SINDBADS SIEBTE REISE/THE 7th VOYAGE OF SINDBAD

Ein Ray-Harryhausen-Klassiker

Sindbad, der Seefahrer, rettet den Zauberer Sokurah (Torin Thatcher, der die mit Abstand beste schauspielerische Leistung hier vollbringt) auf der Insel Kolossa vor dem Angriff eines Zyklopen und nimmt ihn mit nach Bagdad. Bei der Aktion hat der Magier seine Zauberlampe verloren, die einen Geist beherbergt. Sindbad will Parisa in Bagdad heiraten, womit Frieden zwischen seinem und ihrem Volk begründet würde, doch Sokurah, dem ein Schiff und eine Mannschaft verweigert wurden, um nach Kolossa zurück zu kehren und die Lampe zu suchen, verwandelt Parisa in eine Miniaturausgabe ihrer selbst. Um sie wieder in ihre normale Gestalt zu verwandeln, braucht es eine Stück von der Eierschale des Vogel Roch, der natürlich nur auf Kolossa zu finden ist. So macht sich Sindbad erneut auf Reisen, um seine Geliebte zu retten…

Ob THE BEAST FROM 20,000 FATHOMS (1953), ob die späteren MYSTERIOUS ISLAND (1961), JASON AND THE ARGONAUTS (1963), das Raquel-Welch-Vehikel ONE MILLION YEARS B.C. (1966) oder dieser farbenprächtige Abenteuerfilm von 1958, THE 7th VOYAGE OF SINDBAD – es war der F/X-Weirdo Ray Harryhausen, der für die Schöpfung gigantischer, furchterregender oder einfach atemberaubend fremder Kreaturen im Fantasyfilm der 50er und 60er Jahre verantwortlich zeichnete. Heute sind all diese Filme eher als „Ray-Harryhausen-Filme“ bekannt, denn als Werke ihrer jeweiligen Regisseure. Hier, im vorliegenden Fall, war das Nathan Juran, der als versierter Fachmann in Sachen Abenteuerfilm galt. Diesen Ruf konnte er bestätigen, auch wenn ihm mit Kerwin Mathews als Sindbad und Kathryn Grant als Prinzessin Parisa nicht unbedingt zwei Größen ihrer Zunft zur Verfügung standen.

Riesenvögel, Drachen und Zyklopen, ein fechtendes Skelett, ein Geist aus der Wunderlampe, der sich als Kind entpuppt, eine geschrumpfte Frau, die eben jenen Geist in seiner Lampe besucht, Goldschätze und Juwelen, farbenfrohe Bazare und jede Menge Abenteuer, Meutereien und Gefechte – wer für knapp anderthalb Stunden abtauchen mag in eine Märchenwelt, die entfernt an die GESCHICHTEN AUS 1001 NACHT erinnert, ansonsten aber Hollywoods Verständnis des Nahen Ostens entspricht, der ist hier genau richtig. Nathan Juran gelingt es, uns die knackige Liebe ebenso glaubwürdig zu vermitteln, wie den bösen und berechnenden Zauberer Sokurah oder den edlen und heldenhaften Sindbad, der natürlich nicht eine Sekunde einem Araber gleicht, so wie seine Aufmachung auch eher an Errol Flynn während seiner vielen Abenteuer auf den sieben Weltmeeren erinnert, als an das Gewand eines Orientalen. Juran nimmt uns gefangen mit den fabelhaften Bauten und Settings, die er bietet – ob das prächtige Bagdad, ob die geheimnisvolle Insel, ob das aufgetakelte Schiff oder die unheimlichen Höhlen, in die Sokurah Parisa verschleppt – und natürlich erst recht mit den Wesen und Monstern, die Harryhausen mit seiner Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt.

Die Monster sind natürlich die heimlichen Stars des Films und der wohlige Grusel, den sie dem Zuschauer zu bereiten wissen, verdanken wir vollkommen ihrem Schöpfer. Sicher, uns heutige, CGI-gestählte und mit allen Wassern moderner digitaler Technik Vertrauten, können diese Knet- und Gummiwesen wahrscheinlich nicht mehr wirklich begeistern, sind wir doch sowohl Furchtbareres als auch realer Erscheinendes gewohnt. Doch die Älteren, die sich noch ein wenig den magischen Blick, den das Kino einst zu bieten wusste, erhalten haben, können sich vielleicht noch erinnern, wie das einst war, als diese Wesen die Leinwand bevölkerten und ihr Publikum ebenso in Erstaunen versetzten, wie es heute komplett am Rechner entstandene Dinosaurier oder Meeresungeheuer a la PACIFIC RIM (2013) gelingt.

Allerdings kann man gerade an den Filmen Harryhausens auch eine Lanze auch für die moderne Technik brechen, denn wie in Spielbergs Sauriersause JURASSIC PARK und dessen Nachfolgern, spielten auch in Harryhausens Szenarien Menschen und die sie bedrohenden Fabelwesen selten bis nie zugleich vor der Kamera. Die Monster wurden später in die fertigen Filme einkopiert, was man gerade auch hier deutlich sehen kann, so wie wir auch sehen, daß die Tricktechniker sauber darauf achten, daß entweder die Menschen immer auf anderen Ebenen stehen oder hocken als die Ungeheuer oder aber diese die hinter Felsen und Bergen verschwinden, denn in jenen Kampfszenen, in denen die Zyklopen Sokurah z.B. angreifen und beide – Mensch und Monster – gleichzeitig komplett zu sehen sind, bemerkt man die genutzte Technik dann doch deutlich. Dennoch – auch in den 40er, 50er und 60er Jahren wurden eben durchaus ähnliche Tricks genutzt, wie sie heute, rechnergestützt, immer weiter und zur Perfektion getrieben werden. Nur die Wesen selbst, mit viel Liebe zum Detail entworfen und per Knetmasse zum Leben erweckt, sind zumindest materiell vorhanden, wenn auch sehr viel kleiner, als es die Filme suggerieren.

Anders als in den früheren entstandenen THE BEAST FROM 20,000 FATHOMS oder IT CAME FROM BENEATH THE SEA (1955), die grimmig die Realwelt von Monstern bedrohen lassen und nominell dem spezifischen Monster-Science-Fiction-Horrorfilm der 50er Jahre zuzuordnen sind, für die Filme wie TARANTULA (1955) oder THEM! (1954) stehen, ist THE 7TH VOYAGE… im Grunde ein Märchenfilm, der ganz bewußt eine Welt präsentiert, die so nur in Büchern existiert. Nicht zuletzt die Musik, die sich zwar Mühe gibt, orientalische Melodeien aufzugreifen, in Instrumentierung und Arrangement jedoch eher an Wiener Walzer erinnert, ist dafür verantwortlich, daß wir uns in einer reinen Abenteuer- und Märchenwelt wähnen. Das mildert seine für damalige Verhältnisse durchaus ebenso grusligen Horrorelemente ab, als auch die teils doch deutliche Gewalt, die der Film zeigt. Damals umstritten, weil für Kinder eher ungeeignet, ist dieser Film heute längst zum Klassiker des Samstagsnachmittags geworden, wo er ganz selbstverständlich zum Kinderprogramm gehört.

Für die Älteren eine schöne Erinnerung, für die Jüngeren ein Beispiel, wie man das Publikum vor über fünfzig Jahren in Erstaunen versetzte, bietet THE 7TH VOYAGE OF SINDBAD auch heute noch prächtige Unterhaltung, frei von jedwedem tieferen Sinn. Vielleicht nicht der beste Film, an dem Harryhausen beteiligt war, gehört er aber ganz sicher in die Liga der gehobenen Märchen- und Fantasyfilme. Old school, keine Frage, aber immer noch liebenswert.

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