CODE AVA – TRAINED TO KILL/AVA

Ein nicht ungeschickt konstruierter Killer-Thriller

Ava Faulkner (Jessica Chastain) ist eine Auftragskillerin, die für ein Syndikat unliebsame Zeitgenossen aus dem Weg räumt. Diesmal wird sie nach Frankreich beordert, wo sie einen Geschäftsmann töten soll. Sie führt den Auftrag gewohnt professionell aus, doch bevor sie zur Tat schreitet, will sie von dem armen Kerl wissen, was er getan habe, um den Tod zu verdienen. Was Ava nicht weiß: Sie wird überwacht, ihr Gespräch mit dem Mann wird aufgezeichnet.

Ava fliegt nach Boston, woher sie stammt. Sie besucht ihre Schwester Judy (Jess Weixler), die sie acht Jahre nicht gesehen hat. Ava war nach einem Streit mit den Eltern einfach verschwunden. Nun wird sie nicht nur von ihrer Schwester angefeindet, weil diese u.a. mit dem Tod des Vaters und dessen Beerdigung allein fertig werden musste, sondern sie muß auch feststellen, daß Judy mittlerweile mit ihrem Ex-Freund Michael (Common) zusammen ist. Auch Michael ist perplex, seine alte Flamme wieder vor sich zu haben.

Ava besucht auch ihre Mutter Bobbi (Geena Davis), die im Krankenhaus liegt. Sofort entsteht eine enorme Spannung zwischen Mutter und Tochter. Bobbi rettet sich in Sarkasmen und lässt die Tochter nicht an sich heran.

Ava erhält durch ihren Verbindungsmann Duke (John Malkovich) einen neuen Auftrag. Sie soll nach Riad fliegen und dort eine weitere Zielperson eliminieren. Es handelt sich um einen General, dem sie ein Gift injizieren soll, da der Mann offiziell eines natürlichen Todes gestorben ist. Doch die Sache geht schief, zwei Leute vom Secret Service tauchen auf und Ava richtet ein Blutbad an als sie sich ihren Weg freischießt.

Sie fährt nach Frankreich, wo sie Duke trifft. Der ältere Herr ist Ava offensichtlich zugetan, muß aber dennoch die strengen Regeln der Organisation einhalten. Offen erklärt er ihr, daß im Hauptquartier auch darüber gesprochen worden sei, sie als unzuverlässig und damit frei zum Abschuss einzustufen. Doch habe er, Duke, dem einen Riegel vorgeschoben. Sie solle eine Weile abtauchen, die nächsten ein, zwei Aufträge müsse sie auslassen.

Ava fliegt erneut nach Boston, um die Streitigkeiten mit ihrer Familie auszuräumen. Der Grund, daß sie einst einfach verschwand, war eine Lüge ihres Vaters. Sie hatte ihn bei einem Stelldichein mit seiner Sekretärin erwischt, doch als sie ihn aufforderte, sich der Mutter zu stellen, erzählte er lieber eine diskreditierende Lüge über seine Tochter. Und Bibbi war nicht bereit, Ava anzuhören.

Während in Boston Familienstreitigkeiten ausgetragen werden, kontaktiert Duke Simon (Collin Farrell), der mittlerweile die Organisation führt, während Duke eine Art Ehrenvorsitzender ist. Doch sein Wort hat Gewicht. Und er verbietet einen Angriff auf Ava. Simon sieht die Sache anders, denn er hat Beweise, daß Ava „erneut damit angefangen habe“ – offenbar hatte sie auch in der Vergangenheit bereits mit Zielpersonen gesprochen um herauszubekommen, was diese getan haben könnten, daß jemand ihnen einen Killer auf den Hals schickt. Simon hält Ava für ein Sicherheitsrisiko. Duke, der Ava bereits einmal beschützt hat, legt seine Hand für sie ins Feuer. Auf ihn wirke sie vollkommen ausgeglichen. Simons Tochter Camille (Diana Silvers) – mittlerweile Simons rechte Hand – war es, die Ava abgehört hatte. Als Duke die Bänder hört, verlangt er erneut, daß Ava in Ruhe gelassen werde.

Die ist derweil damit beschäftigt, Michael aus den Händen der lokalen Banden-Chefin Toni (Joan Chen) zu befreien, die ihn durch heimliche Pokerspiele in der Hand hat, er sich hoch verschuldet. Ava muß sich im Laufe dieser Entwicklungen auch mit einigen von Tonis Männern anlegen, wodurch zumindest Michael kapiert, daß Ava nicht einfach nur eine herkömmliche Soldatin ist, sondern offenbar die Ausbildung in einer Spezialeinheit genossen hat.

Simon, der Duke sein Wort gegeben hatte Ava nicht zu behelligen, beauftragt nun den französischen Killer Alain (Efka Kvaraciejus), den er bereits seit Längerem auf Ava angesetzt hatte, diese zu töten. Doch sein Versuch schlägt fehl und Dukes Prophezeihung, daß es schwer werden könnte Ava auszuschalten, da sie nun einmal die Beste ihres Fachs sei, bestätigt sich.

Ava tötet Alain und weiß nun, daß sie auf der Abschußliste steht. Sie kontaktiert Duke und macht ihm deutlich, was sie von ihm und der Organisation hält. Doch Duke versichert ihr hoch und heilig, daß es nicht die Organisation gewesen sei, eher sei es Zufall, daß sie angegriffen wurde. Er stellt Recherchen an und kann Ava bald mitteilen, daß es sich bei Alain zwar um einen ehemaligen Elitekämpfer handle, er aber ins Drogenmilieu abgerutscht sei und es also offenbar nichts mit der Organisation zu tun habe.

Dann sucht Duke Simon auf und stellt ihn zur Rede. Er erklärt ihm, daß er Simon lesen könne wie ein Buch und genau gewusst hätte, daß dieser Ava eine Falle stellen würde. Aber er sei nicht bereit, das zu dulden. Er, Duke, habe sie beide – Simon und Ava – ausgebildet und zu dem gemacht, was sie seien, noch habe er Gewalt über sie. Simon gibt sich jovial und scheint sich sogar entschuldigen zu wollen, doch dann greift er Duke an, es kommt zu einem Kampf an dessen Ende Simon Duke tötet.

Ava trifft sich noch einmal mit ihrer Mutter und erfährt dabei, daß diese immer wusste, daß Ava recht hatte und der Vater log. Doch habe sie Angst davor gehabt, die Konsequenz zu ziehen, Angst gehabt, allein zu sein. Deshalb habe sie geschwiegen. Und aus dieser Erfahrung heraus wolle sie gar nicht wissen, was Ava wirklich treibe. Sie könne damit leben, daß sie ihre Tochter zufrieden wisse.

Simon nimmt telefonisch den Kontakt zu Ava auf. Beide können sich durch ihre Codes identifizieren, doch muß Simon feststellen, daß Ava noch nie von ihm gehört hat. Duke hat ihn ihr gegenüber komplett verschwiegen. Simon schickt während des Gesprächs Bilder auf Avas Handy, die Dukes letzte Momente und seinen Tod zeigen. Simon erklärt Ava, daß er sie werde töten müssen.

Doch ahnt er, daß nur er den Job, Ava aus der Welt zu schaffen, ausführen kann, da nur er über ähnliche Kampffähigkeiten verfügt. Er dringt in ihr Appartement in New York ein und die beiden stellen einander. Es kommt zum Kampf, der beide bis zum Äußersten fordert. Als in dem Hochhaus, in dem Ava wohnt, der Feueralarm ausbricht, fliehen beide. Simon erklärt ihr, daß er sie töten werde, wenn er sie je wiedersehen müsse.

Ava verfolgt Simon und tötet ihn. Dann sucht sie Judy und Michael auf. Judy ist schwanger, was Michael die letztliche Entscheidung, für welche der Schwestern er sich entscheidet – es kam zu einem kurzen Geplänkel zwischen ihm und Ava – leicht gemacht hat. Ava gibt den beiden Geld und erklärt ihnen, sie sollten das Land verlassen. Judy will entgeistert wissen, wer Ava eigentlich ist, die antwortet nur, sie sei jemand, den ihr Kind nicht kennen sollte. Michael händigt Ava einen Brief aus, der für sie an diese Adresse geschickt wurde. Er ist von Duke, der Ava versichert, glücklich zu sein, auch wenn er tot ist.

Ava geht. Sie verlässt das Haus und strebt einem unbekannten Ziel zu. Camille löst sich aus den Schatten der Nacht und folgt ihr.

Auftragskiller erledigt Job, wird aber von den eigenen Auftraggebern zum Abschuss frei gegeben. Die Story ist mittlerweile uralt. Man kennt sie aus Robert Siodmaks THE KILLERS (1946), basierend auf einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, man kennt sie natürlich aus Jean-Pierre Melvilles LE SAMURAÏ (1967), wo Alain Delon den Prototypen des modernen Killers – zumindest auf der Leinwand – gab, sie kommt einem bekannt vor aus Michael Winners SCORPIO (1973), wo es erneut Delon war, der diesmal seinen Mentor Burt Lancaster erledigen soll, und wenn man genauer drüber nachdenkt, gibt es mindestens noch zwei Dutzend Filme, die sich dieses Musters bedienen. Ein alter Hut, denkt man und ist darob bereit, einen Film wie AVA (2020) zu übersehen, der das Prinzip scheinbar erneut aufgreift und lediglich auf links dreht, indem es nun eine Killerin ist, die sich ihrer Auftraggeber erwehren muß.

Doch einmal davon abgesehen, daß Tate Taylors Werk eine gehörige Portion Spannung und Action bietet, ließe man sich damit doch eine der besseren Varianten dieser Geschichte entgehen. Denn Drehbuchautor Matthew Newton versteht es recht gut, die etwas abgedroschene Story mit einem Familiendrama zu kombinieren, das erstaunlich ernsthaft und dadurch überzeugend daherkommt. Erst recht, da Taylor mit Jessica Chastain, John Malkovich, Colin Farrell und der doch etwas in die Jahre gekommenen Geena Davis ein Ensemble beieinanderhat, das sich sehen lassen kann und den Film ernst genug nimmt, überzeugende Leistungen abzuliefern, zugleich aber nicht zu ernst, um der Sache mehr Dramatik zu verleihen, als unbedingt nötig. Chastain scheint die Sache immerhin ernst genug genommen zu haben, um den Film gleich selbst zu produzieren, bzw. mit zu produzieren.

Diesmal wird die bekannte Handlung also um das Element erweitert, daß die Killerin (Chastain) in ihre Heimatstadt Boston zurückkehrt, um alte Familienangelegenheiten in Ordnung zu bringen. Streit mit der Mutter (Davis) und der Schwester, die mittlerweile mit dem Ex der Killerin liiert ist – der Probleme gibt es einige. So wird die Action immer wieder von ruhigen Passagen unterbrochen, in denen sich die Schwestern auszusprechen versuchen, es natürlich die obligatorische Annäherung an den Ex gibt, der aber seine Pflichten kennt und seine neuere Freundin nicht verlässt, hat diese doch eben erst festgestellt, daß sie schwanger ist, und selbstredend kommt es zwischen Mutter und Tochter zu der entscheidenden Aussprache, die auch erklärt, weshalb die Killerin acht Jahre verschwunden war und in dieser Zeit bei der Armee zur veritablen Tötungsmaschine ausgebildet wurde. Ebenfalls zu den ruhigeren Momenten sind jene zu zählen, in denen sie mit ihrem Führungsoffizier (oder Verbindungsmann – die Struktur der Organisation, die hier die Morde anordnet, scheint eher ökonomischer denn militärischer Natur zu sein) spricht, den Malkovich in Anlehnung an manche dubiose Rolle spielt, die er bereits in seiner Laufbahn verkörpert hatte. Die Dialogpassagen geben sich allergrößte Mühe, dem Familiendrama gerecht zu werden. Was auch zumeist gelingt.

Sicher, die Anlage, die Konstruktion des Ganzen, mag schnell ein wenig lächerlich, weil sehr gewollt wirken, doch weiß Taylor sehr genau, wann und wie er das Spektakel zu zünden hat, damit der Zuschauer nicht zu lange darüber nachdenkt, was er da eigentlich en détail serviert bekommt. So darf Chastain mehrfach ihre Ausbildung als Martial-Arts-Kämpferin vorführen und dabei einige Gegner ausgesprochen brutal vom Leben zum Tode befördern, auch ihre Waffenkünste können sich sehen lassen und Kameramann Stephen Goldblatt versteht es, die Action recht gut in Szene zu setzen. Natürlich hat man auch das alles schon besser und noch effektiver inszeniert gesehen, doch ist es billig, reine Actionstreifen wie die JOHN WICK-Reihe (2014ff.) heranzuziehen, um einen Film wie AVA dadurch zu diskreditieren. Denn gerade die Reihe um den Killer, der immer aussteigen will und dann immer wieder gezwungen wird, am großen Spiel teilzunehmen, ist ausschließlich auf Action angelegt und überzeugt darüber hinaus lediglich durch die extreme Härte, die angeschlagen wird. AVA gibt sich – gerade im Vergleich zu der Reihe mit Keanu Reeves – ersichtlich Mühe, keinen Comiccharakter zu bieten, realistisch in Figurenzeichnung und Szenario zu sein und eine glaubwürdige Begründung abzuliefern, weshalb Chastains Charakter einst abgehauen ist und zum Militär ging. Zudem, auch das sollte in der Beurteilung bedacht werden, verfügte die Produktion nicht über ein Budget, wie es heutzutage schon normal ist bei einem Actionfilm.

Diese Mängel gleicht das Drehbuch weitestgehend aus. Der Konflikt in Avas Familie ist vergleichsweise glaubwürdig dargestellt, auch wenn man den Verrat, den ihr Vater an Ava begangen hat als Motiv ihres jahrelangen Verschwindens nur mit etwas Mühe zu akzeptieren bereit ist. Doch das Konstrukt „Killer kehrt Heim und klärt alte Familiengeschichten“ ist so nicht häufig behandelt worden. George Armitages GROSSE POINTE BLANK (1997) konnte sich nie entscheiden, ob er eine ähnliche Ausgangslage nun als Komödie oder doch eher als melancholischen Abgesang auf die Jugend inszenieren sollte und entschied sich schließlich zu irgendwas plus einen Anteil Romantic Comedy. Matthew Newton weiß, daß er hier mehr bieten muß als eine Art weiblichen James Bond, eine Superheldin, die schier unbesiegbar alles niedermetzelt, was sich ihr in den Weg stellt. Das hätte dann allerdings ausgesehen, wie ein JOHN WICK auf feminin getrimmt. So entscheidet er sich dafür, Ava menschlich zu machen. Wozu auch ihre Professionalität gehört. Diese Paarung von verletztem Mädchen und eiskalter Mörderin gibt der Figur schon etwas Abgründiges und lässt den Betrachter sich fragen, an welchem Punkt bei dieser Frau wirklich die Sicherungen rausspringen und wozu sie dann fähig ist? In gewisser Weise nämlich muß man an Maya denken, jene CIA-Agentin, die Chastain in Kathryn Bigelows ZERO DARK THIRTY spielte. Könnte es sein, daß Ava schlicht Maya in einer späteren Lebensphase ist? Das Schlußbild in Bigelows Film zeigte die zusammengekauerte Maya im Frachtraum einer riesigen Transall-Maschine. Auf die Frage, wo sie hinwolle, konnte sie dem Maschinisten an Bord keine Antwort geben. Ava wirkt wie Maya, die sich besonnen und einen, sagen wir: speziellen Weg eingeschlagen hat.

Ob Drehbuch, Regie oder gar Chastain als Produzentin des Films solche Assoziationen im Sinn hatten, sei dahingestellt. Dem aufmerksamen Zuschauer drängen sie sich fast zwangsläufig auf. Daß AVA gegenüber ZERO DARK THIRTY der schwächere Film ist, muß wahrscheinlich nicht extra erwähnt werden. Als Agenten-Thriller funktioniert er allerdings erstaunlich gut, auch wenn die beiden behandelten Geschichten – die verfolgte Killerin einerseits und die Familiengeschichte andererseits – kaum Berührungspunkte haben. Es gelingt Regisseur Taylor erstaunlich elegant, beides zu seinem Recht kommen zu lassen und die ganze Zeit den Eindruck zu vermitteln, beide Handlungsstränge liefen nahezu organisch nebeneinanderher, bzw. zusammen. So entsteht hier ein gehobener Actionreißer, der zugleich zumindest ansatzweise zum Nachdenken anregt. Was ja auch nicht immer der Fall ist bei Werken dieses Metiers.

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