RESIDENT EVIL/RESIDENT EVIL: GENESIS

Ein Beispiel für den gelungenen Transfer eines Videopiels auf die Leinwand

In einem geheimen Labor namens The Hive, das von der Umbrella Corporation betrieben wird, um neue, teils biologische, Waffensysteme zu entwickeln, wird ein Virus freigesetzt. Um den Komplex ebenso abzuschotten, wie ihn zu schützen, wird Gift in die Gänge und Räume eingeleitet, das die gesamte Belegschaft tötet.

In einer vornehmen Villa erwacht die nackte Alice (Milla Jovovisch) in der Dusche. Sie kann sich weder erinnern, was ihr zugestoßen ist, noch, wie sie in dieses Haus kommt. Auf ihrem Gang durch die Räumlichkeiten, trifft sie den sich als Polizist ausgebenden Matt Addison (Eric Mabius). Als dieser ihr erklären will, womit sie es hier zu tun haben, bricht ein Spezialkommando der Polizei durch die Fenster, setzt Addison fest und nimmt Alice gefangen.

Ihr wird mitgeteilt, daß die Villa der Einstieg zu The Hive sei und sie und ihr Mann – an den ihr jedwede Erinnerung fehlt – den Spezialkräften angehört hätten, die das Labor bewacht haben. Durch einen Spiegel gelangt das Team in den Untergrund und zum Eingang des Labors. Unterwegs stoßen sie auf Spence Parks (James Purefoy), Alice´ Mann, der ebenfalls unter Gedächtnisverlust leidet. Dies, so werden sie aufgeklärt, läge an dem Gas, das in den Labors eingesetzt wurde und von dem Spuren bis in die Villa vorgedrungen seien.

Das Computergehirn, daß das Labor überwacht und steuert, genannt Red Queen, soll durch das Team lahmgelegt, Daten sollen gesichert  und es soll ein allgemeiner Lagebericht über den Zustand von The Hive erstellt werden. Im Labor, das sich über etliche Etagen und Gänge unter der Erde erstreckt, angelangt, stellen die Teammitglieder fest, daß sie nicht ausreichend auf ihren Einsatz vorbereitet wurden. Einige fallen den Fallen, die die Red Queen im Laufe der Zeit eingerichtet hat, zum Opfer.

Die verbliebenen Einsatzkräfte wollen den Auftrag dennoch ausführen und es gelingt ihnen, das Hirn des Rechners auszuschalten, nicht ohne die Warnung zu erhalten, sie würden hier alle sterben. Alice, deren Erinnerung an ihre Aufgaben und Fähigkeiten langsam zurückkehrt, kann gemeinsam mit Chad Kaplan (Martin Crewes) den elektromagnetischen Impuls auslösen, der den Rechner herunterfährt. Doch wird dadurch auch das Sicherheitssystem des Komplexes deaktiviert. Nun sehen sich die verbliebenen Teammitglieder und ihre Gefangenen einer Horde Zombies gegenüber.

Bei einem ersten Kampf mit den Untoten wird die Soldatin Rain Ocampo (Michelle Rodriguez) gebissen. Alice und Chad aktivieren die Red Queen erneut, um einen Ausweg aus dem Komplex genannt zu bekommen. Dieser führe durch die Versorgungsschächte. Bei dieser Gelegenheit erfahren sie auch, womit sie es zu tun haben: Das ausgetretene Gas, genannt T-Virus, lässt die Menschen nicht wirklich sterben, sondern versorgt ihre Gehirne mit genügend Impulsen, daß diese wandeln und ihren Hunger befriedigen wollen. Wer gebissen oder auch nur von den Wesen gekratzt werde, beginne langsam, sich selbst zu verwandeln.

Die Gruppe macht sich auf den Weg. Unterwegs klärt der von seinen Handschellen befreite Matt Alice auf, daß seine Schwester Lisa (Heike Makatsch) im Labor  gearbeitet habe und ihm Daten zukommen lassen wollte, damit er damit an die Öffentlichkeit gehen könne. Die Welt müsse erfahren, was die Umbrella Corporation hier treibe. Alice dämmert, daß sie selber die Kontaktperson von Lisa war. Zugleich erinnert sie sich, daß sie Geld für die Informationen verlangt hatte.

Die Gruppe arbeitet sich langsam voran, unterwegs werden sie immer wieder mit Zombieangriffen konfrontiert. Bei einer dieser Gelegenheiten wird die Gruppe getrennt. Chad bleibt zurück und wird augenscheinlich von den Untoten gefressen.

Als sie durch ein bestimmtes Labor kommen, erinnert sich Alice, daß es ein Gegenmittel zum T-Virus gab. Bei dieser Gelegenheit entpuppt sich Spence als korrupt: Er hat das Gegenmittel bereits geklaut und in dem Zug versteckt, der von der Villa zum Laborkomplex führt. Er und Alice hatten ursprünglich die Informationen verkaufen und fliehen wollen. Nun will er sich auf eigene Faust davon machen. Er bietet Alice an, mit ihm zu kommen. Sie erinnert sich, daß die beiden sich ineinander verliebt hatten, weigert sich jetzt aber, die andern zurückzulassen. Spence schließt alle im Labor ein und flieht.

Die Red Queen, die weiterhin aktiv ist, bietet den Überlebenden einen Ausweg an, wenn Alice bereit sei, einen aus der Gruppe zu töten. Rain bietet sich an, da ihre Verletzungen sie so oder so töten würden. Alice weigert sich erneut. Gerade als das Labor von einem monströsen Wesen angegriffen wird, das auch Spence zuvor schon getötet hat, als der den Zug besteigen wollte, kann Chad alle retten. Ihm ist die Flucht vor den Zombies gelungen.

Zurück am Zug müssen sich Alice und Matt mit dem Monstrum, einem sogenannten Licker, auseinandersetzen. Dieses ist kein Untoter, sondern wurde direkt durch den T-Virus geschaffen und kann wachsen, ist intelligent und nährt sich von fremder DNA. Während Chad und Rain versuchen, den Zug in Bewegung zu setzen, gelingt es Alice und Matt, den Licker zu töten. Allerdings nicht, bevor Chad diesem zum Opfer gefallen ist. Rain hat sich mittlerweile trotz der Injektion des Antivirus verwandelt und wird von Matt getötet.

Endlich zurück in der Villa, werden Alice und Matt von Einsatzkräften gefangen genommen. Matt, den der Licker schwer verletzt hat, beginnt bereits, in etwas anderes zu mutieren, das als Grundlage für weitere Experimente genutzt werden soll. Alice bekommt ein Beruhigungsmittel verabreicht.

Sie erwacht in einem Labor, Dutzende Injektionsnadeln im Körper. Sie befreit sich, es gelingt ihr, den abgeschlossenen Raum zu verlassen. Das Krankenhaus, in dem sie scheinbar untergebracht war, ist vollkommen leer. Als sie die Straße betrittt, findet sie eine Welt im Chaos vor. Offenbar ist der T-Virus mittlerweile aus der unterirdischen Welt von The Hive entkommen.

Videospiele zu verfilmen ist immer eine zweischneidige Angelegenheit. Zwar sind moderne Spiele mittlerweile mit einer Grafik und meist auch mit Plots ausgestattet, die denen eines hochwertigen Blockbusterfilms in nichts nachstehen – auch ihre Kosten sind ebenfalls ähnlich hoch wie die eines Hollywoodblockbusters – doch bleibt ein Spiel letztlich ein Spiel. Es gilt, gewisse Aufgaben zu erledigen, Aufträge zu erfüllen und das nächsthöhere Spiellevel zu erreichen. Mehr als für die Gegenwart, wo Spiele durchaus vielschichtig sind und das Prinzip aufgelockert wurde, galt dies für die frühen sogenannten Ego-Shooter und Survival-Games, für das RESIDENT EVIL exemplarisch steht. 1996 auf dem Markt erschienen, avancierte es zu einem der erfolgreichsten Spiele seiner Generation. Wenn man solche Spiele, deren Wesen es nun einmal ist, aktiv zu sein und Entscheidungen zu treffen, in die für den Rezipienten eher passive Form eines Spielfilms überträgt, droht die Simplifizierung und Redundanz auf eine reine Aneinanderreihung eben jener Spiellevel.

Der Erfolg von LARA CROFT: TOMB RAIDER (2001) hatte bewiesen, daß es zumindest möglich ist, eine solche Verfilmung erfolgreich umzusetzen. Die deutsch-britisch-französische Co-Produktion RESIDENT EVIL (2002) war der nächste höchst erfolgreiche Versuch, ein Spielprinzip auf die Leinwand zu transferieren. War mit TOM RAIDER ein Abenteuerfilm gelungen, der viele Elemente der INDIANA JONES-Reihe (1981/1984/1989/2008) aufwies, konnte RESIDENT EVIL an das um die Jahrtausendwende erneut erstarkende Sub-Genre des Zombiefilms andocken. Da der moderne Horrorfilm an sich schon die Form von Abzählreimen favorisiert, um seine diversen Protagonisten möglichst spektakulär vom Leben zum Tode zu befördern – von HALLOWEEN (1978), über FRIDAY THE 13TH (1980) bis NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) und den jeweils daraus entstandenen Serien nutzen die erfolgreichsten Vertreter des Genres genau dieses Prinzip – kommt sie einer Spielverfilmung entgegen. Da das Spiel es erfordert, sich durch ein labyrinthisches Haus zu kämpfen, das jede Menge Schocks, Fallen und Überraschungen bereit hält, korrespondiert es seinerseits wiederum mit den Plots vieler cineastischer Vorbilder. So konnte die Leinwandversion ebenso einfach wie treffend umgesetzt werden.

Das Prinzip, sich durch verschiedene Levels zu arbeiten und dabei Aufgaben zu erfüllen, wobei der Feind hinter jeder Ecke lauern kann, übernimmt Regisseur Paul W. S. Anderson, der auch das Drehbuch schrieb, nahezu eins zu eins. Allerdings gelingt es ihm, seinen Figuren zumindest rudimentären Charakter einzuhauchen, bzw. ihnen Geheimnisse angedeihen zu lassen. Angefangen bei Alice, jener ihres Gedächtnisses verlustig gegangenen Akteurin, die Milla Jovovich  verführerisch bis naiv zu geben versteht, über Matt Addison, der lange genug zwielichtig erscheint, um eine zweite Spannungsebene aufzubauen, bis hin zu Spence Parks, der Alice´ Gatte zu sein scheint, sich aber ebenfalls an nichts zu erinnern vermag und sich nach und nach als der entpuppt, der er in Wirklichkeit ist, sind es interessante Figuren – zumindest im Kontext eines Horror/Science-Fiction-Films. Neben der unmittelbaren Bedrohung wird der Zuschauer derart angefüttert mit plötzlichen Erinnerungsbildern gerade bei Alice, daß dieser Subplot um die Vergangenheit der drei spannend bleibt. Die Soldaten des Teams hingegen entsprechen genau jenen Stereotypen, wie Hollywood (und etliche Spiele) sie bereits vorgezeichnet hatten. Sie sind harte Kerle – und eine von Michelle Rodriguez gegebene Frau – deren Hauptaufgabe darin besteht, Kanonenfutter für all jene Fallen und monströsen Wesen zu sein, mit denen das zu durchstreifende Areal, eine ultrageheime Laboreinrichtung, das Team konfrontiert.

Anderson selbst hat etliche Male auf seine Vorliebe für Lewis Carrolls Kinderbücher ALICE´S ADVENTURES IN WONDERLAND und THROUGH THE LOOKING-GLASS AND WHAT ALICE FOUND THERE hingewiesen und so nimmt es kaum Wunder, daß der Film voller Anspielungen auf die Bücher ist: Der Einstieg zum Labor liegt hinter einem Spiegel, dort herrscht die Red Queen und ein weißes Kaninchen wird geimpft, vor allem aber trägt die Heldin den Namen von Carrolls Hauptfigur. Doch sollte man diese Analogien auch nicht allzu  hoch hängen. Statt hintersinniger Wortspielereien und Logikfragen finden die Protagonisten in The Hive, wie der Laborkomplex heißt, vor allem Hochtechnologie und das Grauen zum Leben auferstandener Toter, die ihrem Rudimentärtrieb folgen: Fressen. Desweiteren werden sie Opfer extrem feiner Fallen – die noch das hintersinnigste Element darstellen und am ehesten auf Andersons Lieblingsbücher verweisen – und Mutationsversuchen für biologische Waffensysteme. Die Auseinandersetzungen mit diesen Wesen sind alles andere als subtil, im Gegenteil, RESIDENT EVIL weiß, was er einem an harten Schockern auf der Leinwand, auf Video und als Videospiel abgehärteten Publikum schuldig ist. Trotz einer Freigabe ab FSK 16, ist Teil eins der daraus resultierenden Reihe ein durchaus amtlicher Splatterfilm geworden, der weder mit Blut, noch Gedärm oder der nötigen Härte geizt.

Anderson übt, das sei ihm zugestanden, Kritik am militärisch-industriellen Komplex im herkömmlichen Sinne und bezieht klar Position. Die Umbrella Corporation, die hinter den Experimenten und Versuchen in The Hive steht, ist einer jener anonymen, gesichtslosen und scheinbar übermächtigen Konzerne, wie sie in Verschwörungsthrillern und etlichen Horror- und Science-Fiction-Filmen seit den 1970er Jahren vorkommen. Das erinnert durchaus an die Weyland-Corporation in Ridley Scotts ALIEN (1979). Und man kann weitere Verweise auf etliche Vorläufer finden. Vor allem George A. Romeros[1] Zombiefilme der 70er und 80er Jahre finden hier ein spätes Echo. Obwohl RESIDENT EVIL gern zugestanden wird, dem Genre durchaus Neues hinzufügen zu können, darf man getrost annehmen, daß, hätte Romero ein auch nur annähernd ähnliches Budget für DAY OF THE DEAD (1985) gehabt, die Laboratorien von Doktor Logan denen der Umbrella Corporation nicht unähnlich gewesen hätten. Das Prinzip des Abzählreims wurde bereits erwähnt, hier wird es recht humorlos angewandt und erinnert an etliche Slasher-Filme, der Einsatz eines hart trainierten Einsatzkommandos des Militärs oder der Polizei kennt man wiederum aus James Camerons ALIEN-Nachfolger ALIENS (1986). Die Beispiele ließen sich weiterführen.

Paul W.S. Anderson ist ein durchaus ansehnlicher, angemessen harter, gelegentlich auch überraschender Genrebeitrag gelungen, der sein Erbe kennt und es gut zu verwalten versteht. Gelegentlich kann der Film dann wirklich punkten, wenn er bspw. in einer Villa beginnt, durch die die nackte Milla Jovovich sich bewegt, als habe sie sich in einen Werbe-Clip für Parfum aus den 90er Jahren verirrt. Mise en Scène, der Look und die Kameraarbeit unterstützen diesen Eindruck, der dann umso härter kontrastiert wird, wenn die Action beginnt und die Realität des Films in dieses fast surreale Setting einbricht. Buch und Regie verstehen es, die Balance zwischen Action, Spannungsmomenten und tieferreichenden Motiven des Plots zu halten, ohne dabei je das eigentliche Anliegen – Unterhaltung – aus den Augen zu verlieren, weshalb der Film auch ein gutes Timing hat. Obwohl man bei einem Budget von ca. 33 Millionen Dollar kaum davon sprechen mag, ist RESIDENT EVIL ein ansehnliches B-Movie, welches man durchaus zu den besseren der jüngeren Zombie-Welle rechnen darf. Und es ist ein Film, den man als gelungene Adaption eines Computerspiels für die Leinwand betrachten sollte.

 

[1] Romero war ursprünglich für die Regie vorgesehen, hatte auch einen eigenen Drehbuchentwurf vorgelegt, wurde aber aufgrund „künstlerischer Differenzen“ aus der Produktion entfernt. Es wäre interessant gewesen, seine Version des Films zu sehen.

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