BEYOND RE-ANIMATOR

Der spät nachgeschobene dritte Teil von Brian Yuznas Gore- und Splattersause

Obwohl er mit seinen Experimenten maßgeblich für zwei schwere Zwischenfälle verantwortlich zeichnet, bei denen mehrere Menschen zu Tode kamen, konnte Dr. Herbert West (Jeffrey Combs) offenbar weiterhin mit seinem Serum weiter experimentieren, mit dem er totes Gewebe wiederbeleben kann. Doch erneut geht etwas schief und eine der Kreaturen, die West ins Leben zurückgerufen hat, greift die Tochter eines Nachbarn von West an. Bevor die Polizei eingreifen, den Aggressor unschädlich machen und West verhaften kann, nimmt der junge Howard Philips (Tommy Dean Musset), der den Angriff auf seine Schwester mitbekommen hat, eine Spritze mit dem grün fluoreszierenden Serum an sich.

Dreizehn Jahre sind vergangen. Diesmal ist West nicht so leicht davongekommen. Er sitzt in einem Gefängnis und führt seine Versuche nun anhand von Ratten, die er mit allerlei Tricks fängt, fort. Das bringt ihn in Konflikt mit Cabrera (Enrique Arce), der unter den Gefangenen zu einer der Führungsfiguren gehört.

Eines Tages empfängt der Direktor der Anstalt, Warden Brando (Simón Andreu) die Journalistin Laura Olney (Elsa Pataky), die einen Exklusivbericht über das Gefängnis schreiben will. Der Direktor, dessen Interesse an der jungen Dame überdeutlich ist, wird durch die Ankunft des neuen Gefängnisarztes gestört. Es ist der nun erwachsene Howard Philips (jetzt: Jason Barry), mittlerweile ausgebildeter Arzt. Er hat die Direktion gebeten, daß Dr. Herbert West sein Assistent werden soll.

Philips gibt West gegenüber schnell zu verstehen, daß er an dessen Experimenten interessiert ist. West, seit jeher arrogant bis an die Grenze der Hybris, lässt den jungen Mann zunächst abblitzen, erst als der ihm die Spritze mit dem mittlerweile nicht mehr sonderlich leuchtenden Serum zeigt, ändert sich Wests Haltung.

West glaubt, mit dem Nanoplasma, das er in allen Körperteilen eines Lebewesens vermutet, das entscheidende Problem seiner Experimente lösen zu können: Bisher wurden alle Probanden sofort aggressiv, nahezu zombiegleich griffen sie ihre Umgebung an. West probiert nun anhand einer toten Ratte die Möglichkeit aus, ob mit der Übertragung des Nanoplasmas eines artgleichen Wesens der Aggressionsschub abgemildert oder gar verhindert werden könnte.

Doch es kommt, wie es kommen muß: Da neben West und Philips auch der Gefängnisdirektor und Cabrera ihr eigenes Süppchen kochen und zudem ein notgeiler Wächter hofft, das entstehende Chaos für sich nutzen und Laura vergewaltigen zu können, laufen die Dinge aus dem Ruder.

Erst erwischt es mit Moses (Nico Baixas) einen religiös Verbrämten, der sich zusehends als allgemeine Gefahr herausstellt, dann gelingt es Cabrera, die Schlüssel für die Sicherheit der Türen im Gefängnis an sich zu bringen, wodurch es zu einer Gefängnisrevolte kommt, schließlich stirbt Laura, in die Philips sich mittlerweile verliebt hat, nachdem sie sich den Avancen des Wächters widersetzt hat.

Philips nutzt nun das Serum, um zunächst Laura ins Leben zurückzuholen, West wiederum impft sie mit dem Nanoplasma Brandos, der seinerseits mit jenem der Ratte infiziert wird. Das Ergebnis ist erstaunlich: In Laura macht sich eine zweite Person bemerkbar, die aus der zuvor freundlichen jungen Frau eine Furie macht. Das bekommt vor allem der mittlerweile ebenfalls tote und eben mit Ratten-Plasma versorgte Gefängnisdirektor zu spüren, als sie ihm bei einem erzwungenen Blow-Job sein bestes Teil abbeißt.

Im Gefängnis herrscht das blanke Chaos. Jeder versucht, den eigenen Vorteil auszunutzen. In einem fürchterlichen Finale tötet schließlich Philips Laura, die ihn inständig bittet, sie von dem seltsamen Wesen, das in ihr haust, zu erlösen. Während die eintreffenden Spezialeinheiten der Polizei den langsam dem Wahnsinn verfallenden Philips, der die tote Laura in den Armen hält, stellt, kann Dr. Herbert West einmal mehr entkommen. Mit einigen seiner Aufzeichnungen und einem Rest des Serums wandert er in die Nacht hinaus.

Anders als die Macher solcher Werke wie FRIDAY THE 13TH (1980) oder HELLRAISER (1987), erlag Brian Yuzna nicht der Versuchung, aus seinem Erfolg mit RE-ANIMATOR (1985) gleich eine Serie zu generieren. Er produzierte und inszenierte mit BRIDE OF RE-ANIMATOR (1989) eine Fortsetzung, die es in sich hatte und den Stoff weiterentwickelte, dann ließ er es fürs Erste gut sein. So ritt er seine Geschichte um den Wissenschaftler Dr. Herbert West, der ein Serum entwickelt hatte, um totes Gewebe wiederzubeleben, nicht tot, verbrannte weder die Figuren noch den Effekt seines Stoffs. Und konnte problemlos vierzehn Jahre nach der Herstellung der Braut zurückkehren und seinem ergebenen Publikum berichten, wie es mit dem Irren Herbert West weitergegangen ist.

BEYOND RE-ANIMATOR (2003) entstand also in einer Zeit, die kaum mehr vergleichbar war mit jenen Tagen, in denen die Vorgänger entstanden waren. Mittlerweile hatte es mehrere Revolutionen in den sogenannten CGI-Verfahren (Computer Generated Imagery) gegeben, wodurch Spezialeffekte sehr viel leichter herzustellen waren und dabei eindeutig billiger wurden, zugleich auch überzeugender, solange die Verfahren gut angewandt wurden. Für eine Serie wie diese – der erste Teil ein Splatter-Feuerwerk sondergleichen, Teil zwei ein reines Gore-Fest – waren gelungene Effekte ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs. Diese Möglichkeiten schöpfte Yuzna damals aus und nun also bot er eine krude Mischung aus herkömmlichen hand-made Effekten und reinem CGI.

Nach einer herrlich splattrigen Exposition, die alle Register des modernen Horror-Films zieht und den Zuschauer durch eine subjektive Kamera zunächst an typische Einstellungen eines Slasher-Films erinnert, wenn der irre Killer sich einem Opfer nähert, bringt Yuzna uns in den Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses, in dem Herbert West nach seinen letzten Experimenten, die einmal mehr auf grässliche Art und Weise fehlschlugen, seit nunmehr dreizehn Jahren einsitzt. Die Situation spitzt sich zu, als der neue Gefängnisarzt sein Amt antritt und West als Assistenten anfordert, zugleich der Gefängnisdirektor eine Journalsitin durch die Zellentrakte führt, ohne sich etliche klebrige Anspielungen verkneifen zu können, und die Dinge allmählich etwas aus dem Ruder laufen.

West war immer wieder daran gescheitert, seinen Wiedererweckten ein vernünftiges psychisches Profil einzuschreiben, weshalb sie grundlegend aggressiv wurden und eine Gefahr für die Umwelt darstellten. Nun will er mit der Hilfe des neuen Gefängnisarztes endlich sein Meisterstück vollbringen und einen seiner Toten mit einem Verfahren – der Zuführung des Nanoplasmas eines anderen Menschen – zu einer vollwertigen Persönlichkeit verhelfen. Natürlich geht schief, was schieflaufen kann und nicht nur einige Insassen der Haftanstalt, sondern auch die Journalistin, der Gefängnisdirektor, eine Ratte und etliche Körperteile werden im Verlauf der Handlung mit Wests grün fluoreszierendem Serum gespritzt, was die üblichen Folgen hat. Wests Experiment schlägt ein weiteres Mal fehl, was dem Publikum eine weitere feucht-fröhliche Schlachtplatte beschert.

Yuzna greift das Rezept seines zweiten RE-ANIMATOR-Films auf und setzt vor allem auf Komik. Daß sein Humor ein eher schwarz grundierter ist und Yuzna auch vor Obszönitäten und wahren Geschmacklosigkeiten nicht zurückschreckt, weiß, wer die ersten Teile gesehen hat. Auch die Splatter- und Gore-effekte kommen nicht zu kurz, dramaturgisch lässt sich die Regie wie auch in den Vorgängern Zeit, streut hier und da ein paar blutige Leckereien ein, um dann auf ein furioses Finale zuzusteuern, inklusive einer Gefängnisrevolte, die natürlich für zusätzliches Chaos sorgt.

Inszeniert ist dies allerdings eher wie ein Actionfilm, obwohl das Gefängnis natürlich etliche Möglichkeiten bietet, wahrlich grausige Bilder zu liefern und Yuzna dies auch weidlich nutzt. Dennoch ist das letzte Drittel des Films vor allem von den Bildern des Aufstands geprägt und diese erinnern den geneigten Zuschauer an so manchen Film der voraus gegangenen Dekade, allen voran Oliver Stones NATURAL BORN KILLERS (1994), der seinerseits zwar als Satire gekennzeichnet war, selbst aber schon auf die Mittel des Horror-Films im Allgemeinen, des Splatterfilms im Besonderen zurückgriff. Allerdings ohne derart explizit zu werden, wie Yuzna dies natürlich geradezu forciert.

Der Plot ist recht gut ausgedacht – der neue Gefängnisarzt wurde einst unfreiwilliger Zeuge des Ergebnisses von Wests letztem Experiment in Freiheit und konnte damals eine der Spritzen mit dem berüchtigten Serum retten. Nun will er von dem von ihm bewunderten Arzt selbst in die Geheimnisse von Leben und Tod eingeweiht werden. Die Figuren – allen voran der Gefängnisdirektor, den Simón Andreu in einer Mischung aus Sadismus und schmieriger Schlüpfrigkeit spielt, weshalb wir bei alldem, was dem Mann im Verlauf des späteren Films zustößt, wenig Mitleid aufbringen können. Diese Figur entspricht in etwa der Funktion des Lieutenant Chapham in BRIDE OF RE-ANIMATOR. Der hatte im früheren Film erstmals Lunte gerochen und blieb West und seinem damaligen Kompagnon Dan Cain auf den Fersen, ohne jedoch die sadistische Ader an den Tag zu legen, mit der wir es hier zu tun haben. Jeffrey Combs darf natürlich einmal mehr in der Rolle des irren Wissenschaftlers brillieren und bekommt seine volle Würde als hyperarroganter Vertreter seines Fachs zurück.

Eine wirkliche Weiterentwicklung ist dies aber nicht, sieht man einmal von dem Aspekt des Nanoplasmas ab, aber die Idee wird im Gesamtkontext des Films nicht zur Genüge ausgereizt. Zwar wird Gefängnisdirektor Brando mit dem einer Ratte gespritzt, was seinem Gesicht nach und nach ein gewisses nagetieratiges Aussehen verleiht, sein mieser Charakter aber bleibt sich gleich. Notgeil und voller Frauenverachtung, will er weiterhin der Journalistin an die Wäsche. Die wiederum wird Brandos Neuroplasma injiziert, was sie zu einer Furie werden lässt, voller böser Energie und Lust an der Zerstörung. Doch auch daraus kreiert der Film keine wirklich reizvollen Entwicklungen, denn es wirkt so, als nutze Yuzna diese Volte lediglich, um mehr nackte Haut zeigen zu können.

Eine gewisse misogyne Haltung ist ihm so oder so nicht abzusprechen, die Frauen in den drei Filmen seiner Reihe sind alle vor allem dazu da, sich auszuziehen oder, schlimmer, ausgezogen zu werden. Da zumindest sticht Laura Olnay, so der Name der unerschrockenen Investigativ-Reporterin, heraus, denn spätestens mit Brandos Neuroplasma wird sie zu einem Vamp und zeigt den Männern, die sie umgeben, wo der Hammer hängt. Wobei man natürlich auch konstatieren kann, daß ihr dies erst mit der Zufuhr männlichen Neuroplasmas gelingt. Treu bleibt Yuzna auch dem Konzept des Mißlingens. Denn nicht nur Wests Experimente mißlingen regelmäßig, bedenkt man, in welche jeweiligen Massaker sie am Ende der Filme geführt haben, sondern es mißlingt auch grundlegend jegliches Liebeskonzept. Ist es in den ersten beiden Teilen Daniel Cain, Wests Mitstreiter wider Willen, der sich verleibt und dessen Lieben dann meist den Destruktionsorgien irgendwelcher Untoter zum Opfer fallen, ist es in BEYOND RE-ANIMATOR Dr. Howard Philips – dessen Name wohl nicht von ungefähr an die Initialen Lovecrafts erinnern – dem am Ende nur der Wahnsinn bleibt, nachdem er Olnay in einem Akt der Nächstenliebe getötet hat. Natürlich hat er die Frau geliebt, keine Frage. Yuzna erteilt dem Muster der Romantic Comedy eine klare Absage. Mehr noch, er spuckt ihr ins Gesicht.

Wie dem auch sei, Yuznas Filme laden nicht wirklich dazu ein, tiefere Analysen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Funktion anzustellen. Sie sind, was sie sind. Basierend auf Lovecrafts Kurzgeschichte HOWARD WEST – RE-ANIMATOR, spielen sie mit dem Frankenstein-Mythos vom Mad Scientist, der sich in seiner Hybris anmaßt, auf eigene Faust Leben zu erschaffen und damit gottgleich zu werden. Der Bezug zu den bahnbrechenden FRANKENSTEIN-Filmen von James Whale (1931/35), ist aber in keinem der drei Werke so deutlich zu spüren wie in Teil zwei, der auch im Titel bereits Bezug auf BRIDE OF FRANKENSTEIN (1935) nimmt. Zugleich hatten die Filme immer auch einen Bezug zu den anfangs der 80er Jahre beliebten Zombie-Filmen. Denn das ist es, was West in erster Linie schafft: Zombies. Und offenbar haben die eben solchen Hunger auf Menschenfleisch, wie ihre Verwandten bei George A. Romero oder Lucio Fulci. Erklärt wird das nicht, aber Yuzna erklärt eh wenig. Es geht um den Spaß.

Und Spaß macht BEYOND RE-ANIMATOR, wie seine Vorgänger, schon. Er wirkt teurer, obwohl er ein niedrigeres Budget hatte als sein direkter Vorgänger, aber wies immerhin noch ein Produktionsvolumen von ca. 3 Millionen Dollar auf. Der Film wirkt aber auch recht glatt inszeniert, was man über BRIDE OF RE-ANIMATOR, Yuznas erst zweiter Regiearbeit, nicht unbedingt behaupten konnte. Man sieht BEYOND RE-ANIMATOR an, daß der Regisseur in den 90er Jahren eine Menge Erfahrung gesammelt hatte und sicherer mit dem Stoff umgeht, allerdings auch die technischen Feinheiten und Finessen des Filmhandwerks – Anschlüsse, Übergänge, Schnitt und Montage – besser beherrscht. Andererseits kann man dem Film wenig Originelles abgewinnen. Vielleicht auch deshalb treibt es Yuzna schließlich weit, wenn er neben anderen Extremitäten auch einen abgebissenen Penis ein Eigenleben führen und schließlich sich mit einer Ratte balgen lässt. Das lässt den Zuschauer lachen, ist in seiner pubertär-vulgären Art aber auch dazu angetan, daß man über sich selbst lacht, verwundert, was alles so zum Lachen animiert.

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