CALIFORNIA

Ein vergessenes Kleinod des Western der 40er Jahre

Als Lily Bishop (Barbara Stanwyck) aufgrund ihrer Profession der Stadt verwiesen werden soll, hat sie Glück: Eben ist ein Treck dabei gen Westen aufzubrechen. Das Ziel ist Kalifornien. Obwohl sich der Treck-Scout Jonathan Trumbo (Ray Milland), gegen die Anwesenheit der Dame – die auch er für eine Gefahr unterwegs hält – ausspricht, findet sie Unterschlupf bei Michael Fabian (Barry Fitzgerald), seines Zeichens der Anführer des Trecks und dessen Spiritus Rector.

Während sich der Treck seinen Weg durch das weite Land bahnt und dabei allerlei Unbilden – Flüsse, Schluchten, dichte Wälder – zu überwinden sind, entwickelt sich zwischen Trumbo und Lily eine Art Hassliebe. Sie fühlen sich offensichtlich voneinander angezogen, wenn sie sich dann begegnen, kommt es regelmäßig zu Streitereien, die teils sehr hässlich und beleidigend ausgetragen werden.

Trumbo lernt auch Fabian besser kennen. Er bewundert dessen Zuversicht, aus ein paar trockenen Hölzern, wie Trumbo sie etwas verächtlich nennt, in Kalifornien Wein hervorzaubern zu können. Für Trumbo, daran lässt der Zyniker gegenüber seiner Umwelt keine Zweifel aufkommen, ist der Treck ein Job, den er ordentlich beenden will, um seinen vollen Lohn und die Prämien einstreichen zu können.

Fabian nimmt seinen jungen Freund gern mit dessen eigenem Auftreten auf den Arm. Doch ist der Ältere viel zu gutmütig und weise, als daß er Trumbo nicht auch Verständnis entgegenbrächte. Das ändert sich auch nicht, als einige Männer, die dem Treck unterwegs begegnen, Trumbo beschuldigen, wegen einer Frau Dreck am Stecken zu haben.

Zwischen Lily und Trumbo kommt es zu einem Fanal, als sie ihn beim Poker ausnimmt und er andeutet, sie spiele nicht ehrlich. Das, so versichert sie ihm, werde sie nicht vergessen und ihm eines Tages heimzahlen.

Als den Treck die Kunde erreicht, in Kalifornien sei Gold gefunden worden, alle Welt ströme dorthin um reich zu werden, bricht das Chaos aus. Ein jeder sattelt sein Pferd, schirrt die Pferde an, nimmt die Zügel in die Hand und bricht umgehend auf eigene Faust auf, um ja rechtzeitig da zu sein, wo der Reichtum winkt.

Nur Trumbo, der bei einer Auseinandersetzung mit Booth Pennock (Gavin Muir) eine Verletzung davongetragen hat, und Fabian bleiben schließlich im Lager zurück. Lily fährt auf Pennocks Wagen mit. Auch sie will schnellstmöglich am Goldrausch teilhaben.

Als Fabian und Trumbo Wochen später die Westküste erreichen, ist der Goldrausch voll entbrannt. All ihre früheren Freunde, die Farmer werden wollten, sind nun Goldsucher. Nur einige wenige sind ihren Plänen treu geblieben. Lily hat einen gut gehenden Saloon eröffnet und singt abends in ihrer Bar zum Entzücken der Kerle.

Hier begegnen sich Lily und Trumbo erneut. Sofort ist die alte Intensität wieder da, sofort fühlen sie sich voneinander angezogen, werfen einander aber zunächst die jeweiligen Verfehlungen vor. Schwerer als die Vergangenheit wiegt für Trumbo allerdings die Tatsache, daß Lily sich mit Pharaoh Coffin (George Coulouris) zusammengetan hat. Der Mann ist Trumbo ein Begriff, war er doch einst einer der führenden Sklavenhändler. Nun residiert Coffin über der Stadt wie ein König.

Da es erneut zu einem heftigen Streit zwischen Trumbo und Lily gekommen ist, will sie ihn des Saloons verweisen, und zwar dauerhaft. Doch Trumbo weiß, wie er sie anstacheln kann und fordert sie zu einem Pokerspiel heraus – der Einsatz sei der Saloon. Lily nimmt an und verliert. Nun ist sie ihres Geschäfts verlustig und zunächst auf Coffin angewiesen.

Der seinerseits liebt Lily mit allem, was er hat. Er verehrt sie und müht sich, ihr gegenüber die ihm innewohnende Brutalität zu verbergen. Mehr noch verbirgt er seine Pläne vor ihr. Denn Coffin ist ein erbitterter Gegner der Idee, Kalifornien zu einem Teil der Vereinigten Staaten zu machen. Vielmehr will er die Unabhängigkeit – vor allem, weil er sich davon gute Geschäfte erhofft, da er jetzt schon das Monopol auf alle möglichen Waren und Güter hält.

Trumbo, der sich derweil seiner Vergangenheit stellen muß, trifft auf seinen alten Vorgesetzten Colonel Stuart (Roman Bohnen). Der ist nicht sonderlich erfreut darüber. Trumbo ist seinerzeit aus eben dieser Einheit desertiert. Ohne die genaueren Umstände jemals näher zu erläutern wird deutlich, daß er wegen einer Frauengeschichte abgehauen ist.

Nun teilt Trumbo Col. Stuart mit, daß Coffin Gewehre, Munition und Granaten horte. Zufällig war er Zeuge geworden, wie Coffin diese einer Besuchergruppe in der Kapelle seines Hauses gezeigt hatte, wo die Waffen versteckt liegen. Unter den Besuchern befand sich auch der junge Hernandez (Anthony Quinn), der selbst Coffins Meinung zuneigt, aber noch schwankt.

Col. Stuart weist Trumbo darauf hin, daß die Zeiten, in denen man einen unliebsamen Gegner einfach aus dem Wege räumen konnte ein und für alle Male vorbei seien. Wenn er Coffin etwas entgegensetzen wolle, dann müsse er das auf politischem Wege erledigen. Es brauche einen Gegenkandidaten bei den anstehenden Wahlen.

Coffin sieht das allerdings anders. Er glaubt noch an die alten Mittel und lässt Trumbo aus dem Weg zu räumen. Der für tot Gehaltene wird von Mexikanern gesund gepflegt. Er kehrt zurück in die Stadt und bittet gemeinsam mit einigen der Farmern Fabian darum, sich als Kandidat aufstellen zu lassen. Nach anfänglichem Zögern erklärt der sich einverstanden.

Nach einem heißen Wahlkampf gewinnt Fabian schließlich die Wahl und soll in Monterey eine Regierungserklärung halten. Auch Coffin und seine Gefolgsleute, darunter Pennock, sind anwesend. Es gelingt Fabian in einer mitreißenden Rede die meisten der Abgeordneten auf seine Seite zu ziehen. Als sich die Versammlung auflöst, schießt Pennock auf Fabian, tötet aber versehentlich einen von dessen Freunden. Hernandez hatte Trumbo zuvor gewarnt, daß Coffin etwas Gewaltsames plane. Dafür musste er mit seinem Leben bezahlen, wie Trumbo herausfindet, als er den toten Mann findet.

Entsetzt wenden sich Coffins Anhänger nun von diesem ab, ist er in ihren Augen doch einen Schritt zu weit gegangen. Erst recht, als er nun auch noch vorschlägt, die Macht in Kalifornien mit Waffengewalt an sich zu reißen.

Coffins Männer sind derweil unterwegs, sie sollen kurzen Prozess mit Fabian machen und auch Trumbo, wenn möglich, stellen. Fabian wird gemeinsam mit einigen seiner Freunde bei der Attacke getötet. Trumbo und seine Männer verfolgen Coffins Leute, die sich in dessen Hazienda verschanzen. Doch bevor er den Angriff befiehlt, trifft Trumbo auf Lily. Er fragt sie, ob sie nun begreife, was für ein Mann Coffin sei.

Als Lily erfährt, daß die Pistoleros ihres Mannes für Fabians Tod verantwortlich sind, bricht sie mit Coffin.

Es kommt zu einer wilden Schießerei in und um die Hazienda. Schließlich gelingt es Trumbo und seinen Männern, ins Innere einzudringen. Er tötet zunächst in einem Zweikampf Pike (Albert Dekker), die rechte Hand Coffins und für dessen Drecksarbeit zuständig, bevor er Coffin selbst stellen kann. Doch der überwältigt Trumbo mit einem Trick. Gerade als er ihn töten will, schießt Lily auf ihn. Coffiin stirbt.

Der Kampf ist beendet. Trumbo will sich nun dem Gericht stellen, er nimmt an, daß es ihn ein oder zwei Jahre kosten könne, wegen Desertation verurteilt zu werden. Lily erklärt, daß sie auf ihn warten werde.

Schwungvoller Patrioten-Western der alten Schule – so lautet das erstaunlich kurze Credo in Joe Hembus´ WESTERN-LEXIKON[1] zu John Farrows Edel-Western CALIFORNIA (1946). Dabei ist der Film in seinem anachronistischen Erscheinungsbild eigentlich ein recht interessantes Exemplar jener Epoche des Genres, die noch nicht ganz dem entsprach, was später als „erwachsener Western“ bezeichnet werden sollte, zugleich aber auch nicht mehr die ungebrochenen Helden-Geschichten der frühen Western der 20er und 30er Jahre erzählen konnte. Zudem fällt er in eine Zeit, die einige jener Werke hervorbrachte, die man als ‚Noir-Western‘ bezeichnete (PURSUED/1947; COLORADO TERRITORY/1949). Gelegentlich wird Farrows Film selbst diesem Sub-Genre zugerechnet. Doch täuscht dies, viel mehr ist er ein seltsamer Hybrid aus dem klassischen Helden-Western, der ein Narrativ bedient, das von der glorreichen Landnahme und der stringenten Durchsetzung von Recht und Ordnung erzählt, zugleich aber leicht zwielichtige Figuren in den Mittelpunkt stellt, da die Macher geahnt zu haben scheinen, daß es ganz so einfach dann doch nicht mehr geht.

Mit Ray Milland und Barbara Stanwyck hatte Farrow zwei Stars zur Verfügung, die das Zwielichtige und Ambivalente schon in ihren Images mitbrachten. Stanwyck – sicherlich der etwas größere Star als Milland – hatte zwei Jahre zuvor die klassische, wenn nicht gar definitive Femme fatale in Billy Wilders DOUBLE INDEMNITY (1944) gegeben und galt als selbstbewusst und stark, selten, daß sie in klassischen Frauenrollen besetzt wurde, die auch immer bedeuteten, einen Helden anzuschmachten. Wenn Stanwyck jemanden anschmachtete, dann ging das Publikum sogleich davon aus, daß sie etwas im Schilde führt, was das Objekt der Begierde durchaus das Leben kosten könnte. Milland seinerseits hatte ein Jahr zuvor in THE LOST WEEKEND (1945) – ebenfalls einem Film von Billy Wilder – sehr überzeugend einen Alkoholiker gespielt, dem es nicht gelingen will, seine Sucht zu überwinden. Beide Filme – DOUBLE INDEMNITY wie auch THE LOST WEEKEND – werden sowohl stilistisch wie inhaltlich dem ‘Film Noir’ zugerechnet. Milland und Stanwyck waren also eindeutig mit dem Genre verbunden, Stanwyck gar so etwas wie eine Ikone des ‚Film Noir‘.

Hier geben sie den Abenteurer Joe Trumbo, der als Scout einen Treck nach Kalifornien führen soll, und die Bardame Lily Bishop, die von den Damen der besseren Gesellschaft einer Stadt verwiesen wird, da sie im Verdacht steht, nicht nur zu singen und gelegentlich auch zu spielen. Sie ist also eine Dirne, zumindest in den Augen ihrer Mitmenschen, er entpuppt sich schließlich als Deserteur, der einst sein Regiment unerlaubt verlassen hatte. Zwei Jahre nach dem 2. Weltkrieg kein allzu gutes Zeugnis für einen Mann. Und sicher kein Ausweis des „Heldischen“. Als Gegengewicht zu dieser Melange gibt Barry Fitzgerald den nahezu weisen und lebenserfahrenen, vor allem aber gütigen Treck-Führer Michael Fabian, der gegen den Willen seiner Gefolgsleute bereit ist, Lily Unterschlupf in seinem Wagen und somit eine Passage nach Kalifornien zu geben. Die etwas grobe Art, in der Milland und die Stanwyck dann miteinander flirten, bestimmt das erste Drittel des Films, der den Treck gen Westen begleitet.

Oft wurde CALIFORNIA als Siedler-Western bezeichnet, was insofern erstaunt, als diese Episode bestenfalls ein Drittel des Films ausmacht. Dieses Drittel bleibt allerdings im Kopf des Betrachters haften, da es die eindrucksvollsten Bilder – an der Kamera stand Ray Rennahan – und viel Spektakel bietet. CALIFORNIA war eine teure Produktion, das sieht man dem Film in vielen dieser Einstellungen und Szenen während des Trecks deutlich an. Später verlagert der Film sein Setting eher in Innenräume, die zwar mit viel Liebe zum Detail ausgestattet sind, für einen Western aber eher konventionell anmutet. Dennoch – alles hier ist groß und ausladend angelegt. Da entspricht der Film ganz seinen Vorläufern wie Cecil B. DeMilles UNION PACIFIC (1939). Mit diesem teilt er auch die weit angelegte Thematik.

Man kann nur jenen Kritikern zustimmen, die dem Film attestieren, im Grunde die kalifornische Geschichte bebildern zu wollen. Der Treck löst sich auf, als ihn die Kunde von Goldfunden in Kalifornien erreicht. Offenbar schreiben wir also das Jahr 1848/49. Nun kämpft jeder für sich, die Ordnung löst sich auf und die Siedler rasen und hetzen, um ihr Stück vom Goldkuchen abzubekommen. Nur der zu diesem Zeitpunkt verletzte Jonathan Trumbo und natürlich Fabian, der sich um seinen Freund kümmert, bleiben zurück. Als sie Wochen später ihr Ziel erreichen, sind aus Siedlern Goldsucher, Glücksritter geworden. Und Lily partizipiert am Rausch der Goldsüchtigen, da in ihrem Saloon die Erträge verflüssigt werden. Die lose Ordnung eines noch nicht gefestigten und normativen Gesellschaftssystems weckt Begehrlichkeiten. Die einen wollen den Staat Kalifornien als unabhängiges Gebilde wissen, formen und sicherlich dabei auch verdienen. Die anderen wollen Teil der Union werden. Daß der Anführer der Unabhängigen im früheren Leben Sklavenhändler war, was Trumbo ihm direkt mal unter die Nase reibt, bedeutet im Kontext des Films also auch, daß sich dieser unabhängige Staat dem Süden und damit den Sklavenstaaten verbunden fühlen würde. Also muß die Politik entscheiden. Es kommt zur Wahl und die Kandidaten halten ihre Reden. Für die Unionisten ist dies selbstredend Fabian.

Erstaunlicherweise – und ebenso exemplarisch für die Ökonomie des Western-Narrativs, dem es wie kaum einem anderen Genre des klassischen Hollywood-Films gelingt, das große Ganze im Privaten, Persönlichen zu spiegeln oder zu ergänzen; die besten Werke des Genres weisen fast immer eine solche Ebene auf – gelingt es CALIFORNIA trotz all diesen großen, staatstragenden Themen immer noch, ein Western zu bleiben und eine waschechte Western-Story zu erzählen. Denn natürlich liebt Trumbo Lily, kann ihr dies allerdings nur in einer ausgesprochen rauen Weise zeigen – was sie die Krallen ausfahren lässt. Beide vergeben sich nichts und werfen sich die übelsten Dinge an den Kopf. Und Lily lässt Trumbo schließlich sitzen, ist doch auch sie daran interessiert, möglichst schnell nach Kalifornien zu gelangen. Wo sie offenbar sehr schnell Fuß fassen konnte mit ihrem Saloon. Und sich mit dem Anführer der Unabhängigen, einem Mann namens Pharao Coffin, eingelassen hat. Der liebt sie tatsächlich mit eben jener Inbrunst, die Trumbo zu zeigen nicht in der Lage ist. Und so wird schließlich alles persönlich in CALIFORNIA und es kommt zum Showdown, den Lily beendet, indem sie die richtige Seite wählt und Coffin niederstreckt, als dieser im Begriff ist, Trumbo zu töten. Ein klassisches Western-Happyend. Der richtige Kandidat entscheidet die Wahl für sich, auch wenn es ihn zur Steigerung der Dramatik das Leben kostet, die Frau liegt in den Armen des richtigen Mannes, der Bösewicht wurde bestraft, ergo getötet, und alles geht seinen gerechten Weg.

Auf dieser Ebene entspricht CALIFORNIA absolut jenen Western der früheren Phasen, die die Besiedlung des Landes als reine, als ungebrochene, als Geschichte mutiger Männer und gelegentlich auch mutiger Frauen erzählten und sich um die Geschichte der Ureinwohner bspw. nicht scherten. Die weder von der Einsamkeit dieser Landschaften, sondern ausschließlich von ihrer Schönheit kündeten, dem Kampf gegen diese Natur etwas Mystisches einschrieben und immer darum bemüht waren, selbst Mythen zu speisen. CALIFORNIA bedient dieses Narrativ, füttert es aber hier und da mit einigen Neurungen. Am deutlichsten natürlich in den Charakteren. Daß beide Hauptfiguren zwielichtige Gestalten sind und von Buch und Regie auch genau so gezeichnet werden, wurde erwähnt, doch ihre Bereitschaft zur härtesten Konsequenz, ihre Bösartigkeit, wenn es darum geht, den andern zu verletzen, die Schärfe gerade jener Szene, in der Lily Trumbo unglaubliche Beleidigungen an den Kopf wirft und er sie dafür mit einem harten Schlag straft, sind bemerkenswert. Diese beiden sind einander ebenbürtig und sie werden immer in diesen Kampf verwoben sein, davon ist auszugehen. Fabian ist da schlicht der gute Geist, den jedes Gemeinwesen braucht, das zu einem solchen erst werden will, und Coffin ist ein ebenfalls bemerkenswerter Bösewicht, der von schrecklichen Träumen geplagt wird, in denen er immer wieder das Stöhnen und Seufzen der gequälten Seelen im Bauch seines Sklavenschiffs hört. Ein Verdammter, dem der Film doch mit einem gewissen Respekt begegnet.

Allerdings ist es der Respekt gegenüber jenen, die wir auch fürchten. Schnell findet Trumbo heraus, daß Coffin bereits Waffen lagert, um bei einem ihm nicht genehmen Ausgang der Wahl die Macht mit Gewalt zu ergreifen. Das kommt dem modernen Betrachter bekannt vor, haben es die USA seit 2016 doch in Donald Trump mit einem Mann zu tun, der seinerseits bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen, um seine Macht zu erhalten. CALIFORNIA konnte sich auf etwas verlassen, das heute leider nicht mehr zählt: Im entscheidenden Augenblick – es ist jener, in dem einer der Anhänger Coffins einen Freund Fabians skrupellos über den Haufen schießt – wissen auch jene, die selbst eben noch bereit waren, allzu weit zu gehen, wo die rote Linie, wo die Grenze ist. Und sie ziehen sie offensichtlich bei der Frage der Gewalt, also der Mittel zum Zweck. Als Coffin den Mord scheinbar regungslos zur Kenntnis nimmt und dann darauf hinweist, nun selbst Gewalt anwenden zu wollen, wenden sich seine Verbündeten von ihm ab[2].

CALIFORNIA behandelt dieses immens politische Thema allerdings ebenfalls nach Western-Manier. Der Wahlkampf wird mir allen Mitteln ausgetragen, die Plakate der Gegenseite werden abgerissen, die Reden, die geschwungen werden, sind voller Pathos und Übertreibung. Und als die Siedler, die Farmer, merken, wo der Hase langläuft, erweisen sie sich als mutig genug, selbst die Waffen in die Hand zu nehmen und Coffins Leuten entsprechend entgegen zu treten. Sie verteidigen die Demokratie, ihr Gemeinwesen und den Rechtsstaat. So ist der Anteil an Actionszenen auch im letzten Drittel des Films gewährleistet und jeder kommt auf seine Kosten.

Ein etwas vergessener, aber durchaus immer noch sehenswerter Western, der von einer Zeit des Übergangs kündet – weg von den Heldensagen hin zum psychologischen, eben „erwachsenen“ Western. Als solches Übergangswerk allerdings ist der Film wahrlich eine Fundgrube.

 

[1] Hembus, Joe: DAS WESTERN-LEXIKON. München 1976/1995; S.93.

[2] Manchmal wünschte man sich, jene, die heute wie Jünger einer Sekte hinter Donald Trump und seinen Lügenmärchen von Wahlbetrug und seinem Hass gegen alles und jeden, der ihm nicht folgen mag, hinterherlaufen würden sich einen Film wie diesen – oder bspw. Stanley Kramers INHERIT THE WIND (1960) ansehen – Filme, in denen der wirklich gesunde Menschenverstand sich schlußendlich durchsetzt, Filme, in denen Logik und Fakten noch eine Rolle spielen.

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