ZULU – BLUTIGES ERBE/ZULU

In den Botanischen Gärten Kapstadts wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Tochter eines Prominenten wurde offenbar zu Tode geprügelt. Das Team um Ali Sokhela (Forest Whitaker) – Brian Epkeen (Orlando Bloom) und der unerfahrene Dan Fletcher (Conrad Kemp) – nimmt die Ermittlungen auf.

Die Kollegen arbeiten in einem schwierigen Umfeld. Der Zulu Sokhela, der als Kind Zeuge der Ermordung seines Vaters durch Sicherheitskräfte des Apartheid-Regimes und selbst Opfer einer Genitalverstümmelung durch einen Polizeihund wurde, gibt sich Mühe, Nelson Mandelas Credo der Vergebung und Versöhnung Folge zu leisten. Eine Haltung, die Claire (Tinarie van Wyk Loots), Fletchers Frau, vehement ablehnt; sie ist gegen die Politik der Aussöhnung und fordert rechtmäßige und vor allem angemessene Strafen für die Verbrechen und die Verbrecher der Apartheid. Epkeen, der zu viel trinkt, promiskuitiv lebt und ein Problem mit Autoritäten hat, lebt in seinem ganz eigenen Spannungsfeld: Sein Vater war einst Staatsanwalt unter dem Apartheid-Regime, weshalb Brian den Nachnamen seiner Mutter angenommen hat. Zudem verweigert er seinem toten Vater seit Jahren eine Inschrift auf dessen Grabstein. Das wiederum nimmt ihm sein Sohn David (Sven Ruygrok) übel. Ebenso, wie Epkeen seine von ihm getrenntlebende Frau Ruby (Inge Beckmann) behandelt. Die – eine in der Werbeindustrie arbeitende Fachkraft – ist mittlerweile mit dem Zahnarzt Rick (Dean Slater) liiert, den sie zu Epkeens Verdruss auch zu heiraten gedenkt.

Der Dezernatsleiter Kruger (Danny Keogh) seinerseits ist ein Nutznießer des Versöhnungsprogramms der Regierung Mandela. Einst an Menschenrechtsverletzungen und Folter beteiligt, konnte er nach einer Aussage vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission seinen Posten behalten und weiter in der Hierarchie der Polizei aufsteigen. Gerade diese Personalie ruft sowohl bei Claire als auch bei Epkeen enormen Widerstand hervor.

Schnell wird deutlich, dass der der Polizei bekannte Drogendealer Stan (Christian Bennett) in den Fall verwickelt ist. Das Team inklusive Dan, der wenig Erfahrungen mit Außeneinsätzen hat, sucht am Strand außerhalb Kapstadts einige Verdächtige auf. Dabei kommt es zu einer Auseinandersetzung, bei der Dan tödlich verwundet wird. Sowohl Sokhela als auch Epkeen, der abgelenkt war, machen sich schwere Vorwürfe.

Die weiteren Ermittlungen führen zu einer nahe dem Überfall auf das Team gelegenen Hütte, die an einen Mann namens Frank de Beer (Regardt van den Bergh) vermietet wurde. Der führt das Sicherheitsunternehmen DPS. Er ist gemeinsam mit dem Gangster Cat (Randall Majiet) in den Handel mit synthetischen Drogen verwickelt, die offensichtlich zu enormen Aggressionen führen. Sie fangen Stan und foltern ihn, bis er gesteht, mit dem toten weißen Mädchen geschlafen und ihr Drogen gegeben zu haben. Als sie unter den Einfluss aggressiv wurde, habe er sie erschlagen.

Sokhela und Epkeen finden heraus, dass die Droge, die offenbar auch an Straßenkindern erprobt wird – Sokhelas Mutter Josephine (Nomhle Nkyeni) bat ihren Sohn, sich um das Verschwinden immer mehr verwaister Kinder zu kümmern – auf der Basis einer synthetischen Substanz hergestellt wird, die einst in Folge des sogenannten Project Coast entwickelt wurde. Ziel des Projekts war es, die schwarze Bevölkerung Südafrikas einzudämmen, krank zu machen, wenn möglich zu reduzieren. Die Droge führt zu Euphorie, dann zu Aggression, schließlich zu Lebensüberdruss. Viele, die sie genommen haben, bringen sich schließlich um. So auch ein kleiner Junge, den Sokhela nachts beobachtet hatte, als er sich zu einem seiner regelmäßigen Stelldicheins mit einer Prostituierten einfand.

Leiter des geheimen Projekts war einst der Wissenschaftler Dr. Joost Opperman (Patrick Lyster), der nun mit de Beer verbandelt und am Handel mit den Drogen beteiligt ist.

Cat und de Beer bringen eine weitere Frau um und präparieren sie derart, dass der Verdacht auch an diesem Mord auf Stan fällt. Dann töten sie Stan und schicken dessen abgehackten Kopf an die Polizei. De Beer erklärt, er und seine Leute hätten den Gangster gestellt und getötet, praktisch die Aufgabe der Polizei erledigt. Kruger gibt sich damit zufrieden und erklärt den Fall für erledigt.

Dan wird beerdigt, doch Claire bittet ihre einstigen Freunde, nicht bei der Trauerfeier zu erscheinen. Sie wolle nichts mehr mit der Polizei und all der Gewalt zu tun haben. Zudem macht sie zumindest Epkeen, der nicht aufgepasst habe, für den Tod Dans mitverantwortlich. Schweren Herzens respektieren Sokhela und Epkeen Claires Wunsch.

Epkeen, der ahnt, dass die wahren Hintergründe der ursprünglichen Tat vertuscht werden sollen, ermittelt auf eigene Faust weiter, dringt dafür in Ricks Anwesen ein, weil er von Ruby Hinweise auf das tote Mädchen haben will, die an einer Produktion mitgearbeitet hatte, an der auch Ruby beteiligt gewesen ist. Es kommt zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit Rick, weshalb Kruger Epkeen suspendiert.

Epkeen dringt in bei DPS ein und sichert dort Computerunterlagen, die die Verwicklung de Beers, Oppermans und auch Cats in den Drogenhandel belegen. Um diese Unterlagen zurück zu bekommen, dringen wiederum Cat und seine Leute bei Rick ein und nehmen ihn und Ruby als Geiseln. Epkeen wird zum Anwesen beordert, gefesselt und als Rick erschossen wird, weiß Epkeen, dass keiner von ihnen lebend aus der Nummer herauskommen wird. Es gelingt ihm mit letzter Kraft und unter Einsatz seines Lebens sich und Ruby zu retten.

Josephine hat zufällig ein Massengrab entdeckt, weshalb sie und die Frau, die auf dem Grundstück lebte, ermordet werden. Als die Polizei hinzukommt, findet Sokhela seine Mutter eher zufällig unter den Opfern. Er ist vollkommen verzweifelt.

Nun gibt der Polizist, der immer so beherrscht und vernunftgeleitet wirkte, all seine Zurückhaltung auf. Er fliegt in die namibische Wüste, wo er in einem Anwesen Opperman, de Beer und Cat vermutet. Epkeen, der ihm gefolgt ist, bittet ihn, eine regelkonforme Verhaftung durchzuführen, damit den Männern endlich rechtlich beizukommen sei, doch Sokhela will davon nichts mehr hören. Er tötet etliche Männer, als er in das Haus eindringt, Epkeen hilft ihm schließlich und tötet de Beer.

Opperman kann in die Wüste fliehen. Sokhela folgt ihm. Einen Tag und eine Nacht laufen die beiden, bis Sokhela seinen Feind eingeholt hat. Er tötet ihn mit seinen eigenen Händen. Als Epkeen ihn endlich findet, ist auch Sokhela tot.

Epkeen sorgt für eine ordentliche Beerdigung und dafür, dass Sokhela eine Grabinschrift bekommt. Dann bittet er den Bestattungsunternehmer, auch den Grabstein seines Vaters zu beschriften. Er verlässt das Bestattungsinstitut und blickt sich um.

Anhand eines Films wie Jérôme Salles ZULU (2013) lassen sich vortrefflich die Vor- wie auch die Nachteile des Genrekinos hinsichtlich seiner Fähigkeiten zur Beschreibung sozialer Realitäten ablesen. Angesiedelt in der südafrikanischen Metropole Kapstadt, wo die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, erzählt der Kriminalfilm von einer Gesellschaft, die den Übergang aus einer Quasi-Diktatur – genauer: aus der Apartheid – in eine Demokratie sucht, in der wirklich alle Bürger gleichgestellt sind. Dabei zeigt der wohl recht genau recherchierte Film, der auf dem gleichnamigen, mit dem Grand prix de littérature policière ausgezeichneten Roman des französischen Schriftstellers Caryl Férey basiert, woran der Traum einer friedlichen Koexistenz von Schwarzen und Weißen in einem neuen Südafrika zu scheitern droht.

Nominell, auf der reinen Handlungsebene, ist der mit Forest Whitaker und Orlando Bloom hochkarätig besetzte Film – eine internationale Co-Produktion unter französischer Federführung – tatsächlich ein herkömmlicher, recht konventionell erzählter, jedoch mit außerordentlicher Härte inszenierter Kriminalfilm. Das gemischtrassige Polizeiteam unter der Führung des von Whitaker gespielten Kommissars Ali Sokhela soll den Mord an der jungen Frau aufklären, die im Botanischen Garten der Stadt tot aufgefunden wurde. Schnell wird deutlich, dass die Spuren ins Drogenmilieu führen. Ebenso schnell wird aber auch deutlich, dass die Polizei kaum mehr die Autorität besitzt, die sie zur Durchsetzung von Recht und Gesetz benötigte. In einer der brutalsten und tatsächlich schockierenden Szenen des Films (die ihm in Deutschland dann wohl auch die FSK-18- Einstufung beschert haben dürfte) wird das dreiköpfige Team an einem Strand außerhalb der Stadt in eine gewalttätige Auseinandersetzung mit Dealern verwickelt, die es sich nicht nehmen lassen, anhand eines von ihnen an dem weißen Ermittler Dan Fletcher statuierten Exempels zu verdeutlichen, wer wirklich das Sagen in der Stadt hat. Fletcher überlebt den Einsatz nicht.

In einem Land, in dem es Verbrecher für möglich halten, am hellichten Tage, letztlich auch ungeschützt vor möglichen Zeugen, Polizisten mit einer Machete abzuschlachten, können Recht und Gesetz, kann die Autorität der staatlichen Organe nicht mehr viel hermachen. Und im Laufe des Films wird dann auch anhand der Protagonisten, aber auch etlicher Nebenfiguren, wie u.a. der Witwe von Fletcher deutlich, als wie korrupt die Behörden wahrgenommen werden, weshalb Gangster wie die, die der Film präsentiert, zwar überaus brutal sind, im Grunde aber davon ausgehen müssen, dass ihnen auf der anderen Seite ihresgleichen gegenübersteht. Denn etliche der (weißen) Angehörigen der Polizei, darunter auch der Vorgesetzte von Sokhela und dessen von Orlando Bloom gespielten Kollegen Brian Epkeen, waren schon im Apartheid-System in ihrem Rang – oder wurden im neuen Staat weiter nach oben befördert. Dies gilt vor allem für Dezernatsleiter Kruger, der den Fall möglichst schnell ad acta legen will. Womit er natürlich – und völlig zurecht, da funktioniert der Plot nach den herkömmlichen Regeln des Thriller- und Kriminalfachs – erst recht die Neugier und vor allem das Misstrauen seiner Untergebenen schürt.

Es entwickelt sich ein recht verworrener Plot um eine synthetische Droge, die auf der Basis eines Mittels hergestellt wird, das einst für das tatsächlich ab 1981 existente Project Coast entwickelt wurde. Ursprünglich gedacht, chemische und biologische Waffen herzustellen, die auch zum Export gedacht waren, wollte der Apartheid-Staat aber auch die schwarze Bevölkerung kontrollieren, wollte sie sterilisieren, bestenfalls sogar dezimieren. Ein zutiefst rassistisches und menschenverachtendes Verbrechen an der eigenen Bevölkerung. So gut diese Hintergrundgeschichte gemeint sein mag, so sehr es Buch und Regie darum gegangen sein mag, staatliches Unrecht anzuprangern, so sehr tragen all diese Informationen allerdings auch dazu bei, das Publikum zunehmend zu verwirren, wird es doch immer schwieriger in den komplexen Zusammenhängen den Überblick zu wahren.

Das Drehbuch, welches Salles gemeinsam mit Julien Rappeneau verfasst hatte, schreibt den beiden Hauptprotagonisten vergleichsweise stereotype Geschichten zu, wodurch es aber gelingt, die politischen und auch historischen Hintergründe und die Schwierigkeiten, die diese bis in die Gegenwart hinein verursachen, ohne viel Federlesens in die Handlung einzubauen und zu thematisieren. Sokhela, dessen Mutter ihn regemäßig zu verkuppeln sucht, wurde als Kind durch den Angriff eines Hundes des weißen Sicherheitsdiensts des Townships, in welchem er aufwuchs, so schwer genital verletzt, dass er als Erwachsener keine als normal empfundene Liebesbeziehung eingehen kann. Er sucht nachts – nach eigener Aussage schläft er so gut wie nie – eine Prostituierte auf, mit der er aber lediglich dadurch verkehrt, dass er sie streichelt und dabei offensichtlich befriedigen kann. Epkeen ist der Sohn eines für das ehemalige Regime arbeitenden Staatsanwalts, für den er sich derart schämt, dass er nicht nur den Nachnamen seiner Mutter angenommen hat, sondern zudem den Grabstein seines Vaters unbeschriftet lässt. Selbst hat er ein zerrüttetes Verhältnis zu seinem Sohn, der ihm sein Verhalten gegenüber seiner Frau Ruby übelnimmt.

Epkeen entspricht in Vielem – Alkohol- und Drogenmissbrauch; gescheiterte private Beziehungen; Schwierigkeiten mit Autoritäten etc. – all jenen Ermittlern, Detektiven und Kriminalbeamten, die etliche Thriller, Krimis und Film Noirs dem Publikum seit jeher präsentieren. Er ist schlicht die südafrikanische Variante eines durch und durch amerikanischen Klischees und der Engländer Orlando Bloom spielt ihn dann auch diesem Klischee entsprechend. Und doch funktioniert die Figur im Kontext des Films, können Drehbuch und Regie anhand ihrer Geschichte die Zerrissenheit auch innerhalb der weißen Bevölkerung exemplifizieren.

Man muss Salle und seinem Team hoch anrechnen, wie es ihnen trotz der leider arg komplizierten Hintergrundgeschichte des Plots gelungen ist, all diese Themen wie selbstverständlich in die Handlung einzuweben, ohne den Film zu einem Lehrstück zu machen. Wenn das Team sich bei Fletcher am Vorabend jenes Vorfalls, der ihn das Leben kosten wird, trifft, grillt, beieinandersitzt und zumindest Sokhela eigentlich nur Karten spielen will, dann ist dies einfach eine ethnisch gemischte Freundesgruppe. Es ist jedoch Fletchers Frau Claire, die das Gespräch auf die sogenannte Wahrheitskommission bringt und feststellt, dass sie diese institutionalisierte Einrichtung generell, deren Arbeit und vor allem die Ergebnisse für falsch hält. Claire ist vielmehr der Meinung, Verbrecher und Mittäter des Apartheid-Regimes hätten, wie einst in Nazi-Deutschland, vor Gericht gestellt und abgeurteilt werden müssen. Sokhela ist es, der Nelson Mandela zitiert, wenn er behauptet, dass, wolle man Frieden mit seinen Feinden haben, man mit diesen arbeiten müsse, dann würden sie zu Partnern. Ein Credo, das gerade aus seinem Munde umso weiser wirkt, wurde er durch das Regime doch fürs Leben gezeichnet. Wenn er am Ende des Films in einer schon surreal anmutenden Szene seinen weißen Widersacher – ein Mann, der fürchterliche medizinische Versuche hinsichtlich der Droge an zumeist schwarzen Straßenkindern, Waisen, die scheinbar niemand vermisst durchgeführt hat – durch die Wüste verfolgt, bis der zusammenbricht, dann hat die Unerbittlichkeit, mit der Sokhela auch sich selbst bis zum Äußersten und schließlich in den eigenen Tod treibt den Anschein viel zu lange aufgeschobener Vergeltung.

Man muss Sokhelas Verletzung, seine Impotenz vielleicht auf dieser symbolischen Ebene als integralen Bestandteil dessen betrachten, was der Film eigentlich ausdrücken will. Sokhelas Unfähigkeit zur körperlichen Liebe, die im Film der extremen Promiskuität Epkeens gegenübergestellt wird, hat einen doppelten – und doppelbödigen – Charakter. Einerseits scheint der Film damit eine nach wie vor vorhandene Überlegenheit der Weißen gegenüber den Schwarzen andeuten zu wollen, die sich sexuell, gemessen am Haus des Lebensgefährten von Epkeens Exfrau, aber eben auch ökonomisch äußert. Zugleich wird diese Überlegenheit jedoch als himmelschreiende Ungerechtigkeit angeprangert, ist sie doch, wie so Vieles, ein Überhang aus der Zeit der Apartheid. Es wird also angedeutet, dass diese Vergangenheit nicht einfach abzustreifen ist, dass die Folgen der Jahrzehnte der Menschenrechtsverletzungen zu Schäden geführt haben, die zu heilen lange brauchen wird. Wenn eine Heilung denn überhaupt möglich ist. Denn nimmt man das Ende des Films hinzu, dann scheint sich auch anzudeuten, dass es ohne Vergeltung eben – zumindest rechtsstaatlichen Normen entsprechend – nicht gehen wird. Dass Sokhela seinen wütenden Rachefeldzug durch die Wüste selbst nicht überlebt, wahrscheinlich nicht überleben kann und das auch weiß, unterstreicht natürlich diesen äußert pessimistischen Blick auf das aktuelle Südafrika.

Es gibt viele kleine Hinweise, die die Haltung des Films, seiner Macher, vielleicht auch des Autors der Vorlage verdeutlichen, dass Mendelas Idee der Aussöhnung zwar hehr aber fehlgeleitet war. An deutlichsten wird dies während Epkeens Besuchen im neuen Heim seiner Exfrau, das so auffallend mit den Townships kontrastiert, in denen Sokhela sich bewegt. Es wird überdeutlich, wer auch nach dem Ende der Apartheid Profiteur, Nutznießer des Wohlstands des Landes ist – und wer eben nicht. Es wird an kleinen Details – dem Sicherheitsdienst in der Wohnsiedlung bspw. – aber ebenso deutlich, wie angstbesetzt das Leben dieser Weißen ist; ein Leben in dem steten Bewusstsein von Schuld, die unterdrückt werden muss und einer auf den weitaus größeren Teil der Bevölkerung projizierten Angst, diese könne sich rächen.

Umso heftiger der Einbruch der Gewalt, wenn in dem Haus, in dem Ruby und ihr Mann leben eben jene Gangmitglieder auftauchen, die auch schon Dan Fletcher getötet haben. In beiden Fällen – wenn auch in deutlicher Abstufung zueinander – wird weißer Wohlstand, wird weiße Bürgerlichkeit von schwarzer Gewalt eingeholt und bedroht. Der Film entschuldigt diese Art der Gewalt nicht, aber er stellt sie in all ihrer Härte und Brutalität doch auch als eine historische Folgerichtigkeit dar. Und in eben der Härte, die der Film anschlägt, ist er dann auch ehrlich. Denn es wäre verlogen, die Gewalt, die auf den Straßen der südafrikanischen Metropolen und Städte herrscht, zu beschönigen. Dann muss man eine Geschichte wie diese gar nicht erst erzählen. Übertrieben wirken eher jene Szenen, in denen ein Mitarbeiter der Polizei Epkeen anhand von Laborratten vorführt, was die Droge tatsächlich anrichtet, die da im Umlauf ist, die Movens und Auslöser der Morde ist. Wer sie nimmt, wird zu einer brutalen, reißerischen Bestie, kann sich kaum mehr zügeln, kann die eigene Aggression nicht mehr kontrollieren. Damit wird letztlich auch die extreme Gewalt erklärt – nicht entschuldigt! -, der Fletcher am Strand zum Opfer fällt.

Man kann dieser Erklärung ein gewisses apologetisches Moment unterstellen, da die, die die Gewalt ausüben scheinbar nicht mehr Herr ihrer Sinne sind, doch ginge man damit zu weit. Es sind brutale Gangmitglieder, die sich in der Darstellung des Films allerdings nicht viel von jenen unterscheiden, wie sie José Padilha in seinem Gewaltexzess TROPA DE ELITE (2007) zeichnet, wie viele latein- und südamerikanische Filme die Gangs in den Favelas der Städte Mexikos, Brasiliens oder Kolumbiens zeichnen. Auch hier greift ZULU auf Klischees zurück.

Mit diesen Rückgriffen auf Klischees kann der Film einerseits seine Story vorantreiben, eben weil das Publikum weiß, mit wem, mit was für Typen es zu tun hat, zugleich steht der Film seinen Anliegen, um die er sichtlich bemüht ist, auch im Wege. Die Kritik warf ihm vor, viel zu konstruiert zu sein, es wurde auch der Vorwurf erhoben, er ergötze sich an der Gewalt, sei zu reißerisch. Zumindest den Vorwurf, hier werde Gewalt um ihrer selbst Willen ausgestellt, sollte man so aber nicht stehen lassen. Sie ist heftig, ja, aber muss eben auch heftig sein, da der Film sonst schnell beschönigend wirken könnte. Im dramaturgischen Kontext des Films ist sie angemessen, auch in ihrer drastischen und expliziten Darstellung. Dass der Film konstruiert wirkt, das muss man freilich eingestehen. Stellt sich allerdings die Frage, welcher Kriminalfilm, welcher Thriller-Plot das nicht wäre?

Und damit ist man am Ausgangspunkt angelangt. Denn es stellt sich die Frage, inwiefern Genrekino, Genregeschichten generell für Sozialkritik, zur Beschreibung gesellschaftlicher Um- und Missstände geeignet ist. Einst, in den goldenen 70er Jahren, wurde gerade dem europäischen Kriminalroman diese Fähigkeit zugutegehalten. Die Kriminalgeschichten des Autorenpaar Sjöwall und Wahlöö aus Schweden galten hierfür als exemplarisch. Anhand von Milieugeschichten ließ sich scheinbar perfekt und so spannend, dass ein jeder bereit war, auch in die abseitigsten Gegenden der Gesellschaft zu folgen, von sozialen Bedingungen und gesellschaftlichem Notstand erzählen. Der deutsche Fernsehklassiker TATORT (seit 1970) folgt dieser Prämisse nach wie vor. So gesehen ist ZULU als unbedingt gelungen zu betrachten.

Doch muss auch die Kritik gelten, hier würden bestimmte gesellschaftliche Probleme, gewisse historische Entwicklungen arg vereinfacht dargestellt und teils auch genutzt, um eine möglichst drastische Geschichte zu erzählen, eine rasante Handlung voranzutreiben. Sowohl Handlung als auch die Figuren sind einerseits zu klischeehaft, andererseits zu überzeichnet, es wird wahrscheinlich ein Zerrbild Südafrikas als eine Art failed state geboten. Auch diese Einwände sind richtig und zutreffend.

So bleibt ZULU ein zumindest spannender, actionreicher und doch auch leise Töne, Zwischentöne zulassender Film, der sich gelegentlich erstaunlich viel Zeit für die Gefühle und Tiefenschichten seiner Protagonisten nimmt. Und es bleibt ein Film, der trotz seiner Schwächen sichtlich bemüht ist, sei Sujet ernst zu nehmen und ihm gerecht zu werden. Damit erfüllt er praktisch alle Vor- und Nachteile des Genrekinos als Gradmesser eines gesellschaftlichen Aggregatszustands.

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