DIE HÖLLE DER ROTEN BERGE/RED MOUNTAIN

William Dieterles Ausflug in den amerikanischen Bürgerkrieg

1865, kurz vor dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs. In einem kleinen Grenzstädtchen im Westen wird der Gold- und Erzprüfer Braden ermordet. Nachdem ein windiger Beweis herhalten musste, wird der ehemalige Südstaatler Lane Weldon (Arthur Kennedy) der Tat verdächtigt. Lane war einst in Gefangenschaft geraten und hatte dort der Konföderation abgeschworen, doch ist er immer ein Außenseiter geblieben.

Obwohl der Sheriff sich bemüht, seine Leute von einem Lynchmord abzuhalten, sind die Männer kaum zu stoppen. Sie schenken Lanes Beteuerungen, er sei unschuldig, keinen Glauben. Als sein Tod beschlossene Sache ist, peitscht ein Schuß über die Prärie und durchtrennt den Strick, an dem Lane baumeln sollte.

Der Südstaatenoffizier Captain Brett Sherwood (Alan Ladd) hat Lane aus dessen Lage befreit. Gemeinsam fliehen die beiden in die felsige Berglandschaft. Hier erklärt Sherwood, daß er der Mörder Bradens sei, ohne zu erläutern, welches seine Motive waren. Er und Lane hatten sich zuvor versichert, daß beide nichts mehr mit dem Krieg zu tun haben wollten. Nun bittet Lane seinen neuen Freund, sich zu stellen, damit er selbst unbehelligt bliebe. Lane hatte eine Goldmine gefunden, deren Gehalt er selbst bei Braden hatte prüfen lassen wollen. Sherwood weigert sich, schlägt Lane k.o. und reitet davon.

Chris (Lizbeth Scott), Lanes Verlobte, findet ihren Zukünftigen gefesselt und befreit ihn. Gemeinsam nehmen sie die Verfolgung Sherwoods auf, da Lane der Meinung ist, nur der könne ihm helfen, seine Unschuld zu beweisen und somit seine Mine bearbeiten zu können.

Zwischen den Felsen treffen sie auf Sherwood. Lane stellt ihn zur Rede und es stellt sich heraus, daß Sherwood zwar die Nase vom Krieg voll hat, aber immer noch im Dienst der Südstaaten steht. Während Lane sich von deren Sache gelöst hatte, vertritt Sherwood die Haltung, der Süden dürfe sich niemals ergeben, gar kapitulieren. Chris fragt ihn mehrfach, wieso er eine Sache vertrete, die nicht nur schlecht, sondern auch vollends verloren sei. Beide – Chris und Sherwood – haben ihre Familien durch den Krieg verloren.

Es kommt schließlich zu einem Handgemenge zwischen den Männern, bei dem Lane unglücklich stürzt und sich ein Bein bricht. Als ein Unwetter einsetzt, schleift Sherwood ihn in eine Höhle und schwört Chris, an der er Gefallen findet, darauf ein, sich bei allem, was nun geschähe, zurückzuhalten.

Am nächsten Tag sieht Chris eine Kavalleriepatrouille am Grund der Schlucht. Zunächst versucht Sherwood sie davon abzuhalten, diese zu rufen, doch als sie keine Ruhe gibt, feuert er in die Luft und läuft den Soldaten entgegen.

Es stellt sich heraus, daß dies keine Unionisten sind, sondern der berüchtigte Guerilla-Führer William Quantrill (John Ireland), der sich der Uniformen lediglich bedient. Er versucht, die Indianerstämme des Westens unter seinem Kommando zu vereinen und damit einen letzten gewaltigen Schlag gegen die Union zu führen, indem er einen Indianerkrieg vom Zaun bricht. Es befinden sich auch etliche Indianer in seinem Gefolge.

Er hatte das Oberkommando des Südens darum gebeten, ihm Sherwood zu schicken, der als hervorragender Taktiker im Kampf gilt. Doch schnell merkt der verhinderte General, daß Sherwood keinesfalls so überzeugt ist, wie er selbst. Mehrfach weist Sherwood daraufhin, daß Quantrills Vorhaben sehr ambitioniert sei.

Zudem versucht er, Lane und Chris zu retten. Quantrill nimmt die beiden lediglich als Ballast wahr. Und Chris, die sich entgegen Sherwoods Bitte sehr wohl als Nordstaatlerin zu erkennen gibt, ist in seinen Augen so oder so ein Feind. Nur, indem Sherwood von der Goldmine erzählt, deren genaue Lage auch er nicht kennt, kann er Quantrill davon abhalten, Lane zu töten.

Aus der Stadt wird Dr. Terry (James Bell) geholt, der Lane halbwegs versorgen soll. Quantrill will dann die Informationen zur Mine aus dem Mann herausfoltern, danach, so erklärt er Sherwood, würden alle drei – Lane, Chris und der Arzt – erschossen.

Sherwood erklärt Dr. Terry die Lage und bittet ihn, in die Stadt zu reiten und Hilfe zu holen. Auch im nächstgelegenen Fort müsse Bescheid gegeben werden, daß die Indianer auf dem Kriegspfad seien. Doch Dr. Terry kommt nicht weit, Quantrills Leute bringen ihn um.

Sherwood, der innerlich bereits mit der Sache des Südens gebrochen hat, reitet nun auf eigene Faust los und hofft, die Männer in der Stadt überzeugen zu können, ihm und den andern zu helfen. Zumindest der Sheriff ist dazu bereit, widerwillig folgen ihm auch die anderen Männer.

Gemeinsam reiten sie zur Höhle, wo der mittlerweile von einer Kugel getroffene Lane und Chris sich tapfer des Angriffs der Indianer erwehren. Es gelingt den Männern und der hinzueilenden Kavallerie, die Indianer zurückzuschlagen und Quantrills Männer zu besiegen. Währenddessen stellt Sherwood selbst Quantrill. Es kommt zum Showdown, bei dem Quantrill stirbt und Sherwood schwer verletzt wird.

Lane hat das Abenteuer nicht überlebt. Er ist am Blutverlust gestorben, wissend, daß Chris sich bereits für Sherwood entschieden hatte. Dem Sheriff gegenüber hat er auch den Mord an Braden auf sich genommen. Doch Sherwood erklärt, wie es wirklich gewesen ist und daß Braden ein Betrüger gewesen sei und ihn schon vor dem Krieg beklaut habe. Der Sheriff erklärt ihm, daß er nicht der erste und nicht der letzte wäre, den Braden übers Ohr gehauen hat.

Chris erklärt Sherwood, daß der Krieg bereits zwei Wochen zuvor mit der Kapitulation des Südens geendet habe. Das Land sei wieder vereinigt.

Das Interessanteste, was sich über William Dieterles RED MOUNTAIN (1952) anmerken ließe, ist möglicherweise der Umgang mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg, welchen der Film zur Schau stellt. Man könnte Bücher mit Thesen darüber füllen, weshalb dieser Krieg im Western, diesem ur-amerikanischen Genre schlechthin, selten direkt behandelt wurde, hingegen in sehr vielen Plots eine unterschwellige Rolle spielt. Es gab natürlich immer Western (vielleicht sollte man besser von Kriegsfilmen sprechen), die sich des Themas annahmen, allen voran John Fords THE HORSE SOLDIERS (1959). Doch weitaus häufiger wurde der Bürgerkrieg genutzt, um hintergründig Spannungen und Konflikte zu schüren, die zunächst wenig mit ihm zu tun hatten. Dabei war meist die entscheidende Frage, auf welcher Seite ein Protagonist gekämpft hatte.

Dieterles Film jedoch nimmt direkten Bezug auf den Bürgerkrieg und der Konflikt, den er beschreibt, resultiert direkt aus der sich anbahnenden Niederlage der Südstaaten. Es tritt hier der Guerilla-Führer William Quantrill, von John Ireland als ein letzter, melancholischer Gläubige an eine verlorene Sache gespielt, höchstselbst auf, um auf seine Weise den Krieg doch noch für die Konföderation zu entscheiden: Er will einen Indianeraufstand provozieren, der die Kräfte der Union bindet und damit dem Süden eine letzte Chance ermöglicht, den Sieg noch zu erringen.

Historisch gesehen ist das völliger Blödsinn, aber Drehbuchautor John Meredyth Lucas und seine Co-Autoren generieren daraus einen leidlich spannenden Plot, der es Alan Ladd in der Hauptrolle als zunehmend zweifelnder Südstaatenoffizier Brett Sherwood erlaubt, heldenhaft für die Rettung zweier sich dem Norden verbunden Fühlender und darüber hinaus für die Abwehr des Indianerangriffs zu sorgen. Die werden hier im großen Showdown schlichtweg massakriert, was der Film genüsslich verfolgt und dabei immer wieder zeigt, wie sie verwundet von Felsen fallen, von Pferden niedergetrampelt oder schlicht zusammengeschossen werden.

Ebenfalls interessant ist die Tatsache, daß der Name Quantrill auch im Jahr 1952 noch bekannt und berüchtigt genug war, um ihn ohne nähere Erläuterung als historische Figur in einen Western einzuführen und sich darauf zu verlassen, daß das Publikum weiß, mit wem man es hier zu tun hat. Der historische Quantrill zählt neben Nathan Bedford Forrest, dem späteren Gründer des Ku-Klux-Klans, zu den umstrittensten Figuren des Bürgerkriegs. Quantrill war nie offizielles Mitglied der konföderierten Armee, schon allein deshalb, weil er jedwedes Obrigkeitsprinzip ablehnte – zumindest solange, wie er selbst nicht in führender Position war. Er scharte eine Gruppe von Outlaws um sich, die als Quantrills Raiders berüchtigt werden sollte, da sie den Krieg als irreguläre Truppe ins Grenzland zwischen Missouri und Kansas trug, mit äußerster Brutalität gegen Feinde – oder solche, die man dafür hielt – vorging und schließlich mit dem Massaker an der Bevölkerung von Lawrence, Kansas, am 21. August 1863, eines der blutigsten und übelsten Kapitel der Geschichte des Bürgerkriegs schrieb. Im Film wird kurz darauf angespielt, wenn Chris, die Frau, die Sherwood zu lieben beginnt, auch, wenn sie eine bekennende Unionistin ist, erklärt, weshalb sie Quantrill – und über ihn der Konföderation – niemals würde verzeihen können.

Daß Quantrill in Filmen immer wieder vergleichsweise milde dargestellt wurde, kann man eigentlich nur damit erklären, daß er im Süden bis heute eine verehrte Figur ist und Hollywood es sich nicht mit einem Teil seines (zahlenden) Publikums verderben wollte. Dies mag generell der Grund dafür gewesen sein, den Krieg nur selten zum eigentlichen Gegenstand eines Filmplots zu machen, denn die Schrecken waren gerade im Süden auch fast hundert Jahre nach Beendigung der Kampfhandlungen noch zu spüren – und sind es teils bis heute. In RED MOUNTAIN ist Quantrill dann auch eher ein verblendeter Romantiker, der an eine Sache glaubt, die längst verloren ist und somit vielleicht etwas Schlechtes tut, dafür aber nachvollziehbare – also gute – Gründe hat.

Quantrill spielt aber nur eine, wenn auch wesentliche, Nebenrolle in Dieterles Film. Im Kern haben wir es mit einer klassischen – und so leider auch bereits Hunderte Male gesehenen – Westernkonstellation zu tun. Zwei Männer, die sich nicht sonderlich zugetan sind, in diesem Falle dadurch verstärkt, daß der eine – der von Arthur Kennedy gespielte Lane Waldron, ein „geläuterter“ Ex-Südstaatler – wegen eines vom andern – Sherwood – begangenen Mordes gesucht wird, dazwischen eine Frau, die bereits erwähnte und von der bildhübschen Lizbeth Scott gespielte Chris. Glücklicherweise wird Lane früh im Film schwer verletzt, was seinen Bewegungsspielraum extrem einschränkt, wodurch Sherwood, der für die Verletzung verantwortlich ist, glänzen kann, fallen ihm doch all die mutigen Heldentaten zu, die es braucht, um alle drei vor den Angriffen der Indianer zu schützen, die Quantrill auf sie hetzt, sobald er anfängt, Sherwood zu mißtrauen. Lane tut Chris und Sherwood schließlich noch den Gefallen, sich vornehm aus dem Konflikt um die Frau zu verabschieden, indem er das Zeitliche segnet, bevor es zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den Rivalen kommen könnte. Für Arthur Kennedy eine recht undankbare Rolle, hat er doch nicht viel mehr zu tun, als in einer Höhle zu liegen und unter Schmerzen zu stöhnen.

Der eigentliche Plot wird schnell und direkt runtererzählt. Nach einigen anfänglichen Verwicklungen, wer für den Mord an einem Gold- und Erzprüfer verantwortlich ist, bis Lane auserkoren wird, weil er schließlich einmal für den Süden gekämpft hat, was einem blutgierigen Mob als Beweis reicht, geht es direkt mit Chris und Sherwood in die Höhle. Ab nun spielt sich die Handlung gänzlich in den pittoresken Felsen und Bergen von New Mexico ab, wo Kameramann Charles Lang Jr. einige wirklich stimmungsvolle Bilder der Landschaft und der oft bizarren Felsformationen eingefangen hat. Hier wartet Sherwood auf Quantrill, dem er vom Oberkommando der Konföderierten zugewiesen wurde, weil er ein hervorragender Taktiker und Stratege sein soll. Doch lange hält sich RED MOUNTAIN nicht mehr mit Erklärungen und Geplänkel auf, sondern verlegt sich auf die Action, die es braucht, damit Sherwood seine Schutzbefohlenen und sich selbst aus der misslichen Lage befreien und erretten kann. Die dramatischen Szenen – Schießereien, Verfolgungsjagden, wilde Ritte durch die Prärie und waghalsige Klettereien auf den Felsen – sind hervorragend inszeniert, weisen hohes Tempo und ebensolche Dynamik auf und beweisen, daß Dieterle, für den dies der einzige Ausflug in den Western bleiben sollte, neben seinen ganz eigenen stilistischen Qualitäten auch das Handwerk beherrschte.

Daß das Drehbuch nebenbei in den vor allem anfänglich ausufernden Dialogszenen ununterbrochen den Krieg und die Gegnerschaft thematisiert und die Tatsache, wie dumm es sei, eine Nation auseinanderzureißen, ist ein löblicher Nebeneffekt, der 1952 eine selten gehörte pazifistische Botschaft aussendet. Und Lizbeth Scott und Alan Ladd können am Ende des Films rechtschaffen die ganz persönliche Vereinigung des Nordens und des Südens vollziehen, was allerdings ebenfalls gleich in einen größeren Zusammenhang gestellt und damit zur symbolischen Vereinigung des Landes erhoben wird. Will man also in einem Film wie diesem mehr als reine Unterhaltung sehen, dann ist es wohl dieser Aspekt des Friedens und der Versöhnung. Amen.

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