VERRAT IN FORT BRAVO/ESCAPE FROM FORT BRAVO

John Sturges erster "echter" Western

1863. Captain Roper (William Holden) dient bei einem Regiment, das im Fort Bravo, mitten in der Wüste New Mexicos, Gefangene der Südstaaten bewacht. Er hat den Ruf eines harten Hundes. Unter anderem behandelt er Entflohene extrem schlecht. Selbst sein Vorgesetzter Colonel Owens (Carl Benton Reld) ermahnt ihn, es nicht zu übertreiben. Doch sind Ropers Methoden zumindest eins – erfolgreich.

Eines Tages werden Roper und ein Trupp seiner Männer während einer Patrouille auf eine Verfolgugnsjagd aufmerksam: Die Postkutsche wird von Indianern angegriffen. Es gelingt den Soldaten, die Mescaleros in die Flucht zu schlagen und die Kutsche zu retten. Die einzige Passagierin ist Carla Forester (Eleanor Parker), die im Ford ihre Freundin Alice Owens (Polly Bergen) bei deren Hochzeitsvorbereitungen unterstützen will. Alice gedenkt wenige Tage später Lieutenant Beecher (Richard Anderson), der bei der Rettung der Kutsche verletzt wurde, zu heiraten.

Schnell freunden sich Roper und Carla miteinander an, bei einem Tanz kommen sie sich näher und sie begleitet ihn sogar – ungehörig für eine unverheiratete Dame – in sein Quartier, wo sie entdeckt, daß er auf einem kleinen Stück Land Rosen züchtet. Neben seiner Gentleman-Attitüde nimmt auch dieser zarte Charakterzug sie für ihn ein.

Was weder Alice noch Roper ahnen, ist, daß Carla nicht wegen der Hochzeit der Freundin vor Ort ist, sondern weil sie Captain John Marsh (John Forsyth) helfen will, aus Fort Bravo auszubrechen. Sie ist Marshs Verlobte. Er und drei weitere Männer planen minutiös ihre Flucht. In der Nacht der Hochzeit soll es soweit sein.

Alles klappt wie geplant, Marsh, die Soldaten Campbell (William Demarest), Cabot Young (William Campbell) und Bailey (John Lupton) und an ihrer Seite Carla entkommen iin einem Planwagen.

Roper wird damit beauftragt, die Entflohenen einzufangen. Er und ein Trupp Soldaten, unter ihnen auch Beecher, der Ropers Methoden abstoßend findet und aufpassen will, daß der Captain sich den Gefangenen gegenüber ehrenhaft verhält, nehmen die Verfolgung auf. In Lordsville finden sie Hinweise auf die Richtung, die die Verfolgten eingeschlagen haben. Doch auch Bailey wird hier festgesetzt. Der junge Mann, der sich sebst als Dichter sieht und zugibt, feige zu sein, erzählt, daß sie gewarnt worden seien, in der Wüste wimmele es von Mescalero-Indianern. Da sei es ihm lieber, zurück nach Fort Bravo gebracht zu werden.

Der Captain eines anderen Regiments bittet Roper um Hilfe: Er beschütze einen Siedler-Treck und habe nicht genug Leute, Roper solle ihn unterstützen. Roper weist seine Männer an, sich dem Regiment anzuschließen, er, Beecher, ein Kiowa Scout (Frank Matts) und Bailey machten sich weiter auf die Verfolgung der Flüchtenden.

Nachts in der Wüste holen die vier Marsh und sein Gefolge ein. Sie entwaffnen die Männer und es kommt zwischen Roper und Marsh zu einer wüsten Schlägerei, da der Südstaaten-Captain längt begriffen hat, daß Clara sich ernsthaft in Roper verliebt hat. Es gelingt Clara, die Kontrahenten zu trennen.

Anderntags macht der ganze Trupp sich auf den Weg zurück ins Fort. Doch schnell begreifen sie, daß sie verfolgt werden. Mescaleros lauern ihnen auf. In einem ausgewaschenen Bachbett finden sie Deckung. Hilflos den sie umzingelnden Indianern und der sengenden Sonne ausgeliefert, können sie eigentlich nur noch auf einen langsamen und elenden Tod warten.

Roper bewaffnet die Gefangenen und vor allem Campbell entpuppt sich als hervorragender Schütze. Es gelingt dem kleinen Trupp, die erste Angriffswelle der Indianer zurückzuschlagen. Doch gibt es auch unter ihnen die ersten Verletzten.

Nachts kommt eins der von Roper verjagten Pferde zurück. Die Männer versuchen, es zu sich zu locken und überlegen, wer einen Ausbruch wagen soll. Marsh plädiert dafür, daß es Carla sein solle, die das Pferd bekommt und sich so vielleicht retten kann. Doch Roper, der wie Beecher Zeuge der Grausamkeit der Mescaleros geworden ist, will das nicht verantworten. Während Marsh und Roper hin und her diskutieren, springt Bailey aus der Deckung, rennt zum Pferd, springt hinauf und galoppiert unter Beschuß in die Dunkelheit davon.

Am folgenden Tag greifen die Indianer erneut an. Todesmutig reiten sie an das Erdloch heran, in dem die Soldaten hocken, und markieren es mit Speeren. In das so entstandene Geviert werden dann Pfeile aus den Hügeln geschossen. Beecher und Marsh werden verletzt, Campbell und Young bei dem Versuch, die Speere aus dem Boden zu ziehen, sogar getötet. Auch der Kiowa Scout kommt zu Tode. Zurück bleiben nun nur noch Clara, Roper, Beecher und Marsh.

Marsh fordert Roper ultimativ auf, mit Carla zu fliehen und ihn und Beecher zurückzulassen. Er bedroht den Captain sogar mit einer Waffe, bricht dann jedoch, geschwächt von seinen Verletzungen, zusammen. Eine weitere Nacht muß überstanden werden. Marsh stirbt schließlich in Carlas Armen.

Roper denkt sich eine List aus: Er bedeckt die anderen am nächsten Morgen mit Dreck und fordert sie auf, sich vollkommen still zu verhalten, so daß die Indianer sie für tot hielten und den Geiern überließen. Er, Roper, wolle deren Aufmerksamkeit auf sich ziehen und den Eindruck erwecken, er sei der letzte Überlebende. Clara gesteht ihm nun offen ihre Liebe.

Roper bewaffnet sich mit zwei Colts und tritt aus dem Loch heraus. Die Indianer schießen auf ihn und verletzen ihn auch. Dann kommen sie angeritten. Roper schießt, bis er keine Kugeln mehr hat und wirft dann verzweifelt seinen Colt. Als er zusammenbricht, vernimmt er das Hornsignal der Kavallerie: Bailey ist zum Fort geritten und hat Hilfe geholt. Die Überlebenden können gerettet und ins Fort zurückgebracht werden.

Der nominell erste „echte“ Western, den John Sturges drehte, war ESCAPE FROM FORT BRAVO (1953). Er hatte  zuvor mit THE WALKING HILLS (1949) einen zeitgenössischen Western gedreht, der allerdings mehr einem Abenteuerfilm mit Elementen des ‚Film Noir‘ glich und ein wenig an THE TREASURE OF THE SIERRA MADRE (1948) erinnerte.  Nun aber konnte er mit William Holden in der Hauptrolle einen Western produzieren, der in Setting, Story und Verlauf an Filme von John Ford angelehnt war und sich doch von diesen absetzte.

ESCAPE FROM FORT BRAVO ist ein Kavallerie-Western, der im Jahr 1863, also mitten im Bürgerkrieg, spielt. In einem Fort – dem titelgebenden Fort Bravo, irgendwo in New Mexico – sind gefangene Soldaten der Konföderation untergebracht, die von einer Einheit der U.S.-Kavallerie bewacht werden. Deren Captain Roper wiederum ist ein harter Hund, dessen Methoden, mit Gefangenen umzugehen, Entflohene einzufangen und zurückzubringen nicht einmal von seinen Vorgesetzten goutiert werden. Doch da er erfolgreich ist, lässt man ihn gewähren. Es entwickelt sich eine Story um Flucht und Verrat und davon, wie Nord und Süd im Angesicht eines gemeinsamen Feindes – der Mescalero-Indianer – doch zusammenstehen und zusammen kämpfen. Wie in Fords berühmter Kavallerie-Trilogie, lässt auch Sturges seine Soldaten durch weites Land reiten, sieht man immer wieder die Reihe der Reiter vor monumentalen, beeindruckenden Fels-Kulissen und in der Weite der Prärie. Doch wo Ford jedes Bild nutzt, um die Schönheit des Landes einzufangen, immer einen Gegensatz von Mensch und Natur herausarbeitet und dabei romantische, nahezu mythische Eindrücke entstehen lässt, stellt Sturges – obwohl seine Protagonisten mehrfach von der Schönheit eben dieser Umgebung sprechen – auch deren Gnadenlosigkeit aus. Die Wüste ist grell und staubig, der Ritt in selbiger anstrengend und potentiell ist sie lebensfeindlich und damit auch ein Feind der Soldaten. Anders als bei Ford, wird dem Land dabei aber kein mythischer Charakter attestiert, sondern ist es reine Bedingung des Lebens vor Ort. So dient sie den bewachenden Soldaten auch als Argument, die Gefangenen nicht gesondert einzupferchen, denn – so eine Aussage Ropers – wer sollte aus dieser Einöde schon entkommen?

Schon in diesem frühen Werk aus seinem Western-Oeuvre kann man Sturges besondere Begabungen und seine Handschrift entdecken: Da ist einerseits die allgemein anerkannte und immer wieder bewunderte Sicherheit und Eleganz, mit der er Kampfszenen und -situationen inszeniert, aber auch die Ökonomie seiner Inszenierung sticht heraus. Wo  bei Ford und auch bei Howard Hawks inhaltliche und auch in der Figurenzeichnung oft allegorische, mythisierende und an antike Tragödien gemahnende Überhöhungen stattfinden, verzichtet Sturges weitestgehend auf diese Subebenen. Er neigt nicht zur Mythisierung, er erzählt von Menschen, die sich den Gegebenheiten stellen und die daraus resultierenden Herausforderungen meistern. Eher ist er an Heldentum interessiert, an Menschen, Männern vor allem, die an diesen Herausforderungen wachsen. Ford erzählt vom Werden eines Landes, einer Nation, Sturges erzählt (vor allem) von den Männern, die die Gesellschaft verteidigen, die in dieser Nation leben. In seinen Geschichten passiert, was passiert. Aufgrund dieser Interessen verzichtete Sturges auch zumeist auf allzu tiefe psychologische Analyse seiner Figuren. Natürlich weisen sie psychologische Handlungsmuster auf, doch erklären diese sich zumeist aus der Situation, selten werden diesen Figuren durch innere Konflikte, komplizierte Vorgeschichten oder gar Zerrissenheit charakterisiert. Auch Roper erklärt sich und die auszeichnende Härte nie. Er ist ein ebenso harter wie mutiger Mann in einer harten Umgebung, die Mut erfordert. Daß er in einem kleinen Garten hinter seiner Behausung im Fort Rosen züchtet, ist der einzige  Hinweis, daß dieser Mann auch außerhalb des Settings existiert, das der Film bietet. Und sofort fällt diese Eigenart auch als Schwachstelle auf. Dramaturgisch wird hier lediglich ein Grund geboten, daß sich eine Frau wie die von Eleanor Parker dargestellte Carla Forester in einen Mann wie ihn verlieben kann, erkennt sie darin doch seine weiche Seite.

Sturges drehte fast immer Männerfilme, sieht man von seinem Frühwerk ab, das vollkommen im Zeichen des Studiosystems stand und wenig Raum für Eigenes ließ. So ist die Verbindung von Romanze und Abenteuer in ESCAPE FROM FORT BRAVO eher eine Ausnahme in seinem Werk und sehr untypisch für ihn. Und sie wird schnell konterkariert, indem Forester die zweite Hälfte des Films im Dreck verbringen muß, zusammengepfercht mit sechs Männern, und alle gemeinsam um ihr Leben fürchten. Wirklich zu sich selbst scheint der Film dann auch erst ab jenem Moment zu kommen, da der Fluchtplan umgesetzt wird und Roper und seine Männer die Verfolgung aufnehmen. Zuvor gibt es im Fort einen Tanz, Abendspaziergänge und viel Gerede zwischen allen Beteiligten und obwohl Sturges auch diese Szenen routiniert und gekonnt meistert, wirken sie doch eher, als gehörten sie in einen anderen Film – eben einen von John Ford. Sturges´ Meisterschaft zeigt sich vor allem ab dem Moment, da der verbliebene Haufen von den Mescaleros umzingelt in einem Erdloch hockt und versucht, sich zu verteidigen. Aus einem gnadenlos blauen Himmel kommen die Pfeile wie todbringende Blitze hervorgeschossen, die Indianer reiten Angriffswelle auf Angriffswelle und zeigen dabei fatalen Mut und reine Todesverachtung, und der kleine Haufen im Wüstenloch wird zusehends dezimiert. Die stechende Sonne tut ihr übriges. Das Land und die Indianer als die natürlichen Bewohner dieses Landes, werden zum Feind des (weißen) Menschen. Die drei Südstaatler, die viel und gern von ihrer Heimat – Kentucky, Virginia, der Süden eben – reden, machen sich schnell auch darüber lustig, daß Roper dieses Land einnehmen und besitzen will. Auch hier verzichtet der Regisseur weitestgehend auf Psychologisierung oder tiefgreifende Subebenen, bei allen Unterschieden sind die ehemaligen Feinde nun eine Schicksalsgemeinschaft, der gemeinsame Feind muß zumindest zurückgeschlagen werden. Alles Handeln bezieht sich auf die unmittelbare Gefahrensituation und wie man ihr Herr werden kann. Hier sind diese Männer, allen voran Roper, in ihrem Element, hier können sie sich, ihren Heldenmut beweisen. Und hier sind sie letztlich auch bereit, zu sterben.

Sturges´ Western sind hart. Sie sind direkt und meist mit Tempo erzählt, manchmal sind sie ausgesprochen brutal und die Story wird fast immer schnell vorangetrieben, hält sich nicht mit Nebenlinien oder Umwegen auf. Hart wirken diese Filme auch in ihren Bildern. Es sind oft helle, manchmal grelle Bilder, sie sind zentriert und in ihrer Kadrierung auf Tiefe angelegt, manchmal ausgefüllt mit vielen Details, zugleich aber fokussiert auf die Figuren und deren Interaktion. Sturges wagte sich manchmal an durchaus neue Einstellungen, antizipierte gelegentlich schon jene Spätwestern, die wiederum ihre direkten Vorläufer in den Italowestern hatten. Davon ist in ESCAPE FROM FORT BRAVO noch nicht allzu viel zu sehen, obwohl man die Handschrift des Regisseurs auch hier durchaus schon spürt. Dies ist ein noch im klassischen Hollywood-Stil inszenierter Western und orientiert sich an den damals gängigen Mustern, die im Genre eben vor allem durch John Ford geprägt waren. Schon im Nachfolger BAD DAY AT BLACK ROCK (1955), einem wirklichen Klassiker, den man trotz des zeitgenössischen Settings ebenfalls als Western betrachten kann, baut er doch einen klassischen Westernkonflikt auf und löst ihn auch in klassischer Westernmanier, änderte sich dies und spätestens mit BACKLASH (1956) hatte Sturges jenen Mix aus einem der Tradition des Genres verpflichteten und zugleich progressiven Stil gefunden, der seine Meisterwerke und als Klassiker betrachteten Filme dann prägen sollte.

ESCAPE FROM FORT BRAVO kann also durchaus als Stilübung, Herantasten an die eigene Vorgehensweise und Verweis auf die Genrevorbilder betrachtet werden, ist zugleich aber ein durchaus spannender, actionreicher und packender Gattungsbeitrag. Holden, Parker und John Forsythe als Südstaaten-Offizier überzeugen, die Kamera von Robert L. Surtees, der im selben Jahr mit Ford an MOGAMBO (1953) arbeitete, liefert atemberaubende Aufnahmen jener bizarren Felsformationen der Wüste New Mexicos und Jeff Alexander unterlegt die Handlung mit einem oft dramatischen Score, der an Vorbildern wie Dimitri Tiomkin geschult ist. So ist dieser erste „echte“ Western von John Sturges ein durchaus gelungener Beitrag, der gute, schnelle Unterhaltung bietet.

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