OUTBREAK – LAUTLOSE KILLER/OUTBREAK

Wolfgang Petersen lässt einen unbekannten Virus auf die USA los

1967, irgendwo im Dschungel des Kongo. Ein Spezialistenteam der U.S.-Armee trifft in einem Dorf ein, wo sich ein unbekanntes Virus ausgebreitet hat, das rasant tötet. Die Virologen nehmen Proben, geben Tipps und versprechen schnelle Hilfe. Dann fliegen sie wieder weg. Kurz darauf wird das Dorf durch eine Bombe zerstört.

In der Gegenwart tritt das als vernichtet angesehene Virus erneut in der Kongo-Region auf. Brigade General Billy Ford (Morgan Freeman) schickt seinen Freund und Untergebenen Colonel Sam Daniels (Dustin Hoffman), der sich gerade in einer schmerzhaften Trennung von seiner Frau Robby Keough (Rene Russo) befindet, in das Krisengebiet. Daniels, der bei seinem Freund und Mitarbeiter Major Casey Schuler (Kevin Spacey), wie auch bei seinen Vorgesetzten als jemand gilt, der schnell zu Alarmismus neigt, gibt noch auf dem Rückflug Anweisungen, daß man sich auf eine größere Epidemie, möglicherweise eine Pandemie gefasst machen müsse.

Zurück in seinem Labor auf einer Militärbasis für biologische Waffensysteme entdeckt Daniels, daß man es mit einem neuartigen Ableger des Ebola-Virus zu tun hat. Er ahnt nicht, daß dieses Virus Ford und anderen – vor allem General Major Donald McClintock (Donald Sutherland) – längst seit dem Ausbruch 1967 bekannt ist.

Derweil bringt ein Matrose auf einem Frachtschiff einen Affen an die Westküste der USA mit, den er dort illegal verkauft. Ein Hafenarbeiter schmuggelt das Tier mit Hilfe eines Zollangestellten aus dem Hafengelände und bringt ihn zu seinem Mittelsmann, dem Betreiber einer Zoohandlung. Am selben Abend fliegt der Arbeiter gen Boston, wo seine Freundin lebt. Schon im Flugzeug zeigt er starke Grippesymptome. In Boston angekommen, infiziert er schnell seine Freundin. Beide liegen auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Robby Keough, die seit Kurzem Leiterin einer Abteilung des CDC, der amerikanischen Behörde zur Seuchenbekämpfung, -kontrolle und -prävention in Atlanta ist, trifft mit ihren Leuten in Boston ein. Doch bevor ihr der junge Mann und seine Freundin irgendwelche Informationen hinsichtlich der Infektionswege und der Ansteckung geben können, sterben die beiden.

In der kalifornischen Kleinstadt Cedar Creek, wo das Tier schließlich gelandet ist, und kurzzeitig in einer Zoohandlung unterkam, bevor der Hafenarbeiter es wieder mitnehmen musste, da der Verkäufer einen anderen Affen wollte und dieser zudem aggressiv wirkt, und er im Wald ausgesetzt wurde, kommt es ebenfalls zu Infektionen. Daniels bittet Ford, dort hin geschickt zu werden, doch der lehnt dies ab. Stattdessen schickt er ihn zu einem minderschweren Fall einer Infektionskrankheit im Südwesten der USA. Doch Daniels widersetzt sich dem Befehl und fliegt mit seinem Team nach Kalifornien. Auch Robby trifft mit ihrem Team dort ein und die Ehepartner in Scheidung müssen nun zusammenarbeiten, wobei ihre familiären Konflikte immer wieder aufscheinen.

Doch auch das Militär rückt in die Stadt ein und riegelt sie ab. Eine Ausgangssperre wird verhängt und McClintock denkt bereits über radikale Maßnahmen nach, wie man die Stadt und damit das Virus vernichten kann. Dabei denkt er an eine ähnliche Waffe wie einst im Kongo – eine sogenannte Aerosolbombe, die jegliche Luft aus einer definierten Umgebung saugt. Auch den bereits entwickelten Wirkstoff gegen das Virus will McClintock zunächst nicht freigeben.

Durch Zufall entdeckt Daniels, daß das Virus mutiert sein muß, denn auf einmal sind auch Patienten auf isolierten Stationen, die in keinerlei Berührung mit den durch das Virus Infizierten gekommen sind, erste Fälle aufgetreten. Er begreift, daß das Virus nun offenbar auch durch die Luft übertragen werden kann. Zugleich taucht plötzlich doch das Gegenmittel zu dem ursprünglichen Erreger auf – Ford hat sich über die Anweisungen seines Vorgesetzten McClintock hinweggesetzt. Zwischen Daniels und Ford kommt es nun zu einer Auseinandersetzung, da sich Daniels von seinem Freund hintergangen fühlt, Ford zieht sich auf die Position des Vorgesetzten in einer militärischen Befehlskette zurück.

Daniels und sein Adjutant, Major Salt (Cuba Gooding Jr.), beginnen damit, dem Virus nachzuspionieren. Sie vermuten ein Wirtstier, das selber immun gegen die Erkrankung ist. Sie fliegen nach San Francisco, wo sie im Hafen das Schiff ermitteln und es gelingt ihnen, herauszufinden, wie der Affe an Land kam. Dazu fliegen sie hinter dem Schiff her und Daniels geht mit einem beherzten Sprung vom Hubschrauber aufs Deck an Bord. Auch auf dem Schiff hat es nun den ersten Toten gegeben. Zurück an Land setzen er und Salt ihre Suche fort, indem sie ein Fernsehstudio unter Waffengewalt kapern und live im Fernsehen ein Bild des Affen zeigen, das Daniels auf dem Schiff gefunden hat.

So wird eine junge Mutter aufmerksam, deren Tochter seit Tagen wieder und wieder im Garten mit einer „Betsy“ spricht und diese auch zeichnet – ein kindlich gemalter Affe, der dem, den Daniels im Fernsehen präsentiert sehr ähnlichsieht. Sie informiert das Militär und Daniels und Salt begeben sich zum Haus der Familie, immer mit ihren Häschern von der Armee auf den Fersen, da Daniels mittlerweile als Querulant und Quertreiber gilt und gesucht wird. Im Garten des Hauses gelingt es Salt schließlich mit Hilfe des Kindes, den Affen zu betäuben.

Nun haben Daniels und Salt, was sie brauchen, um einen Wirkstoff herzustellen, der dem Virus Einhalt gebieten kann. Auch Robby und Casey haben sich mittlerweile – beide waren unermüdlich im Einsatz bei der Behandlung der Patienten und sind gnadenlos übermüdet – angesteckt. Es ist also höchste Zeit, um ein Gegenmittel zu finden. Für Casey kommt allerdings jede Hilfe zu spät. Robby sitzt an seinem Sterbebett und ihr alter Freund erklärt ihr, daß sie Daniels noch einmal in ihr Leben lassen müsse, weil er sie so liebe.

McClintock hat mittlerweile den Befehl vor Ort übernommen und eine Maschine mit der Bombe in Bewegung gesetzt. Daniels und Salt starten erneut und fliegen ihr entgegen. Es kommt zu einem Showdown in der Luft, bei dem Salt zunächst die überlegenen Armeehubschrauber abhängen kann, in denen auch McClintock sitzt, sich dann der anfliegenden Maschine entgegenstellt. Daniels spricht über einen offenen Kanal in den Äther und erklärt, daß man ein Gegenmittel habe und die Stadt auch so retten könne. Es sei nicht notwendig sie zu bombardieren.

Ford enthebt McClintock, der seine Untergebenen allesamt für sentimental hält, befände man sich schließlich im Krieg und da gäbe es nun einmal Verluste, auch zivile, des Kommandos und erklärt über Funk, was die Bomberpiloten auf keinen Fall tun dürften, weil sie sonst ihren Befehl nicht ausüben würden. De facto hat er ihnen damit aber genau die Anweisungen gegeben, die ihnen einen Ausweg aus ihrer moralisch mißlichen Lage weisen.

So werfen die Piloten die Bombe schließlich über dem Meer ab und retten die Stadt.

Daniels und Salt kehren zurück und schnell wird ein Mittel hergestellt, daß sich als wirksam erweist. Als Robby erwacht, sitzt Daniels an ihrem Bett. Ob sie es noch einmal mit ihm versuchen würde, fragt er sie. Sie nickt.

Der wahre Grusel geht nicht von Ungeheuern oder Monstern aus, der wahre Horror kommt aus uns selbst. Eine alte Weisheit. Der Horrorfilm machte sich dies in den 60er und 70er Jahren zu eigen und lieferte ab nun Serienkiller und Massenmörder, deren psychische Dispositionen uns kalte Schauer über den Rücken jagten. Aber daß in uns auch etwas ganz anderes schlummern könnte – auch diese Erkenntnis nutzte Hollywood bald. Viren, Infektionen, Bazillen aller Art tauchten im Genre der Science-Fiction, aber auch in Horrorfilmen auf, umso verwunderlicher, daß der Katastrophenfilm lange brauchte, bis er dieses Feld entdeckte. In den 90er Jahren tauchten in den Nachrichten immer wieder Berichte über das Ebola- und das Marburg-Virus auf, die sich in abgelegenen Teilen Afrikas ausbreiteten und schnell und furchtbar töteten. Organe, die sich auflösen, Blutungen aus Augen, Ohren, Nase und Mund, Infektionen, die so schnell gingen, daß die Mediziner und Virologen gar nicht hinterherkamen.

Der Deutsche Wolfgang Petersen – einer der wenigen deutschen Regisseure, die sich nach dem 2. Weltkrieg in der Traumfabrik durchsetzen konnten – nahm sich schließlich des Themas an. OUTBREAK (1995) erzählt vom Ausbruch eines unbekannten Virus in einer kalifornischen Kleinstadt, das rasend schnell um sich greift und die Menschen in Windeseile tötet. Mit einem Starensemble – Dustin Hoffman, Rene Russo, Morgan Freeman, Kevin Spacey, Donald Sutherland – nimmt Petersen den Kampf auf. Und es ward ein wahrlich heroischer Kampf! Petersen liefert einen ungeheuer spannenden, auch heute noch packenden Film, lässt dabei allerdings kein Klischee aus, das man sich so vorstellen kann. Die Armee weiß um das Virus, hält jedoch ein Gegenmittel zurück, da man sich im Besitz der perfekten biologischen Waffe wähnt. Es gibt den bösen General (Sutherland) und den guten General (Freeman), der sich ihm letztendlich entgegenstellt. Die beiden maßgeblichen Virologen – Hoffman und Russo – leben in Scheidung und müssen sich zusammenraufen, um gemeinsam die Bedrohung zu bekämpfen, was natürlich auch dazu führt, daß sie sich wieder näherkommen. Ihr bester Freund – natürlich ein brillanter Denker (Spacey) – muß im Laufe der Handlung sterben, damit wir die Dringlichkeit auch wirklich begreifen. Und schließlich läuft alles auf einen Showdown hinaus, da der böse General die Stadt, die als Epizentrum der Krise ausgemacht wurde, mit einer Bombe auslöschen will.

Das gute an Klischees ist, daß sich der Zuschauer auf gewisse ihnen zugrunde liegende Regeln verlassen kann. Dustin Hoffman stirbt nicht in einem solchen Film. Als er noch anspruchsvolle Filme drehte – bspw. MIDNIGHT COWBOY (1969) – mag das anders gewesen sein, doch niemals würde er in einem Film wie OUTBREAK sterben. Und da er von Russo nicht erfahren hat, wo die gemeinsamen Hunde abgeblieben sind, können wir sicher sein, daß auch sie nicht sterben wird. Das gute an Klischees ist auch, daß bestimmte Fälle schlicht nicht eintreten können. Wenn Hoffman und sein von Cuba Gooding Jr. gespielter Adlatus Major Salt im großen Finale in einem kleinen Hubschrauber gegen die Maschine antreten, die die Bombe transportiert und Hoffman eine emotionale Ansprache an die beiden Piloten hält, dann dürfen wir davon ausgehen, daß die Bombe nicht auf die Stadt abgeworfen wird. Solche Sicherheiten erlauben es dem Regisseur, im Verlauf der Story durchaus Härten zu zeigen. Petersen macht davon dann auch ausgiebig Gebrauch. Schon der Auftakt in Afrika im Jahr 1967, wo das Virus erstmals auftritt und das Dorf wirklich per Bombe vernichtet wird, zeugt von seinem Willen, das Publikum nicht nur zu schonen. Er zeigt uns grässlich entstellte Sterbende und macht auch nicht Halt davor, menschliche Härten darzustellen. Da werden im Verlauf der Handlung Familien auseinandergerissen, es werden bestimmte Personen aufgegeben, weil sie nicht mehr zu retten sind, die Krankheitsverläufe und Sterbeprozesse werden recht drastisch dargestellt.

Im Kern hat man es also mit einem klassischen Katastrophenfilm zu tun, erzählt wird dies jedoch als eine Mischung aus Drama, Thriller und Kriegsfilm. Rasant wechseln die Schauplätze, die Kamera – Michael Ballhaus war hier verantwortlich – rast durch Quarantänestationen oder über die Wälder um die Stadt, das Drehbuch scheut sich nicht, uns einen Haufen Figuren in schnellstmöglicher Folge vorzustellen, unterbrochen wird das ständige Hin und Her durch Momente, in denen uns entweder die Ärzte oder die Militärs die Gefahr, ihr Vorgehen oder die Entwicklungen immer wieder erklären, damit wir den Überblick behalten. Denn das Virus mutiert, wir haben es schließlich mit dem Ur-Virus und einer zweiten Variante zu tun, was die Hatz nach einem Gegenmittel umso spannender macht.

Ballhaus´ Kamera und die Abteilung für Spezialeffekte leisten teils großartige Arbeit. Ballhaus Fahrten wurden bereits oben erwähnt, doch gelingen ihm auch atemberaubende Aufnahmen der Verbreitung des Virus, wenn er mit der Kamera den Tropfen folgt, die ein Infizierter in einem Kino bei einem Niesanfall von sich gibt und die sich im Raum ausbreiten. Wir fliegen durch die Luft und landen schließlich im Mund einer anderen Person – besser kann man kaum darstellen, wie eine Infektion sich ausbreitet. Gleiches gilt, wenn mit der Kamera durch die Belüftungssysteme der Klinik, wo das Notfallzentrum eingerichtet wurde, und wir – gemeinsam mit Dustin Hoffman – begreifen, daß sich das (mutierte) Virus nun doch über die Luft ausbreitet. Generell hat man in diesem Film den Eindruck, daß die Kamera nicht einen Moment stillsteht.

Es ist diese Rasanz, die das Gelingen des Films ausmacht, denn die eher rudimentäre Handlung bietet wenig Überraschungen und wirkt, wie viele vergleichbare Action- oder Katastrophenfilme der 90er Jahre – wie am Reißbrett entworfen. OUTBREAK ist ein zwar spannender, aber durch und durch kalkulierter Film, der genau weiß, wann er welche Register ziehen muß, um den gewünschten Effekt zu erzielen. So vertieft Petersen weder die Konflikte und lässt alle sozialen oder ökonomischen Implikationen weitestgehend außen vor. Sein Film handelt von einer Krise und ihrer Bekämpfung, er emotionalisiert den Zuschauer massiv. Die Rolle des Militärs wird erst recht nie in Frage gestellt. Trat die Armee in einem Film wie George A. Romeros THE CRAZIES (1973) in ihren Schutzanzügen als unheimliche, unnahbare Macht auf, so sind das Auftreten und die Maßnahmen hier – Abriegelung einer Stadt, Ausgangssperre, etc. – des Militärs hier schlichte Notwendigkeit. McClintock ist ein zynisches Schwein, der jeden, der seinen Anweisungen die Stadt zu vernichten und die dabei getöteten Zivilisten als Kollateralschäden in einem Krieg zu betrachten widerspricht, als sentimental abtut. Freeman setzt sich dagegen zur Wehr und da Hoffman selbst ebenfalls zur Armee gehört, wird die Institution als solche nie in Frage gestellt.

Um Plausibilität schert sich Petersen dabei im Grunde gar nicht. Bedenkt man, wie lang es realiter dauert, ein Gegenmittel für Viren zu finden, zu entwickeln und dann in einen Impfstoff zu verwandeln, von der Produktion desselbigen einmal ganz zu schweigen, ist das Ende des Films – der Wirt, ein Affe, wird gefunden, untersucht und schnurstracks wird aufgrund der früheren Gegenmittel aus den Armeebeständen ein Impfstoff entwickelt und ebenso schnell in Massen produziert – schlichtweg Blödsinn. Aber da wir es mit einem Unterhaltungsfilm aus Hollywood zu tun haben, kann ein Filmemacher natürlich einen solchen – im Kern zynischen – Weg wählen.

Wolfgang Petersen wollte und hat einen reinen Unterhaltungsfilm gedreht, der mit Urängsten spielt, den Zuschauer in leichte Panik und wohliges Schaudern versetzt und ihn nach gut zwei Stunden Laufzeit beruhigt in den wohlverdienten Samstagabend entlässt. Dagegen ist nichts zu sagen, solange man Filme wie OUTBREAK nicht eine Minute ernstnimmt oder ihnen gar tiefgreifendere Anliegen unterstellt. Die nämlich gibt es hier nicht. Es sei denn, man will die eher reaktionäre Sichtweise auf Institutionen und ihre Maßnahmen als Anliegen bezeichnen. Doch selbst das funktioniert hier nicht, denn die Armee, wie der Film sie darstellt, ist letztlich Mittel zum Zweck, um die Handlung um gewisse verschwörungstheoretische Ansätze zu erweitern und die Spannung auf einer zweiten Ebene zu erhöhen. OUTBREAK ist Kolportage, Comic, eben Unterhaltung. Als solche funktioniert der Film hervorragend, weil er technisch hervorragend gemacht ist und keinen Moment lang mehr sein will, als das, was man zu sehen bekommt.

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