DER GEHEIMAGENT/THE SECRET AGENT

Ein ungemein moderner Text

Gemeinhin wird Joseph Conrad heutzutage in unseren Breiten kaum mehr gelesen, bestenfalls sein HERZ DER FINSTERNIS (HEART OF DARKNESS; erschienen 1902). Das allerdings hat es sogar einst in den Stand der Schullektüre geschafft. Als ein Vertreter der Frühmoderne und meist vor allem aufgrund der stilistischen Mittel (Stream of Consciousness etc.), die zur Anwendung kommen. Conrad wird ansonsten gern als Autor von Abenteuergeschichten abgetan, da viele seiner Plots sich mit der Seefahrt beschäftigen und in weit entfernten Teilen der Welt – in der Südsee, Asien oder Afrika – angesiedelt sind. Daß er ein genauer Chronist kolonialistischer Bestrebungen war, dabei immer kritisch gegenüber diesen Entwicklungen, wird ihm zwar zugestanden, dennoch aber gilt er als „Männerautor“, der sich vor allem mit „Männerthemen“ beschäftigt habe. Die englische Literaturwissenschaft sieht dies naturgemäß etwas anders, da hier sehr wohl erkannt wurde, daß Conrad sich nicht nur mit zutiefst moralischen Fragen auseinandersetzte, sondern darüber hinaus auch sehr genaue psychologische Einblicke in seine Figuren gewährte. Mehr noch aber spielt wohl eine Rolle, daß er, dessen Geburtsname gemäß seiner polnischen Abstammung Józef Teodor Konrad Korzeniowski lautete, in einer ihm zunächst fremden Sprache, dem Englischen, schrieb und ihr völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten und Redewendungen abgewann und hinzufügte.

DER GEHEIMAGENT (THE SECRET AGENT; erschienen 1907) kann getrost als Antithese zu vielen Klischees gelesen werden, die gegenüber Conrad gehegt werden. Die Geschichte spielt komplett in London, sie ist hochpolitisch, setzt sich mit unmittelbar zeitgenössischen Entwicklungen und Geschehnissen auseinander, weist eine hoch brisante und seht genau erfasste Frauenfigur auf und beweist das außergewöhnliche psychologische Gespür, daß Conrads Schreiben immer innewohnte. Wie in früheren Romanen, namentlich LORD JIM (1900), gelingt es Conrad auch hier, durch Auslassungen und Antiklimax die Dramatik seiner Erzählung zugleich zurück zu nehmen und zu steigern. Zudem nutzt er eine a-chronologische, elliptische Erzählform, bei der zwei erzählerische Kreisläufe sich überschneiden und in der Schnittmenge ihres Wirkens einen zeitlichen Bruch in der Erzählstruktur markieren. Genau in dieser Falte, in dieser Bruchstelle, findet das eigentliche Geschehen, ein durch Zufall verhinderter Bombenanschlag, statt. Nur lässt Conrad uns daran eben nicht teilhaben. Auch die Art und Weise, wie er seine Erzählung mäandern lässt, ist hochmodern und selbst für heutige Leser noch fesselnd. Einer Kamera gleich, die einen langen und langsamen Schwenk vollzieht, entwickelt sich die Geschichte langsam von Figur zu Figur, ohne eine einzige davon als Hauptprotagonisten in den Mittelpunkt zu stellen. Die für den jeweiligen Abschnitt wesentliche Person steht im Mittelpunkt, dann treibt das Geschehen weiter, zu einen weiteren Mitwirkenden, in einen anderen Handlungskreis, um schließlich wieder an ihrer Ausgangsposition anzulangen. Nur hat sich im Laufe von ca. 340 Seiten alles verändert, was wir an diesem Ausgangspunkt erfahren haben. Das sind für einen so früh im 20. Jahrhundert verfassten Roman außergewöhnlich moderne Stilmittel und formale Elemente.

Erzählt wird die Geschichte des Mr. Verloc, der in London eine junge Frau heiratet, wodurch er in den Besitz eines Ladengeschäfts gerät, von dem aus er seine eigentliche Arbeit – er ist ein Doppelagent sowohl für eine ausländische „Gesandtschaft“, als auch für den Londoner Polizeiinspektor Heat – verrichten kann. Die Ehe mit der jungen Winnie trägt ihm auch die Verantwortung für deren Mutter, mehr noch für ihren jüngeren, als schwachsinnig gekennzeichneten Bruder Stevie ein, die Mr. Verloc eher gleichgültig übernimmt. Als der Gesandtschaftsvertreter Wladimir ihm den Auftrag erteilt, durch eine Bombenexplosion das Augenmerk der Londoner Geheimpolizei auf die allseits in der britischen Hauptstadt auftretenden Anarchisten zu richten, mit denen Verloc ebenfalls Umgang pflegt, kommt er auf die Idee, Stevie die Bombe platzieren zu lassen. Das schlägt fehl, Stevie stolpert an entscheidender Stelle und sprengt sich selbst in die Luft, ohne den beabsichtigten Schaden zu verursachen. Dadurch wird eine ganze Reihe weiterer, fast tragischer Ereignisse in Gang gesetzt.

Es ist typisch für Conrad, das eigentliche Ereignis – den Bombenanschlag – nicht nur nicht direkt zu beschreiben, sondern letztlich scheitern und dadurch als sinnlosen, ja tragischen Unfall erscheinen zu lassen. So, wie in LORD JIM das Schiff eben nicht sinkt und etliche Missionare mit sich in den Untergang reißt, auch wenn der Protagonist genau das annimmt und ihn elende Schuld empfinden lässt, die er subjektiv auch wirklich auf sich geladen hat, hat er das Schiff doch verlassen, ohne daß er die ihm Anvertrauten zu retten versucht, so findet der eigentliche Anschlag in DER GEHEIMAGENT eben nicht statt. Das Ziel, das Observatorium in Greenwich, wird nicht attackiert oder gar zerstört, stattdessen stolpert Stevie im Park auf dem Weg zur Eingangstreppe und die Sprengladung entzündet sich. Alles Folgende – die rasche Ermittlung des Täters, die Annahme Winnie Verlocs, ihr Mann habe die Tat genau so geplant, die Irrtümer verschiedener Protagonisten hinsichtlich des Ablaufs und der Intention des Anschlags und selbst Winnies Mord an ihrem Ehemann – beruhen auf Zufällen, Mißverständnissen, Halbwissen und Fehlinformationen. Lediglich Inspektor Heat spielt ein böses Spiel, als er der trauernden Frau die näheren Umstände des Todes ihres Bruders so schildert, daß sie schnell falsche Schlüsse ziehen muß. Heat seinerseits folgt einer eigenen Agenda, da er den Anarchisten Michaelis als Täter, bzw. Anstifter der Tat auserkoren haben will. So dreht sich die Handlung um eine Leerstelle. Diese Leerstelle wird von dem abwesenden, zerstörten Körper eines zerfetzten Kindes markiert.

Conrad webt ein dichtes Netz aus Verquickung, Fehlwissen und heimlichen Ansprüchen einzelner, aus geheimen Anordnungen und fürchterlicher Schuld, und es gelingt ihm damit, Hochpolitisches mit Persönlichem so zu vermischen, daß dahinter auch die ebenfalls für ihn typische moralische Erzählung – hier eben als vollendete Tragödie – zum Vorschein kommt.

London wurde während der 1880er und den darauffolgenden Dekaden von zahlreichen Bombenexplosionen erschüttert, die oftmals auf Anarchisten, Sozialisten und andere Gruppen zurückzuführen waren. In den Figuren Michaelis, Ossipon, Karl Yundt und des „Professors“ führt Conrad verschiedene Typen vor, die unterschiedliche dieser Strömungen repräsentieren, verdeutlicht jedoch vor allem, daß er sie allesamt nicht mag. Conrad war ein wacher Beobachter seiner Zeit, durchaus kritischen Geistes, ein Revolutionär war er hingegen sicherlich nicht. So gibt er vor allem Michaelis und Ossipon schon fast der Lächerlichkeit preis, wenn er sie als Revolutionäre schildert, die sich gern aushalten lassen und die angenehmen Seiten einer Gesellschaft in Anspruch nehmen, die sie doch eigentlich ablehnen. Sie rechtfertigen dies, indem sie darin subversive Handlungen erkennen wollen. Besonders schlecht kommt bei Conrad auch Yundt weg, der als Maulheld gezeichnet wird, als „alter Terrorist“, der sich aber der Tat enthält, andere gern anstiftet und vor allem gern das große Wort führt. Conrad legt ihm Worte in den Mund, die aufs Grässlichste an moderne Terroristen – ob islamistischen Schlages oder von rechts – erinnern. Er entlarvt und desavouiert damit allerdings auch allen ideologischen Überbau, den Gewalt sich suchen mag. Hätten diese Ansichten und die derjenigen, die ihnen diametral entgegenstehen nicht solch grässliche Folgen, könnte man diesen Text durchaus als Farce begreifen. Und Conrad webt auch immer wieder Züge einer Farce darin ein.

Allein der „Professor“ ist eine nicht nur ernstzunehmende, sondern auch äußerst bedrückende Gestalt in diesem Reigen. Bewehrt mit einem Sprengstoffgürtel, den Zünder immer in der Hand, um so einer Festnahme durch Selbstvernichtung zu entgehen, redet er vom „wahren Anarchismus“, der ein Anarchismus der reinen Tat sei. Er träumt von Massenmord und totaler Auslöschung. Er, der das Bombenbauen wie eine Kunst betreibt, vergibt seine Todesmaschinen an jeden, leistet Dienst für alle. Die anarchische Handlung als vollkommene Verweigerung jeglichen theoretischen Zusammenhangs: Die Zerstörung selbst wird zur Kommunikations-, ja, zur Daseinsform. Die Idee, daß ein Mensch, behangen mit Sprenggürteln, durch eine europäische Großstadt streift, mutet uns Heutigen nicht allzu fern an, wurden wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten doch zu oft Zeugen ebensolcher Selbstmordanschläge, ob in Madrid, Brüssel, Paris und eben London. Auf dieser Ebene ist DER GEHEIMAGENT vor allem auch ein fast gegenwärtiger Roman.

All diese Terroristen und Revoluzzer stehen unter genauer Beobachtung – und so wird anhand der Figuren des Inspektor Heat und seines Vorgesetzten, der seinerseits Michaelis schützen will, da dessen Mäzenin eine gute Freundin seiner Frau ist, die politische Verwicklung nur allzu deutlich, die lange keine „guten“ und „bösen“ Menschen kennt, keine Täter und Opfer, sondern nur Beteiligte, die auf unterschiedlichen Ebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven je eigene Ziele und Pläne verfolgen. Verloc wiederum ist der klassische Doppelagent, dessen Auftrag die Abstrusität all dieser gar nicht so geheimen Vorgänge vorführt, indem er für die „Gesandtschaft“ eines Landes, das ebenso gut Russland wie Deutschland sein könnte, einen fingierten Anschlag plant und ausführt, also im Grunde als klassischer Agent provocateur agiert, wodurch die ganze Angelegenheit einen weiteren Dreh erhält. Ausländische Mächte sind daran interessiert, die englische Polizei zu härterem Durchgreifen gegen die Sozialrevolutionäre anzustiften – indem sie einen Angriff auf das Observatorium in Greenwich als Symbol des säkularen Glaubens an die Wissenschaft, und somit auf die Moderne selbst, fingieren lassen. Auch darin schimmert die Farce auf.

Gerade im Verhältnis von Polizei (Ermittler) und Terrorist (Ermittelter), sowie im Verhältnis des Polizisten zum einfachen Dieb, über die Conrad seinen Inspektor Heat sinnieren lässt, beschreibt der Autor erneut zwei Kreise, besser ineinander spielende Dreiecke, die dialektischen Charakter haben und in der Theorie die Konstruktion seiner Erzählung nachvollziehen: So, wie der Dieb das System zwingend braucht, also letztlich die geltenden Regeln und Gesetze anerkennt, und sein Tun wie ein Spiel betreibt, so ist auch der Ideologe, der Terrorist, auf das herrschende System angewiesen, um es zu bekämpfen. Letztlich ist es nur der „Professor“, der sich dieser Dialektik entzieht, der seine Verachtung für die Anarchisten und Terroristen, wie für die herrschende Gesellschaftsform, offen ausspricht und dessen Haltung möglicherweise die einzige in sich stimmige in dieser Geschichte ist. Seine kühle Todeskalkulation steht Stevies anti-intellektuellem Staunen über die Welt entgegen.

In der Person des Ministers Sir Ethelred verdeutlicht Conrad schließlich auch die Verwicklung der Politik, bzw. ihren Anteil an den Geschehnissen. Mehrfach vom Commissioner, Heats Vorgesetzten, informiert, weist er immer wieder darauf hin, keine „Einzelheiten“ hören zu wollen. Was wie ein Spleen anmutet und andeutet, daß man hier wenig Zeit habe, Wichtigeres zu erledigen sei, ist in Wirklichkeit auch der dringende Wunsch, gar nicht zu genau wissen zu wollen, womit man es zu tun hat. Die Polizei und Geheimdienste sollen die unappetitlichen Einzelheiten bitte klären, aber diese sollen nicht in die vornehmen Clubs und Salons der besseren Gesellschaft vordringen – umso unerhörter natürlich, daß mit Wladimir ausgerechnet der Abgesandte eines fremden Staates den Auftrag gab, der alles in Gang setzt. Wladimir seinerseits ist in seiner Funktion als Botschaftsangehöriger aber natürlicher Bestandteil der „besseren Gesellschaft“. Eine weitere dialektische Volte des Autors, denn all die wortgewaltigen Terroristen, die er vorführt, gelangen aus sich selbst heraus nie zur Tat. Sie schwingen Reden, verfassen Pamphlete, schreiben Bücher, die niemand liest. Wirklich die Tat fordert das Establishment.

Von Anfang an ist diese Erzählung mit Bitternis, einem trüben Grau, unterlegt, das sich in der häufigen Erwähnung des Londoner Nebels und des Regens spiegelt. Verloc wird beschrieben als ein Mann, der wenig im Leben besitzt, was ihm Freude bringt und der dann durch einen üblen Auftrag in ein fürchterliches inneres Chaos gestürzt wird; seine Frau Winnie immer wieder als eine Person erklärt, die „nicht zum Kern der Dinge vordringen“ will, eine Person bar aller Neugier, wohl aber ihren Bruder liebend – eine Liebe, die schließlich Furor hervorbringen wird, einen Zorn, der sie zur einzigen Gewalttat treibt, die im Buch bewusst begangen und explizit beschrieben wird; Heat als ein Mann, mit dessen Verdiensten sich andere schmücken; der Commissioner als unglücklich Verheirateter, dessen Ehe seine von ihm geschätzte Karriere in den Kolonien beendet hat; und selbst Sir Ethelred wird gepeinigt von konservativen Kräften, die seine Initiativen zu durchkreuzen und verhindern suchen. Die Anarchisten – von dem Bewährungssträfling Michaelis einmal abgesehen, den vielleicht schon der Wahnsinn heimgesucht hat, der, von einer wohlhabenden Dame ausgehalten, abgeschieden an einem Buch ohne Logik und Sinn schreibt – sind durchweg Versager, Hassende, die sich einer Welt widersetzen, die ihnen als eng und ungleich erscheint, die sich aber dann, im entscheidenden Moment, vor allem als Egozentriker entpuppen. All diese Figuren sind in sich unzufrieden und in gewisser Weise schuldig, da sie alle dazu beitragen, diese Welt niemals besser zu machen. Sie alle reden viel und teils auch gekonnt. Die einzige Figur in dieser Erzählung, der man Unschuld zugestehen kann, eine tiefe Liebe zum Dasein, ist zugleich die einzige Figur, die keine Sprache hat – Stevie. Sein Mitleid ist wirklich, es ist unvermittelt und authentisch und sein Leiden an der Welt, besser: an den Menschen, ist ein wahres Leiden.

Genau in dieser Figur wird die Moral von Conrads Erzählung deutlich. Stevie ist die Kreatur schlechthin, er kann sich keinen Reim auf die Welt machen, er liebt die Tiere und empfindet sie wie natürliche Begleiter. Der Umgang der Welt mit ihnen ruft seinen Schmerz und seine Wut hervor. Und ausgerechnet er wird auserkoren, eine tödliche Mischung Sprengstoff dort zu platzieren, wo sie möglichst großes symbolisches Unheil anrichten soll: An den Toren der Wissenschaft, in die die aufgeklärte Menschheit ihren Glauben setzt. Ihre Substitution für wirklichen, religiösen Glauben, den Stevie ohne Kenntnis alles Religiösen tief in sich trägt als Staunen vor dem Dasein. Daß es ihn bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt, daß er „mit einem Spaten zusammengekratzt werden musste“, wie es an einer Stelle im Text heißt, daß es ein dummer Unfall, ein Stolpern über eine Baumwurzel ist, daß dieser Tod also nicht einmal den Zweck erfüllt, für den er nie vorgesehen war (beteuert Verloc doch, daß er dem Jungen eingebläut habe, den Kanister abszusetzen und sich zu entfernen) – genau das ist der Kern dieser Erzählung. Darin kommen die tiefmoralische Botschaft und vielleicht sogar Conrads eigene Bitternis deutlich zum Ausdruck. Es ist der Irrsinn eines nutzlosen Todes, der den Irrsinn von Mord und Selbstmord in Bewegung setzt und der von Conrad mit ungeheurer stilistischer Geschicklichkeit, mit der Tiefe der Figuren, die jede einzelne aufweist, als politischer, ideologischer und persönlicher Irrsinn seiner Zeit beschrieben wird. Das Staunen an der Welt wird ausgelöscht in einem Ringen von Kräften, die keinen wirklichen Zugang mehr haben zu den Wundern, die das Dasein birgt.

Es wurde gern behauptet, daß dieser Text, der formal bereits vieles in sich vereint, was die literarische Moderne definieren sollte, vor allem eine Warnung vor dieser Moderne sei. Sicher ist daran einiges wahr. Doch vor allem zeigt DER GEHEIMAGENT einen Schriftsteller auf der Höhe seines Könnens, der genau beobachtet, analysiert und beschreibt. Urteilen enthält er sich weitestgehend. Moralisch ist und war er immer, wobei er immer verstanden hat, daß Moral den Menschen in Widersprüche und innere Spannung versetzt. Hier allerdings – im Unterschied zu vielen seiner übrigen Texte – bleibt am Ende wenig Hoffnung. Zerstörte Leben, zerstörte Familien und zerstörtes Vertrauen, aus dem nur die unbeschadet hervorgehen, die selber nie vertraut haben, die dem Leben mit einer ans Zynische grenzenden Rationalität begegnen. Für alle andern wird am Ende wenig bleiben, wie es zuvor gewesen ist.

DER GEHEIMAGENT ist unter den vielen Romanen, Geschichten und Essays des Autors Joseph Conrad sicher einer der herausstechenden. Er mutet inhaltlich wie stilistisch ungemein modern an, er weist auch einen Weg in diese Moderne, er scheint vieles atmosphärisch vorwegzunehmen, was in den Jahren hin zum Ersten Weltkrieg die Gesellschaften des Westens erschüttern sollte und ist selbst für uns Heutige noch aufschlußreich, da er psychologisch genau Einblick in Täterseelen und -hirne bietet. Es ist, wie sein Untertitel ankündigt, „eine einfache Geschichte“ (a simple story) und zugleich ein ungemein vielschichtiges und packendes Werk.

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