JOHN CARPENTER`S VAMPIRE/JOHN CARPENTER`S VAMPIRES

John Carpenter liefert einen Cross-Over aus Horrorfilm, Western und Splatter

Im Südwesten der USA ist ein Team von Vampirjägern unter der Führung von Jack Crow (James Woods) unterwegs, sie sollen ein Nest von Untoten ausräuchern. Nachdem sie etliche der Blutsauger gepfählt und ans Sonnenlicht gezogen haben, wo diese in Flammen aufgehen, feiern sie abends ausgelassen ihren Erfolg bei Bier, Barbecue und Babes. Nur Crow und sein Adlatus Montoya (Daniel Baldwin) sind weiterhin aufmerksam, da sie im Nest keinen Meister gefunden haben. Crow verschwindet mit der Prostituierten Katrina (Sheryl Lee) in einem separaten Zimmer des Motels, wo die Meute feiert. Als er den Raum verlässt, um sich und seiner Gespielin frische Getränke zu beschaffen, wird Katrina von dem vermissten Meister angegriffen. Es ist Valek (Thomas Ian Griffith), ein schon lange von Crow und seinen Vorgesetzten ins Visier genommener Großmeister unter den Vampiren. Nachdem er Katrina gebissen hat, greift Valek das Team an. Er tötet alle Männer und die anwesenden Damen, nur Crow und Montoya entkommen mit der bereits benommenen Katrina.

Während Montoya die sich langsam verwandelnde Katrina als Köder in ein Hotel bringt, um dort auf sie aufzupassen, besucht Crow Kardinal Alba (Maximilian Schell), Abgesandter des Vatikan in Sachen Vampirismus. Er eröffnet Crow, daß Valek eine Reliquie suche, die es ihm ermöglicht, auch tagsüber sein Unwesen zu treiben und damit nahezu unbesiegbar zu sein. Pater Guiteau (Tim Guinee) soll Crow bei der Jagd auf Valek begleiten und den nötigen geistlichen Beistand leisten. Crow, der während des Angriffs auf sein Team aus Valeks Mund seinen Namen vernommen hat, informiert Alba, daß es offenbar einen Verräter in ihren Reihen gäbe.

Währenddessen erwacht Katrina, nackt ans Bett des Hotels gefesselt. Montoya erklärt ihr, was ihr widerfahren ist und daß sie als Köder dient. Sie will sich daraufhin töten, bei einem Gerangel mit Montoya beisst sie diesen. Montoya verheimlicht die Verletzung vor Crow. Nun nehmen die drei Männer und Katrina die Verfolgung der Vampire auf, werden zugleich aber auch immer wieder von diesen attackiert. Schließlich gelingt es Valek, Crow in seine Gewalt zu bringen, während er zugleich Katrina langsam geistig unter seine Kontrolle bringt. Sie beisst Montoya erneut, der sich daraufhin mit einem heißen Gewehrlauf die Wunde auszubrennen versucht aber weiß, daß er verdammt ist. Zudem hat er sich in die Frau verliebt.

Valek, der die Reliquie – ein Kreuz – an sich gebracht hat, will das Ritual vollziehen, dabei soll Crow als Menschenopfer dienen, weil frisches Blut gebraucht wird. Während der Zeremonie taucht Kardinal Alba auf, womit klar wird, wer der Verräter ist. Pater Guiteau tötet Alba, Montoya, obwohl bereits in der Verwandlung, rettet und befreit Crow. Der setzt hinter den Vampiren her und mit Guiteaus Hilfe gelingt es ihm, die Schar der Meister, die sich um Valek versammelt haben, nach und nach auszulöschen, bis er sich schließlich Valek selbst stellen muß. Es kommt zu einem brutalen Kampf, den Crow schließlich gewinnt.

Crow begreift, daß Montoya verloren ist. Er und Katrina wollen gen Süden fliehen und irgendwo in Mexikos Wüsten versuchen zu überleben. Crow, der sich seinem alten Freund verbunden fühlt, auch, weil der ihm im vorangegangenen Kampf das Leben gerettet hat, sagt ihnen zwei Tage Vorsprung zu, erklärt aber auch zweifelsfrei, daß er den beiden folgen und sie töten wird. Montoya erklärt sich damit einverstadnen und er und Katrina fahren los. Crow und Guiteau machen sich ans Werk, sie haben noch einige Vampire zu jagen…

Die 1990er Jahre waren nicht besonders freundlich zu dem einstigen Wunderkind des Independent-Horrorfilms John Carpenter. Er hatte seit Ende der 80er Jahre eigentlich keine Erfolge mehr gehabt, zu Beginn der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts mit IN THE MOUTH OF MADNESS (1994) noch einen bei der Kritik beliebten Horrorfilm gedreht, der im Laufe der Jahre eine recht gute Reputation erlangte, zunächst aber an den Kinokassen floppte. Die danach folgenden VILLAGE OF THE DAMNED (1995) und das ‚Snake-Plissken‘-Vehikel ESCAPE FROM L.A. (1996) waren nicht mal mehr echte Schläfer, sondern einfach schlechte Filme.

1998 dann kam JOHN CARPENTER`S VAMPIRES (1998) in die Kinos, der ein erstaunlich hohes Budget von 20 Mio. Dollar aufwies – eher erstaunlich für einen Regisseur, dessen letzte wirkliche Erfolge über ein Jahrzehnt zurücklagen – und mit James Woods einen veritablen Star in der Hauptrolle, mit Maximilian Schell einen potenten Star in einer führenden Nebenrolle aufwies. Dennoch floppte auch dieser Film mehr oder weniger, gemessen an früheren Erfolgen seines Regisseurs. Carpenter, der Howard Hawks als eines seiner großen Vorbilder nennt und ein Fan von Western ist, hat oft und gern auf das Genre rekurriert, ohne je wirklich einen Western gedreht zu haben. Hier aber nun nutzte er das Setting im Südwesten der USA, um sich zumindest auf der Bildebene seinem Lieblingsgenre anzunähern. Der Film ist nahezu komplett in New Mexico gedreht und dank seines Budgets war es Carpenter möglich, mit einer hochwertigen Ausrüstung teils atemberaubende Bilder der Wüsten- und Berglandschaften einzufangen, die durchaus an klassische Western erinnern. Auch der formale Aufbau der wenig aufregenden Story und die formale Umsetzung – Totalen, Halbtotalen, „amerikanische Einstellungen“ – erinnern oft an Westernfilme, nicht jedoch der Inhalt selbst. Inhaltlich ist dies ein Horrorfilm, definitiv ein Vertreter des Subgenres des Vampir-Films. Allerdings ist es eindeutig auch ein Splatterfilm.

Carpenter selber wies darauf hin, daß er hier alles groß haben wollte, übertrieben, hart, allerdings ohne parodistisch zu wirken. Es sollte also keine Satire werden, durchaus aber ein Werk, das sich seiner Bezüge und Vorgänger bewußt ist und sie auch bewußt zitiert. So ist der Film voller Verweise, vor allem auf Western wie THE WILD BUNCH (1969), aber auch auf etliche Horrorfilme, hinzu kommt ein Gewaltpotential, das es in sich hat und dazu führte, daß Carpenter seine Fassung des Films bei den Verleihern nicht durchbekam. Da er ein R-Rating fürchtete, schnitt er den Film vor allem in der Anfangsszene um und brachte ihn so in eine Form, die noch gerade so akzeptabel für ein jugendfreies Rating war – was den Film kommerziell allerdings ebenfalls nicht retten konnte. Daß der Regisseur hier dick auftragen wollte, sieht man dem Film allerdings unumwunden an. Die Effekte sind extrem blutig und explizit, die Action ist weitestgehend rasant, die Bilder sind hochklassig in den Tableaus und satt in den Farben und die schauspielerischen Leistungen sind für einen Film dieser Machart und dieses Inhalts mehr als durchschnittlich. Wirklicher Schwachpunkt des Werks ist die Story.

Weder der Western, noch der Horrorfilm zeichnen zwingend durch vertrackte oder sonderlich hintergründige Stories aus; im ersteren Fall ist es eher die Wucht der Motive und ihre filmische Umsetzung sowie die Action, die auf der Leinwand zu bewundern ist, im letzteren Fall ist es vor allem der Aufbau einzelner Szenen und wie die Schocks inszeniert, bzw. im Aufbau der Handlung positioniert sind, wie überraschend sie sind und wie sehr es ihnen gelingt, das Publikum damit einzufangen und zu beeinflussen. Natürlich muß das einer hintergründigen und vertrackten Story nicht im Wege stehen, doch da beide Genres weitestgehend allegorisch oder metaphorisch funktionieren, Verdecktes oder Verdrängtes abhandeln oder gesellschaftliche Schieflagen begutachten, bzw. im Falle des Western mythische Narrative abhandeln, fällt auf, daß die besten Vertreter dieser Genres oft mit erstaunlich simplen Geschichten auskommen. Die Gefahr – und deshalb werden beide Genres auch oft unterschätzt – liegt darin, daß der Grat, auf dem man wandelt, wenn man eine simple Story erzählt, sehr schmal ist. Geht die Sache nicht auf, wird nicht genug Spannung erzeugt, sind die Antagonisten nicht überzeugend, stellt sich schnell Langeweile ein, schlimmer noch – oftmals wirkt ein solcherart verhunzter Film lächerlich.

Nun trifft dies im Falle von VAMPIRES nicht zu, im Gegenteil – gerade Thomas Ian Griffith als Valek ist ein überzeugender Antagonist und Maximilian Schell weiß seinen Kardinal Alba mit einer überzeugenden Mischung aus unterschwelliger Bedrohlichkeit und Arroganz auszustatten. Doch die Probleme beginnen schon bei den Figuren des Jack Crow und seines Adlatus Montoya. Woods und Baldwin sind zwar überzeugend, doch sind die Figuren schlicht unsympathisch. Ihre Art mit Frauen umzugehen, ihr Mangel an Reflektion, ihre extreme Gewalttätigkeit, lässt sie wie Wiedergänger derer wirken, die sie jagen. Das wäre ein an sich interessanter Aspekt – was macht die Jagd mit dem Jäger? – doch da weder die Vampire noch ihre Jäger je auf diese Punkte rekurrieren, erscheinen sie auch subtextuell bestenfalls ansatzweise. Die 90er Jahre hatten eine ganze Reihe von Vampir-Filmen hervorgebracht, die sich der Figur eher psychologisch näherten. Nichts davon hier: Carpenters Monster sind Monster, sie sind Ausgeburten der Hölle und somit zu vernichten. Crow erklärt in einer wie zur Überbrückung eingefügten Szene, was diese Vampire ausmacht: Sie zerreißen Menschen, trinken deren Blut und gehen bei Sonnenlicht in Flammen auf. Das war´s – keine Kreuze, kein Knoblauch, keine Särge, nichts von dem, was den klassischen Vampir auszeichnete zeichnet auch diese Vampire aus, es gibt keine Tragik, keine Romantik, keine Erotik, bestenfalls Sex. Dadurch verkommt die Jagd allerdings zu einer reinen Verfolgung ohne jedweden Tiefgang. Carpenter bietet Action und Splatter, aber beides nicht in dem Maße und nicht in einer Form, die mangelnde Tiefe wettmachen würde. So schleicht sich irgendwann zur Mitte des Films ein wenig Stagnation ein und man fragt sich, wie und wann diese Hatz zu einem Ende kommt.

Eine offizielle, von Carpenter immerhin noch produzierte, sowie ein inoffizielle Fortsetzung sollten dem Film folgen, der Regisseur selber in seinem ureigenen Metier, der Regie, allerdings erst wieder drei Jahre später mit GHOSTS OF MARS (2001) in Erscheinung treten. Erinnert man sich an die brillanten Frühwerke Carpenters, bleibt zu konstatieren, daß seine eigene Einschätzung – die er Mitte der 90er Jahre in einem Interview zum besten gab – zutreffen könnte, er habe schlicht den Esprit verloren, das Händchen für Stoffe, Timing und eine flüssige Inszenierung. VAMPIRES ist ein oftmals brillant fotografiertes  (Kamera: Gary B. Kibbe, der seit PRINCE OF DARKNESS/1987, alle Filme Carpenters als Kameramann begleitet  hatte), mit etlichen Härten und noch mehr Querverweisen ausgestattetes Cross-Over-Vehikel, welches mit  seiner Stringenz und in seiner Actionlastigkeit überzeugen kann, dem aber in der Darstellung und der Entwicklung der Charaktere sowie der Story zu viel fehlt, um wirklich in letzter Konsequenz überzeugen zu können.

 

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