GEHEIMAGENT „T“/T-MEN

Anthony Manns erster kommerzieller Erfolg und wesentlicher Beitrag zum 'Film Noir'

Eine Over-Voice erklärt dem Publikum die Arbeitsweise und den Aufbau des Finanzministeriums. Wir erfahren, welche polizeilichen Dienste hier Obdach finden und wie diese aufgeteilt sind. Anhand eines exemplarischen Falles soll uns das Vorgehen der Behörde erklärt werden.

Die Finanzbehörde will eine Geldfälschrbande hochnehmen. Da man an die Bande mit herkömmlichen polizeilichen Ermittlungen nicht herannkommt, werden zwei Agenten anderer Dienste in Detroit in die Gang eingeschleust. Man verpasst ihnen Legenden, damit sie beim lokalen Boss glaubwürdig auftreten können.

Es handelt sicch  um die Agenten Dennis O´Brien (Dennis O´Keefe) und Tony Gerano (Alfred Ryder), die sich bisher nicht kannten. Gerano ist verheiratet, erklärt sich aber dennoch bereit, den gefährlichen Job zu übernehmen. In Los Angeles wurde bereits ein Spitzel der Polizei kaltblütig erschossen.

Es gelingt, in Detroit Fuß zu fassen. Schließlich stoßen die beiden Männer auf Hinweise, daß der eigentliche Kopf des Blütenhandels in Los Angeles sitzt. O´Brien macht sich auf den Weg, Gerano muß sich in Detroit von den Gangstern verprügeln lassen, die mißtrauisch werden, da sein Kumpel plötzlich weg ist. Gerano kann die Zweifel jedoch ausräumen.

In L.A. heftet sich O´Brien an die Fersen eines Mannes namens „der Dampfer“ (Wallace Ford), der offenbar der Verbindungsmann zwischen der Bande in der Stadt und jener in Detroit ist. So gelingt es dem Agenten, weitere Verbindungsmänner und -muster zu ermitteln. Mit Hilfe eines vom Finanzministerium zur Verfügung gestellten Klischees für die Produktion von Geldscheinen, kann sich O´Brien das Vertrauen von „Shiv“ Triano (John Wengart), einer lokalen Unterweltgröße, erwirken.

Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen O´Brien und den Gangstern, da der Agent natürlich an die Hintermänner herankommen will und vorgibt, nur mit den eigentlichen Bossen zu verhandeln. Moxie (Charles McGraw), Trianos linke Hand, mißtraut O´Brien.

Auch Gerano trifft als Vermittler der Bosse in Detroit in Los Angeles ein. Die beiden Ermittler kommen ihrem eigentlichen Ziel immer näher, bis eines Tages, Gerano und „der Dampfer“ besuchen gemeinsam den Farmers Market, plötzlich die Frau des Agenten vor ihnen steht. Sie ist mit einer Freundin von San Francisco nach L.A. gekommen. Diese Freundin erkennt Gerano und grüßt ihn überschwenglich. Es gelingt Gerano und seiner Frau zwar, das Ganze als Mißverständnis darzustellen, doch ist „der Dampfer“ gewarnt.

Dieser selbst steht auf der Abschußliste der Gangster, da er als unzuverlässig betrachtet wird. O´Brien und Gerano schüren in einem Doppelspiel die Vorbehalte sowohl beim „Dampfer“, als auch bei Triano.

Moxie soll den „Dampfer“ beseitigen. Er sucht ihn in einem seiner heißgeliebten Dampfbäder auf. Als der „Dampfer“ merkt, daß er in Gefahr schwebt, gibt er sein Wissen über Gerano preis. Es hilft ihm jedoch nicht. Er stirbt eingeschlossen in der immer heißer werdenden Sauna.

Gerano durchsucht derweil das Zimmer des „Dampfers“, da er ein wesentliches Beweisstück bei ihm vermutet. Moxie und seine Männer, darunter aber auch O´Brien, tauchen auf und Moxie bezichtigt Gerano, ein „T-Men“, ein Underccoveragent, zu sein. Um O´Brien zu schützen, macht sich Gerano über ihn lustig, daß er bei aller Gewitztheit nicht gemerkt habe, mit wem er es zu tun hat. Moxie erschießt Gerano.

Schließlich soll das Treffen mit den Bossen stattfinden. Nach einigem Hin und Her wird O´Brien auf ein Schiff im Hafen von Los Angeles gebracht, wo er den Boss der Bande treffen soll. In letzter Minute hatten ihn seine Vorgesetzten gewarnt, daß der Fälscher der Bande, Paul Miller (William Malten), einst  mit dem Graveur der Klischees zusammen gearbeitet habe, dessen Signatur also erkenne. O´Brien hatte auf Nachfragen immer behauptet, der Graveur seiner außerordentlich guten Blüten stamme aus Ungarn und sei den Behörden unbekannt.

Als Miller mit dem Klischee konfrontiert wird, behauptet er, die Signatur sei der eines ihm bekannten Mannes ähnlich, aber nicht dieselbe. In einem ruhigen Moment dient er sich O´Brien an. Er könne Namen preisgeben und helfen, die Bande auffliegen zu lassen. Bevor O´Brien einen Deal schließen kann, erschießt Moxie Miller.

Während die Beamten des Ministeriums, unterstützt von der regulären und der Hafenpolizei, das Schiff stürmen, verfolgt der angeschossene O´Brien Moxie. Schließlich stellt er ihn und tötet den Mann.

Schwer verletzt wird er in ein Krankenhaus gebracht.

Die Gazetten machen groß mit dem Fall auf, O´Brien wird als Held gefeiert, der nur wenige Wochen nach den Ereignissen seinen Dienst wieder aufegnommen habe.

Die Over-Voice erklärt uns, daß Mrs. Gerano nichts anderes übrig bliebe, als sich damit zu trösten, daß ihr Mann im Dienst für das Vaterland, für Recht und Ordnung, gestorben sei.

Bevor er im Western-Genre einige Meisterwerke drehte, die bleibenden Wert haben und ihrem Regisseur einen Platz im Pantheon von Hollywoods Filmschaffenden einbrachte, arbeitete Anthony Mann für kleine Studios, die billige Produktionen anfertigten. Es waren nominell B-Filme, schnell herunter gedreht und für den schnellen Gebrauch gedacht, hart, düster, oft brutal und fast immer in der Unterwelt angelegt. Sie wurden dem ‚Film Noir‘ zugeschlagen, einem Genre-Hybrid, das sich eher durch Stil, denn durch Setting, Story oder historischen Bezug definierte. Obwohl es meist um Mord, Intrige und Verrat ging, hatte der ‚Film Noir‘ meist auch Elemente des Melodram, da seine Protagonisten oftmals schicksalhaft in den Untergang gingen. So wird bis heute gern unter Filmwissenschaftlern gestritten, wodurch sich das Gerne – außer durch ausgewiesenen Stilwillen, exzessive Licht-Schatten-Spielereien, gewagte, oft neuartige Kamerawinkel und Einstellungen und einen gewissen Hang zur existenzialistischen Tragik – eigentlich auszeichnet.

Mann jedenfalls lernte hier sein Handwerk. Er entwickelte einen eigenen Stil, feilte daran. Gerade weil die Produktionen billig waren und schnelle Kasse machen sollten, ließen die Produzenten ihren Regisseuren – anders als in den großen Studios – weitaus mehr Freiheiten, auszuprobieren, wie und mit welchen Mitteln Wirkung zu erzielen war. Das nutzten der Regisseur und sein Kameramann John Alton, mit dem Mann bei seinen wichtigsten Noir-Filmen zusammen arbeitete, weidlich aus. T-MEN (1947) wurde schließlich  Manns erster kommerzieller Erfolg und zugleich jener Film, der erstmals seine Handschrift deutlich zeigte, das stilistische Können und auch die Risikobereitschaft, die der Regisseur auch später, in seinen Western, zu zeigen bereit war.

Der Film ist dem sogenannten Sub-Genre des ‚Doku-Noir‘ zuzuschreiben; Anthony Mann nahm für sich in Anspruch, diese Abart des Genres sogar begründet zu haben. Mit sonorer Stimme  richtet sich die Over-Voice direkt ans Publikum und erzählt eine „wahre Geschichte“ als Lehrstück für den Zuschauer. Es soll dem Publikum die Arbeit der staatlichen Ermittlungsbehörden, in diesem Fall des Finanzministeriums, näherbringen und beruft sich dabei auf Behörden-Akten. Der geschilderte Fall wurde dafür aus unterschiedlichen abgeschlossenen Fällen eigens  konstruiert. Um höhere Authentizität zu erlangen, durfte sogar ein Beamter der Behörde mitspielen. So wäre der Film durchaus auch als Kriminalfilm mit den Mitteln des ‚Film Noir‘ zu betrachten, da er sich fast sklavisch daran hält, die Ermittlungen zu beschreiben und dabei immer nah an seinen Hauptfiguren bleibt. Es ist eine Geschichte über zwei Undercover-Agenten, die titelgebenden „T-Men“, die sich in Detroit bei einer Gangsterbande, die Blüten herstellt, einschleusen lassen, um so an deren Verbindungsmänner an der Westküste zu gelangen und einen international operierenden Geldwäsche-Ring aufzudecken. Obwohl Buch und Regie den dokumentarischen Stil nie gänzlich aufgeben, lässt Mann das Werk doch mehr und mehr in die düsteren Gefilde Noir-typischer Bildwelten und auch des persönlichen Dramas abdriften. Und erschafft dafür einige Leinwandmomente erlesener Intensität.

John Alton probierte verschiedene Tiefenschärfen aus, er spielte mit Spiegelungen und traute sich dabei durchaus, neue Wege zu beschreiten, aber auch extreme Kamerawinkel und Naheinstellungen fanden ihren Weg in den Film. Ebenso sind die extremen Hell-Dunkel-Effekte typisch für einen Film-Noir, wobei anzumerken ist, daß der Film an sich schon sehr dunkel gehalten ist. Er spielt meist bei Nacht und die wenigen Szenen, die durch Taghelle oder Innenbeleuchtungen wirklich erhellt werden, sind flach und in monochromen Grau gehalten. Oder erhalten eine seltsam bedrückende, außerweltliche Atmosphäre, wie in jenen Szenen, in denen Agent O`Brien in etlichen Dampfbädern und Saunen nach einem Verdächtigen sucht. Hier setzte Alton grell wirkende Scheinwerfer ein, die die Dampfschwaden erstrahlen ließen und ihnen ein Eigenleben verliehen. Immer wieder tauchen Gesichter wie Geisterscheinungen aus Schatten auf, schwarz wie die Nacht; Hutkrempen senken sich wie Vorhänge über Augen oder geben diese Preis, um Spannung zu erzeugen und die innere Spannung der Protagonisten zu verdeutlichen.

Die beiden Agenten Dennis O´Brien und Tony Gerano werden fast ausschließlich über ihren Job definiert, sie sind harte Kerle, die wissen, daß sie sich auf ein Himmelfahrtskommando einlassen. Genaro ist verheiratet, was für den Plot allerdings nur insofern eine Rolle spielt, weil er seine Frau trifft, die sich zufällig in Begleitung einer Freundin in Los Angeles befindet, und diese Freundin ihn in Gegenwart eines der Gangster erkennt. So fliegt er auf, was schließlich seinen Tod bedeutet. T-MEN ist es sichtlich darum zu tun, professionelle Ermittler bei ihrer harten und gefährlichen Arbeit zu zeigen und so ein patriotisches Loblied auf jene anzustimmen, die für Recht und Gesetz einstehen. Auf dieser dokumentarischen Ebene wirkt er wie ein Propagandafilm für die diversen Dienste, die im Auftrag des Staates gegen das Verbrechen kämpfen. Daß und wie gefährlich der Job ist, zeigt T-MEN allerdings drastisch. Und somit auch durchaus die Angst, die mit dem Job im Untergrund einhergeht.

Anthony Mann hatte immer eine Affinität zu Gewalt, sogar ein gewisser Hang zum Sadismus wird ihm nachgesagt. In seinen späteren Filmen, vor allem den Western, gibt es immer wieder Szenen größter Grausamkeit: Da werden Hände durchschossen, Gesichter mit Sporen traktiert und in MAN OF THE WEST (1958) gibt es eine der eindringlichsten und letztlich auch brutalsten Schlägereien zu bestaunen, die der klassische Western zu bieten hatte. T-MEN zeigt, wie O´Brien fast die Finger gebrochen werden, als die ihm mißtrauenden Gangster ihn verhören, zuvor wird Gerano ebenfalls mit Schlägen traktiert, weil sein „Boss“ in Detroit ihm nicht glaubt, ein anderer Mann wird in einem Dampfbad gegoren und entsetzt muß O´Brien mit anschauen, wie sein Partner kaltblütig erschossen wird. T-MEN ist ein kompromißlos harter Film, der formal und inhaltlich nahezu perfekt zusammenkommt.

Dazu gehört auf inhaltlicher Ebene allerdings auch, daß Mann, ohne daß der Zuschauer sich dessen wirklich gewahr wird, aus der Semi-Dokumentation in ein psychologisches Drama hinübergleitet und O`Briens Kampf gegen das Verbrechen auch eine persönliche Note erhält. Zugleich leuchtet der Regisseur aber auch die Psyche eines Mannes aus, dessen Härte wir nicht nur spüren, sondern auch dadurch erfahren, daß es ihm kaum etwas auszumachen scheint, selbst Teil einer Gangsterbande zu werden, ebenfalls gnadenlos Gewalt anzuwenden und dabei nahezu gefühllos seinen Job zu erledigen. Buch und Regie lassen es offen, ob das nun einmal der Job verlangt – Aussagen der Vorgesetzten („Wollen Sie im Bett sterben?“) lassen diese Annahme zu – oder ob es vielleicht von vornherein psychopathisch Veranlagte braucht, um solch einen Job überhaupt übernehmen zu können. Gerade diese im Film nie breit ausgespielten, eher beiläufigen Aspekte, machen T-MEN zu einem außergewöhnlichen Film und einem außergewöhnlichen ‚Film Noir‘.

Für Mann sollten noch drei Jahre und weitere sechs (bzw. acht, je nach dem wie hoch man seinen Anteil an dem nominell von Alfred E. Werker inszenierten HE WALKED BY NIGHT/1948 und an FOLLOW ME QUIETLY/1949, für den Richard Fleischer offiziell verantwortlich zeichnete, bewerten will) Filme ins Land gehen, bevor er mit WINCHESTER ´73 (1950) sein erstes großes Meisterwerk vorlegen sollte. Doch zeugt T-MEN, wie seine Nachflger RAW DEAL (1948) und SIDE STREET (1950) – alles Beiträge zum ‚Film Noir‘ – bereits von großem Können und echter Meisterschaft.

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