DEAD MAN DOWN

Ein Rache-Thriller, der zu viel Potenzial liegen lässt und verschenkt

Victor (Colin Farrell) arbeitet für den New Yorker Gangster Alphonse Hoyt (Terrence Howard), der sich darauf spezialisiert hat, Mieter aus billigen Absteigen heraus zu ekeln, diese dann zu kaufen, aufzumotzen und anschließend teuer zu vermieten oder zu verkaufen. Doch auch Alphonse steht unter der Fuchtel mächtigerer Männer. So muss er seinem Boss Lon Gordon (Armand Assante) regelmäßig Rede und Antwort stehen.

Dies erst recht, nachdem Alphonse und seine Jungs, darunter auch Victor und dessen engster Freund Darcy (Dominic Cooper), eine Jamaikaner-Gang hochgehen ließen und sämtliche Mitglieder getötet haben. Alphonse, der seit Monaten seltsame Bildausschnitte und rätselhafte Nachrichten erhält, hatte den Chef der Jamaikaner als Verantwortlichen ausgemacht.

Victor, der im 18. Stock eines Hochhauses in einem der weniger betuchten Reviere New Yorks lebt, wird regelmäßig von einer jungen Frau beobachtet, die im Haus gegenüber auf der gleichen Etage lebt. Es ist Beatrice (Noomi Rapace), die hier gemeinsam mit ihrer Mutter Louzon (Isabelle Huppert) lebt, die beiden sind vor nicht allzu langer Zeit aus Frankreich in die USA eingewandert.

Beatrice nimmt Kontakt zu Victor auf, die beiden gehen sogar gemeinsam aus. Beatrice ist – zumindest in ihrer Wahrnehmung – entstellt. Vor geraumer Zeit wurde sie in einen Autounfall verwickelt, an dem sie nicht schuld war, nach dem sie aber schwere Gesichtsverletzungen aufwies. Der Verursacher des Unfalls kam glimpflich davon, während die junge Frau, die ihren Lebensunterhalt als Visagistin verdiente, nun der Meinung ist, diesen Beruf nicht mehr ausüben zu können.

Zum Ende ihres gemeinsamen Abends rückt Beatrice mit ihrem wahren Anliegen heraus: Sie hat beobachtet und per Handy gefilmt, wie Victor einen anderen Mann in seiner Wohnung getötet hatte. Nun will sie ihn erpressen und verlangt, dass er den Mann tötet, der für ihre Entstellung verantwortlich ist. Victor versucht, sich aus der Situation herauszuwinden, doch scheint Beatrice sehr entschlossen, sich durchzusetzen.

Was sie nicht ahnt: Victor, der eigentlich László Kerick heißt, ist tatsächlich ein Opfer der Gang, in die er sich eingeschlichen hat, um Rache zu üben. Denn bei einer der Aktionen, die Alphonse regelmäßig durchführte, ist Lászlós Tochter zu Tode gekommen. Er und seine Frau stellten Strafanzeige, doch bevor es zu einem Prozess kommen konnte, setzte Alphonse ein albanisches Killerkommando unter der Führung von Ilir Brozi (James Biberi) auf László und dessen Frau an. Sie starb bei dem Anschlag, László überlebte, inszenierte aber mit Hilfe seines Onkels Gregor (F. Murray Abraham) seine eigene Beerdigung, damit Alphonse glaubte, er sei tot.

Bei einer Unterredung in einem Café teilt Lon Gordon Alphonse mit, dass es für ihn eng wird, er nicht die Berechtigung hatte, die Jamaikaner auszuschalten, dass auch andere seit Wochen und Monaten ähnliche Botschaften wie er erhielten. Alphonse, so die Drohung des Bosses, könnte sehr schnell aus dem Geschäft raus sein.

Victor/László hat sich für diesen Termin, von dem er wusste, vorgenommen, Alphonse zu töten. Doch durch einen Anruf von Darcy wird er aus dem Konzept gebracht. Er schaltet zwar einige Männer der Gang aus, Alphonse selbst aber kann er mit seinem Präzisionsgewehr nicht erwischen. Stattdessen muss er fliehen. Verfolgt von Darcy, der unbedingt herausfinden will, wer Alphonse die Nachrichten zukommen lässt, um in der Gang weiter aufzusteigen, und anderen Männern der Bande, gelingt Victor/ László in letzter Sekunde die Flucht, weil Beatrice ihm gefolgt ist und ihn mit ihrem Auto in Sicherheit bringt. Zudem gibt sie ihm ein Alibi, als Darcy die beiden stellt, indem sie sich als Victors/Lászlós Geliebte ausgibt.

Nach diesem Zwischenfall erklärt Victor/László gegenüber Beatrice, wer er ist und was er vorhat.

Victor/László hat den Bruder von Ilir entführt, hält ihn in einem alten Schiffswrack gefangen, wo er ihn foltert und schließlich zwingt, in einer Videobotschaft zu behaupten, dass er von Alphonse gefangen gehalten wird. Nachdem er hat, was er wollte, lässt Victor/László Hunderte hungrige Ratten auf den gefesselten Mann los, erbarmt sich dann aber seiner und erschießt ihn.

Zwischen Beatrice und Victor/László bahnt sich eine wirkliche Liebesbeziehung an. Mehrfach ist er Gast in der Wohnung des Mutter-Tochter-Duos; Louzon, die ihrer Tochter einen Mann an der Seite wünscht, hat bereits ihren Segen gegeben.

Derweil kommt Darcy seinem Kumpel immer mehr auf die Spur. So findet er heraus, dass László Kerick nicht gestorben ist, sein Begräbnis und die Grabstätte lediglich Fake sind. Allerdings weiß er noch nicht, dass ausgerechnet sein Freund Victor der Mann ist, der hinter den anonymen Nachrichten steckt.

Nach einem weiteren gemeinsamen Dinner erklärt Victor/László Beatrice, dass es zwischen ihnen keine Beziehung geben könne. Er will ihr aber, weil sie ihm Ehrlichkeit, eine gewisse Loyalität und auch Zuneigung entgegengebracht hat, helfen. Er fährt mit ihr zu der Bar, in der der Mann, der für den Unfall verantwortlich war, regelmäßig verkehrt. Er schlägt ihn nieder und übergibt Beatrice als Zeichen, dass er ihn getötet habe, einen blutigen Teil von dessen Wagen. Dann aber, so erklärt er ihr, müssten sich ihre Wege trennen. Als Letztes übergibt er ihr einen Umschlag und bittet sie, diesen für ihn aufzugeben.

In dem Umschlag befindet sich eine Speicherkarte, auf der das Geständnis von Ilirs Bruder aufgezeichnet ist. Victor/László hat das Hauptquartier von Alphonse´ Bande mit Sprengstoff vermint. Sein Plan ist, dass Ilir und seine Männer nun dorthin fahren, um Ilirs Bruder zu befreien und er, Victor/László, bei einer Sprengung, bei der er allerdings aus technischen Gründen vor Ort sein muss, alle – inklusive sich selbst – wird töten können.

Als Beatrice, die mittlerweile wieder angefangen hat, in ihrem alten Job zu arbeiten, durch Zufall herausfindet, dass der Mann noch lebt, den Victor/László angeblich für sie getötet hat, stellt sie ihn telefonisch zur Rede. Er erklärt ihr, dass er nicht glaube, dass es ihr besser ginge, wenn sie für den Tod eines Menschen verantwortlich wäre. Die erhoffte Genugtuung werde sich nicht einstellen.

Doch auch Beatrice hat sich nicht an die getroffene Verabredung gehalten: Sie hat den Umschlag geöffnet, die Speicherkarte herausgenommen und durch ihren Glücksbringer, eine Hasenpfote, ersetzt. Dann hat sie alles an Ilir geschickt.

Beatrice geht in die Wohnung von Victor/László, um mit ihm zu sprechen. Als sie ihn nicht antrifft, ruft sie ihn an, um ihn zu überreden, mit ihr gemeinsam die Stadt zu verlassen. Sie sagt ihm, sie könne ihn lieben und wolle nicht, dass er stirbt, auch nicht, um seine Rache zu bekommen.

Während des Telefonats taucht Darcy auf, er wollte Victor/László zu einem Treffen abholen, das Alphonse in seinem Haus anberaumt hat. Schnell begreift er, was wirklich los ist, erst recht, als er in der Wohnung auf die Aufzeichnungen stößt, die Victor/László im Laufe seiner Recherchen gemacht hat. Darcy schlägt Beatrice nieder und nimmt sie mit zu Alphonse.

Ilir wird von Alphonse ebenfalls in sein Haus gebeten, da er nun wisse, wie sich alles zueinander verhalte. Deshalb schenkt der Albaner dem Umschlag, der ihm auf der Straße von einem Boten überreicht wird, keine Beachtung.

In Alphonse´ Haus kulminieren die Dinge. Victor/László fährt mit seinem SUV direkt in die Halle und tötet, wen immer er vor den Lauf seiner Automatikwaffen bekommt. Während der Schießerei gelingt es Beatrice, die Speicherkarte, die sie bei sich führt, in ein herumstehendes Notebook zu stecken und den darauf enthaltenen Film abzuspielen. Ilir sieht das Geständnis seines Bruders und richtet seine Waffe auf Alphonse. Die beiden töten sich gegenseitig.

Victor/László hat während seiner massiven Aktion darauf verzichtet, Darcy zu erschießen, obwohl er die Gelegenheit gehabt hätte. Als er mit Beatrice schließlich fliehen will, alle im Haus Anwesenden sind tot, stellt sich Darcy den beiden in den Weg. Er richtet seine Waffe auf Victor/László und fragt ihn, ob der ihn nur deshalb verschont habe, weil er, Darcy, Frau und Kinder habe, wie er seinem Freund zu Beginn der Geschichte erzählt hatte. Victor/László verneint und sagt, er habe ihn verschont, weil sie ihn hätten. Dann lässt er seine Waffe sinken und geht mit Beatrice davon. Mit der Subway fahren sie zurück in ihr Leben. Sie küssen sich.

Thriller, Film-Noirs, Gangstergeschichten – wie auch immer man das Genre genau bezeichnen will, eines ist klar: Wirklich Neues gibt es kaum mehr zu erzählen. Es geht um Variationen, Anordnungen, Versatzstücke und darum, wie man sie zueinander in Bezug setzt. Wesentlich ist, wie man das, was eh schon alle kennen, erzählt, ob man Erwartungshaltungen erfüllt oder ob man sie unterläuft. Ob man originelle Übergänge und Figuren er-findet, die das Publikum noch überraschen können.

Niels Arden Oplev nimmt sich in seinem ersten amerikanischen Spielfilm eine klassische Rachegeschichte vor und mischt sie auf, indem er sie durch eine zweite, für den Protagonisten wie das Publikum zunächst überraschende Rachegeschichte aufpeppt, geradezu durchquert.

Da ist der ehemalige, mit seiner Familie aus Ungarn eingewanderte Ingenieur László Kerick, der sich nun Victor nennt und Mitglied einer Gangsterbande in New York ist. Deren Geschäft ist es, Mieter aus billigen Absteigen und Hochhäusern in den weniger feinen Gebieten der Weltmetropole heraus zu ekeln, um diese dann billig aufzukaufen. Dummerweise ist bei einer dieser Aktionen Lászlós Familie – seine kleine Tochter und seine Frau – und, wie zumindest die Gangster um den Boss Alphonse glauben, auch László selbst ums Leben gekommen. Stimmt aber nicht. Stattdessen hat László, als Victor getarnt, die Organisation infiltriert und spielt nun sein eigenes Spiel, um Rache an den Mördern seiner Familie zu üben.

Soweit ist das ein zwar typischer, in seiner Logik sicherlich nicht ganz sattelfester Plot, auf den ein genreerprobtes Publikum aber sich einzulassen bereit ist. Doch schon der Twist, dass László/Victor, um sein ganz eigenes Drehbuch voranzubringen, einen der Gangster in seinem Appartement tötet und – was schwerer wiegt – sich dabei durch offene Vorhänge von einer Nachbarin von gegenüber hat filmen lassen, wirft Fragen auf. Denn wenn man Lászlós späteren Aussagen im Film Glauben schenken will, ist er tatsächlich nur ein unbescholtener Familienvater, der mit seiner Familie sein Glück in den USA zu finden hoffte. Betrachtet man dann allerdings die Aktionen, mit denen er die Gangster, alles hartgesottene Kerle und Bürschchen, ausschaltet, wirkt es doch eher so, als habe der gute László ein Vorleben als James Bond oder Ethan Hunt oder einer vergleichbaren Figur hinter sich. Wie gnadenlos er seine Häscher tötet, welch ausgefeilter Methoden er sich dabei bedient, wie gekonnt er mit Sprengstoffen umzugehen und ein Spezialgewehr mit Zielvorrichtung zu verwenden versteht – das alles lässt sich nicht mit der lapidaren Äußerung, er „habe gedient“ erklären. Und umso unglaubwürdiger, dass er dann, im entscheidenden Moment, wenn er eine der Schlüsselfiguren in seinem Racheplan ausschaltet, vergisst, die Vorhänge zuzuziehen.

Doch nur so kann die eigentliche Geschichte ins Rollen kommen. Denn die Nachbarin, die das alles beobachtet und mit ihrem Handy festgehalten hat, ist eine junge Frau, die mit ihrer Mutter in dem Appartement gegenüber lebt und die durch einen Autounfall entstellt wurde. Nun will sie, dass Laszlo/Victor den Mann tötet, der für den Unfall verantwortlich war und lediglich einige Tage in Untersuchungshaft gesessen hat. So haben wir es also mit einem doppelten, sich eben durchquerenden Rache- und Selbstjustizdrama zu tun.

Tod der Familie – das zieht natürlich immer, klar. So lief das schon seinerzeit beim Vater aller modernen Selbstjustizthriller DEATH WISH (1974) und so läuft es seither immer: Unter toter Familie machen wir es nicht. Aber Verlust der Schönheit und, wie die junge Dame namens Beatrice Louzon – sie und ihre Mutter stammen aus Frankreich, so wie László aus Ungarn, sie alle also Einwanderer, Einsame – berichtet, damit einhergehend der Verlust der Arbeitsstelle, weil sie Visagistin sei und mit ihrem Gesicht nicht mehr vermittelbar, das ist dann nicht ganz so überzeugend wie eine tote Tochter und eine tote Gemahlin. Umso weniger, da Beatrice von Noomi Rapace gespielt wird, der man zwar dezente, aber keinesfalls entstellende Narben in ihr apartes und immer noch anziehendes Gesicht geschminkt hat.

So durchkreuzt sich Rachegeschichte Nummer eins nicht nur mit Rachegeschichte Nummer zwei, die im Laufe des Films auch immer weniger eine Rolle spielt und offenbar nur in die Story hineinkonstruiert wurde, um die beiden – Beatrice und Laszlo/Victor – zusammenzubringen. Nein, die beiden Stränge, die beiden Rachegeschichten verheddern sich geradezu ineinander. Dabei wäre die Ausgangslage, die der Film präsentiert, eigentlich sehr schön, gleichsam poetisch und anrührend gewesen. Beide leben in achtzehnten Stock ihres jeweiligen Hochhauses und beide „begegnen“ sich gelegentlich, wenn sie auf dem Balkon stehen. Zwei Einwanderer, die etwas verloren in dieser riesigen Stadt wirken. Verloren in ihren Wohnsilos, verloren in ihren Leben. Zerstörten, abgerissenen Leben. Vorsichtig winken sie sich über die Schlucht zwischen den Häusern zu und nehmen nicht nur miteinander, sondern mit dieser neuen, ihnen fremden Welt und letztlich mit dem Leben selbst wieder Kontakt auf. Das alles vor dem Hintergrund eines kalten, herbstlichen, schon winterlichen New York, das wenig einladend wirkt. Poesie der Großstadt. Daraus hätte man sicherlich etwas entwickeln können.

Doch DEAD MAN DOWN will eben ein Rache-, mehr noch, der Film will ein Action-Thriller, ein richtiger Kracher sein. Also bringt Beatrice mit Hilfe ihrer geheimnisvollen Mutter, gespielt von der immer wunderbaren, immer von Geheimnissen umgebenen Isabelle Huppert, die hier mal wieder einen Ausflug ins amerikanische Genre-Kino macht, ihren Nachbarn recht brachial dazu, sich ihrer Sache anzunehmen. Dass die beiden sich ineinander verlieben, dass sie aber beide geschundene Seelen in einer harten, brutalen und gnadenlosen Wirklichkeit sind, die Kameramann Paul Cameron recht eindrücklich einfängt, das liegt nun auf der Hand und gehört so eben auch zum Standardrepertoire eines solchen Thrillers. Wie die Kritik befand, stimmt die Chemie zwischen Noomi Rapace und Colin Farrell, der László/Victor als mimisch kaum mehr sich ausdrückenden, zutiefst verletzten und nur noch auf seine blutige Rache sinnenden Soft-Macho gibt. Diese Flirren zwischen den beiden, auch in jenen Momenten, in denen sie sich noch belauern, umkreisen, nicht wissen, was vom anderen zu halten ist, erhebt den Film über herkömmliche, durchschnittliche Thriller-Kost.

Diese Liebesgeschichte, die da zwischen diesen so verletzten Seelen sich anbahnt und die erst die eine, dann der andere nicht wirklich akzeptieren mag, diese Liebesgeschichte birgt eben, wie oben dargelegt, wirklich wunderbares Potential. Man muss es dann aber auch abrufen, man muss es bergen. Was möglich gewesen wäre, zeigen die Szenen, in denen Rapace und Farrell ihren Figuren die dazu nötige Tiefe oft nur mit leichten Gesten, einer reduzierten Mimik, einem Blick Ausdruck verleihen. Leider sind derer zu wenige im Film und leider werden sie von den Actionszenen überlagert, die dann allerdings lediglich das Niveau erfüllen, das man von einem mittelmäßigen Reißer erwarten darf, aber kein Jota darüber hinausweisen. Da gibt es schlichtweg Spektakuläreres. Und man muss nicht einmal auf den Gold-Standard, eben die jüngeren Ausgaben der JAMES-BOND-Reihe oder die MISSION-IMPOSSIBLE-Serie verweisen, im Action-Genre, wenn man es denn so nennen will, hat man in den vergangenen zwanzig Jahren einfach besseres und aufregenderes gesehen, als was Oplev und sein Team hier an reiner Action zu bieten haben.

So bleibt schließlich ein halbgarer Film übrig, der in seinen atmosphärischen Momenten, die tiefe Melancholie ausdrücken und es verstehen, Abgründe zu zeigen, ohne diese ins Melodramatische kippen zu lassen, wirklich überzeugt; aber eben auch ein Film, der dann auf ausgeklügelte und gelegentlich widerwärtig brutale Tötungen und halt auf Action nach den üblichen Maßstäben setzt, was auf eine Länge von knapp zwei Stunden dann eher langweilt, als dass es mitreißt. Schlicht deshalb, weil man gewohnt was passiert ist und das, was passiert, so und nicht anders erwartet. Man kennt die Abläufe und obwohl man es erhofft, eben nichts Überraschendes passiert. Man erhofft, dass das Essen, das Beatrice´ Mutter – fest in Tupperware verpackt und die sie unbedingt zurückhaben will – László/Victor schickt, mit einer Droge oder, besser noch, einem Aphrodisiakum versetzt sei. Aber nichts da, es ist einfach Essen. Überhaupt erwartet man von dieser Rolle, die immerhin mit einer der Grande Dames des französischen Kinos besetzt ist, etwas mehr, als dass sie einfach immer nur daheim hockt und Französisch parliert. Wozu dient diese Figur eigentlich? Und klar, Beatrice macht László/Victors Sache irgendwann zu ihrer, aber selbst das wundert nicht, denn es liegt in der – diesmal sich schließenden – Logik der Beziehung der beiden zueinander und eben auch in der Logik des Rachethrillers.

Das Ergebnis ist dann eben ernüchternd, denn DEAD MAN DOWN deutet zu vieles nur an, lässt sich nicht wirklich auf das ein, was den Film stark macht und da, wo er punkten will, bietet er eben doch nur Durchschnitt. Er verschenkt seine Potentiale, zu denen eine letztlich erlesene Riege an Darstellern gehört. Vielleicht hätte Oplev gänzlich auf die Action verzichten und das Ganze eher als Film-Noir oder gar als vertrackten Psychothriller anlegen sollen, hätte die Rachegeschichten viel stärker einander ins Gehege kommen lassen sollen, man weiß es nicht. So verlässt man das Kino und hat das meiste dessen, was man da betrachtet hat, nach zehn Minuten bereits wieder vergessen. Schade.

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