DIE RABENSCHWARZE NACHT – FRIGHT NIGHT/FRIGHT NIGHT

Eine 80er-typische Horrorkomödie um einen Vampir und die, die ihn jagen

Während im Fernsehen die neueste Folge Peter Vincent – Vampirjäger läuft, wollen Charly Brewster (William Ragsdale) und seine Freundin Amy Peterson (Amanda Bearse) gerade zur Sache kommen. Charly wünscht sich das schon lange; doch als er zufällig durch das Fenster seines Zimmers beobachtet, wie im leerstehenden Haus nebenan ein Sarg in den Keller getragen wird, verliert er jedes Interesse. Amy kann machen, was sie will, ihr Freund starrt nur noch gebannt auf das Nachbarhaus.

Anderntags beobachtet Charly, wie eine auffällige Blondine im Haus verschwindet. Als er sich am nächsten Morgen in der Schule darum bemüht, die immer noch wütenden Amy zu beschwichtigen, sieht er zufällig auf einem Fernseher, daß genau jene Frau, die er gesehen hatte, tot aufgefunden wurde. Er ist so gebannt von den Nachrichten, daß Amy in ihrer Wut nur noch bestätigt wird.

Abends beobachtet Charly durch sein Fenster den neuen Nachbarn, der sich Jerry Dandridge (Chris Sarandon) nennt, beim Liebesspiel mit einer Frau. Dabei entblößt Dandridge Fangzähne, Zudem scheint er Charly wahrzunehmen. Süffisant lächelnd schließt er die Jalousien an seinem Fenster.

Charly wendet sich an die Polizei, die ihn zunächst nicht ernst nimmt, bis er die tote blonde Frau erwähnt. Detective Lennox (Art Evans) fährt mit Charly zu Dandridges Haus und stellt diesen zur Rede. Hier erst rückt Charly mit seiner Überzeugung heraus, es bei Dandridge mit einem Vampir zu tun zu haben. Daraufhin verfrachtet Lennox den Jungen nach draußen, entschuldigt sich mehrfach beim Hausbesitzer und fährt zurück auf sein Revier; nicht, ohne Charly zuvor sehr genau mitgeteilt zu haben, was er von wirren Teenagern hält, die zu viele TV-Shows mit Geister- und Vampirjägern schauen.

In seiner Not wendet sich Charly wirklich an den Fernseh-Star. Vincent (Roddy McDowell) wurde gerade von seinem Studio wegen anhaltender Quotenschwäche entlassen und wimmelt den jungen Kerl, der ihn belästigt, ab. Charly befragt seinen Schulkameraden und Kumpel Ed (Stephen Geoffreys), der ihm erklärt, er solle es mit einem goldenen Kreuz und jeder Menge Knoblauch versuchen. Vor allem aber sei es wichtig, daß Dandridge nicht ins Haus eingeladen wird, denn ein Vampir könne nur in ein Heim eindringen, in das er zuvor eingeladen worden sei.

Als Charly heimkehrt, begegnet er im Wohnzimmer seiner Mutter (Dorothy Fielding) Jerry Dandridge. Sie habe ihn eingeladen, um dem neuen Nachbarn einmal guten Tag zu sagen. Dandridge macht deutlich, daß er Charly im Auge habe.

In der folgenden Nacht taucht Dandridge prompt im Haus auf und bedroht Charly. Dabei zeigt er auch sein wahres Gesicht – eine hässliche Fratze mit spitzen Hauern im Mund. Er bietet Charly erst an, ihn am Leben zu lassen, als Charly sich aber weigert, auf das Angebot des Vampirs einzugehen, will der ihn töten. Charly rammt ihm einen Bleistift in die Hand, woraufhin Dandridge erneut versucht, ihn zu töten – bis Mrs. Brewster auftaucht und Dandridge flieht.

Ed trifft Amy und überredet sie, gemeinsam nach Charly zu schauen. Ed macht sich Sorgen um seinen Freund. In seinem Zimmer treffen die beiden Charly in einem Meer aus Kerzen und jeder Menge Knoblauch an. Er ist dabei, spitze Pfähle zu schnitzen, da er sich vorgenommen hat, den Vampir zu töten.

Ed und Amy gehen zu Peter Vincent und bitten ihn, ihnen zu helfen, ihrem Freund zu verdeutlichen, daß Dandridge kein Vampir sei. Zunächst weigert der Schauspieler sich, doch als Amy ihm die 500 Dollar von ihrem Sparbuch anbietet, schlägt er ein, da er abgebrannt ist.

Vincent, Ed, Amy und Charly gehen abends zu Dandridge, mit dem sie sich zuvor abgesprochen haben. Vincent gibt dem Mann Wasser zu trinken, von dem er behauptet, daß es Weihwasser sei. Charly gibt sich zumindest leicht überzeugt, daß er unrecht hatte, als er sieht, wie Dandridge das Wasser trinkt. Gerade als sie wieder gehen wollen, sieht Vincent durch Zufall in seinem Taschenspiegel, daß Dandridge kein Spiegelbild hat. Ein sicheres Zeichen, daß der Mann ein Vampir ist. Vincent lotst die Teenager aus dem Haus.

Vincent will nicht mit der Sprache rausrücken, was ihm aufgefallen sei. Er verabschiedet sich und die drei Jugendlichen gehen zu Fuß heim. Ed verabschiedet sich, er will eine Abkürzung nehmen. Unterwegs wird er von Dandridge überfallen und gebissen.

Nachdem Charly Amy heimgebracht hat, verschanzt er sich in seinem Zimmer. Ed klopft an die Haustür und will mit Charly sprechen. Der lässt ihn ein und stellt erst dann fest, daß sein Freund bereits verwandelt ist und selbst zum Vampir wird. Er kann ihm aber ein Kreuz ins Gesicht drücken, das sich Ed einbrennt.

Dandridge verfolgt nun Charly und Amy, die sich in eine Disco flüchten können. Dort verführt Dandridge Amy und bringt sie in seinen Bann. Dann entführt er sie mit Eds Hilfe. Er fordert Charly auf, mit Peter Vincent gemeinsam in sein Haus zu kommen, wenn sie Amy je lebend wiedersehen wollen.

Die beiden kommen nachts in Dandridges Haus. Hier treffen sie den Hausherrn und dessen (noch) menschlichen Gehilfen Billy Cole (Jonathan Stark) an. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, bei der Vincent dem Vampir sein Kreuz aus der Requisite entgegenhält und entsetzt feststellen muß, daß es nicht wirkt. Dandridge lacht ihn aus und erklärt, daß man schon daran glauben müsse. Daraufhin streckt Charly ihm sein Kreuz entgegen – diesmal wirkt es, denn Charly glaubt an die Existenz des Vampirs.

Peter Vincent rennt verängstigt aus dem Haus und flieht zu den Brewsters ins Nachbarhaus. Hier trifft er auf Ed, der ihn angreift. Es kommt zu einem Kampf, bei dem es Vincent schließlich gelingt, Ed mit einem Teil des Treppengeländers zu pfählen. Er kehrt zurück ins Haus von Dandridge, um Charly zu helfen.

Der hat mittlerweile die bereits in Verwandlung begriffene Amy gefunden. Vincent erklärt ihm, daß sie Dandridge vor dem Morgengrauen töten müssten, um die Verwandlung aufzuhalten.

Billy Cole greift die beiden an, Vincent schießt mehrfach auf ihn, verletzt ihn auch schwer, kann ihn aber nicht töten. Charly rammt dem Angreifer schließlich einen Pfahl ins Herz, woraufhin der stirbt.

Zwischen Dandridge und den beiden Männern kommt es zu einem Kampf, der sich schließlich in den Keller des Hauses verlegt, wo es schließlich gelingt, die Scheiben des Kellers einzuschlagen und damit das aufkommende Sonnenlicht einzulassen. Der Vampir zergeht in den Sonnenstrahlen. Amy wandelt sich zurück in ihr eigentliches Ich.

Amy und Charly liegen wieder auf seinem Bett, im Fernsehen läuft Peter Vincents neue Show – statt Vampire jagt er nun Außerirdische. Als Charly das Fenster schließen will, sieht er kurz im Dunkeln des Nachbarhauses etwas aufleuchten. Amy schreckt auf, aber Charly beruhigt sie, da sei nichts.

Im Nebenhaus blinken kurz zwei rotleuchtende Augen auf und man hört ein schrilles Lachen, das an jenes von Ed erinnert.

Tom Hollands FRIGHT NIGHT (1985) ist einer jener kleinen Horrorfilme der 80er Jahre, die jenen Parodien, Persiflagen und Hybriden der 90er Jahre im Genre des Grauens den Weg ebneten.

Holland, der auch das Drehbuch schrieb, legte seinen momentweise durchaus harten Vampir-Reißer bewußt als Komödie an und bediente mit seinen jugendlichen Helden gleich auch noch das in den 80ern ausgesprochen beliebte und kommerziell wichtige Cross-Over-Genre des Teenie-Films. Holland liefert im engeren Sinne des Wortes ein postmodernes Pastiche voller Verweise und Zitate, voller Anspielungen und durchaus auch parodistischen Elementen. Allerdings merkt man dem Film heute auch sein Alter an. Nach nahezu 40 Jahren sind all die Witzchen und Effekte verbraucht. So ist das Ganze heute eine eher schale Angelegenheit, hat sich doch gerade die Parodie deutlich weiterentwickelt.

Das beginnt mit der Hauptfigur. Der von William Ragsdale gespielte Charly Brewster macht bereits in den ersten Minuten des Films derart viele Fehler, daß ihn ernst zu nehmen nicht nur seiner Freundin, seinen Freunden und dem Sheriff schwerfällt, sondern auch dem Publikum. Es fängt damit an, daß er sich – obwohl eben noch darüber klagend, seine Freundin Amy ließe ihn nie ran – nicht davon ablenken läßt, das Nachbarhaus zu beobachten, als sich seine Freundin endlich erstmals für ihn entkleidet. Dann rennt er minutenlang durch den Film und schwadroniert von Vampiren, die bei ihm nebenan eingezogen seien, belästigt damit auch die Polizei, die ihm natürlich nicht glaubt, und wirkt auch auf den Betrachter eher wirr. Daß der Herr Polizist nun seinen Zeugen mitnimmt, um mal beim neu eingezogenen Nachbarn anzufragen, wie es sich denn mit seinen nächtlichen Umgangsformen verhält, trägt ebenfalls nicht zur Glaubwürdigkeit des Films bei. Aber möglicherweise ist es Holland auch nicht um Logik oder Glaubwürdigkeit zu tun. Zumal man die Reihe der Ungereimtheiten und Logiklöcher locker fortsetzen könnte.

Holland will den Zuschauer vielmehr mit einer herkömmlichen Horror-Geschichte amüsieren, unterhalten und ganz klar auch schocken. Während die erste Hälfte des Films voller Witzchen und Gags steckt, nehmen in der zweiten Hälfte die Schock-Effekte deutlich zu und wird der Zuschauer – wortwörtlich – in eine Geisterbahn geführt, in der es nur so qualmt, pufft und raucht. Da zerfließen die Gesichter gräulicher Gestalten, da entpuppt sich der Helfer des Nachbarn als eine Art Zombie, wenn auch einen der besser aussehenden Art. Es wird gepfählt und geköpft, gebissen und verdroschen, daß die Schwarte kracht. Alles allerdings auch weiterhin mit einem Augenzwinkern, wobei das Ganze nicht der Lächerlichkeit preisgegeben wird, sondern Buch und Regie die Regeln und Konventionen des Genres einhalten und beachten.

Wirklich nett sind die Anspielungen, die Holland einflicht. Vor allem Peter Vincent, der TV-Moderator, der im Fernsehen den Vampirjäger gibt. Der von Roddy McDowall gespielte TV-Veteran muß in Ermangelung eines echten Van Helsing den Job als Vampirkiller übernehmen. Er erinnert natürlich an all jene Moderatoren, die in den 50er und 60er Jahren im US-Fernsehen zu Gruselshows einluden und dann einzelne Episoden ankündigten. Wobei der berühmteste dieser Moderatoren – oder Conférenciers – eine gar schauerlich anzusehende Puppe gewesen ist. Der Name Peter Vincent wiederum verweist auf Peter Cushing und Vincent Price, zwei der wesentlichen Darsteller in Horrorfilmen der 50er und 60er Jahre. So gesehen, sollte man FRIGHT NIGHT auch als Reminiszenz an gerade diese Jahre betrachten, als Roger Corman seine Edgar-Allen-Poe-Verfilmungen in die Kinos brachte, in denen häufig Vincent Price die Hauptrolle übernahm, und die englischen Hammer-Studios mit Peter Cushing als Van Helsing und Christopher Lee als Fürst der Dunkelheit die Schauermär des Grafen Dracula erneut aufleben ließen.

Es ist bezeichnend für die Welt, in der FRIGHT NIGHT spielt, daß ein junger Mann wie Charly Brewster überhaupt auf die Idee kommt, sich an einen drittklassigen Fernsehschauspieler zu wenden, weil dieser in muffigen Kulissen Kindern seine Schauergeschichten erzählt. In dieser Welt verschwimmen eben die Ebenen von Fiktion und Wirklichkeit, auch wenn Peter Vincent sich zunächst aus der Affäre zu ziehen versucht, indem er eben auf das Wesen des Schauspielers hinweist und selbst keineswegs an das Übernatürliche glaubt. Und Charly zunächst für genau den überdrehten Teenager hält, der er ja auch ist. Der Grundwitz von FRIGHT NIGHT lebt, wie etliche Komödien aller Zeiten, eben genau davon, daß der Held mehr weiß als seine Mitmenschen und nur wir, als passive Zuschauer, sein Wissen teilen. Holland nutzt diese Finte eben als Einstieg zu einem Horrorfilm, was auch mal eine Variante ist, wenn auch keine sonderlich originelle.

Der ganze Film ist liebevoll ausgestattet, gerade das Innere des auch äußerlich schön anzusehenden Gruselhauses ist sehr detailreich eingerichtet. Bei den Effekten wurde nicht gespart und sie sind auch heute noch recht überzeugend. Vor allem der Vampir in seinen verschiedenen Erscheinungsformen. Aber auch die Maske von Charlys Kumpel Ed, der gebissen wird und sich langsam verwandelt, ist gut gestaltet. Sowohl die Ausstattung, das Setting, als auch die Masken dürfen getrost als huldvolle Erinnerung an jene Jahre gesehen werden, in denen das Genre eher plüschig daherkam und seinen Schrecken mit Maß und Mitte über das Publikum ergoß. Eben jene Jahre der Poe-Verfilmungen und TV-Gruselshows.

Heutzutage betrachtet man das eine wie das andere – die Vorbilder der 60er und FRIGHT NIGHT selbst – eher mit einem wohlwollenden, wenn auch distanzierten Blick. Eben weil man mittlerweile härtere, grausigere aber auch bösere und treffendere Filme seiner Art gesehen hat. Nichts ist so vergänglich, wie der Humor früherer Epochen. Immerhin – der Film war so erfolgreich, daß er mit FRIGHT NIGHT PART II (1988) drei Jahre später eine Fortsetzung bekam, zu der Tom Holland dann allerdings lediglich das Drehbuch beisteuerte. Jedoch übernahmen Roddy McDowell und William Ragsdale noch einmal ihre Rollen. 2011 erschien unter dem gleichen Namen ein Remake, das die Story und die Effekte modernisierte, im damaligen BUFFY– und TWILIGHT-Vampirhype aber nicht die Aufmerksamkeit fand, die sich das produzierende Studio erhofft hatte.

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