche anhalten, die ihn mitnimmt. Hier trifft er auf Evelyn Hastings (Rhonda Fleming) und deren Bruder Rance (Michael Moore). Sie entstammen einer der führenden Familien Kaliforniens und sind auf dem Weg nach Sacramento. Beide sind dafür bekannt, der kalifornischen Separatisten-Bewegung anzugehören, die die Unabhängigkeit des Staates von der Union fordert.

Unterwegs macht die Postkutsche an einer Station halt, wo einige Soldaten der Kavallerie die Hastings erwarten. Sie sollen wegen ihrer sezessionistischen Absichten verhaftet und wegen Verrats angeklagt werden. Doch schnell hat Cody begriffen, daß es sich hierbei um einen fingierten Befehl handelt, Offenbar sollen die Geschwister entführt werden. Cody kann die Entführung verhindern. Schnell findet sich die kleine Gemeinschaft jedoch durch Indianer bedroht, die die Station angreifen. Cody kann allerdings dafür sorgen, daß sie bald weiterfahren können.

In einer kleinen Stadt trifft er auf seinen Freund Wild Bill Hickok (Forrest Tucker) und die junge Denny Russell (Jan Sterling), die heimlich in Cody verliebt ist. Der seinerseits hat sich mittlerweile in Evelyn verliebt und nimmt Denny und deren Gefühle nicht ernst.

Cody und Hickok sollen den Pony Express aufbauen. Geplant sind fast 200 Stationen zwischen St. Joseph, Missouri, und Sacramento in Kalifornien. Dafür besuchen die beiden ein Indianer-Camp, wo sie auf Häuptling Gelbe Hand (Pat Hogan) treffen, der Cody hasst und einen Kampf mit ihm verlangt. Cody kann die Indianer aber mit jeder Menge Geld überzeugen, es für diesmal gut sein zu lassen und ein gutes Geschäft abzuschließen, denn er und Hickok wollen Pferde von den Indianern kaufen.

Nach und nach bauen sie die Strecke auf, die weitestgehend durch fast unerschlossenes Territorium führt und für die Postreiter, die sie einstellen wollen, einen gefährlichen Ritt bedeuten. Doch sind es keineswegs nur die Indianer, die die Reiter bedrohen, sondern auch die kalifornischen Verschwörer, denen der Pony Express ein Dorn im Auge ist. Sie wollen nicht, daß Kalifornien näher an die Union angegliedert wird. Mit der falschen Entführung der Hastings wollten sie den Gouverneur zum Rücktritt zwingen, dann selbst die Macht im Staat übernehmen und Kalifornien in die Unabhängigkeit führen.

Evelyn, die sich ein wenig mit Denny angefreundet hat und ihrerseits Gefühle zu Cody hegt, löst sich langsam von den Plänen ihres Bruders und seiner Kumpane. Sie und Denny werden von Cody und Hickok beauftragt, nach Sacramento zu reisen und ein Auge auf die Verschwörer zu haben. Derweil treiben Cody und Hickok gemeinsam mit ihren Männern die Pferde zu den verschiedenen Stationen der Pony-Express-Strecke.

Unterwegs gibt es erneut Händel mit den Indianern, die nun über Gewehre verfügen. Cody ahnt, wer diese den Indianern verkauft haben könnte und trennt sich von Hickok, um den Verantwortlichen zur Rede zu stellen. Der überlebt das Zusammentreffen mit Cody nicht.

Nachdem es Hickok und Cody gelingt, einige Indianerangriffe abzuwehren und Cody nachts versucht, aus einer der Stationen zu entkommen, um Hilfe für die Eingeschlossenen zu holen, wird er von Indianern gefangen genommen und stellt sich dem Kampf mit Gelbe Hand. Er tötet ihn im Zweikampf und darf gehen.

Cody reitet gen Sacramento, unterwegs stößt er immer wieder auf einzelne Stationen des Express´, die von Hastings Leuten zerstört wurden. Die Strecke wurde erstmals offiziell in Betrieb genommen und es muß nun bewiesen werden, daß die angepeilte Zeit von gerade einmal 10 Tagen für eine Strecke von gut 3000 Meilen zu schaffen ist.

Da es einer der Reiter nicht geschafft hat und unterwegs von Indianern verletzt wurde, übernimmt nun Cody dessen Postladung und reitet rasant nach Sacramento, wo er gerade rechtzeitig eintrifft, um den Bürgern zu beweisen, daß die Zeit einzuhalten ist und der Express für alle nur Vorteile mit sich bringt – unter anderem die Nachricht, daß die kalifornischen Senatoren der Abschaffung der Sklaverei zugestimmt hätten.

In Sacramento angelangt, stellt Cody aber auch die Verantwortlichen für die Sabotage zur Rede und es kommt zu einem Showdown, den er und Hickok für sich entscheiden können. Doch kommt es dabei zu einem tragischen Unfall. Denny wirft sich in die Schußlinie, als sie sieht, wie ein Mann hinterrücks auf Cody schießen will. Denny stirbt in Codys Armen, haucht ihm aber zuvor zu, daß sie ihn liebe.

Cody, der die Zuneigung von Denny immer als kindliche Liebelei abgetan hatte und von der Eleganz Evelyns geblendet war, trägt die Tote in das örtliche Hotel und legt sie sanft auf ein Sofa. Dann nimmt er die nächste Fuhre für den Express und reitet wie ein Wahnsinniger davon.

Jerry Hoppers PONY EXPRESS (1953) war für die Paramount seinerzeit eine große Produktion, die mit Charlton Heston und Rhonda Fleming immerhin zwei Stars aufweisen konnte, die entweder gut die 2. Reihe bespielten (Fleming) oder auf dem Weg zum echten Star-Status waren (Heston). Aus heutiger Sicht ist bei dem ganzen Unternehmen ein eher mittelmäßiger Western herausgekommen, der eine hanebüchene Geschichte bar aller historischen Bezüge erzählt.

Regisseur Hopper und Drehbuchautor Charles Marquis Warren erzählten, basierend auf einer Geschichte von Frank Gruber, davon, wie in den Jahren 1860/61 der damals heiß ersehnte Pony-Express errichtet wurde. Seine Verfechter behaupteten, daß mit seiner Hilfe – das Telegrafennetz wurde erst ab 1861 ausgebaut und übernahm dann, nach nur ca. anderthalb Jahren seines Bestehens, die Aufgaben des Pony Express – die Post in nur zehn Tagen von St. Joseph, Missouri, nach Sacramento, Kalifornien, verfrachtet werden konnte. Dazu ritten 80 Kuriere – meist junge Männer um die achtzehn, die sehr leicht sein mussten – Tag und Nacht zwischen 153 Stationen entlang des Weges auf ca. 200 Pferden in höllischem Tempo durch die nahezu leeren Territorien des Westens, dabei vor allem durch als feindlich betrachtetes Indianerland. In jeder der einzelnen Stationen standen frische Pferde bereit oder es wartete eine Ablösung, die die Fracht übernahm und in gleichem Tempo den nächsten Streckenabschnitt bewältigte.

An sich ein spannendes Sujet für eine Western. Doch Warren bediente sich kreuz und quer in der amerikanischen Geschichte, um die Story aufzupimpen. So gibt Heston Buffalo Bill Cody, jenen Büffeljäger, der in späteren Dekaden Weltruhm erlangte, als er mit seiner Wild West Show nicht nur durch die USA, sondern auch durch Europa tingelte und u.a. echte Indianer vorführte und regelmäßig Custers letztes Gefecht am Little Big Horn nachstellen ließ. Cody ritt tatsächlich als sehr junger Mann eine Weile für den Pony Express, doch dürfte es kaum zu seinen Aufgaben gehört haben, die Strecke zu erkunden, festzulegen, die Pferde zu beschaffen und die Stationen zu errichten, wie es der Film behauptet. Zudem war Buffalo Bill damals auch noch nicht der Büffeljäger und Indianerkämpfer, als der er einer der ersten Helden der an der Ostküste so beliebten Pulp Magazine wurde. Auch seinen Spitznamen „Buffalo Bill“ hatte er zu Beginn der 60er Jahre noch nicht erhalten, wie es der Film suggeriert. Zudem tötet Cody im Film den Häuptling Gelbe Hand – was zwar den Tatsachen entspricht, sich in Wirklichkeit aber erst 1876 zutrug, während eines Gefechts auf einem Rachefeldzug der U.S.-Kavallerie nach Custers Niederlage in Montana.

Nun kann man natürlich konstatieren, daß der Western als Genre immer sehr freizügig mit historischer Wahrheit oder Genauigkeit umging und sich selten um die Fakten scherte. Doch eine Geschichtsklitterung, wie sie Hoppers Film betrieb, ist dann doch schon eine Ausnahme, zumal hier von einem historisch sehr genau belegten und faktenreich dokumentierten Ereignis erzählt wird. Hopper und Warren hatten sich aber offensichtlich entschieden, einen Film gänzlich abseits aller historischen Faktizität zu drehen, dafür aber vollkommen unhinterfragt eine der Mythen des Westens nachzuerzählen, bzw. neu zu beleben. Dazu bauen sie gleich noch eine weitere historische, aber eben auch legendäre Figur des alten Westens in ihr Drehbuch mit ein: Wild Bill Hickok, der Cody tatsächlich kannte und selbst ebenfalls für den Pony Express ritt. Die Bekanntschaft mit Cody allerdings bezog sich auf Ereignisse in Kansas in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, als Hickok zu einer Guerilla-Einheit der berüchtigten Jayhawkers gehörte. Erst später, während der Indianerkriege, fanden die beiden wieder zusammen.

Das alles ficht Hopper und Warren jedoch nicht im Geringsten an und so rühren sie ein Potpourri aus Mythen und Legenden an, der relativ ungebrochen – und damit eher ungewöhnlich für einen Western dieser Dekade – Heldenverehrung betreibt. Heston darf Cody als etwas raubeinigen, verlotterten (soweit es die Dresscodes der 50er für die Leinwand zuließen, weshalb hier eigentlich alles recht sauber und geleckt daherkommt), dafür umso eitleren Gecken geben, der schon in den ersten Szenen des Films, in einer Postkutsche, die er anhalten muß, da Indianer ihm sein Pferd unterm Hintern weggeschossen haben, prahlen und mit seiner Ruhm kokettieren darf. Diese Haltung trägt Heston im Grunde den ganzen Film hindurch vor sich her, weshalb Forrest Tucker als Hickok einen ruhigen, etwas altväterlichen Gegenpart geben muß, der sich aber jederzeit Codys natürlich überragendem Urteil in Bezug auf nahezu alles, was sie unternehmen, unterwirft.

Diese Story des Pony Express koppeln Hopper und Warren mit einer etwas wirren Story um kalifornische Separatisten, die in kaum nachvollziehbaren Manövern Tatsachen schaffen wollen, um den Gouverneur von Kalifornien zum Rücktritt zu zwingen. So kommt mit Rhonda Fleming als Evelyn Hastings die weibliche Hauptrolle ins Spiel. Denn eine fingierte Entführung ist der Clou – da die Hastings zu einer der angesehensten Familien Kaliforniens zählen, wäre die Entführung ihrer Tochter und des Sohnes, Evelyns Bruder Rance, der willkommene Anlaß, der bewiese, daß die Union die Bürger Kaliforniens nicht schützen kann. Der Pony Express, der den Staat am anderen Ende des Kontinents näher an die Ostküste, also das eigentliche Machtzentrum der Vereinigten Staaten, binden würde, wird für die Verschwörer also zu einem Ärgernis, das unbedingt verhindert werden soll. Diese Wendung im Plot erlaubt es Heston und Tucker, in allerlei Feuergefechten nicht nur gegen völlig indifferent dargestellte Indianer zu kämpfen, sondern auch gegen einen Haufen weißer Bösewichte, die ihnen nach dem Leben trachten. Der Dreh gibt dem Film aber auch einen Hauch von kriminal- und Agenten-Thriller, denn Cody bittet die Damen der Story, sich für ihn an die Verschwörer ranzumachen und ihm Bericht zu erstatten, was diese planen.

Auf der Unterhaltungsebene hat PONY EXPRESS eigentlich alles, was es für einen Western braucht, obwohl er durch die etwas frei mäandernde Geschichte uneinheitlich wirkt. Cody und Hickok spielen Machospielchen, als sie sich erstmals im Film wiedersehen, was alle Umstehenden eher verstört, aber beweist, daß man es hier mit genau den Kerlen zu tun hat, die es braucht, eine Sache wie den Express aufzuziehen. Es gibt etliche Verfolgungsjagden und Schießereien, Kämpfe mit Indianern, die im Film Kanonenfutter sind und einfach erschossen werden, wenn sie stören. Das gibt dem Film allerdings, gerade aus heutiger Sicht, eine unangenehm rassistische Note. Allerdings kennen Cody und Hickok auch gegenüber ihren weißen Kontrahenten wenig Skrupel, Hickok erschießt seine Widersacher gelegentlich auch von hinten, was ihm aber keine Probleme zu bereiten scheint, obwohl solches Verhalten gegen alle Ehrenkodexe des Westens und des Western verstößt. Die teils stimmungsvollen Bilder, die Kameramann Ray Rennahan vor Ort in Utah einfing, bieten eine großartige Kulisse, durch die wir den Reitern des Express´ auf ihren rasanten Ritten folgen.  Auch das Gefühl kommt hier nicht zu kurz, denn Cody verliebt sich natürlich in Evelyn, wird zugleich aber auch von der jungen Denny angehimmelt, die als Stand-In für die reale Calamity Jane betrachtet werden darf, die einst eng mit Hickok verbandelt war und selbst auch in Wild-West-Shows auftrat, wenn auch nicht in der von Buffalo Bill. Die für einen Western immer nötige tragische Fallhöhe ergibt sich aus ihrer unerwiderten Liebe zu Cody und ihrem Filmtod, wenn sie sich für ihren Angebeteten in eine Kugel wirft und mit einem „Ich liebe Dich“ auf den Lippen schließlich in seinen Armen ihr Leben aushaucht. Was aber – entgegen den Gepflogenheiten herkömmlicher Western und Melodramen – nicht den Weg für Evelyn freimacht, sondern dazu führt, daß Bill gebrochen und trauernd aus der Stadt reitet und seine Arbeit für den Pony Express wieder aufnimmt.

Daß gerade die erste Hälfte des Films auch von einem gesunden Humor zeugt, tut sein Übriges. Mit zunehmenden Verschwörungen und Mordanschlägen wird dieser Aspekt allerdings in den Hintergrund gedrückt und Cody und Hickok dürfen sich als die harten Männer beweisen, die sie ja sein sollen.

Da dem Film aber jede zweite Ebene fehlt, es nie, an keiner Stelle, einen Hinweis darauf gibt, daß diese Männer einmal zweifeln oder sich ihrer Sache unsicher wären, ist PONY EXPRESS leider auch ein sehr eindimensionaler Film, der sich ausschließlich auf sein Tempo und seinen Rhythmus, auf die Kraft seiner Stars und das Potential der Story um zwei amerikanische Legenden verlässt. Herausgekommen ist aber ein lediglich durchschnittlicher, sehr herkömmlicher Western, der in einem Umfeld, in dem bereits Filme wie HIGH NOON (1952) oder SHANE (1953) entstanden, seltsam altbacken wirkt.

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