THE BLOODLANDS – GRENZENLOSE FURCHT/WHITE SETTLERS

Ein Home-Invasion-Thriller mit einem gelungenen Clou

Sarah (Pollyanna McIntosh) und Ed (Lee Williams), ein Pärchen aus einer britischen Großstadt, überlegen, aufs Land zu ziehen. Sie schauen sich ein altes Haus in der schottischen Einöde an. Sarah ist begeistert, Ed eher zurückhaltend. Wiederholt erklärt er ihr, was ein Leben auf dem Lande so mit sich bringen könne. Doch Sarah ist nicht aufzuhalten.

Mit einer Maklerin (Joanne Mitchell) besuchen sie das Haus. Sie kommen mit ihr darüber ins Gespräch, wer früher in dem Haus lebte und weshalb es nun zum Verkauf steht. Die Maklerin erzählt, daß der frühere Besitzer in finanzielle Schwierigkeiten geriet und das Haus, das seit Ewigkeiten im Besitz seiner Familie war, nicht habe halten können. Auf Sarahs Nachfrage, weshalb es nicht von jemandem aus der Umgebung gekauft werde, erklärt die Maklerin ihr, daß die Haus- und Grundstückspreise auch in Schottland explodiert seien und es sich eigentlich nur noch wohlhabende Zugezogene aus Städten leisten könnten, diese Cottages und alten Höfe zu erwerben, die sie dann meist als Wochenend- und Feriendomizil nutzten oder aber vermieteten.

Sarah und Ed beschließen, das Haus zu kaufen.

Drei Monate später ziehen sie ein. Es ist ihr erster Tag im neuen Eigenheim, sie haben bisher nur ein Schlafzimmer so vorbereitet, daß sie dort ihre erste Nacht im eigenen Haus verbringen können. Ed kümmert sich um Kisten und schwere Gegenstände, während Sarah die Küche einräumt. Dabei hört sie weiderholt Geräusche aus einem der das Haus umgebenden Wirtschaftsgebäude. Sie bittet Ed, mit ihr nachzuschauen. Was zunächst unheimlich anmutet, entpuppt sich schließlich als ein Hausschwein, das sich in einem ehemaligen Stall verlaufen hatte und schnell im Unterholz verschwindet.

Erleichtert machen sich die beiden wieder an die Arbeit. Später am Tag kommt Sarah aus der Küche in den Flur des Eingangsbereiches, als plötzlich ein Junge vor ihr steht. Er betrachtet sie, als sie sich ihm freundlich nähern will, rennt er aus der Tür, durch den Garten, springt auf ein Fahrrad und entfernt sich schnell.

Die Nacht bricht an und Ed freut sich auf das kuschelige Bett. Sarah bittet ihn, noch einmal die Eingangstüren zu überprüfen und zu sichern. Bei dieser Gelegenheit stellen sie fest, daß die rückwärtige Tür nicht abgeschlossen war und der Schlüssel auf dem Boden liegt. Ed beteuert aber, die Tür abgeschlossen zu haben. Während die beiden noch mit der Tür beschäftigt sind, springen die alten Sicherungen raus und sie haben kein Licht mehr im Haus. Ed erklärt sich genervt bereit, nach Kerzen zu suchen.

Sarah hört nachts Geräusche ums Haus und Ed erklärt ihr, daß das genau die Reaktion sei, die er vorausgesehen habe: Erst wolle sie aufs Land ziehen, dann habe sie Angst bei den dort ganz natürlich vorkommenden Geräuschen des Waldes und eines alten Hauses, in dem das Holz und Gebälk nun einmal arbeiteten. Ed geht nachschauen und findet in einer Lade neue Sicherungen. Es gelingt ihm, sie auszutauschen und so gibt es wieder Licht im Haus. Doch Ed kommt vom Gang durchs Haus nicht zurück ins Schlafzimmer.

Sarah, die voller Angst ist, geht nachschauen und entdeckt dabei, daß der Schlüssel der Hintertür erneut aus dem Schloß gedrückt wurde. Und sie sieht die Silhouette eines Mannes hinter der Glasscheibe der Tür. Nun hört Sarah, daß offenbar verschiedene Menschen versuchen, ins Haus einzudringen. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihr und den Häschern, die alle mit Schweinsmasken ihre Gesichter verdecken. Sarah muß feststellen, daß die Eindringlinge auch den Wagen fahruntüchtig gemacht haben.

Es gelingt Sarah schließlich, sich vom Haus zu entfernen und in den Wald zu entkommen. Dort stößt sie auf eine verlassene Scheune, wo ein Jeep steht und ein weiterer Maskierter offenbar Wache hält. Sarah sieht durch einen Spalt in der Holzwand des Schuppens, daß Ed gefangen gehalten wird. Er sitzt, mit einem Sack über dem Kopf, an einen Pfeiler gefesselt auf der Erde. Sarah hört ihre Verfolger im Wald und schreitet zur Tat: Sie dringt in die Scheune ein und es gelingt ihr, Ed zu befreien, als die Wache austritt. Der Mann kommt zurück und Sarah schlägt ihn mit einem Holzpfahl nieder und prügelt dann in rasender Wut auf ihn ein. Der Mann stirbt.

Gerade als Sarah und Ed fliehen wollen, kommen zwei ihrer Verfolger zur Scheune. Ed setzt sich wieder hin und zieht sich den Sack über den Kopf, Sarah will den Angreifer ausschalten. Es kommt zu einem Handgemenge, während dessen der Mann an ein Teppichmesser gelangt und ihr damit die Achillessehne zerschneidet. Ed schlägt ihn bewußtlos.

Die beiden fliehen durch den Wald, doch Sarah kann nicht weiter. Ed schlägt vor, die Verfolger abzulenken, so daß Sarah sich fortschleichen kann. Sie wollen sich später an der Landstraße treffen. Ed verschwindet und die Verfolger setzen sich auf seine Fährte. Sarah haut ebenfalls ab, in die andere Richtung.

Ed belauscht seine Verfolger, deren Anführer davon spricht, daß die Aktion aus dem Ruder gelaufen und eskaliert sei. Einer seiner Begleiter, der offenbar der Bruder des von Sarah Getöteten ist, will jetzt aber Rache und erklärt, für ihn sei aus einem Spiel ernst geworden. Ed gelingt es, einen der Angreifer auszuschalten, doch der andere – offensichtlich der Anführer – überwältigt Ed, fesselt ihn erneut und zieht ihm wieder den Sack über den Kopf.

Sarah irrt durch den dunklen Wald, auch sie wird verfolgt, denn einer der Männer hat sie gehört. Mitten im Wald stößt sie auf das Fahrrad des Jungen, der nachmittags am Haus war. Sie versteckt sich, der Verfolger ruft nach dem Jungen und droht ihm Strafe an, wenn er nicht bald nachhause gehe. Dann verschwindet der Mann im Unterholz.

Sarah flieht weiter, weiß aber, daß sie sich mittlerweile verirrt hat. Da taucht der Junge vor ihr auf. Sie fleht ihn an, sie zur Straße zu bringen. Wortlos fordert er sie auf, ihm zu folgen.

Der Tag graut und Sarah sieht wirklich in der Ferne die Landstraße. Der Junge verschwindet. Sie eilt auf die Straße zu, als ein Mann mit Schweinsmaske auf den Weg tritt. Hinter ihr nähert sich der Jeep. Sarah wird überwältigt, gefesselt, auch ihr wird ein Sack über den Kopf gestülpt und sie verliert das Bewußtsein.

In einem Park in einer Großstadt wacht Sarah auf, als ein Mann auf sie einredet. Er hole Hilfe und werde sie befreien. Als ihr der Sack vom Kopf gezogen wird, sieht sie, daß Ed einige Meter entfernt liegt. Sie kriecht auf ihn zu und während sich die Sirenen von Polizei und Rettungswagen nähern, liegen die beiden sich weinend in den Armen.

Vor dem Haus sieht man eine große Familie grillen und feiern – es sind Leute, die teils auf dem Foto abgebildet waren, das Sarah bei der Besichtigung des Hauses entdeckt hatte und die früheren Bewohner zeigte. Aus dem Hausflur kommt eine kreischende Kinderschar, verfolgt von einem Jungen mit einer Schweinsmaske über dem Kopf…

Noch ein Home-Invasion-Thriller? Das Subgenre ertrinkt langsam in seiner eigenen Mittelmäßigkeit, anders lässt es sich kaum sagen. Die besseren Werke aus der Masse an Mediokrem herauszufischen, ist an sich schon eine Kunst. Und selbst die besseren Werke wissen dem Metier kaum noch etwas hinzuzufügen, außer vielleicht ein immer höheres Maß an Gewalt.

Angenehm also, wenn mit Simeon Halligans WHITE SETTLERS (2014) doch noch eine Variante auftaucht, die zumindest eine gute Grundidee hat und über recht weite Strecken des mit gut 80 Minuten an sich schon kurzen Films Spannung zu erzeugen versteht, zwischendurch sogar für ein Gefühl wohligen Grusels sorgt. Die Geschichte ist denkbar einfach: Recht wohlsituiertes Großstadtehepaar sucht sich ein Haus auf dem Land – in diesem Fall ist es die Einöde Schottlands – und kauft es zwecks baldiger Übersiedlung. Kaum eingezogen, machen sich seltsame Geräusche bemerkbar, passieren merkwürdige Dinge und schon in der ersten Nacht im neuen Heim werden die beiden von Unbekannten angegriffen. Soweit also nichts Neues.

Neu allerdings ist, daß sich Halligan und sein Kameramann James Swift viel Zeit für die Exposition nehmen und dabei wirklich schöne Bilder des ländlichen Schottlands finden. Ohne, daß wir je näher erfahren, wie das von Polllyanna McIntosh und Lee Williams gespielte Paar Sarah und Ed seinen Lebensunterhalt bestreitet, verstehen wir doch bald, weshalb sie sich in die Gegend und das Haus verlieben. Neu ist auch, daß das Drehbuch von Ian Fenton sich aller geraunten Geistergeschichten u.ä. enthält, sondern die Maklerin ihren Kunden ganz offen erklärt, der alte Mieter, dessen Familie das Haus Jahrhunderte bewohnt habe, hätte es aus finanziellen Gründen aufgeben müssen. Und die örtliche Bevölkerung könne sich die mittlerweile am Markt aufgerufenen Preise für ein solches Haus nicht leisten. Fenton versteht es geschickt, eine soziale Wirklichkeit in seinen Thriller einzubetten, die schließlich zu einem integralen Bestandteil der Handlung wird. Denn schnell stellt sich die Frage, wer hier eigentlich der Eindringling ist?

Sicher, sobald die Action beginnt und sich Sarah und Ed den zunächst nicht näher erklärbaren Angriffen ausgesetzt sehen, sind sie die Opfer, in deren neues Eigenheim eingedrungen wird. Und der Ablauf der Handlung, die sich auf eine einzige Nacht beschränkt, wird aus ihrer Sicht erzählt und folgt damit bekannten Mustern. Doch die eindringlichen Erklärungen der Maklerin zu Beginn des Films und schließlich das Ende lassen eben auch eine ganz andere Lesart zu: Hier wehren sich Menschen, die weder über finanzielle Ressourcen, noch politische Macht verfügen, auf ihre Art und Weise gegen eine „feindliche“ Übernahme. Drastische Maßnahme gegen nicht-urbane Gentrifizierung, sozusagen.

Diese „feindliche“ Übernahme verkörpern Städter, die sich Dinge leisten können, Häuser bspw., die aber keine Verbindung zu dem haben, was sie sich leisten. Sarah und Ed werden durch ihre Sprache – gehobenes, klares Englisch – und ihre äußere Erscheinung definiert. Sie fahren einen guten Mittelklassewagen, sie necken sich und ihren Gesprächen gerade am Anfang, wenn sie durch das rurale Schottland brausen, ist ihre urbane Herkunft anzumerken. Es ist vor allem Sarah, die das Haus unbedingt will, während Ed zunächst skeptisch bleibt, es ist dann aber auch Sarah, die nur schlecht mit den Bedingungen des alten Hauses und seiner Umgebung, bzw. den Dingen und Eigenarten, die diese mit sich bringt, zurechtkommt. Sie fürchtet die umliegenden Wirtschaftsgebäude, sie schreckt beim Knarren des alten Holzes zusammen und als die Sicherungen nicht mehr mitmachen, verlangt sie von Ed, sich umgehend darum zu kümmern oder aber dafür zu sorgen, daß Kerzen als Lichtquellen aufgestellt werden. Fenton greift hier einerseits auf allerhand Klischees zurück, kann aber zugleich, wenn auch auf sarkastisch-ätzende Weise, recht genau ein Großstadtpärchen skizzieren, das modernen Familien- und Beziehungsmodellen entspricht. Sarah ist die Starke, solange sie sich sicher fühlt, wird aber zu einer eher Angsterfüllten, sobald sie keine Kontrolle mehr über ihre Umgebung hat.

Doch sollte man WHITE SETTLERS nicht zu mehr machen, als der Film wirklich ist. Denn ab dem Moment, da Ed verschwindet und Sarah auf sich gestellt ist, beginnt eine recht konventionell erzählte Jagd durch einen dunklen Wald. Am überraschendsten dabei ist noch die logisch nur schwer nachvollziehbare erneute Wandlung, die Sarah durchläuft. Denn obwohl sie zuvor Ed vorschickt und sich nicht scheut, ihre Angst einzugestehen, entwickelt sie doch erstaunliche Kräfte und einen Überlebensdrang, der sie selbst grässliche Dinge fast selbstverständlich tun lässt. So tötet sie einen der Angreifer, indem sie ihn mit einem Kantholz den Schädel einschlägt. Und obwohl sie selbst schwer verletzt ist – einer der Unholde kappt ihr mit einem Teppichmesser die Achillessehne – ist sie auch danach noch zu außergewöhnlichen Taten und einer Flucht durch den Wald fähig.

Es sind diese kleinen Logikfehler, die konträr zur vorherigen Charakterisierung der Figur laufen, die dem Film seine mögliche Wucht nehmen. Zudem ist die Verfolgung und Jagd im Wald wirklich in nichts von früheren, vergleichbaren Werken zu unterscheiden. So erinnert man sich vor allem beim Setting und der Schilderung der ursprünglichen Bewohner des Hauses und des Ortes, der in der Nähe liegt, an Sam Peckinpahs STRAW DOGS (1971) und im Verlauf der reinen Handlung an – jüngeren Datums – EDEN LAKE (2008), in dem ein Yuppiepärchen einer Horde Unterschichts-Kids in die Hände fällt. Anders als die Vorgänger, delektieren sich Fentons Buch und Halligans Regie allerdings nicht an der Gewalt. Es gibt explizite und brutale Momente, doch sind sie im Rahmen der Handlung und dramaturgisch nachvollziehbar eingesetzt und berechtigt. Wenn Sarah den gefangenen Ed befreien will und ihren Widersacher mit dem Holzscheit erschlägt, wird dies zwar ausgespielt, doch hält die Kamera nicht durchgehend auf die Zerstörung, sondern ist vor allem an Sarahs Gesicht, an ihrer Raserei, interessiert. Hier, wie in Peckinpahs berühmten Vorgänger, wird schon implizit gezeigt, wie gerade bei jenen, die sich für gebildet, zivilisiert und modern halten, das Archaische und Brutale hervorbrechen und tödlich werden kann.

Neu und wirklich überraschend für einen Home-Invasion-Thriller ist dann allerdings das Ende des Films. Es greift die Ausgangslage noch einmal auf und beweist, daß die Angreifer weitaus „zivilisierter“ sind, als es unsere Hauptfiguren annehmen. Ihre Mittel sind sicherlich etwas derb, vielleicht hätte man sich auch verbal verständigen können, doch ihr Ziel ist nicht final. Sie setzen Sarah und Ed mitten in einem Park in einer Großstadt aus, sozusagen in deren natürlichem Revier, und lassen es dabei bewenden. So gelingt Fenton mit seinem Film ein durchaus subtiler Kommentar auf die Spannung zwischen urbanem Leben und dem zusehends als rückständig abgetanen auf dem Lande. Allerdings – und das ist die Crux der Sache – reicht auch eine solche, an sich gute, Idee nicht, wenn man einen Spannungsfilm erzählen will und für die eigentlich spannenden Momente der Handlung dann keine ebenfalls ausgefallenen Ideen hat.

Das ist schade, denn an sich ist WHITE SETTLERS – der Titel selbst, der ins Deutsche übertragen „weiße Siedler“ bedeutet, verdeutlicht schon das Spannungsverhältnis, um das es im Film geht, und fügt ihm eine ins Historische geweitete Komponente hinzu – ein gelungener Film. Gute Schauspieler, eine sehr gelungene Kameraführung, ein gerade in der ersten Hälfte des Films stichhaltiges Drehbuch und eine durchaus packende Inszenierung garantieren einen unterhaltsamen Film, der erst mit der Flucht Sarahs in den Wald an Kraft verliert. Doch zuvor wird man sowohl mit wirklich grusligen Momenten unterhalten – das Anwesen, die umliegenden Gebäude, das alte Haus bieten eine dafür höchst geeignete Kulisse, die Swift gut in Szene zu setzen weiß – und dann auch in Spannung versetzt. Das trägt zumindest die Hälfte des Films.

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