BLUTIGER STAUB/THE OUTRIDERS

Ein exemplarischer B-Western

Kurz vor dem Ende des Bürgerkriegs entfliehen die Gefangenen Will Owen (Joel McCrea), Jess Wallace (Barry Sullivan) und Client Priest (James Whitmore) einem Lager der Union. Sie treffen auf den Banditen Keeley (Jeff Corey), der mit Quantrill reitet, ein gefürchteter Vigilant im Grenzgebiet. Die Ex-Gefangenen verstehen sofort, wie gefährlich Keeley und seine Männer sind, denn Quantrills Taten sind auch unter Südstaatlern umstritten. Will möchte eigentlich nichts mit den Männern zu tun haben, muß sich in Anbetracht seiner Situation aber den Gegebenheiten fügen. Keeley will einen zivilen Treck überfallen, der einen Goldschatz in Millionenwert mit sich führt. Das Geld gehört angeblich den Nordstaaten und soll nun der Sache des Südens dienen. Will und seine Begleiter sollen sich dem Treck als „Outriders“, als berittene Eskorte, anbieten.

Der Treckführer Don Chaves (Rammon Novarro) betrachtet die sich aufdrängenden Männer skeptisch und bittet sie, sich von den Wagen fernzuhalten. Bei einem Indianerüberfall können die Männer sich jedoch bewähren und gewinnen so das Vertrauen der Leute im Treck. Unter diesen befindet sich Jen Gort (Arlene Dahl), die mit ihrem Schwager Roy (Claude Jarman, Jr.) unterwegs ist, einem Teenager, der unter ihrem Schutz steht. Der Junge möchte den Respekt vor allem von Will gewinnen, Will wiederum interessiert sich für Jen. Ebenso erregt sie Jess´ Aufmerksamkeit, was schnell zu Spannungen zwischen den Männern führt. Immer wieder entfernen sich Will und Jess vom Treck, um sich mit Keeley zu treffen, der den Wagen zum richtigen Zeitpunkt eine Falle stellen will. Erneut kommt es zu Auseinandersetzungen mit Indianern, bei denen Roy versucht sich hervorzutun. Er löst eine Stampede unter den Pferden des Trecks aus, was zu enorm waghalsigen Manövern führt, um die Herde wieder einzufangen. Bei dem Versuch, einen reissenden Fluß zu überwinden, ertrinkt der Junge schließlich, was Jen in tiefe Trauer stürzt.

Will steht ihr  bei und begreift – auch die ihm angetragenen Freundschaft  des Treckführers trägt dazu bei – daß er nicht mehr an die „Sache“ glaubt, sondern sich eigentlich nach einem friedlichen Leben an der Seite einer ihn liebenden Frau sehnt. Den Überfall, den Keeley nach wie vor plant, will Will nun verhindern. Zwischen ihm und Jess kommt es deshalb zu Streit, der immer offener ausgetragen wird. Als sich plötzlich die Nachricht verbreitet, daß der Krieg zuende sei, fällt auch der Grund für den Überfall weg. Doch Keeley, der nun zuschlagen will, macht klar, daß er sowieso nie daran interessiert gewesen ist, das Geld irgendeiner „Sache“ zur Verfügung zu stellen, außer der eigenen. Jess, mittlerweile voller Hass gegen Will, weil dieser von Jen eindeutig bevorzugt wird, aber auch, weil Will bereit war, die Sache des Südens zu verraten, schlägt sich auf Keeleys Seite. Es kommt zum Showdown, bei dem Keeley und Jess getötet werden. Will kann mit Jen in eine neue Zukunft aufbrechen.

Einem Film, dem in Joe Hembus´ immer noch als Standardwerk geltenden WESTERN-LEXIKON gerade einmal sieben Zeilen inklusive der Credits gewidmet werden, muß  man doch eigentlich keine Aufmerksamkeit schenken, wollte man meinen. Ein B-Movie, bestenfalls. Und es stimmt, THE OUTRIDERS (1950) ist ein B-Movie, das lediglich durch den Auftritt von Joel McCrea veredelt wird. Dennoch ist Regisseur Roy Rowland ein kurzweiliger und recht unterhaltsamer Film gelungen, der dem Publikum einige Schauwerte und recht viel Spektakel zu bieten hat.

Ein Treck, Indianer, eine Banditengang, ehemalige Südstaatler, eine schöne Frau, ein Geheimnis und Gold – Irving Ravetchs Buch bietet vieles, was einen klassischen Western auszeichnet und geht doch auch weiter. Nach einem fulminanten Beginn in einem Gefangenenlager der Nordstaaten und dem Ausbruch von McCrea und seinen Spießgesellen, wird mit Jeff Coreys Bandit Keeley ein wahrer Bösewicht eingeführt, dessen schurkische Qualitäten eher an Bösewichter viel später entstandener Filme erinnern und der von sich selber sagt, er reite für Quantrill, was zusätzlich  unterstreicht, daß mit ihm nicht zu spaßen ist. Der Name Quantrill war in den Grenzgebieten nahe des Mississippi ein Menetekel, da er Anführer einer Bande von Vigilanten war, die dort, in den damaligen „Territorien“ reinen Terror verbreiteten. Daß  zwischen McCreas Will Owen und Barry Sullivans Jess Wallace mehrfach darüber diskutiert wird, ob man sich diesem Haufen anschließen wolle oder lieber „ehrbarer“ Südstaatler bleibe, verweist auf ein echtes Dilemma, versteht man sich selber doch als „southern“ Gentleman, was sich kaum deckt mit den Quantrill zugeschriebenen Gräueltaten. Der gesamte innere Konflikt wird um dieses Dilemma herum konstruiert: Ehrenmänner der Konföderierten, die sich  nicht  gemein machen wollen mit jenen in ihren Reihen, deren Methoden sie nicht goutieren, die aber auf ihre dreckige Art und Weise für dieselbe Sache kämpfen – und die Sache in diesem Falle mit den dringend benötigten finanziellen Mitteln versorgen wollen, damit man überhaupt weiterkämpfen kann.

Jess Wallace wird dem Publikum zwar als zwielichtiger Geselle mit unehrenhaften Absichten präsentiert, aber fast ist sein Betragen im konföderierten Verständnis eher das eines Ehrenmannes, er selbst verweist darauf, daß Will im Begriffe sei, die Sache des Südens zu verraten – wegen einer Frau. So sehr man als Gentleman galant zu sein hatte, die „Sache des Südens“ war um jeden Preis zu verteidigen. Um den Widerspruch dramaturgisch dann halbwegs passend zu lösen, lässt der Film den Krieg zum passenden Zeitpunkt enden – was Will durch einen gerade recht kommenden wackeren Burschen erfährt – und wodurch die ganze das Unternehmen motivierende Aktion, den Goldschatz zu rauben, ihren Sinn verliert – außer man will den Überfall nun auf eigene Kosten machen, bzw. hatte sowieso nie vor, das Geld der guten Sache zur Verfügung zu stellen. Und natürlich entpuppen sich Wallace, Keeley und die Vigilanten als das, was sie auch in Will Owens Augen immer schon waren: als gemeine Verbrecher. Joel McCrea ist natürlich Joel McCrea und schon dadurch im Grunde als Edler gekennzeichnet. Daß er also letztlich den Kampf für sich wird entscheiden und die Dame seines Herzens wird erobern können, erklärt sich schon aus dieser Tatsache, was den Fokus eher auf die Spektakel lenkt, denen Held und Heldin sich ausgesetzt sehen. Und derer gibt es einige.

Denn neben dem im Western eher untypischen Thema des Bürgerkriegskonflikts und wie er in die Gesellschaft einsickerte, bzw. welche Verheerungen er dort anrichtete, wendet sich THE OUTRIDERS schnell anderen dem Western näheren Themen zu, allen voran dem des Indianerkriegs. Die akuten Konflikte, die die Handlung zeigt, werden denn auch von diesen ausgelöst. Den Treck zu führen – womit der Film auch dieses Thema abdeckt – ist  für Will und die anderen zunächst ein willkommenes Mittel, ihren Häschern zu entkommen und den vermeintlichen Goldschatz an sich zu bringen, daß Will und Clint dann jedoch gewillt sind, wirkliche Verantwortung zu übernehmen, mag an Wills Interesse an Jen liegen, ganz sicher ist ihre Bereitschaft aber auch mit den Gefahren gewachsen, denen sie den Treck ausgeliefert sehen.

Roy Rowland und Kameramann Charles Schoenbaum haben reichlich Gelegenheit, waghalsige Aktionen einzufangen: Die Wagen werden abgeseilt, man sieht, wie eine Pferdeherde durchgeht und von den Männern eingefangen werden muß und es kommt zu zwei großen Indianerangriffen, die eine Menge Schauwert bieten. Hinzu kommen die großartigen Landschaften Utahs, die dem Film Rhythmus und Einteilung geben. Rowland weiß die Landschaften in vielerlei Hinsicht zu nutzen: Sie bieten Absatzmöglichkeiten, wirken wie Einschiebungen, dann sind siewieder maßgeblich für die Entwicklung der Story verantwortlich, in ihnen kann die schiere Größe des Landes – die darin entschwindenden Wagen als Grad – bemessen werden und wir begreifen die darin lauernden Gefahren.

So steht einer dem Western typischen, letztlich mit Gewalt herbeigeführten Lösung des Konflikts nichts mehr im Wege und der durch die Liebe zu einer Frau geläuterte Mann kann sich per Gewalt seiner Sünden entledigen und als neuer Mensch auferstehen. THE OUTRIDERS ist ein Paradebeispiel für die Ökonomie des Western, die des B-Western im Besonderen. Wie Irving Ravetch es versteht in den ersten Szenen des Films Konflikte aufzubauen, Atmosphäre zu schaffen und zwielichtige Charaktere einzuführen, steht exemplarisch für die Kunst des Drehbuchschreibens à la Hollywood. Die Story darf nicht zu kompliziert sein, darf aber zugleich nicht zu plump daher kommen. Es scheidet den gelungenen Unterhaltungswestern vom reinen Trivialtrash, daß es ihm eben gelingt, diesen Schemata gerecht  zu werden und doch darüber hinaus zu weisen. Das geschieht hier in dem Konflikt zwischen Will Owen und Jess, der ein im Western klassischer um eine Frau ist, und dem Konflikt mit Keeley, was den viel bemühten „cause“ betrifft, also die Frage nach Ehre und Verrat am Grund des Krieges. Sublim gelingt es, einen Grundkonflikt der amerikanischen Gesellschaft  zu spiegeln, denn solange wir annehmen können, daß Wallace wirklich plant, für die Sache der Konföderierten einzutreten, bleibt Owen ein Verräter an der gemeinsamen Sache. Das Publikum wird also mitten hinein geworfen in eine Spiegelung dieses auch heute noch bestehenden Risses zwischen einer sich gedemütigt fühlenden Südstaatengesellschaft, die immer noch im Bewußtsein lebt, für eine gerechte Sache, ihre ureigene Lebensart nämlich, gekämpft zu haben und der inneren Bewegung, sich daraus zu lösen, egal was der dafür nötige Anreiz gewesen ist – im Notfall, so suggeriert es THE OUTRIDERS, darf das auch eine Frau sein.

Doch sollte man all diese Interpretationen auch nicht zu hoch hängen, denn nicht nur in dem eben angedeuteten „Grund einer Loslösung“, sondern auch im Kniff, gerade in dem Moment den Krieg zuende gehen zu lassen, in dem der Plot aus sich heraus die Konflikte nicht mehr lösen kann, zeugt von der letztlich reaktionären Haltung, die viele B-Western gerade der 50er Jahre einnahmen – jener Ära, die die goldene Dekade des Westerns genannt wird, womit allerdings eher der A-Western, der Edelwestern, gemeint war. Mehr noch als die teuren und psychologisch ausgebufften Dramen, die Anthony Mann, John Ford, Howard Hawks oder Henry King auf die Leinwand brachten, kam es dem B-Western auf schnelle, durchaus auch härtere Unterhaltung an. Action, Spektakel, ein bisschen Romanze und durchaus ein gerüttelt Maß an Gewalt domminierten hier und THE OUTRIDERS bedient genau diese Sparte nahezu perfekt. Alles, was der Film darüber hinaus zu bieten hat, darf getrost als Surplus betrachtet werden.

 

 

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