DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS/LO CHIAMAVANO TRINITÀ

Der erste der bahnbrechenden Western des Duos Bud Spencer und Terence Hill

Der müde Joe/Trinità (Terence Hill) – aufgrund seiner ausßergewöhnlichen Fähigkeiten mit dem Revolver die „rechte Hand des Teufels“ genannt – kommt mit einem unschuldig Verfolgten in eine kleine Stadt geritten, wo er seinen Bruder Bambino (Bud Spencer) – seinerseits aus ähnlichen Gründen wie Joe als die „linke Hand des Teufels“ bekannt – sogleich in einer Auseinandersetzung mit einigen Halunken erlebt. Zu Joes Überraschung hat Bambino in dem Kaff den Job des Sheriffs übernommen, was nicht zu ihm passt. Bambino klärt Joe auf, daß er den wirklichen Sheriff erschossen habe und nun solange in dem Örtchen warte, bis seine Kumpane eingetroffen seien, gemeinsam plane man ein größeres Ding, dann wolle man sich nach Kalifornien absetzen. Joe, so Bambino, störe nur und solle sich gefälligst aus dem Staub machen.

Nahe dem Ort haben mormonische Siedler ihr Lager aufgeschlagen und wollen sich hier niederlassen. Da sie gewaltfrei und friedlich leben wollen, sind sie sowohl den Raubzügen des mexikanischen Banditen Mezcal (Remo Capitani) und seiner Bande ausgesetzt, als auch den Anfeindungen von Major Harriman (Farley Granger). Dieser, ein Großgrundbesitzer und Viehbaron, der die gesamte Gegend beherrscht, will die Mormonen vertreiben, um eine Herde Pferde auf den Wiesen weiden zu lassen, die nun die Siedler besetzen. Auf genau diese Herde, die bisher ohne Brandzeichnung südlich der Grenze zu Mexiko gehalten wird, hat es Bambino abgesehen.

Joe wird Zeuge, wie der Vater zweier hübscher Mädchen von Harrimans Männern mißhandelt wird und mischt sich ein. Da er nicht nur sehr schnell zieht, sondern ebenso schnell und vor allem hart mit den Fäusten austeilt, hat er sich schnell die ersten Feinde im Ort gemacht. Es kommt zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen Joe und den Leuten des Majors. Joe beschließt kurzerhand, sich selbst zum Hilfs-Sheriff zu machen und den Mormonen zur Seite zu stehen. Bambino ist alles andere als begeistert, sieht aber ein, daß er Hilfe gebrauchen kann, will er seine Fassade als Sheriff aufrecht erhalten.

Joe verliebt sich in die beiden Mädchen, denen er geholfen hat, und reitet immer mal wieder in Lager der Siedler. Diese bieten ihm an zu bleiben und Teil ihrer Gemeinschaft zu werden. Joe überlegt es sich und sagt zu. Die Aussicht, beide Schwestern heiraten zu dürfen, trägt ihr eigenes zu seiner Entscheidung bei.

Bambino will mit den Mormonen möglichst wenig zu tun haben, doch bei einer Gelegenheit reitet er mit seinem Bruder in deren Siedlung und wird Zeuge, wie Mezcal die Siedler behandelt. Schnell hat er die Verhältnisse geklärt, was Mezcal nicht gut bekommt. Joe überredet Bambino, ihm und den Siedlern gegen Harriman zu helfen, da er dann auch leichter an die Herde käme. Als Bambinos Freunde eintreffen, beginnen die vier damit, die Siedler auszubilden und ihnen beizubringen, wie sie sich wehren können.

Harriman hat derweil nicht nur Mezcal kontaktiert und diesem seine Hilfe angeboten, sondern auch zwei Killer engagiert, die Bambino und Joe aus dem Weg räumen sollen, was ihnen allerdings weder gelingt, noch sonderlich gut bekommt.

Schließlich kommt es in der Siedlung der Mormonen zu einer gewaltigen Prügelei zwischen den Siedlern und den Männern von Harriman und Mezcal. Mit der schlagkräftigen Unterstützung vor allem der Brüder, gelingt es, Harriman zu besiegen. Bambino legt ihm nahe, die Gegend zu verlassen, was Harriman nun für eine gute Idee hält.

Nun wollen Bambino und seine Kumpel die Herde an sich nehmen, müssen aber feststellen, daß diese mittlerweile mit Brandzeichen markiert wurde. Joe war der Meinung, die Siedler hätten nach all dem Ungemach, dem sie ausgesetzt gewesen seien, eine Entschädigung verdient. Bambino und seine Männer brechen gen Westen auf, nicht ohne Joe viel Glück als Farmer zu wünschen. Bambino lässt seinen Bruder noch wissen, daß er ihn eigentlich nicht wiederzusehen wünscht.

Während der Zeremonie, mit der Joe in die Gemeinschaft der Mormonen aufgenommen werden soll, wird diesem klar, was das Farmersleben bedeutet: Früh aufstehen und viel arbeiten. In Windeseile verlässt Joe die Siedlung und folgt Bambino, wenn auch in seinem eigenen Tempo. Unterwegs trifft er den Sheriff, den Bambino getötet zu haben glaubte. Dieser verfolgt Bambino und Joe weist ihm den Weg nach Westen, wohin sein Bruder geflohen ist.

Während eine ganze Reihe harter italienischer Produktionen, die bis dato nicht in Deutschland gelaufen waren, nachträglich per Synchronisation zu humoristischen Werken umfunktioniert wurden, auch um den Erfolg des Duos Terence Hill und Bud Spencer, die bereits gemeinsam in ernsten Genrebeiträgen gespielt hatten, auszunutzen, wurde Enzo Barbonis  LO CHIAMAVANO TRINITÀ (1970) von vornherein als Komödie angelegt. Er begründete damit das Genre des europäischen Spaß-Westerns.

Barboni, der neben E.B. Clucher auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, entwarf ein Setting, das dem des klassischen amerikanischen Western ebenso Tribut zollte, wie auch dem Italo-Western. Wie dieser griff Barboni auf möglichst dreckige, zerlumpte Gestalten zurück, ließ seine Helden als Zyniker auftreten, deren weicher Kern – da wieder dem amerikanischen Vorbild verbunden – natürlich dann zutage tritt, wenn Not am Mann ist und Schwache und Unterdrückte Hilfe brauchen. Im Laufe der Handlung gibt es eine ganze Reihe von Verweisen auf berühmte Vorbilder, darunter die Western eines John Ford, dessen Siedlern, bspw. in WAGON MASTER (1950), jene in LO CHIAMAVANO TRINITÀ nachempfunden sind. Bedroht werden sie von einem Major, der sich als Großgrundbesitzer über gängiges Recht hinwegsetzt und damit ungezählten Vorbildern klassischer Western entspricht, die immer auch einen antikapitalistischen Unterton anschlugen, zudem gibt es eine mexikanische Verbrecherbande, die sich bis in den Wortlaut hinein wie jene anhört und in ihrem Verhalten jener gleicht, die Eli Wallach als Calvera in John Sturges THE MAGNIFICENT SEVEN (1960) anführt. Die Haltung, die vor allem Bud Spencers Figur Bambino einnimmt, ähnelt wiederum jener, die Clint Eastwoods Fremder in den Dollar-Filmen von Sergio Leone vertritt. Ohne sich allzu viele Gedanken um Wohl und Wehe anderer zu machen, übernimmt Bambino die Rolle des Sheriffs, den er zuvor getötet zu haben glaubt, um auf seine Kumpane zu warten, mit denen er ein großes Ding drehen will – die nicht gebrandmarkten Pferde des Majors klauen und gen Westen treiben.

Sowohl der sich darin ausdrückende Zynismus, als auch die Gewitztheit, einen Dieb und Unsympathen zu beklauen, entspricht ebenfalls Eastwoods Figur. Die beiden Killer, die Major Harriman anheuert, um Trinità und Bambino zu erledigen, sind schließlich der deutlichste Verweis auf den Italowestern mit seinen überstilisierten Figuren und deren Manierismen. Damit verortet Barboni seinen Film deutlich dem sogenannten Spaghetti-Western zugehörig. Da dieser oftmals an sich schon wie eine Parodie auf den klassischen Western wirkte, gerade indem er dessen Figuren, Szenerien und Settings formal stark übertrieb und dadurch ebenso als rein filmische Muster ohne Wirklichkeitsbezug bloßstellte, wie er ihnen auch seine Hochachtung erwies, konnte er kaum weiter parodiert werden. Und wirklich sollte man in LO CHIAMAVANO TRINITÀ auch weniger eine Parodie sehen, denn einen ernst zu nehmenden Beitrag, der seine Konflikte mit anderen Mitteln löst.

Natürlich gibt es viel zu lachen, natürlich sind vor allem die Sprüche, die Hill und Spencer sich ununterbrochen an den Kopf werfen, sind ihre Eigenarten und vor allem die vollkommen übertriebenen Prügeleien dazu gedacht, das Publikum mit Humor zu unterhalten – doch in seinem Kern, der Figuren- wie der Entwicklung des Plots, nimmt der Film sein Sujet ernst. Dafür spricht auch, daß Barboni keineswegs darauf verzichtet, eine gewisse Härte walten zu lassen. Anfangs trifft der im Deutschen als „der müde Joe“ benannte Trinità in einer Spelunke ein, in der zwei Kopfgeldjäger einen Verwundeten gefangenen halten, der ihnen eine Belohnung einbringen soll. Trinità nimmt sich, nachdem er geräuschvoll ein ausführliches Mahl aus Bohnen und Brot genossen hat,  ihrer an und tötet sie schließlich, als sie hinterrücks versuchen, ihn zu erschießen. Auch bei seiner ersten Auseinandersetzung mit den Männern des Majors schießt er einen von ihnen in eine empfindliche Stelle und tötet einen weiteren. Und auch das erste Zusammentreffen der ungleichen Brüder mit dem mexikanischen Banditen Mezcal entspricht formal wie inhaltlich den herkömmlichen Genreregeln. Der Witz leitet sich daraus ab, daß das Publikum natürlich bereits weiß, daß der Bandit mit Trinità und Bambino nicht wird umspringen können, wie er es zuvor mit den mormonischen Siedlern getan hatte.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Hinweise, daß LO CHIAMAVANO TRINITÀ nicht unbedingt als Parodie zu betrachten ist. Barboni achtet die Regeln und Konventionen des Genres und verdeutlicht die Ernsthaftigkeit der Konflikte immer wieder. Auch den bereits erwähnten antikapitalistischen Einschlag, den gerade die klassischen Hollywood-Western der 50er Jahre aufwiesen und der im Italowestern, dort, wo er nicht vollkommen zynisch und reaktionär wurde, ebenfalls Anklang fand, findet sich auch in Barbonis Werk. Der Regisseur fügt dem Genre in gewisser Weise eben nur andere Mittel und Lösungen hinzu. Trinità, der im Titel genannt wird und damit nominell die eigentliche Hauptfigur ist, könnte als Nebenfigur durchaus auch in einem Western von John Ford, der ebenfalls immer viel Wert auf Humor legte, auftauchen und dort mit seinen unkonventionellen Ansichten und seiner menschlichen Wärme überzeugen. An der Seite von Bud Spencer wirkt er allerdings wie eine Figur der italienischen Version von Laurel und Hardy. Joe Hembus weist in seinem WESTERN-LEXIKON[1] darauf hin, daß Barboni und seine beide Protagonisten tatsächlich etliche Kurzfilme des berühmten Komödianten-Duos betrachtet haben, nicht nur um sich deren Interaktion anzueignen, sondern auch, um das Timing, die Präzision der beiden in ihren Destruktionsorgien zu studieren.

Am deutlichsten wird die Komödie in den Prügeleien. Nicht nur die übertriebene Härte, die mit einem ebenso übertriebenen Sound unterlegt ist, der aus jedem Schlag eine kleine Explosion werden lässt, sondern auch die scheinbare Unverwundbarkeit Bambinos und die vollkommen unglaubwürdige  Geschwindigkeit, mit der Trinità austeilt, die Tricks, mit denen Bambinos Freunde ihre Gegner überraschen und das ewige  Anlaufen ihrer Gegner, egal, wie viel diese bereits einstecken mussten, machen den Witz dieser Szenen aus, lassen diese allerdings auch zu Momenten werden, in denen der Film sich am weitesten von herkömmlichen Western entfernt. Hier wird die Nähe zu Laurel und Hardy überdeutlich, da die Prügelszenen in reine Destruktion ausarten, dabei aber fast abstrakten Charakter erhalten, da niemandem wirklich etwas zu passieren scheint. Sie sind Momente reiner Bewegung, konkreter Handlung und doch der Filmhandlung vollkommen entäußert. Der Selbstzweck, der Comichumor, den sie ausstrahlen, ihre scheinibare Sinnlosigkeit, gemahnt an die klassischen Slapstick-Komödien der frühen Hollywood-Jahre.

Dieses Erfolgsrezept, das erstmals in LO CHIAMAVANO TRINITÀ bewußt erprobt wurde, setzten Spencer und Hill in unzähligen Filmen der 70er und 80er Jahre fort. Allerdings nur im direkten Nachfolger …CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITÀ (1971) erneut im Western-Genre. Die Masche wurde später in Piratenfilmen, auf Missionarsreise oder in Afrika als Buschpiloten fortgesetzt, wobei dies alles eher Variationen des einmal  gefundenen Weges sind.  LO CHIAMAVANO TRINITÀ bleibt mit seinem Charme, einer gewissen Härte und den damals noch überraschenden Wendungen – extrem schnelles Ziehen der Pistolen, das ebenso schnelle Austeilen von Fausthieben und die ewigen Kommentare dieser Handlungen – ein Solitär und ein gleichberechtigter Beitrag zum Genre des Westernfilms.

 

[1] Hembus, Joe: DAS WESTERN-LEXIKON. Erweiterte Neuauflage von Benjamin Hembus; München, 1995. S. 500f.

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