FEUER AM HORIZONT/CANYON PASSAGE

Der erste Western, den der große Stilist Jacques Tourneur inszenierte

Logan Stuart (Dana Andrews) betreibt in einer Goldgräberstadt eine Art Gemischtwarenhandel, zugleich organisiert er aber auch Trecks, die Waren und Lebensmittel in die Stadt bringen. Er ist ein wohlhabender Mann, zugleich aber ruhelos und meist unterwegs.

Auf seinem jüngsten Ritt von der Westküste ins Landesinnere begleitet ihn Lucy Overmire (Susan Hayward), die mit Stuarts Freund George Camrose (Brian Donlevy) verlobt ist. Dennoch versucht sie ununterbrochen mit Stuart zu flirten. Der hat aber sowohl George, als auch Lucys Vater versprochen, sie wohlbehalten zurückzubringen und lässt ihre Anwandlungen an sich abprallen.

Sie übernachten unterwegs in einem Hotel. Stuart, der eine größere Menge Gold mit sich führt, wird nachts im Zimmer überfallen. Er ahnt, daß es sein Widersacher Honey Bragg (Ward Bond) war, der dafür verantwortlich zeichnete. Bragg trachtet Stuart nach dem Leben, da dieser als einziger weiß, daß er zwei Bergleute getötet hat, dies aber bisher nicht beweisen kann.

Anderntags erreichen sie die Ranch von Ben Dance (Andy Devine), der die junge Caroline (Patricia Roc) bei sich und seiner Familie aufgenommen hat, da deren Vater plötzlich gestorben ist. Stuart hat für Caroline ein Medaillon in der Stadt gekauft und Lucy fragt sich, ob er in die junge Frau verliebt ist. Doch Stuart bleibt bei seiner Haltung und gibt nichts über sein Innenleben preis.

Zurück im Städtchen, freut George sich, Lucy wiederzusehen, sieht sich jedoch dauernden Neckereien Stuarts ausgesetzt, weil er nicht selber geritten ist um seine Verlobte heimzuholen. Und auch Lucy nimmt George auf den Arm, was sogar dazu führt, daß George Stuart auffordert, Lucy zu küssen, was dieser dann auch tut.

Doch die Freunde nehmen sich ihre gegenseitigen Unterstellungen nicht übel. Geroge ist Bankier in dem Städtchen, hat aber nicht viel mehr zu tun, als das Gold der Gräber und Schürfer zu verwalten, weshalb er sich langweilt. Das verleitet ihn zum Spielen, wodurch er das ihm anvertraute Gold veruntreut. Lucy ahnt nicht, wie sehr George bereits verschuldet ist – Stuart hilft ihm gelegentlich aus der Patsche – und ebenso wenig ahnt sie, daß es George auch mit der Treue nicht so genau nimmt. Die Spiele finden bei Jack Lestrade (Onslow Stevens) statt, der eine Bar betreibt und bei dem George hoch in den Miesen steht. Doch versucht er auch, mit Lestrades Frau Marta (Rose Hobart) anzubändeln, die auf ihn einen unbändigen Reiz ausübt, ihn aber auch als Tunichtgut und haltlosen, schwachen Mann zurückweist.

Die Siedler laden alle zu einem Richtfest ein, bei dem eine Hütte gebaut werden soll. Die halbe Stadt nimmt Teil, darunter der Mandolinenspieler Hi Linnet (Hoagy Carmichael), der immer und überall dabei ist, alles sieht und hört, aber auch etliche Goldschürfer, wie der junge Johnny (Lloyd Bridges) kommen und helfen. Während des Festes tauchen plötzlich Indianer auf, die Linnet mit einem Fresskorb befrieden kann. Doch die Siedler merken, daß ihr Leben in der Wildnis noch nicht sicher ist.

Bei dieser Gelegenheit bittet Stuart Caroline um ihre Hand. Caroline fühlt sich geehrt und nimmt an. Devine und seine Familie freuen sich – auch, weil Stuart nun sowas wie Teil der Familie ist.

In der Stadt kommt es zu einer erneuten Auseinandersetzung zwischen Stuart und Bragg. Die beiden prügeln sich im Saloon und Bragg verliert. Stuart erklärt Lucy, daß es nötig gewesen sei zu kämpfen, um seine Stellung in der Stadt zu festigen, aber auch, weil alle nach dem Kampf gegiert hätten. Er lässt aber auch keine Zweifel daran, daß er nicht kämpfen will. Immer noch hofft er, Bragg eines Tages vor Gericht bringen zu können. Bragg reitet aus der Stadt.

George muß Stuart erneut um ein Darlehen bitten, das dieser ihm kommentarlos gibt. Doch dann bittet er den Freund, mit dem Spielen aufzuhören. George willigt ein, weiß aber, daß er seiner Sucht wahrscheinlich nicht wird widerstehen können. Zudem – und das erklärt er auch Lucy – langweilt er sich in der kleinen Stadt. Er sehnt sich nach der Ostküste, nach guten Restaurants und Kultur.

George behält recht. Erneut zweigt er etwas von dem ihm anvertrauten Gold ab und geht zu Lestrade. Erneut verliert er. Doch diesmal hat ihn Hi Linnet beobachtet, wie er das Gold an sich genommen hat. Als George an diesem Abend die Lestrades verlässt, trifft er auf den betrunkenen Mack McIvar (Wallace Scott), eben jenen Mann, dessen Gold er an diesem Abend verspielt hat. George weiß sich nicht anders zu helfen und tötet den Mann.

Nun will George die Stadt schnell verlassen und dazu ebenso schnell Lucy heiraten. Die aber will eine echte Hochzeit und bittet Stuart darum, sie mit nach San Francisco zu nehmen, um ein Brautkleid zu erstehen. Stuart will just am nächsten Tag aufbrechen, um Geld und Mulis für einen Treck zu organisieren. Zuvor sucht er jedoch Lestrade auf und fordert diesen ultimativ auf, George das Geld zurück zu geben.

Lestrade seinerseits wird nicht gern bedroht und heuert Bragg an, Stuart unterwegs zu töten.

Stuart und Lucy, allein im Wald, gestehen sich erstmals ihre Liebe. Da taucht Bragg auf und beginnt, auf sie zu schießen. Er tötet die Pferde der beiden. Daraufhin müssen die sich zu Fuß zur Stadt durchschlagen. Dort angekommen, treffen sie die Goldsucher bei einer Art Standgericht an. Johnny führt das große Wort. George ist des Mordes an McIvar angeklagt und Hi Linnet bezeugt, gesehen zu haben, daß George das Gold des Schürfers widerrechtlich an sich genommen habe. Stuart gelingt es weder, den Freund reinzuwaschen, noch, die anderen davon zu überzeugen, ihn einem ordentlichen Gericht zu übergeben. George soll anderntags hängen.

Derweil hat Bragg eine junge Indianerin vergewaltigt und getötet. Gerade, als George ins Gefängnis gebracht wurde, wird die Stadt unterrichtet, daß die Indianer die Farm der Dances und eine weitere angegriffen hättten. Im Getummel gelingt es Stuart, George zu befreien. Er gibt ihm eine Waffe und fordert ihn auf, abzuhauen. Dann schließt er sich der Posse an, die zu den Ranches reiten will.

Es kommt zu einem Kampf mit den Indianern. Ben Dance und sein ältester Sohn wurden getötet, Caroline ist irgendwo allein auf den Weiden unterwegs. Es gelingt Stuart in letzter Sekunde, sie zu retten. Bragg wird von Indianern getötet und skalpiert. Auch einige Farmer erleiden dieses schreckliche Schicksal.

Zurück in der Stadt, sind die meisten Häuser zerstört und niedergebrannt. Stuarts Buchhalter Clenchfield (Halliwell Hobbes) teilt ihm mit, daß er bankrott ist. Stuart weiß, daß auch sein letzter Treck von den Indianern überfallen und vernichtet wurde.

Da Caroline ihm gestanden hat, daß sie nun wisse, daß sie nicht die richtige Frau für ihn sei und lieber mit einem Farmer wie dem jungen Vane Blazier (Victor Cutler), der bisher bei Stuart arbeitete und diesem dessen Verbindung mit Caroline übel nahm, verheiratet sei, will Stuart die Stadt verlassen und anderswo ein neues Geschäft aufbauen.

Johnny kommt zu ihm und gibt ihm Stuarts Waffe. Die habe man bei dem Flüchtigen gefunden, der wohl den Indianern zum Opfer gefallen sei. Und, so Johnny, man habe kurz überlegt, Stuart dafür zu hängen, daß er George Camrose zur Flucht verholfen habe. Stuart nimmt das so hin und erklärt, es sei ein schmaler Grat zwischen richtig und falsch, gut und böse. George habe auch seine guten Seiten gehabt. Johnny erwidert, die habe der Mann leider zu selten gezeigt.

Stuart und Lucy, die nun frei ist, verlassen den Ort und reiten einer anderen Zukunft an einem anderen Ort entgegen.

 

Jacques Tourneur hatte zwei der Meisterwerke – CAT PEOPLE (1942) und I WALKED WITH A ZOMBIE (1943) – mit denen er sich ins Pantheon der Hollywood-Regisseure einbrachte, bereits gedreht, als er 1946 die Möglichkeit erhielt, seinen ersten Western zu realisieren. Man mag in diesem und den folgenden kein wirklich großes Werk ausmachen, doch wie später WICHITA (1955) und GREAT DAY IN THE MORNING (1956) gelang ihm auch mit CANYON PASSAGE (1946) ein beeindruckender Beitrag zum Genre. Von der Kritik durchaus gelobt und mit Werken des großen John Ford verglichen, blieb dem Film dennoch die Anerkennung verwehrt, die manche ihm gern hätten zukommen sehen.

Wie später in GREAT DAY IN THE MORNING, legte der Regisseur schon in CANYON PASSAGE viel  Gewicht auf die psychologische Betrachtung der Hauptfiguren, weniger auf eine kohärente, in sich geschlossene Story. Die nimmt hier Umwege, ist kompliziert und voller kleiner Schleifen. Eine weitere Ähnlichkeit zum späteren Film liegt in der Figur des von Brian Donlevy gespielten George Camrose. Ein zwielichtiger Mann, ein Spieler, der das ihm anvertraute Gold der Goldsucher – eine weitere Verbindung zu GREAT DAY IN THE MORNING, der ebenfalls in diesem Milieu spielt  – veruntreut, ein Mann, dessen Loyalitäten in Frage stehen und der nicht einmal seiner angeblich heiß geliebten Frau wirklich treu ist. Und er ist der Freund des Helden Logan Stuart, den der damals gerade hoch im Kurs stehende Dana Andrews mit viel Lakonie ausgestattet darstellt. Immerhin hat CANYON PASSAGE – anders als der spätere Film, der sich in dieser Hinsicht mehr traute – einen waschechten Helden, der im Kontrast zu der Figur Camrose steht. Im Kern ist es das Verhältnis dieser beiden Männer zueinander, das den Film ausmacht. Während Stuart vor allem an Arbeit und dem Ausbau seines Geschäfts – neben einem Handel mit allerlei Dingen des Alltags ist dies vor allem ein Fuhrunternehmen, das er auch auf Postkutschen auszuweiten gedenkt, sobald die Straßen dies zulassen – interessiert ist, sucht George Zerstreuung beim Pokerspiel, was ihn immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten bringt und schließlich zum Mörder werden lässt.

Stuart, der zu Beginn des Films Georges Verlobte Lucy Overmire, gespielt von einer kurz vor ihrem endgültigen Durchbruch stehenden Susan Hayward, während eines gefährlichen Ritts durch die Wildnis begleitet, gibt sich geheimnisvoll, arbeitswütig und scheinbar wenig interessiert an der Liebe und anderen Vergnügungen. Auch das Geld scheint ihn nicht wirklich zu interessieren, er will geschäftlichen Erfolg, allerdings um seiner selbst willen. Und – so legen es einige Dialoge im Film nah – als ein Zeichen beginnender Zivilisation. Der Film ist im Jahr 1856 angesiedelt, einer für Western eher untypischen Zeit, und die Wildnis ist noch wild, Recht und Ordnung setzen sich erst langsam durch. Die Straßen sind gelegentlich unpassierbar und noch ist nicht entschieden, wie die Auseinandersetzungen mit den Indianern entschieden werden. George, seines Zeichens von Beruf Bankier, gibt offen zu, daß ihn das Leben an der „Frontier“ langweilt. Er sehnt sich zurück nach Boston und New York, wo es gute Restaurants, kulturelles Leben und echte Geschäfte zu tätigen gibt. Es ist eine interessante Rollenverkehrung, den Mann, dem Geld wenig bedeutet, der nach eigener Aussage wie derer seiner Freunde und Bekannten immer unterwegs, geradezu ruhelos ist, der also eher dem klassischen Westerner entspricht, als den Erfolgreichen, finanziell Unabhängigen darzustellen, den Bankier und Spieler, klassisch eher die Figur, der das Geld, der Saloon, die Bank usw. gehören, hingegen als jemanden zu zeichnen, der immer am Rande des Bankrotts steht. Das im Western der Bankier trotz gediegenen Auftretens als charakterlich haltlos gilt, ist hingegen ein Topos des Genres.

Zu den monetären Problemen, die Stuart recht nonchalant löst, wenn er Camrose kommentarlos 2000 Dollar zusteckt, kommt die aufkeimende Rivalität um die Liebe Lucys. Obwohl Stuart sich mit der Engländerin Caroline verlobt und ihr die Ehe verspricht, weiß das Publikum vom ersten Moment an, daß es Hayward sein wird, die sein eigentliches erotisches Interesse weckt. Allerdings tut sie auch einiges dafür. Sie neckt Stuart, nimmt ihn auf den Arm, fordert ihn heraus und – als Stuart eine abfällige Bemerkung über Georges Künste im Küssen macht – lässt sich bereitwillig von ihm küssen, als sein Freund ihn herausfordernd fragt, ob er es denn besser könne. Er kann. Um dieses Freundschaftspaar und die Frau, die sie beide begehren, die aber ihrerseits nur einen begehrt, webt das Drehbuch ein kompliziertes Geflecht aus Beziehungen. Da sind die Siedler – in einer wunderbaren Szene bauen alle Beteiligten eine Hütte und feiern ein Richtfest; man könnte meinen, Peter Weir habe sie sich als Vorbild für den Bau der Scheune in THE WITNESS (1985) genommen  – , die hier die ersten Zeichen echter Zivilisation einbringen; da sind die rauen und eigenwilligen Goldsucher, da ist der von Ward Bond, einem Schauspieler aus John Fords Stock Company, gespielte Bandit und Grobian Bragg, es gibt den Mandolinenspieler Hi Linnet, eine Art Faktotum der Stadt, der alles sieht, alles hört und alles weiß und den der Komponist, Sänger und Schauspieler Hoagy Carmichael wunderbar verquer spielt und mit einigen ebenso wunderbaren Songs (u.a. Ole Buttermilk Sky) ausstattet. Und schließlich gibt es die Indianer.

Generell wird der „psychologische“ Western als solcher erst ab den 1950er Jahren wahrgenommen, als die Figuren ambivalenter, die Geschichten vielschichtiger wurden. Und den Indianern, wenn auch  nur langsam und oftmals durchaus bigott, mehr Gerechtigkeit widerfuhr, als lediglich das Fremde, Feindliche zu verkörpern. CANYON PASSAGE stellt da eine interessante Mischung dar. So genau die psychologische Zeichnung des Verhältnisses zwischen Stuart und Camrose gelingt, die Darstellung der Indianer entspricht noch vollends jener aus den Serials der 30er Jahre oder auch in einem Meisterwerken wie Fords STAGECOACH (1939). Sie sind fremd, sie sind bedrohlich und sie werden im Zweifelsfall getötet. Sie haben einen Auftritt zur Mitte des Films, als sie beim Hüttenbau auftauchen und verlautbaren lassen, daß sie den Siedlern gern das Land überließen, den Bau von Hütten aber ablehnten, da dies einen Besitz des Landes markiere. Bei dieser Gelegenheit können sie noch mit einem Korb mit Gebratenem und frischem Obst befriedet werden. Später, nachdem Bragg ein Indianermädchen vergewaltigt und getötet hat, sind sie ebenso gnadenlose wie kompromißlose Feinde, die etliche Siedler überfallen und mit exzessiver Gewalt – zumindest für einen Film von 1946 – umbringen, bevor sie Bragg erwischen und ihn skalpieren. So hart die Gewalt im Film ist, so hart und wahrscheinlich realistisch ist der Umgang mit ihr. Daß einer Farmerfamilie mal eben Vater und Sohn abhanden gekommen sind, wird zur Kenntnis genommen, aber schon die daraus resultierende Angst wird eher abfällig kommentiert. Der Film zeigt ein hartes Land, in dem harte – oder verhärtete – Menschen leben. Das dürfte den Gepflogenheiten jener Jahre schon entsprechen.

Zu diesem Zeitpunkt liegt der Fokus der Handlung eigentlich auf George Camrose´ Mord an einem Goldgräber, der durch die Rückforderung seines Goldes dessen Veruntreuungen aufzudecken droht. Stuart verhilft dem Freund zur Flucht, nachdem er ihn vor einer Art Standgericht, das die Goldgräber im Saloon abgehalten hatten, nicht verteidigen konnte. Der Angriff der Indianer erfüllt dramaturgisch im Grunde nur den einen Sinn, die Handlung zu einem irgendwie gearteten Abschluß kommen zu lassen und dabei jene aus dem Spiel zu nehmen, die dem Glück von Stuart und Lucy im Wege stehen. Daß George auf der Flucht von Inndianern getötet wurde, ist dem Film nicht mal mehr ein Bild wert, Stuart wird lediglich davon unterrichtet. Da Caroline durch den Überfall der Eingeborenen begriffen hat, daß sie einen Siedler als Mann will, der in Stuarts Angestelltem – und Rivalen, eine weitere Beziehung – Vane auch schon parat steht, können sich Stuart und seine Geliebte endlich offen in die Arme fallen. Im Grunde hätte man die Indianer aus der Handlung vollkommen auslassen können. Doch dienen sie hier einmal mehr als äußere Bedrohung, die die Weißen trotz aller Widrigkeiten zusammenhalten lässt, was CANYON PASSAGE als ein Werk des Übergangs des „alten“ Western zum neuen, „psychologischen“ markiert.

Tourneur wartet mit teils großartigen Bildern auf und nimmt sich die Zeit, sie auf das Publikum wirken zu lassen. Vor allem auf dem Ritt am Anfang des Films zeigt er die Landschaften Oregons, wo große Teile der Außenaufnahmen unter der Führung von Kameramann Edward Cronjager stattfanden. Wir sehen reißende Flüsse, saftige grüne Täler, schneebedeckte Pässe. Auch später werden die Wälder und ihre vielfältigen Farben ins Bild gerückt und man versteht instinktiv die bezaubernde Wirkung, die das Land auf seine neuen Bewohner gehabt haben muß. Tourneur und sein Szenenbildner gaben sich allerdings auch viel Mühe, die frühen Siedlungen detailgerecht abzubilden. Die Hütten sind aus rohen Baumstämmen und während des Baus des Hauses sieht man sehr genau, wie mit Schlamm und Dreck Zwischenräume gestopft und Steine abgedichtet werden. Die Stadt, in der Stuart seine Geschäfte betreibt, versinkt geradezu im Schlamm und an einer Stelle rutscht ein Mann von einer der ausgelegten Planken und versinkt bis zum Gürtel in einem Schlammloch. Auch die Inneneinrichtungen sind angemessen: Der Saloon weist keine gedrechselte und verzierte Theke auf, sondern ein blank poliertes Brett auf Fässern, die Wände sind ebenfalls rohe Planken, nirgends Tapeten, Lüster oder weitausholende Treppenfluchten, wie sie in den Western der 50er Jahre eher typisch waren. Dies kann durchaus eine Ansiedlung zur Mitte des 19. Jahrhunderts, irgendwo in der Einöde des Nordwestens, sein.

So bleibt von CANYON PASSAGE vor allem hängen, daß man es mit einem psychologisch genauen Portrait zweier Männer zu tun hat, die miteinander befreundet und zugleich doch auch Rivalen sind, zumindest um die Gunst einer Frau. Es ist ein handlungsschwacher Film, dessen Motivation oft nicht hinlänglich begründet ist, dafür aber hat er eben großartige Bilder und Landschaftsaufnahmen und kann in einzelnen Szenen wirklich Spannung erzeugen. Und er beweist, warum selbst Werke der B-Riege in Hollywood oft besser waren und sind, als so manches, was andere Filmnationen als erstklassig anzubieten hatten: Selbst kleinste Nebenrollen sind mit hervorragenden Charakterdarstellern besetzt, und diese Charakterdarsteller sind Typen. Ob Bragg, Hi Linnet, Ben Dance, den Andy Devine spielt, ob der Goldgräber Johnny, dargestellt von dem sehr jungen Lloyd Bridges oder Stuarts Buchhalter Clenchfield – sie alle bleiben nachhaltig in Erinnerung. Jacques Tourneur bewies mit CANYON PASSAGE, daß er vielseitig war, daß er nicht nur den Film Noir oder das Horror-Genre zu bedienen wusste, sondern auch das Wesen des Westerns verstanden hatte. Ihm ist mit seinem ersten Western vielleicht nicht der von der Kritik behauptete große Wurf gelungen, aber ein durchaus unterhaltsamer, spannender und auch actionreicher Western, der dem Genre durchaus Neues hinzuzufügen wusste und die kommenden Veränderungen schon vorwegnahm.

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